Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

12. März 2020
von JvHS
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Corona-Fallzahlen-Entwicklung in den Kreisen HS-AC-DN

Stand: 05.04.2020 18.00 Uhr  

Bleiben Sie aufmerksam und schützen Sie sich durch Abstand, zu Hause bleiben und praktizieren Sie so solidarisches Handeln. Eine kleine Hilfe zur eigenen Kontrolle, ob eine Ansteckung eventuell vorliegt, wenn Sie in der Öffentlichkeit Kontakt hatten mit erkrankten Menschen, die vielleicht nur einen grippalen Infekt haben, bietet ein Verlaufsdiagramm der Zeit-Online ! (Download-Link zu einer PDF-Datei) 

Die aufgeführten Zahlen stellen die Anzahl der positiv Getesteten dar. Wie viele tatsächlich infiziert sind, bleibt unbekannt!

Zudem ist hinsichtlich des Verständnisses zu den erfassten Zahlen das Interview mit dem Mathematiker Gerd Bosbach, Professor für Statistik und Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz, Standort Remagen (RheinAhrCampus) interessant, in dem Bosbach (der auch wissenschaftlicher Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes war) fordert, dass:

Zitat: “Weitreichende Entscheidungen bedürfen gesicherter Grundlagen. Genau das ist bisher vernachlässigt worden. Die wiederholte Gleichsetzung der Zahl positiv Getesteter mit der Zahl der Infizierten vernebelt den Blick, die Zählweise bei Corona-Toten ebenfalls. Statt wichtige Zahlen anhand einer repräsentativen Stichprobe zu erheben, werden Daten aus einer völlig verzerrten Teststatistik übernommen. Der Maßstab der Regierung, ab wann eine Abschwächung der Maßnahmen geboten ist, basiert auf einer Scheinzahl von Infizierten, die aber nichts mit der Realität gemein hat. Und den Zeitraum der Verdopplung der Zahlen von zehn Tagen auf 12, 13 oder 14 zu verändern, wirkt willkürlich. Das kann der Demokratie Schaden zufügen und ihre Gegner von rechts stärken.” Zitatende (Quelle: NDS)

Gesamtdeutschland mit den Fallzahlen in den Städten und Kreisen 

Alternative: Fallzahlen in den Kreisen oder Städten

Hinweis auf die rechtliche Situation im Rahmen der Ausgangsbeschränkungen – Stand am 21.03.2020: 

“Für den Laien gilt: Wer Adressat einer behördlichen Corona-Bekämpfungsmaßnahme ist, dem ist aus strafrechtlicher Sicht zunächst dringend zu raten, der Anordnung Folge zu leisten.” (Quelle: lto – legal tribune online – Rechtsportal)  

Weitere Informationen für D / EU / Welt:

Hier eine besonders aktuelle Quelle der Fallzahlen

Darüber hinaus sind europa- und weltweite Fallzahlen bei der Berliner Morgenpost nachvollziehbar. 

Weiterlesen →

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4. April 2020
von JvHS
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Ladenleben, Ladenzeiten – Ladensterben in Coronazeiten

“Heldenhaftigkeit ist eine Todesart, keine Lebensart.” – Gabriel Laub

“Die letzte Stunde der Wahrheit” – so lautet der Buchtitel des Autor Armin Nassehi. *

Zitat aus dem Buch: “Ich bin davon überzeugt, dass uns die Lösung der anstehenden Probleme nur mit einem Paradigmenwechsel gelingen wird, nur mit der Umstellung unserer Denkungsarten auf ein vernetztes Denken, für das uns manchmal die Kategorien, vor allem aber die Ausdrucksformen fehlen.” Zitatende

(*) Dr. Armin Nassehi, Professor für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München – wurde von Ministerpräsident NRW Armin Laschet in den Experternrat berufen. Der werde …”sich unter anderem mit den ökonomischen und sozialen Konsequenzen einer lang andauernden Politik der sozialen Distanzierung und des wirtschaftlichen Shutdowns befassen und Szenarien für den Übergang zwischen Krisenmodus und Normalität diskutieren.” 


