Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Macht – real und philosophisch die 2.

Wo Liebe ist, fehlt die Macht. Wo nur Macht ist, fehlt die Liebe und die Mitmenschlichkeit. Wo nur Macht ist, herrscht die Gier. Und Gier ist unersättlich, letztlich nicht zu befriedigen. Diese Spirale führt zum Unglück. Das lässt sich in der Geschichte wiederholbar ablesen. Wozu dann Macht? Um Herrschaft zu stürzen? Dazu braucht es oft genug Gewalt. Um Herrschaft zu erhalten? Mit wieviel Gewalt und auf welche Weise? Wer legitimiert die MACHT? Ist Zusammenleben auch ohne Macht möglich? Was ist dann Erziehung? Wie soll dann eine Gesellschaft in einem Staat miteinander auskommen?

Jürgen Habermas setzte auf eine Welt ohne Macht. In seiner Diskurstheorie entwarf er ein Ideal einer Macht und Hierarchie freien Kommunikationsform. Das hat bisher nicht funktioniert. Sein Verdienst ist aber die Erkenntnis, dass im Diskurs über die Macht in ihren Ausformungen miteinander gesprochen wird. Eine Macht, die nicht bezeichnet wird, ist für das Zusammenleben zerstörend. Eine Macht, die sich geheim gebärdet (NSA und EU-Vertragsverhandlungen zu CETA, TTIP und TiSA), ist eine potenzierte Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft. In welcher Differenzierung ist Macht z.B. zu Herrschaft, Autorität, Gewalt und Manipulation zu sehen?

Definitionen von Macht:

  • Jemand (A) hat MACHT über einen anderen (B), wenn A seinen Willen gegen den Widerstand von B durchsetzt. (Nicht selten mit Gewalt! Zum Terror wird diese Macht z.B. beim IS).
  • A hat MACHT über B, wenn er B dazu bringt, etwas zu tun, was er nicht will und sonst nicht tun würde. (Nicht selten mit Gewalt, aber auch Kraft seiner Autorität oder im Erziehungsprozess durch Lob und Tadel oder andere Methoden).

So oder ähnlich hatten Thomas Hobbes und Max Weber ihre Definition von Macht ebenfalls beschrieben. Beispiele für die Realiserung dieser Machtdefinition sind die Steuergesetze eines Staates, die Hegemoniebestrebungen von Weltmachten á la USA, China u.a., die mit Waffen (Flugzeugträger, Drohnen etc.) ihre Ordnungsvorstellungen umsetzen wollen.

  • A hat MACHT über B, wenn A die Regeln bestimmt. (Politik / TTIP-Vertrag mit Schiedsgerichtsbarkeit etc.)
  • A hat besonders dann MACHT über B, wenn A die Werte (ggf. heimlich sprachlich besetzt wie sooft bei Lobbyisten) und Prozesse bestimmt, die bei Entscheidungen eine Rolle spielen, an den B scheinbar mitwirkt. (Beispiel: ein Unternehmen wie Apple, dass mit dem IPhone lange Zeit den Markt für smartphones dominierte, weil es die Botschaft unters Volk brachte, wie ein smartphone zu sein hat  / wenn dem Bürger eingebleut wird, dass mit der Wahl alle 4 bis 5 Jahre sein Mitwirken zum Demokratieerhalt beiträgt, aber er auch damit seine Mitwirkung schon erfüllt habe! So soll er bloß nicht auf die Idee kommen, weitere Mitwirkung in Form von Volksabstimmungen zu fordern!).
  • A hat MACHT über B, wenn A die Wünsche und den Willen von B gestaltet und B meint, er tue dies aus freiem Willen (Werbung, Politik in perfider Form, Social Media-Formen etc.).

Michel Foucault hat in seinen Ausführungen zur Macht (“Überwachen und Strafen”) von “drei Technologien der Macht” geschrieben. Sie ähneln denen, die zuvor aufgeführt wurden als:

  1. MACHT setzt Willen von A  gegen den Willen von B durch.
  2. MACHT setzt dem Willen des anderen die Regeln und die Rahmenbedingungen.
  3. MACHT manipuliert den Willen des anderen, der noch meint, er habe seinen eigenen Willen.

