Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Scheinheiligkeit – ein politisches und gesellschaftliches Alltagsmerkmal

Scheinheiligkeit – wer darf kritisieren und aufklären?

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Das eine vorgeben zu machen und das andere, gegenteilige tun… oder mit zweierlei Maß messen. Dem (politischen) Gegner jene Untugenden vorwerfen, dem man dem Mitglied der eigenen Seilschaft durchgehen lässt. Das wird dann auch noch Freundschaft genannt. Es ist aber nichts anderes als Scheinheiligkeit!

Die Moral und Gesinnung spiegelt sich in den Handlungen wider. Deshalb mögen die Nicht-Integeren, dass alles möglichst geheim bleibt und nicht öffentlich wird.

Die Glaubwürdigkeit kommt nicht vom Quatschen und Phrasen dreschen, noch vom Weglassen der Wahrheit. Wer der DDR – korrekter Weise – vorwirft, ein Unrechtsstaat gewesen zu sein, wegen der Stasi-Überwachung, dem Wegsperren von unbequemen Kritikern, dem psychischen Terror und der Gängelung von freien Entscheidungen, der muss gleichzeitig auf das eigene Verhalten in Sachen Zustimmung und Mitmachen beim politischen Freund achten, der Guantanomo betreibt, NSA-Überwachung verteidigt und mit TTIP und CETA die Freiheit der Völker massiv einschränkt und verkauft. Man nimmt ihm schlichtweg nicht mehr ab, dass er selbst integer wäre.

Kant würde sagen, derjenige beweist dadurch einen Mangel an Wahrhaftigkeit – der Eigenschaft, in Wort und Tat das auszudrücken, was er selbst für wahr hält. Und da Kant diese Eigenschaft als “Grundzug und das Wesentlichste eines Charakters” bezeichnet, ist klar, wieso Korrumpierbarkeit mit Gesichtsverlust einhergeht: Der Unbestechliche wird weit mehr geschätzt und ernst genommen als der Opportunist. (Quelle: Hohe Luft, Nov. 2013)

Bedeutet es aber auch dann, dass derjenige, der scharf kritisiert, sich selbst blamiert?

Kritik am vermeintlich Nicht-Integren muss darauf achten, nicht selber scheinheilig zu werden (wer hätte nicht was zu verbessern?) und es ist immer spannender jemanden gegen den Strom zu verteidigen, weil eben auch der Mainstream einer Gesellschaft immer verdächtig ist. Denn es ist ein leichtes, diesen zu steuern und zu füllen. Die erste Pflicht des Bürgers lautet deshalb, sich zu informieren, zu erkennen, das Wissen zu nutzen und Zivilcourage zu praktizieren. Das Verstehen zu lernen, um verstehen zu können.

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Zur Kritik gehört immer eine gute umfassende Analyse. Dort gehört die Energie hin, nicht in die Entrüstung.

Und mit Kant ist zu formulieren: wenn es um Wahrheit geht, dann ist von den absoluten moralischen Pflichten keine Ausnahme gestattete.

Weil diese Regel auch heute noch gelten sollte, zieht die Initative STOP TTIP vor den EU-Gerichtshof, um die Bürgerbeteiligung einzuklagen gegen die undemokratische Form der EU-Kommission.

Update:

Und weil am Beispiel des Ukraine-Konflikts und der steigenden Kriegsgefahr besonders deutlich sichtbar wird, wie die mal als 4. – weil korrigierende – Gewalt bezeichneten Medien auf die gleichen – bedingungslos unkritischen – Trommeln schlagen, sowie gleichzeitig die gegensätzliche und selbständige Meinung ihrer Leserschaft in den Foren unterdrückt, ja sogar die Foren schließt, damit diese Seite nicht mehr öffentlich wird, überkommt immer mehr Menschen der schreckliche Verdacht, der Krieg ist gewollt! Und es wiederum fast keine kritische Stimme in der Presse- und Medienlandschaft zu vernehmen. Denn das Gewinnmachen steht an erster Stelle, diesem muss sich alles unterwerfen.

Nicht selten greifen deshalb aktiv Menschen mit ihren eigenen Blogs zur ergänzenden Information, auch wenn versucht wird, diese Gegenstimmen als gezahlte 5. Kolonne Russlands zu diskreditieren. Auch hier dann wieder die Scheinheiligkeit, weil Unternehmen – auch der Medienlandschaft-  längst Auftraggeber für Agenturen sind, die das Jubelposten und die Stimmungsmache zum Geschäftsmodell gemacht haben.

Besonders besorgniserregend sind Äußerungen – auch von Juristen – die zum Grundgesetz, welches sich aus den Erlebnissen (als Zivilisationsbruch) des WW II begründete ,  formulieren:

Diese besondere Situation (Zivilisationsbruch) nutzte, zur Verblüffung unserer Runde, kürzlich eine Juristin in leitender Funktion als Begründung, dieses Grundgesetz nun doch endlich nicht mehr so ernst zu nehmen…
(„…ist lange her, die Menschen waren unangemessen euphorisch nach dem Zusammenbruch und am Neubeginn einer Demokratie…) Quelle: Niggemeiers Blog

Es scheint in der Denke des neoliberalen Weltbildes verankert zu sein, dass alles, was der Hegemonie der weltweiten freien Unternehmerschaft in die Quere kommt, zu beseitigen respektive so zu verändern, wie die Versuche mit CETA und TTIP es andeuten.

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