Wer darüber hinaus die weiteren berufenen Mitglieder betrachtet, wird wohl diese mit ihrem Weltverständnis im Bereich des neoliberalen und konservativen Weltbilds verorten. Worin dann der Paradigmenwechsel bestehen wird, ist bei dieser Besetzung wohl eher im “Weiter so im neoliberalen Ökonomietreiben” zu erwarten. Statt Stärkung der Positionen und Ressourcen für die Daseinsvorsorge wohl eher wieder die Privatisierung der Bereiche Gesundheit, Bildung und Forschung. 

Die Liste des Expertenrats ist hier zu finden

Update vom 05.04.2020

Warum nun Expertenräte einberufen werden, aber die seit 2012 vom BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) vorliegenden Risikoanalysen keine Berücksichtung erfuhren durch die Politik und Regierenden, dass müssen sich die Damen und Herren der jeweiligen Kabinette und die Abgeordneten fragen lassen! Statt Bevorratung zu betreiben, wurde lieber auf die Beratungsunternehmen kapriziert, die noch vor wenigen Wochen die Schließung vieler Krankenhäuser empfahlen, weil mit der Begrenzung auf 800 Krankenhäuser deutschlandweit die Gesundheitskosten gedeckelt werden könnten.

Da bekommt doch Laschets Expertenrat-Einberufung einen fahlen Beigeschmack und lässt den Verdacht aufkeimen, dass dieses Signal eher etwas mit dem Kampf um die Kanzlerkandidatur zwischen ihm und Söder zu tun hat, anstatt das Augenmerk wirklich auf die notwendigen Veränderungen und den Schutz der Bevölkerung zur rechten Zeit zu legen

     

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2. April 2020
von JvHS
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Tiergeschichten am Lago – wenn die Tierwelt ohne Menschenmassen ist

“Heinrich, wo bleibt die Pizza?”

“Hau ab, ich mache schon Siesta!”

“Lisa, mache endlich Diät! Der Baumstamm hängt schon durch!”

“Ne Schatz, ich kann jetzt auf dem Wasser stehen. Übers Wasser gehen, das muss ich noch üben.”

“Mist, die Landebahn ist zu kurz! Aber nicht schon wieder ins Wasser; das ist noch viel zu kalt!”

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30. März 2020
von JvHS
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Die Hauptstadtpresse schaut auf den Kreis Heinsberg – der Kreis als Blaupause in der Corona-Bewältigung?

Wenn der Berliner Tagespiegel einen überlangen Artikel über Heinsberg und einige Menschen, stellvertretend dafür steht der Landrat Stephan Pusch, veröffentlicht, dann ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Neben der Verortung des Tagesspiegel sollte auch sein Interesse an einer Berichterstattung über einen weit entfernt liegenden Kreis hinterfragt werden.  

Im Kern wird auf die bitteren Erfahrungen abgehoben, die der Kreis Heinsberg machen musste. Es gab und gibt seit langem Pandemie-Pläne des BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe), deren Vorschläge zur Bevorratung z.B. wohl nicht die notwendige Aufmerksamkeit erhalten haben. Wie am Beispiel des Erkelenzer Krankenhauses nachvollziehbar wird, ist aus betriebswirtschaftlichen Gründen zwar die normale Verbrauchsgröße (rd. 600/Jahr) an Schutzmasken bevorratet worden, aber keine Reserven für die Situation einer Pandemie. Wie übrigens auch in den meisten Arztpraxen diese Aufgabe vernachlässigt wurde. Am größten sind wohl die Versäumnisse im Bereich der Pflegeressourcen zu verzeichnen.