Foucault nannt seine “drei Stufen der Macht”:

  1. Souveräntitätsmacht (Gewalt der Waffen; Einschüchterung durch öffentliche Folterung und Hinrichtung. Die Wirkung ist Terroreffekt.)
  2. Gesetzesmacht (Staatsräson, Macht der Regelsetzung)
  3. Disziplinarmacht (Macht der Normen, Besetzung der sprachlichen Begriffe -z.B. wenn die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” von sozialer Marktwirtschaft redet, aber Neoliberalismus meint!) Sie greift nach den Ideen und den Gedanken, dressiert das Verhalten. Überwacht und kontrolliert das Verhalten der Menschen (NSA / aber auch google und vor allem facebook u.ä. Netzwerke; Religionen, die nicht Gewalt frei sind) , verwaltet den Menschen und benutzt seine Daten als Ware.

Nach Foucault durchdringt MACHT unsere Gesellschaft vom öffentlichen bis in den privaten Bereich.

“Die Perfektion der Macht vermag ihre tatsächliche Ausübung überflüssig machen”,

beschreibt Foucault die höchste Stufe der Machtausübung. (Putin: Ich könnte, wenn ich wollte…) Das alles funktioniert nur, wenn B sich fügt. Macht funktioniert dann am besten, wenn der Mensch “eindimensional” wird. Herbert Marcuse definierte unsere Industriegesellschaft(*), dass das Geflecht aus Wirtschaft, Politik und Medienkonzerne die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen bestimmt.(*sprich: moderne Gesellschaft, auch jene der globalen IT-Gesellschaft)

MACHT setzt somit Einschränkung und Manipulation der Interessen voraus. Dennoch hat jeder die Freiheit, sich zu entscheiden. Die Verantwortung für das eigene Verhalten hat jeder selber. MACHT setzt letztlich in seiner perfidesten Form Freiheit voraus. Ansonsten wäre es reiner Zwang, wie der IS es mit seinen Terroraktionen versucht.

Michel Foucault hat in seinem Spätwerk MACHT als ein System von Strategien verstanden, mit denen A (Politik/Staat) den B (Bürger) zu lenken und zu bestimmen versucht, ausgeformt als Institutionen mit Einfluss auf die gesellschaftlichen Normen und Konventionen. MACHT in dieser Ausformung nennt Foucault dann “Gouvernementalität”, welche als systemische Variante dann Auswirkung auf die Identitätsbildung des Einzelnen hat.

Einfluss auf die Lebensentwürfe zu nehmen (wie wollen wir leben?) und dafür die Rahmenbedingungen zu setzen (und TTIP u.a. Handelsabkommen sind Rahmenbedingungen, jedoch vorteilhaft nur für eine kleine Gruppe der Gesellschaft!), dass ist MACHT in Form von rechtlichen Regelungen, die wenige nur definiert haben (Handelskommissar und EU-Rat). Die propagierten Auswirkungen für die Gesamtheit der Gesellschaft (perfide als “Sorge um sich”-definiert), nennt Byung-Chul Han in seinem neuesten Buch “Psychopolitik”. Dort formuliert Han, dass der Neoliberalismus genau diese “Sorge um sich” vereinnahmt hat.

Han stellt die These auf, dass MACHT durch die von Foucault als “Disziplinarmacht” definierte Form sich zeigt, dass die Menschen sich in innere Leistungs- und Optimierungszwänge unterworfen haben, die als Freiheit interpretiert wird. (Ob als Teilnehmer bei facebook, immer glaubt der Einzelne, er habe die MACHT über seine Daten, weil er nichts zu verbergen habe. Dabei liefert er sich freiwillig der Ausbeutung und der Beeinflussung dieser Netzwerke aus. Das neoliberale Konzept ermöglicht aber die Manipulation des Willens, bei gleichzeitigem Glauben, er (B) habe noch seinen freien Willen!)

