Johannes von Heinsberg – Bildsprache – Wortsprache

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Zwischen optimistischer Utopie und Verdrängung der Fakten oder die Dystopie aktueller Realitäten

Wer gesinnungsethisch denkt und handelt, neigt dazu, einseitig die sichtbar neoliberalen Aspekten der Wirklichkeit zu betonen oder ihnen die größte Bedeutung beizumessen, da er alles andere nicht kennt oder wahrnehmen will.“ – JWB

Das Verdrängen von Fakten ist ein Schutzmechanismus der Menschen in Zeiten der Herausforderung bei Problemanhäufungen durch Außenstörungen und ihren Auswirkungen in Form existenzieller Bedrohungen. Bei Veränderungen der Sozialgefüge durch nicht persönlich lösbare Beeinflussungen wie Pandemie, Krieg und autokratische Entwicklungen im Staat entstehen Unsicherheiten, die den gewohnten Ablauf des Lebens stören, verändern und Leidensdruck erzeugen.

In autokratischen und diktatorischen Staatssystemen werden Freiheit, Meinungsäußerungen und der Diskurs um eine gemeinsame und tragbare Veränderungsnotwendigkeit unterdrückt und mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Gewalt eingedämmt. Die Realitätsveränderungen sind durch strukturelle Existenznot, Unterdrückung, Freiheitsberaubung und Bedrohung des Lebens gekennzeichnet. Putins Krieg gegen die Ukraine und vorherige gegen Tschetschenien, Erdogans Krieg gegen die Kurden und Orbáns Ausschaltung der Rechtsstaatlichkeit sind Beispiele für die oben genannten Entwicklungen.

In rechtsstaatlich-demokratischen Staatsstrukturen ist die Bewältigung der veränderten Bedingungen deutlich uneinheitlicher. Die Verschiebung ethischer Grundsätze hin zu einer Gesinnungsethik der Politik in einer von Lobbyismus geprägten Republik spaltet die Gesellschaft sowie die Parlamente. Anstatt die Stärkung der Problemlösungsfähigkeiten in konzertierten Aktionen zu organisieren, zerfleischen sich Opposition und Regierungskoalitionen in den Parlamenten. Trump und sein negatives Verhalten als Ausformung des Trumpismus sind dafür ebenso Beispiel wie die egomanische Selbstdarstellungstour des „BlackRock-Adepten“ Friedrich Merz als CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag.

Obwohl Fakten und erfahrungsgestützte Handlungsanleitungen für Pandemien/Epidemien in den Schubladen lagen, wurden die dort vorgegebenen Vereinbarungen auf vielen Ebenen nicht umgesetzt. (Bevorratung von Schutzmittel etc.) Ebenso wenig wurden Katastrophen– und Verteidigungskonzepte auf EU-Ebene bereitgehalten, um den gemeinsamen Verteidigungsfall zu organisieren. Immer wurden die Interessen des neoliberalen Finanzkapitals, gesteuert durch einen überbordenden Lobbyismus, an die erste Stelle gesetzt. Die Verpflichtungen der EU und der nationalen Staaten für das Gemeinwohl und die Daseinsfürsorge wurden und werden immer weiter vernachlässigt bis aktiv verhindert (aktuell durch die Blockade der Lindner-FDP in Sachen Investitionsfinanzen und das Festhalten an der „schwarzen Null“.  Gerade in diesem Bereich ließen und lassen in der Parteien-Demokratie die neoliberalen Parteien der CDU/CSU und FDP zu, dass durch Privatisierungen die Störungen des Sozialauftrages zugenommen haben. (Wohnen, Gesundheit, Bildung, Energieversorgung, Altersversorgung werden dadurch der Renditesteigerung unterworfen und verschlechtern so die Bedingungen für große Teile der Bevölkerung).

Was sich auf politisch-staatlicher Ebene wie zuvor geschildert in dystopischer Form entwickelte, geschieht auf gesellschaftlicher Ebene für das private und persönliche Umfeld. Der Wunsch des „Weiter-so-wie-bisher“-Lebens bei der Bevölkerung, um vor den Störungen und Bedrohungen des Lebensalltags verschont zu werden,  lässt diese ebenso auf persönlicher und privater Ebene erkranken, wie auch das demokratische System. Vertrauen in die Politik ist längst verloren gegangen, genauso wie das Selbstvertrauen bei den Menschen. Angststörungen nehmen zu, wie auch Gewalt gegen Mitmenschen. Verdrängung der Gefährdung durch rechtsextremistische und faschistische Parteien und Vermeidung von Problemlösungen zur Stärkung der Demokratie breiten sich aus – gestützt durch unsägliche TV-Formate wie GNTM bei den Privatsendern oder Politik-Talk á la Lanz bei den öffentlichen Sendern – und betäuben die Wahrnehmung sowie das evidenzorientierte Denken.

Was ist zu tun?

  1. Kein „Weiter-so-wie-bisher“ auf allen Ebenen! Das heißt, dass das Denken und Verhalten der Politiker untereinander nicht mehr in den jahrzehntelang eingesetzten Formen des diskriminierenden und auf Ansehensgewinn ausgerichteten Angriffen à la Merz-Reden erfolgen darf, sondern ein parteiübergreifendes Miteinander (als konzertierte Aktionen und durch das Volk in Form von Bürgerräten beteiligtes Mitwirken) ermöglicht wird, um alle Kraft auf die Problemlösungen zu fokussieren.
  2. Die Verfälschung und Verwässerung der dringendsten Probleme durch den Lobbyismus und die Einflussnahme zum Zwecke der rein ökonomischen Interessensvertretung ist komplett auszuschalten.
  3. Beteiligung und Mitbestimmung durch Volksentscheide – wie zum Beispiel in Dänemark (2022) – für alle wichtigen Themen der Gesellschaft, vor allem aus dem Bereich der Gemeinwohlaufgaben und  Daseinsfürsorge sind sofort zu realisieren.
  4. Transparente und mediengestützte Aufklärung sowie die Entwicklung einer Diskurskultur, die positiv und frei von gruppenbezogener Hass- und Gewaltbereitschaft ist, im Rahmen eines respektvollen und würde orientierten Umgangs erfolgt, muss sofort und nachhaltig praktiziert werden.
  5. Die Regeln Poppers für eine Kommunikation beachten und praktizieren.

Miteinander statt spalten – aufklären statt hetzen – Poppers Kommunikationsregeln helfen! 

P.S. Der Text wurde im Juni 2022 schon einmal vom Autor veröffentlicht. In zwei Jahren hat sich nichts geändert. Alle damals schon auf der Bühne der Politik handelnden Personen agieren weiterhin wie auf Schienen festgesetzt und rasen aufeinander zu! 

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