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Macht der Medien – Propagandamodell Chomskys

Der Mainstream der Medien ist der Knüppel für die Demokratie…

Noam Chomsky – ein Wissenschaftler des MIT (Massachusetts Institute of Technology) und emeritierter Professor für Linguistik ist ein bekannter kritischer Geist, der die US-amerikanische Politik zum Gegenstand seiner Untersuchungen machte.

Dopplung

Die Wirkweisen der Medien und ihren Einfluss untersuchte er wissenschaftlich und entwickelte das von ihm sogenannte Propaganda-Modell der Massenmedien und seinen folgenreichen Einfluss.

Mit seinem Co-Autor Edward S. Herman beschreibt er in dem gemeinsamen Werk Manufacturing Consent: the Political Economy of the Mass Media die Theorie:

Zitat

wie die Medien ein dezentralisiertes und nicht-verschwörerisch handelndes Propagandasystem bilden können, das fähig ist, einen Konsens im Interesse der gesellschaftlichen Oberschicht herzustellen und die Öffentlichkeit manipulativ in diese Perspektiven der Oberschicht einzubinden – während gleichzeitig der Anschein des demokratischen Prozesses und Konsenses gewahrt bleibt.

Das Propagandamodell versucht somit, eine als gegeben angenommene tendenziöse Berichterstattung in den Massenmedien als Produkt ökonomischer Zwänge zu erklären. Die zugrundeliegende These, dass die Berichterstattung großer US-Medien zu bestimmten Themen tatsächlich tendenziös bzw. interessengeleitet ist, weisen die Autoren dabei anhand einer Anzahl von detailliert dokumentierten Fallbeispielen nach.

Zitatende

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Propagandamodell / abgerufen am 22.12.14)

 

Nach Chomsky funktioniert sein Modell „der Schere im Bleisatz“ der Medien nach einem fünfstufigen Filtersystem:

Die „Filter“

  • 1.1 Der Besitzer
  • 1.2 Die Einnahmequellen
  • 1.3 Die Quellen
  • 1.4 „Flak“
  • 1.5 Antikommunismus oder Antiideologie

Zu 1.1 Nur vermögende Interessenten können nach Chomsky heute noch die Kosten aufbringen für den Aufbau einer Medienanstalt. Im Print und TV-Medienbereich scheint das noch heute zu stimmen. Aber durch die Entwicklung des Internets sind kostengünstig viele Tausende Blogs unterwegs. Eine einflussreiche Reichweite mit seinem Blog zu erreichen, ist aber auch heute wieder mit hohen Kosten verbunden. So soll das Internetportal „T-Online“, welches aktuell zum Verkauf stehen soll, mehr als 1 Mrd. Euro kosten.

Zu 1.2 Die Werbe finanzierten Medien, auch dies des Internets, sind immer schwieriger zu gestalten. So gilt auch heute noch, dass Werbefinanzierung des jeweiligen Pressemediums sogleich auch eine Abhängigkeit bedeutet. Diese Kunden gebundene Finanzierung ermöglicht die Kontextgestaltung der Inhalte durch den Werbung zahlenden Kunden. Die Vermischung von Werbung und redaktioneller Inhalte ist eine der großen Ursachen für den Qualitätsverlust sowie des Vertrauensverlustes der Leserschaft in die Printmedien.

Zu 1.3 Die Schnelligkeit und die Fülle der Informationen sowie die damit verbundene geringere Chancen auf eine seriöse Recherche führt zum Ankauf der Ströme an Informationen durch die Presseagenturen. Die liefern an alle Medien die gleichen Infos, so dass eine Vorauswahl der inhaltlichen Bewertungen sich potenziert, weil alle auf die gleichen Quellen bauen, ohne Hinterfragung.

Zu 4 bis 5: Die Filter Flak und Antiideologie sind keine direkten ökonomischen Filter, sondern werden in ihrer Wertung und Bewertung der Nachrichten, der Aufbereitung und des Zungenschlags durch die Personen in den Machtpositionen dieser Medien bestimmt. So wie die Werthaltungen durch den Besitzer sich bei der Auswahl der Führungspositionen niederschlagen, so werden diese wiederum ihren Einfluss auf die weiteren Mitarbeiter wahrnehmen.