Hannah Arendt hält MACHT für die Politik für unverzichtbar. MACHT ist für sie eine soziale Folgerichtigkeit: “MACHT ist in der menschlichen Natur angelegt und ist Ausdruck der Fähigkeit, nicht nur zu handeln, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln. Über MACHT verfügt niemals nur ein Einzelner!” (Das gilt auch und gerade für eine Demokratie. Sich für eine Volksgesetzgebung (Volksabstimmungen zu legitimieren)einzusetzen und diese einzuführen,  ist auf diesem Wege möglich und notwendig.)

Nietzsches “Wille zur Macht” sei hier nur am Rande erwähnt, weil sein Konzept zu sehr missbräuchlich genutzt wurde durch die Naziherrschaft. So formulierte er klar: “Macht ist mehr als die Herrschaft des Zwangs. Dem Zwang liegt nur am Ergebnis, er ist zufrieden, wenn die Dinge nach seinen Vorstellungen laufen. Die MACHT ist zufrieden und ihr liegt daran, dass die Dinge nach ihren Vorstellungen laufen. Sie lässt dem anderen die Freiheit und nimmt ihm die Autonomie”.

In einer partnerschaftlichen Beziehung funktioniert diese nur, wenn jeder einen Teil seiner Autonomie aufgibt. Es wird gemeinsam nach einem Weg gesucht, nicht jeder geht seinen eigenen. (Das ist übertragbar auf eine wirkliche Beteiligung und ein Aushandeln bspw. auch bei den Handelsverträgen TTIP CETA etc. Wer das verhindert wie die EU-Kommission, will übervorteilen, manipulieren und übergeht den Willen der Bürgerschaft. Da ist dann die Vermutung nicht fehl am Platz zu unterstellen, hier soll zum Nachteil der vielen Anderen ein Ausbeutungssystem platziert werden!)

Wer sich in eine Beziehung – eine private, berufliche wie gesellschaftliche – einlässt, muss sich auch in die Hand des anderen begeben. Somit hat jeder der Beteiligten MACHT, ob er sie ausübt oder nicht, er hat sie ebenso wie die Verantwortung, gut mir ihr umzugehen. Das gilt vor allem für die Regierungshandelnden.

Der gute Umgang mit MACHT ist deren Ausübung in Mäßigung. Wer immer unmäßiger wird, verwandelt MACHT in Gewalt und Kontrolle. (Das geschieht bei der NSA und der amerikanischen Gesellschaft mit dem gezeigten Kontrollwahn; aber auch die Geheimdienste  praktizieren überall diese Form von MACHT)

Die Forderungen Foucaults lauten deshalb hinsichtlich des Umgangs mit der MACHT:

  1. Minimalitätsprinzip – MACHT, die eine NSA oder ähnliches entwickelt, wird auf Dauer verlieren. Leider betrifft es dann A wie B.
  2. Transparenzprinzip – MACHT, die sich hinter Heimlichkeiten versteckt, ist nicht legitimiert! MACHT  ist gewaltlos, aber nicht sprachlos. Nur Gewalt ist sprachlos. Eine legitimierte und transparente MACHT geschieht immer auch nur in einer sprechenden, kommunizierenden Form.
  3. Reziprozitätspostulat – MACHT kann nur ausgeübt werden, wenn jeder, A wie B, MACHT über sich ausüben lässt. (Niklas Luhmann “Theorie der Gesellschaft”) Produktive Machtbeziehungen in Unternehmen beruhen auf Gegenseitigkeit, wenn auch nicht absolut symmetrisch. Wer aber einseitige MACHT will, wird auf Dauer kein Unternehmen führen können. (Die Zerstörung der gewerkschaftlichen Gegenkräfte ist somit kontraproduktiv. Ebenso ist es auf Dauer schwächend, wenn lediglich das Normen- und Wertebild der Unternehmensführung bei allen Mitarbeitenden sich wiederfindet. Wer nur das Rationale will, verzichtet auf das Kreative, das Ordnende und das Emotionale. Ein Wettbewerber, der alle Ressourcen gleichberechtigt in Anspruch nimmt und zulässt, ist auf Dauer der Stärkere am Markt.)

 

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