Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Die Ausbreitung des Rechtsradikalen als Folge des Neoliberalismus

 

Das rechte, apokalyptische Denken der AfD´ler hat keine brauchbaren Antworten auf die Entwicklung der Gesellschaft unter den heutigen, neoliberalen Bedingungen! Die Propagierung des Nationalen und Patriotischen erfolgt mit den alten Phrasen, die schon vor über 70 Jahren in den Untergang geführt haben! Die Auslöschungsbemühungen des andersdenkenden Menschen ist geübte Praxis der Despoten. Die Verkündung dieser Ideologien der nationalen Gruppenexistenz als einzige Voraussetzung für menschliches Leben durch die Wortführer ist perfide Fremdtäuschung. Sich selber sehen die selbsternannten Lautsprecher dagegen als besonders zu bevorzugende Individuen, die sich dem Gruppenzwang selbstredend verweigern! (jwb)

Update vom 08.12.16 (Wie Technologien Gesellschaftssysteme manipulieren können – facebook lässt grüßen!)

Zitat Kosinski: Mein Verfahren basiert nicht auf den klassischen Fragen, die schon seit Jahrhunderten in der Psychologie verwendet werden. Ich analysiere das Konsumverhalten der Menschen im Internet. Grundlage dafür ist das bekannte Ocean-Verfahren, das die Big Five der Persönlichkeitsmerkmale erfasst: Wie aufgeschlossen ist jemand für Neues? Wie gewissenhaft? Wie gesellig? Wie rücksichtsvoll und kooperativ? Und wie leicht ist er verletzlich? Nach diesem Raster sortiere ich Konsumentscheidungen (und Wahlverhalten!!! -jwb) im Internet. (Zitatende)

(Quelle: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wissenschaft/d/9535526/je-weniger-likes–desto-leichter-durchschaubar.html; abgerufen am 08.12.16)

Quelle 2!

Ich lese und sehe selten Krimis oder Fantasiegeschichten. Die Wirklichkeit ist spannend genug. Manchmal sogar mehr als nervenaufregend. Die Menschen, die sich in die Fantasiewelt flüchten, handeln anscheinend nach dem Motto: dort wo man nicht ist, ist das Glück. Das, was man nicht hat, muss man kaufen. Der Erfolg der Werbung und der Konsumanbieter beruht darauf, aber auch der politischen Hasardeure und Verführer.  So wird die virtuelle Welt zum Ersatz der realen Welt. (Die manipulierten Kommunikationswege  werden zum “roten Faden der Informationen”. Ein Hinterfragen der damit verbreiteten “Wahrheiten” wird unterlassen.) 

Der Erfindungsgeist der Menschen macht dann dafür die Produkte und die Welt der „Augmented Reality“.  Die Gesellschaft wandelt sich so zu einer verspielten, realitätsablehnenden selbst- und fremdbetrügenden Masse. Der Mensch und die Leute – ein Merkmal für die Einsamkeit- , die – trotz der Enge des Zusammenlebens in urbanen Lebenswelten – Raum greift. Das Totalitäre weiß um die Macht der wirklichen Individualität, weiß um die Macht der Selbstbewussten, der zur Selbständigkeit des Denkens fähigen Menschen. Deshalb wird das Individuelle, das Nebeneinander des Anderen und die Vielfalt der Kulturen versucht zu zerstören. Um dem Totalitären dann auch den Anschein des gesetzlich konformen zu geben, wird die Ermächtigung zur Macht – Hitler machte es vor – heute von den Diktatoren in allen Schattierungen praktiziert. Die “Banalität des Bösen” wird wieder hoffähig gemacht.

Der smartphone-Monitor wird zum „Brett vor dem Kopf“. Die Smartphone-Monitore in der Hand werden zum Fänger der Wahrnehmung und der Aufmerksamkeit. Sie ersetzen selbst in der realen Welt die Wirklichkeit. Die „Fänger im Netz“ haben den Menschen endgültig unter Kontrolle. Das eigene Denken ist reduziert auf die Flüchtigkeit der 148 Zeichen-Informationen. Die Schnelligkeit der sich wechselnden und ersetzenden Informationen lässt nicht mal einen Bruchteil der „Nachrichten“ in den Kurzzeitspeicher, geschweige denn ins Gedächtnis. Der Gehalt der Botschaften wird reduziert auf Schlagworte, die wiederum mit Gefühlen besetzt werden, welche die tatsächliche Leere des eigenen Lebens wie einen Vulkan zum Ausdruck bringen: Hass, Gier, Neid, Gewalt und Angst begleiten den Menschen und breiten sich aus.

In diesem Konglomerat aus dem Gegenspiel von Augenverschließen vor der Notwendigkeit, dass Kants kategorischer Imperativ die Welt zusammenhält, und andererseits dem Einfluss der politischen, religiösen und wirtschaftlichen Verführer ausgesetzt zu sein, sucht der Mensch Zuflucht in einem System, in welchem die eigene Verantwortung bereitwilligst abgegeben wird. Die Nutznießer dieser Entwicklung sind die Menschen mit dem Weltbild des nationalen Patrioten und X-ismusphoben, letztlich des Rechtsradikalen und Faschisten. Die Methoden der Rechtspopulisten sind immer die Methoden, die zunächst scheinbar  eine Alternative bieten.

