Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

völkisch-nationaler Phrasensumpf all überall

“… eine Trockenlegung des weiten Phrasensumpfes, den andere immerzu national abgrenzen möchten.” (Karl Kraus)

Deckblatt "Die Fackel- Ausg. 1 / 1899"

Deckblatt “Die Fackel- Ausg. 1 / 1899”

In der Vorstellung seiner neuen Zeitschrift, “Die Fackel”, formulierte Karl Kraus schon 1899 jene Sätze, die heute wieder mehr als aktuell erscheinen. Eine Beschreibung des gesellschaftlichen Zustandes vieler Gesellschaften und Staaten, die im Blindflug zurück in die Vergangenheit sich befinden. Sei es Polen, Ungarn, Österreich oder Deutschlands Osten, der völkisch-nationale Phrasensumpf hat all überall wieder Konjunktur. Widerlich, wie – leider erfolgreich- die faschistisch-rassistisch durchtränkten Phrasendrescher jeder menschlichen Tragödie sich bedienen und diese instrumentalisieren. Aktuell als abstoßendes Beispiel der Brandstifter und krankhaft hassende US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

Der Mensch ist im Grunde ein wildes entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zustande der Bändigung und Zähmung, welcher Civilisation heißt; daher erschrecken uns die gelegentlichen Ausbrüche seiner Natur. Aber wo und wann einmal Schloß und Kette der gesetzlichen Ordnung abfallen und Anarchie eintritt, da zeigt sich was er ist. ( Schopenhauer: Parerga und Paralipomena Band II, Zürcher Ausgabe, Diogenes, Zürich 1977, 230)

Mit der Rücksichtslosigkeit eines im Neoliberalismus glückhabend und damit erfolgreich agierenden Raubtieres macht er sich über jedes Ereignis her, das Kapital in seinem Vergiftungsfeldzug für die Präsidentenwahl in den US  verspricht.Und er agiert nach der mit neoliberaler Muttermilch aufgesaugten Sucht und Erkenntnisinhalte eines Thomas Hobbes:

„Die Geltung oder der Wert eines Menschen ist wie der aller anderen Dinge sein Preis. Das heißt, er richtet sich danach, wie viel man für die Benutzung seiner Macht bezahlen würde und ist deshalb nicht absolut, sondern von dem Bedarf und der Einschätzung eines andern abhängig.“ (Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates (hrsg. von Iring Fetscher), Neuwied und Berlin 1966, S. 67)

Orlando dagegen verlangt Trauer, keine Brandstiftung!

Wer Brandstiftung begeht, dem sollte die Heiterkeit der Satire und die Schärfe der Kritik löschend entgegen treten, egal ob die Brandstifter und Kriegstreiber religiös oder in periodischer Verblendung und Gesinnung ihren Fanatismus leben und umsetzen wollen. Brandstifter sind Brandstifter zu nennen, egal welcher Nation sie entstammen, ob Trump, Erdogan, Höcke oder sonstwie genannt.

Auszug aus der ersten Ausgabe 1/ 1899 “Die Fackel”, Hrsg. Karl Kraus

Zitat: …als eine Trockenlegung des weiten Phrasensumpfes,
den andere immerzu national abgrenzen möchten. Mit
Feuerzungen — und wäre es auch ein Dutzend ver-
schiedensprachiger — predigen die Verhältnisse das
Erkennen socialer Nothwendigkeiten, aber Regierende
und Parteien wünschen vorerst — mit hinhaltender
Berechnung die einen, in leidenschaftlicher Verblendung
die anderen — die Kappenfrage der Prager Studenten
erledigt zu wissen.

Diese Erscheinung schmerzlichsten Contrastes,
die sich durch unser öffentliches Leben zieht, wird
hier den Gesichtspunkt für die Beurtheilung aller poli-
tischen Ereignisse bestimmen, und es mag zuweilen
glücken, dem dumpfen Ernst des Phrasenthums, wo
immer er sein Zerstörungswerk verübe, durch die ihm
so unbequeme Heiterkeit rechtzeitig den Credit zu
schmälern. Zitatende

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