Die Ideologie des Antikommunismus in den Zeiten des Kalten Krieges, sowie des Neoliberalismus seit Mitte der 70er Jahren in Europa sich ausbreiteten und inhaltlich unhinterfragt von allen Medien breitgetragen wurde, unterstützt von Instituten wie die des INSM und ihrer Adepten, zeigten sie ihre Wirkung in der Bevölkerung. Dies war der Boden für den „medialen Gehorsam“ und des unkritischen Medienkonsums. Die Bereitschaft, sich selbst in dem herrschenden Machtgefüge als Teil zu verstehen, der sich bis zum Ausbrennen ausbeuten ließ, war medial gut vorbereitet und über große Teile der Bevölkerung wirksam.

Macht wird wirksam und wir merken es nicht, sondern fügen uns gehorsam ein in das System der Ausbeutung.

Zitat und Auszug:
Perfektionierte Macht legt nicht nur die Regeln fest, sie steuert auch den Willen des anderen. Erweitern wir die Definition der Macht ein zweites Mal: A hat Macht über P, wenn A die Wünsche und den Willen von P mitgestalten kann. Das ist die stille, die unauffällige, die wirkungsvollste Form der Macht. Wir können also drei Entwicklungsstufen der Macht unterscheiden: Plumpe Macht setzt Willen gegen Willen durch. Raffiniertere Macht setzt dem Willen des anderen den Rahmen und die Regeln. Macht in höchster Raffinesse greift nach dem Willen des anderen selbst.
 Der späte Foucault verstand unter Macht schlicht die Gesamtheit der »Strategien«, mit denen freie Individuenandere zu lenken und zu bestimmen versuchen, von Institutionen über gesellschaftliche Normen und Konventionen bis hin zu Rollenzuschreibungen; diese komplexe Form der Macht nennt er »Gouvernementalität«. Dazu gehören auch »Techniken des Selbst«, also Praktiken, mit denen Individuen ihre eigene Identität ausbilden, etwa durch Formen des Selbstmanagements oder die Wahl einer Lebensform.
Foucault unterscheidet schließlich zwischen drei Ebenen der Macht. Die erste bilden die »strategischen Spiele«, in denen Menschen das Handeln anderer zu lenken versuchen; solche Machtbeziehungen sind instabil, sie können sich verändern. Die zweite Ebene sind die »Zustände der Herrschaft«, in denen sich Machtbeziehungen bereits verfestigt haben. Die dritte sind »Regierungstechnologien«, mit deren Hilfe Herrschaftszustände errichtet oder aufrechterhalten werden. Dazu gehören für Foucault etwa Erziehungsmethoden oder Führungstechniken.
An die »Utopie« einer herrschaftsfreien Kommunikation, wie Jürgen Habermas sie postuliert hat, glaubte Foucault nicht. Die Abschaffung der Macht schien ihm weder möglich noch wünschenswert. Gegen Ende seines Lebens setzte er vielmehr auf rechtliche Regeln und das Ethos der »Sorge um sich«, die es gestatten, »innerhalb der Machtspiele mit einem Minimum an Herrschaft zu spielen«. Doch damit trifft er auf Widerspruch.
Der Berliner Philosoph Byung-Chul Han argumentiert in seinem neuen Buch »Psychopolitik«, Foucault habe übersehen, dass das neoliberale Herrschaftssystem genau diese »Sorge um sich« für sich vereinnahmt. AN DIE STELLE VON Foucaults »Biomacht« setzt Byung- Chul Han die »Psychomacht«:
Von äußeren Zwängen haben wir uns befreit, so die These, heute unterwerfen wir uns inneren Leistungs- und Optimierungszwängen, die wir fälschlicherweise als Freiheit interpretieren. Ob wir uns im Netz freiwillig entblößen oder per Smartphone unseren Körper überwachen: Wir glauben, nur unserem Willen zu folgen, tun aber freiwillig das, was das »neoliberale Regime« von uns will. Das wäre Macht in letzter Perfektion. Zitatende (Quelle: Hohe Luft Ausg. 6/2104)
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