Das Wahrnehmungssystem der Menschen „lernt“ so durch die Flut der Anreize auf allen Ebenen zu automatisieren. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch die Abstumpfung hinsichtlich der notwendigen Gefühle wie empathische Zuwendung, solidarisches Handeln, rationales Entscheiden und Weiterentwicklung des Lebens zu einem „guten Leben“ im Rahmen des demokratischen und friedlichen Zusammenlebens.

Der Mensch unterwirft sich freiwillig der technologischen Form von Macht durch die Nutzung neuerer Technologien – vom smartphone über augmented Reality-Angeboten bis zu Spielzeugen á la Kamera bestückter Drohen. Das Konstitutionsprinzip der modernen technologisch durchsetzten und abhängigen Gesellschaft greift bis in den letzten Lebensbereich des einzelnen Menschen. Der sieht sich als Individualist. Die konstitutive Setzung der Beeinflussungsstrukturen zeigt sich in scheinbar dezentralen Ausgangspunkten: den Unternehmen, welche die neuen Technologien entwickeln und in ihrer Verfügungsgewalt haben. Das Prinzip „Geschäftsgeheimnis und Investitionsschutz“ lässt die berechtigten staatlichen Eingriffe draußen vor. Die berechtigten Anliegen der Menschenrechte werden dem unterworfen. Die letzten Gebiete der Daseinsvorsorge warten auf die Unterwerfung durch die Freihandelsverträge á la CETA, TTIP und TiSA.

Der Staat schaut als temporär agierender Vertreter der Menschen nur begleitend, allenfalls reagierend dieser Machtergreifung durch die Konzerne zu. Diese Form der Macht – nach der Definition der Foucault`schen Macht – wirkt in seiner Vernetzung der Dinge und der Diskursformen allumgreifend. Lässt letztlich kaum Alternativen mehr zu. Die Sprache spiegelt dieses Wirken wider. So mag auch der Mensch dann glauben, dass alles um ihn herum alternativlos sei. Überforderte Politiker, in den Zwängen der Parteien-Demokratie gefangen, begleiten diese Machtentwicklung mit ihrer Gesetzgebung und gestatten, dass die Konzernlobbyisten diese im Vorfeld schon formulieren. Nicht selten schon geübte Praxis auch im deutschen Bundestag. Naheliegend soll die  gewonnene Macht dann durch die Disziplinierungsmacht der Überwachung gesichert werden. Geopfert werden dabei die Freiheit im Namen der Sicherheit und  -nicht selten in den Krisengebieten dieser Erde –  auch die Menschenrechte. Frei bleiben in diesem Machtspiel die Inhaber und Besitzer der Konzerne. Sie sitzen im Turm des Foucault´schen Panopticon – können alles sehen wie google, amazon, apple, NSA und die anderen Turmsitzer, ohne selbst richtig gesehen zu werden.

Die Teilnehmer an der Gestaltung der gesellschaftlichen Normen – u.a. der Journalist und Redakteur in den Verlagen und Medienhäuser, der Abteilungsleiter in den Entwicklungsabteilungen und Forschungseinrichtungen der Waffenhersteller, der Politiker in den Parlamenten und den Parteistrukturen, der Teilnehmer bei facebook und twitter, amazon und sonstigen Unternehmen – unterwerfen sich freiwillig den Machtmechanismen der digitalen Welt und des Neoliberalismus. In diesem durch die Macht durchsetztem Gefüge bleibt der Mensch in seiner Einsamkeit stecken. Das Design der Beeinflussung durch die Technologien – die Bedienung des smartphones als Vorgabe, welche das Denken in diese Muster zwängt – ergreift auch das Lernen, Denken und Handeln. Das Zurechtfinden in der  Welt der Schnelllebigkeit , die Hilflosigkeit in der Fülle der Möglichkeiten, die Unkenntnis hinsichtlich der technischen Zusammenhänge und der die Gesellschaft beherrschenden Machtstrukturen überfordert immer mehr Menschen. Ängste werden geschürt von den ideologischen Brandstiftern und führen letztendlich zum Wunsch vieler Menschen: sag´ uns, was wir denken, fühlen und tun sollen, wir folgen dir. (Das Prinzip „follow“ ist ein tagtäglich geübtes Handeln!)

Die Fähigkeit zum selbständigen Handeln ist nicht selten real verloren gegangen, das eigene Tun ist überlagert von Täuschung und Selbsttäuschung. In Wahrheit ist die Selbständigkeit des Denkens und Tuns ersetzt durch die „Links“ und Verknüpfungen zu den scheinbaren Interessen. Moral und Ethik werden in ihren Ausformungen, Inhalten und Normen ebenso durch den Rahmen des Neoliberalismus und der ihn stützenden Macht geprägt. Als hätte es Kant und seine Erkenntnisse nicht gegeben. Dabei gibt es mehr als genügend gute Gründe, die freiheitliche, pluralistische Gesellschaftsform zu verteidigen.

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