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Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Turbulenzen an den Börsen als Vorboten des Systemkollaps

Demokratie im Visier - Freihandel dient nur den Konzernen

Demokratie im Visier – Freihandel dient nur den Konzernen

Das System des neoliberalen Kapitalismus ist todkrank, die Beziehungen sind vergiftet und die Untugenden haben wieder Hochkonjunktur. Mit dem System ist die Banken- und Finanzsystemwelt gemeint. Die Beziehungen unter den Völkern und Nationen sind wieder auf Unversöhnlichkeit, Hass und Gewalt ausgerichtet und Gier und Ausbeutung sind die dominanten Antriebe des Miteinanderumgehens.

Weil die verantwortlichen Politiker seit mehr als vier Jahrzehnten die Regulierungsstrukturen für die Finanzwelt aufgeweicht, aufgehoben und teilweise in ihr Gegenteil verkehrt haben, sind die unseligen Finanzprodukte wie Kreditausfallsicherungen u.a. Wertvernichtungsideen mehrfach schon wirksam geworden. Immer nach dem Prinzip, dass die privaten Verluste der Banken durch Steuergelder sozialisiert wurden.

Die Flüchtlingswelle, die wir erst im Anfang erleben, kann nur als der Beginn einer Völkerwanderung und diese als Folge des neoliberalen Finanzkapitalismus und seiner Vernichtung der Realwirtschaft gesehen werden. Insbesondere wenn die Konzepte von Regierungen und deren Verantwortlichen darin bestehen, die Steuergelder anstatt in Bildung, Gesundheit, Verkehrsinfrastruktur zur Rettung des Finanzinvestments und zur Übernahme der Schulden der Spekulanten eingesetzt werden.

Der ungebremste und von den Produktionsmärkten abgekoppelte Finanzgeldsektor saugte immer mehr Geld auf, deren Auswirkungen sich  in den Krisen 1998 – 2001 (Long Term Capital Management – Fälligkeit der Kredite), dann wieder 2007/2008 (amerikanische Häusermarkt mit ungedeckten Kredite, die sich die Banken gegenseitig zuschoben/ Lehman-Brothers-Bankrott) besonders heftig zeigten. Regierungen wie die Deutschlands (Merkel/Steinbrück) entschieden, dass die von Bankrott bedrohten Banken (too big to fail) durch die Zentralbanken und deren Geld zu retten sind. Wiederum wurde Steuergeld umgeschichtet, welches zur Rettung der Privatinvestments eingesetzt wurde. Die Maßnahmen der Zentralbanken und deren Gelder flossen wiederum nicht in die Realwirtschaft mit den Folgen für den globalen Gesamtarbeitsmarkt.

Dieses Geld stand damit für die notwendigen Infrastruktur-Erneuerungen oder Erweiterungen nicht zur Verfügung. Bildung, Gesundheit, Verkehr, Energie-Infrastruktur und Verteidigung fehlten das Geld. In der Folge führte dies zum Investitionsstau. (marode Brücken und Straßen, kaputte Schulen etc.) Weil wenige an der Geldvernichtungsmaschinerie der Börsen verdienten und immensen Reichtum aufhäuften, der Staaten an den Rand des Bankrotts führte, weil auch gegen deren Währung gearbeitet wurde, die Strategie der deutschen Kanzlerin, dem maroden System mittels „Austerität = Sparkonzepte“ die „Heilung“ verordnete wurde, sind Staaten wie Griechenland, zuvor Zypern, Island , Portugal und Spanien mit hoher Arbeitslosigkeit bestraft. Diese Strategie diente nur den großen Globalplayern, nicht mehr dem eigenen Volk oder einer Idee wie der EU!

In einem lesenswerten Beitrag analysiert  Ernst Wolff , Journalist und Autor des Buches “Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzuges”, die aktuelle Situation an den Finanzmärkten der Welt. (Quelle: Heise)

Zitat:

Die Regierungen reagierten, indem sie die Zentralbanken anwiesen, Geld zu drucken, um es zu Niedrigzinsen an die Finanzwirtschaft zu verleihen. Diese sollte es dann in den Wirtschaftskreislauf einspeisen und so die Wirtschaft wieder in Gang bringen.

Das aber geschah nicht, und zwar aus einem einfachen Grund: Durch die Einstufung als “too big to fail” hatte die Finanzindustrie einen Freibrief erhalten, der ihr erlaubte, fast risikolos auf die viel lukrativere Spekulation an den Finanzmärkten zu setzen, anstatt in die Infrastruktur oder die industrielle Produktion zu investieren. Auf diese Weise wanderte der größte Teil des frisch gedruckten Geldes (allein in den USA waren es viereinhalb Billionen Dollar) in den Finanzsektor und blies ihn noch weiter auf.

Das Ergebnis: Der Umfang der Derivate (spekulative Finanzprodukte, die mit der Realwirtschaft nichts zu tun haben) ist heute um 20 Prozent größer als 2008. Außerdem haben sich an den Aktienbörsen, auf den Anleihemärkten und im Immobiliensektor größere Blasen als 2008 gebildet. Das größte Problem aber ist die globale Verschuldung, die mit etwa 200 Billionen Dollar einen historischen Höchststand erreicht hat.

