Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Verbrecher muss man Verbrecher nennen!

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Es war ein Verbrechen, als die Flugzeuge in die Twins gesteuert wurden. Es ist ebenso ein Verbrechen, wenn in Guantanamo die dortigen Insassen gefoltert werden. Die Morde der NSU an Muslime sind genauso verachtenswerte Verbrechen, wie die Morde der IS-Terroristen nun in Paris. Und der Massenmord des Norweger Breivik an seine Landsleute ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit wie die Massenmorde der IS-Mörder in Syrien, Irak und anderswo.

Verbrechen werden durch die rechtsstaatliche Gerichtsbarkeit beurteilt und gesühnt und nur dadurch. Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind vor dem Internationalen Gerichtshof zu verhandeln. Keine Pseudo-und Ersatzgerichtsbarkeiten hat diese Aufgabe zu übernehmen, weder in Sekten wie Scientology , noch in einer Scharia-Gerichtsbarkeit oder anderer religiöser Einrichtung und erst recht nicht in privaten Schiedsgerichtsbarkeiten wie bei den Freihandelsverträge, die ebenso an der rechtsstaatlichen Gerichtsbarkeit vorbei sich Urteile und Beschlüsse anmaßen!

Selbst- und Pseudojustiz sind genau dann eben auch Verbrechen. Und wer im Namen von Selbst- und Pseudojustiz handelt, verübt ein Verbrechen. Egal ob als Person oder als Staat oder staatliche Einrichtung. Und Verbrecher muss man dann auch Verbrecher nennen.

Und nur um die rechtsstaatliche Behandlung der Verbrechen kann es gehen, weder um Religion, noch um die “Wahrheit” einer politischen Richtung! Wer als Gruppierung, Partei oder Strömung versucht, die Vorgänge zu vereinnahmen, gießt Öl in ein Radikalenfeuer. Und dann sind eben Heuchler auch Heuchler zu nennen und Bigotterie eben Bigotterie.

Im Kontext der Verbrechen wird bei allen Agierenden immer die Macht und Gewaltfrage inkludiert sein. Und da ist es sinnvoll zu schauen, was Philosophen wie Hannah Arendt, Walter Benjamin oder Byung-Chul Han dazu geschrieben haben.

In Arendts Studie „Macht und Gewalt“ stellt sie die These auf, dass die Politik sich von der Wirklichkeit entfernt habe, auch weil die „Wissenschaftsgläubigkeit“ (heute als Beratungsgläubigkeit und Lobbyismus zu bezeichnen) der Politik bei dieser die gefährliche Illusion erzeugt, Ereignisse könnten verstanden und kontrolliert werden! Das Unerwartete übersteigt die Fantasie der Politiker. Besonders, wenn das Vertrauen der Menschen in die Politik verloren geht (Pegida), und – wie Arendt formulierte:

„Was den Institutionen und Gesetzen eines Landes Macht verleiht, ist die Unterstützung des Volkes, die wiederum nur die Fortsetzung jenes ursprünglichen Konsenses ist, welcher Institutionen und Gesetze ins Leben gerufen hat.“

Und

„Gehorsam verleiht keine Macht. (S. 42) Die Macht entspringt, unterstreicht Arendt, der menschlichen Fähigkeit, sich handelnd mit anderen zusammenzuschließen. Über Macht verfügt niemals ein Einzelner. Ausschließlich Gruppen können Macht haben. (S. 45)

Sowie

„Macht bedarf nach Arendt der Legitimität, Gewalt indessen kann nie legitim sein. (S. 53) Gewalt kann zwar Macht „vernichten“, jedoch keine Macht „erzeugen“.

Die Legitimation des Staates zur Verbrechensbekämpfung ist einerseits durch die rechtsstaatliche Gerichtsbarkeit gegeben, aber der Staat (und dies sind nur die jeweils verantwortlichen und handelnden Personen auf Zeit!) muss zuvor dafür sorgen, dass durch Bildung und menschenwürdige Arbeitsverhältnisse eine offene und solidarische Gesellschaft entstehen kann. Dazu bedarf es aber eines Miteinanders, das wie folgt geprägt ist.

Zitat: Arno Gruen, Schriftsteller
“Schutz und Stütze eines demokratischen Lebens sind Menschen, deren Identitätsstruktur sich auf der Grundlage empathischen Erlebens ausbilden konnte, die sich den Zugang zu ihren eigenen Wahrnehmungen, Bedürfnissen und Gefühlen bewahrt haben und deshalb gegen eine Abspaltung von Empfindungen wie Mitgefühl geschützt sind, die ihr eigenes Ich nicht in jenem abstrakten, emotionslosen Denken verlieren, das Gewalttätigkeit fördert und Projektionen begünstigt.” Zitatende

 

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