Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Kommunikatives Handeln und zwangsfreie Sprache anstatt gesunder Menschenverstand

Erkenntnisse der Umfragen

Der „gesunde Menschenverstand“ ist eine Welt im Kleinen und Gemeinen.

Der sogenannte „gesunde Menschenverstand“ wird geprägt von der jeweiligen Sozialisation des Einzelnen. Die Bedingungen seiner Sozialisation formen sein Bewusstsein, sein Wissen und sein Verhalten. Seine Sprache ist Wiedergabe seines Denkens. Sein Denken ist je nach Sozialisation bedingt durch Bedeutungen und Begrifflichkeiten, die Ausdruck von Selbstständigkeit oder von Abhängigkeit sind. In letzterer Form, einer Sozialisation von Fremd – und Selbsttäuschung, wird weder die Fähigkeit zur Analyse der Wirklichkeit entwickelt, noch lässt ein solches subjektive Sein die Anerkennung des eigenen Selbst und erst recht nicht die des Fremden zu. Je stärker Ersatz für Eigenständigkeit, Verantwortlichkeit und Selbstbewusstsein zum Tragen kommt, desto mehr wird Bewusstsein durch Pseudobewusstsein gesteuert. Diese Erkenntnisart wird in die Sprache des Manipulativen übersetzt als “gesundes Volksempfinden” – eine goebbelisch-teuflische Vokabel. Und als sei Erkenntnis durch selbständiges und empathisches Denken eine Krankheit.

Ein solchermaßen entstandener „gesunder Menschenverstand“ ist eine gesellschaftliche Falle für die positive und das Gegenüber akzeptierende Entwicklung von Gesellschaft. Die potentiell und latent vorhandene Bereitschaft, sich manipulieren zu lassen und die als Denken getarnten Parolen werden zum Ersatz für eigenständiges Denken, schaffen eine destruktive Existenz und den Boden, auf dem Vorurteile, Fremdenhass/Rassismus und faschistische Strukturen Fuß fassen können. Das Ergebnis wird Diskursunfähigkeit sein. Was nicht ins eigene, schon fremdgesteuerte Weltbild passt, wird niedergeschrien, niedergeknüppelt und in Brand gesetzt. Wer Dinge in Brand setzt, wird auch Bücher und damit das andere Denken verbrennen. Wer Bücher verbrennt, wird auch bald wieder Menschen verbrennen. Das Ende der Solidarität wird eingeläutet, weil zwar in der Masse auftretend, aber unsolidarisch in der Gleichschaltung die eigene wie jede andere Freiheit aufgebend einer unmenschlich agierenden Struktur sich unterworfen wird. Die Profiteure dieser in allen diktatorisch agierenden Formen sind geschichtlich benannt und bekannt. Das Entstehen und Zulassen dieser Strukturen spült Figuren wie Petry, Gauland, Höcke und Konsorten an die Oberfläche.

Faschisten müssen Faschisten genannt werden, Rassisten als Rassisten und Brandstifter müssen als Brandstifter bezeichnet werden. Jede verharmlosende Umschreibung ist Gesinnungsverhalten und macht sich – auch als etablierter Politiker – mit jenen zuvor beschriebenen gemein. Der „gesunde Menschenverstand“ ist eine Welt im Kleinen und Gemeinen. Und weil in dieser Welt der Abstand zum ihn gefangenhaltenden System fehlt, ist keine Fähigkeit zur Ironie vorhanden. Auch das wird dem Subjekt überlassen, welches sich in dem System zur Leitsau aufgeschwungen hat. Selbstironie ist das Gegenteil vom „gesunden Menschenverstand“.

Wenn diese Entwicklung der Gesellschaft zu Gewalt und Pegida-Aufmärschen als Postmoderne bezeichnet wird, dann ist das Aufgeben der Moderne eher ein Rückfall in das Vormoderne der Unaufgeklärtheit und Unterdrückung. Lernbereitschaft und Entwicklung wird ersetzt durch Gesinnung und Einheitsdenken. Kommunikation wird ersetzt durch Propaganda und instrumentelle Gewalt. Einzelfallentscheidung wird ersetzt durch instrumentelle Bürokratie. Das nicht mehr Hinterfragen der Vorgehensweisen wird zur Norm für die Erreichung der Zwecke. Sprache dient in einer solchermaßen geformten Systematik nur als „Medium der Selbstinszenierung“ (Habermas)

Das Gegenstück ist eine Kommunikation des Aushandelns und der gemeinsamen Verständigung. Manipulationen, Verschweigen von Absichten und die Mittel der Machtausübung sind aus einem solchen Verständigungsprozess rauszuhalten. Erst dann wird nach Habermas (Theorie des kommunikativen Handelns) ein Prozess möglich sein, im dem Verständigung und Zustimmung Mittel und Weg zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft bedeuten.

Nachtrag am 25.02.2016

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Ein Beispiel für die “Vergiftung” in einem Informationsprozess, der die Glaubwürdigkeit innerhalb einer Kommunikation zerstört, ist am Thema “Glyphosat in Bier” nachvollziehbar!

Zumindest wurde die gebrachte Nachricht später ergänzend korrigiert. Da allerdings viele der Printmedien am Tropf der Nachrichtenagenturen (dpa, reuters etc.) hängen, vervielfacht sich zuvor die Falschmeldung.

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