Das Problem dieser Verschuldung liegt vor allem darin, dass zur Rückzahlung von Zins und Zinseszins – sowohl im privatwirtschaftlichen wie auch im staatlichen Bereich – ein Wachstum der Wirtschaft und eine relativ hohe Inflation notwendig sind. (Wenn das allgemeine Preisniveau steigt, fällt entsprechend der Wert der Schulden). Sollte es – wie seit 2008 – zu Stagnation oder gar zur Rezession kommen, so tritt eine Deflation (ein Sinken der Preise und damit der Steuereinnahmen) ein, was den Wert der Schulden in Relation zum allgemeinen Preisniveau erhöht und die Rückzahlung der Schulden erschwert oder ganz unmöglich macht.

Zitatende

Um Wirtschaftswachstum zu generieren, damit das System des Neoliberalismus weiterhin wirksam bleiben kann, werden die Einflusssphären auch mit Kriegen erobert und erweitert. Nicht selten in Form von Stellvertreterkriegen (Golfkriege I und II), verbunden mit Gegenreaktionen der anderen Machtblöcke (Krimannektion, Ukraine-Krieg). Freihandelsverträge sollen dabei die Kontrolle durch Rechtsstaatlichkeit herunterfahren (TTIP/CETA- Schiedsgerichtsbarkeiten). Unumkehrbare Verträge auch im Dienstleistungsbereich (TiSA) werden dabei die Arbeitsrechte der Arbeitnehmerschaft und deren Sozialgrundlagen zugrunde richten und zerstören, weil die globalen Billiglohnkräfte die Lohnabhängigen in den Industriestaaten ersetzen sollen, ohne dass die Schutzrahmen in den westlichen Sozialstaaten noch wirksam werden können.

Ausbeutung billiger Arbeitskräfte, Ausbeutung von Bodenschätzen, Ressourcen-Bemächtigung wie in dem Zugriff auf die Wasserrechte durch Nestlé in Afrika u.a. Beispiele verursachen letztlich extreme Armut, lebensfeindliche Strukturen und die Völkerwanderung auf Europa.

Konstruktionen wie EU-Kommission und EU-Rat erlauben unter einer scheinbaren Rechtsstaatlichkeit diese Umwidmung der Demokratien auf Oligarchien. Menschen wie Frau Merkel und Herr Schäuble nutzen ihre Macht, diese Umgestaltung durchzusetzen.

Leider gelangt der Autor Wolff in seinem Beiträg zu einem deprimierenden Ergebnis: (Quelle-Heise)

 

Zitat:

Wo stehen wir also?

Um den gegenwärtigen globalen Schuldenberg von etwa 200 Billionen US-Dollar abzutragen, müsste die Wirtschaft weltweit einen nie gekannten Aufschwung erleben. Nachfrage und Produktion müssten wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders durchstarten, die Preise mit sich reißen und so eine hohe Inflation erzeugen, die die Rückzahlung der Schulden im großen Stil ermöglicht. Da aber durch die Austeritätspolitik keine Nachfrage und durch den Abfluss des frisch gedruckten Geldes in die Finanzspekulation gar kein Wachstum geschaffen werden kann, wird mit Sicherheit das Gegenteil eintreten: Die Schulden werden weiter wachsen.

Die einzige Lösung des Grundproblems bestünde darin, die Austeritätspolitik zu beenden, einen globalen Schuldenschnitt von nie dagewesenem Ausmaß vorzunehmen und die Spekulation an den Finanzmärkten rigoros zu unterbinden. Das aber ist unmöglich: Der Finanzsektor ist inzwischen zehnmal so groß wie die globale Realwirtschaft und damit unendlich viel mächtiger als die Politik. Die von der Wallstreet und der City of London aus gesteuerte Finanzindustrie ist ohne Probleme in der Lage, jedes Land, das ihr auch nur die kleinsten Hindernisse in den Weg legt, umgehend in die Knie zu zwingen – siehe Griechenland.

Was wir derzeit erleben, ist der Auftakt zu einem überschuldungsgetriebenen Finanz-Tsunami, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Einzig und allein global koordinierte Maßnahmen könnten die bevorstehende und unabwendbare Kernschmelze im Kreditsektor verhindern, sind aber auf Grund der Aufsplitterung der Welt in einzelne Staaten mit unterschiedlichen Interessen und der deswegen national beschränkten politischen Strategien ihrer Regierungen derzeit nicht im Bereich des Möglichen.

Wir befinden uns in einer ähnlichen Situation wie die Einwohner Kaliforniens, die seit langem auf das ganz große Erdbeben (“The big one”) warten. Niemand kann seinen Eintrittszeitpunkt exakt vorhersagen und es ist gut möglich, dass es noch zu einigen weiteren Vorbeben kommt. Aber der Eintritt des Ereignisses selbst steht außer Frage.

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