Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Aus dem Leben der Guten… oder in memoriam tractatus logico-philosophicus

Erkenntnis2b

Der User hat’s gut: Er kann sich seine Internetseiten aussuchen.

Es gibt Leute, die wollen lieber einen Stehplatz im vollbesetzten Vorraum zur ersten Klasse als einen Sitzplatz in der dritten.

Und wenn nichts mehr hilft, bleibt noch: Die Basis einer gesunden Lebenseinstellung ist ein großer Mülleimer.

Kennen Sie das auch, dass immer wieder mal ein Mensch über mehrere Jahrzehnte den eigenen Lebensweg kreuzt und die Erinnerung an diesen Menschen mit positiven Bildern besetzt war? Dann lesen Sie einen Blogbeitrag jener Person  – sich selbstdarstellend als keusche Person linker Provenienz sowie durch und durch freiheitlich denkend – auf einer dubiosen Seite, die nicht selten Beiträge enthält mit islamophobem und rassistischem Zungenschlag, ergänzt vom neoliberalen Weltbild und der Zustimmung zur Privatisierung und dem Umbau des Sozialstaates.

In einer privaten Mitteilung bringt man diese Beobachtung ein und hinterfragt die  Einschätzung und Motivation der Person. Das Angebot zum Dialog und Diskurs ist nicht zu übersehen. Der Bezug zu einem Text von Albert Camus („Die Krise des Menschen“, 1946) soll einen Ansatz dazu ermöglichen. Die Inhalte des Bezugtextes lauten:

  • Wir leben permanent in einer Krise. Das ist heute ebenso aktuell, wie zur direkten Nachkriegszeit bei Albert Camus.
  • Die klaren Symptome dafür sind folgende:
  • 1)      Kein Abendländer ist heute mehr seiner unmittelbaren Zukunft sicher. Begleitet wird dies mit der Tatsache, dass kein Mensch mehr nach dem Begriff der Menschenwürde, sondern nur noch nach dem Erfolg beurteilt wird.
  • 2)      Heute sind zu viele Menschen nicht mehr überzeugbar. Wenn man menschlich miteinander kommuniziert, dann kann man nicht mehr sicher sein, dass die Erwartung zutrifft, tatsächlich auch menschlich eine gleichwertige Gegenreaktion zu erhalten. Die Pervertierung der Wertmaßstäbe schreitet voran.
  • 3)      Die Ausweitung der Bürokratie bedeutet, dass die menschliche Wärme sich verflüchtigt hat und dass der Mensch in die Einsamkeit gestoßen wird.
  • 4)      Es geschieht fortlaufend die Ersetzung des menschlichen Miteinanders durch den parteipolitischen Menschen. Es zählt nicht mehr die Vermeidung von Leid, sondern nur noch, ob einer Weltanschauung zum Sieg verholfen wird.
  • 5)      Der moderne Mensch kann sich nicht mehr mitteilen, weil die gemeinsamen Wertbegriffe fehlen und weil die Wertschätzung für den anderen fehlt, die sich auf die Menschenwürde stützt, bleibt nur die Wahl: Opfer oder Täter zu werden.

 

Erwähnt wurde auch, dass Albert Camus als Autor die Lösung aus diesem Dilemma wie folgt sieht – und dieser Ansatz ebenso wieder  hoch aktuell ist:

Wir Menschen müssen unsere Welt von der Angst befreien, die überall das Denken beherrscht und damit seinerseits wieder den eigentlichen Terror einführt, nämlich alles zu kontrollieren und das Denken zu überwachen.

Deshalb muss die Politik zurückverwiesen werden auf ihren Platz in die 2. Reihe. Denn Politiker dürfen sich nicht anmaßen,  uns mit einer kompletten Weltanschauung zu überziehen oder mit Gesetzen, die das Private reglementieren sollen, vom Liebesleben bis zum Rauchverbot etc.

Die Freiheit, die es zu gewinnen gilt, ist die Freiheit, Lügen aufzudecken, Verantwortung einzufordern von jenen, die den Staat zur Kontrolle und Überwachung einsetzen, blinden Gehorsam und Patriotismus verlangen und ihre Ideologien verbreiten. Denn diese sind die Feinde des würdevollen Daseins.

In der Antwort wird der Dialog verweigert, auf den Bezugstext wird nicht eingegangen. Stattdessen wird in Texthülsen wie „stümperhafte Laienpredigt“, „unwürdig eines wanderpredigenden Schlangenölverkäufers im Wilden Westen“, „triefend vor bessermenschlichem Anspruch auf moralische Überlegenheit“ geantwortet. Das Feedback sei eine einmalige Antwort und damit für den sich verweigernden Angesprochen endgültig erledigt.

Die Selbsttäuschung ist jedoch bei der Person aktiv, weil jenes „endgültig erledigt“ vergessend,  nach kurzem zeitlichen Abstand das private Schreiben in Auszügen in der Öffentlichkeit zitiert wird und als Beleg für einen Gesinnungstext mit blognahem Weltbildinhalt herhalten muss.

Die Bloggesinnung immunisiert sich nicht nur gegen Kritik, sie assimiliert sie, verschluckt sie unverarbeitet und speit sie – verkehrt in ihr Gegenteil – wieder aus. Im warmen Nestchen einer dürren Beifallrunde sitzen der Autor und seine Spätzchen und piepen vor häuslicher Blog-Zufriedenheit. Anti-depressiv und schreibend medikamentiert sowie vom eigenen Weltbild komatös verblendet, feiert sich die arme Person selbst. Wenn´s denn hilft in seiner Not!

Zwar staunend, aber gewaltig irritiert ob dieser Täuschungspotentiale, bleibt die Erkenntnis – jene Undemokraten haben sich wieder aufs verhangene hohe Pferd gesetzt und treiben wieder ihr altes Schmutzhandwerk, nicht erkennend, dass sie einem Esel aufgesessen sind.

Manchmal ist man geneigt nach dem Motto zu verfahren:

De mortuis nil nisi bene – und von den Lebenden nur kritisch prüfend reden. (in Anlehnung an Heinrich Heine).

Die Lebensweisheit aber rät, nicht mehr weiter zu insistieren, weil: jedes Wort ist vergebliche Liebesmüh.

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