Eine Lehre müsste nach der Bewältigung der Krise unbedingt gezogen werden: weder die Infrastruktur der Gesundheitsversorgung (Krankenhäuser, Notdienste, Arztversorgung auf dem Land etc.), noch die im Bildungswesen (Kitas, Schulen, Hochschulen) dürfen hinsichtlich der Ressourcen den Kriterien des Wettbewerbs unterworfen werden. Diese neoliberale Sicht aus den Blickwinkeln der Beraterunternehmen von Roland Berger Europe bis McKinsey & Company Europe hat zu einer Gefährdung der Daseinsvorsorge-Pflicht des Staates geführt. In beiden Bereichen haben die Bewertungsmerkmale der Beratungsmodelle nichts verloren. Und deshalb sind auch die Entwicklungen zur Privatisierung in beiden Bereichen zu überdenken und zurückzufahren.

Zurück zum Kreis Heinsberg- was ist das Interessante an diesem Kreis und kann es eine „Blaupause“ sein für die anderen Teile Deutschlands wie im Tagesspiegelartikel gefragt wird? Wenn man diese Frage beantworten will, dann sind zunächst einmal das Spezifische der handelnden Personen und die „Lebensart“ der Menschen aus dieser Region zu bedenken.

Landrat Stephan Pusch ist Jurist und somit zur Abwägung von Argumenten ausgebildet. Er beherrscht und kennt die gesetzlichen Rahmenbedingungen für sein Verwaltungshandeln. Und die Mitarbeiter in seinem Krisenstab scheinen auch kenntnisreiche Qualifikationen zu besitzen. Darüber hinaus scheint Landrat Pusch zu wissen, wie die Bevölkerung tickt. Zudem ist er Familienmensch mit schulpflichtigen Kindern und er entwickelt nicht zuletzt deswegen einen empathischen Blick auf die Gesamtlage über seine Funktion hinaus. Was hat er gemacht, so dass ihm zurzeit Respekt von allen Seiten entgegen gebracht wird?

Er hat sofort und angemessen gehandelt (Landesregierung und entsprechende Ministerien einbezogen). Die Bevölkerung mitgenommen und das Handeln des Krisenstabes täglich in Videobeiträgen erläutert. Er spricht in einfachen Worten und auf der Gefühlswellenlänge der Bevölkerung. Er sorgt für Transparenz, bleibt dabei wahrhaftig, was die Zahlen betrifft und scheut sich nicht, Kritik an zögerlichem Verhalten übergeordneter Stellen zu äußern. Er nutzt die Medien, um notwendigen Druck auf Entscheidungsträger im Land und Bund aufzubauen. Man nimmt ihm ab, sich für die Menschen in seinem Kreis einzusetzen. Auch weitreichende Entscheidungen zu treffen, wie Schulschließungen sofort vom ersten Tag an, als der erste Corona-Patient feststand, werden nicht auf die lange Bank geschoben. Hier steht ein Mensch in der Verantwortung, der einen guten und sachorientierten Job macht. Das mag an anderen Stellen und Orten anders gelagert sein.

Was den Kreis auch ausmacht, ist die hohe Vereinszugehörigkeit der Menschen. Es ist eine Lebensform, die diese ländliche Region kennzeichnet. Das ist im urbanen Lebensumfeld völlig anders. Diese Vernetzung der Menschen in den Vereinen hat eine reale Dimension. Sie findet nicht nur im Internet statt oder auf der Ebene von Foren und der sozialen Medien. Die Vereinsverbundenheit hat zwar auch dazu geführt, dass anfänglich durch das gemeinsame Feiern und durch die Teilnahme des ersten, damals schon Infizierten, die Erkrankungswelle begann, auch weil ein weitverbreitetes Verhalten vorlag, im Krankheitsfall noch arbeiten und mitmachen zu wollen, weil man sich ja nicht durch ein wenig Fieber als „Schmarotzer und Verräter an der Sache“ outen und abhalten lassen will. Das jedoch muss zukünftig unbedingt überdacht werden. Dass dieses Verhalten auch bei der jährlichen grippalen Saison vielleicht unvernünftig und betriebswirtschaftlich größeren Schaden anrichtet, wird gerne ignoriert. Andererseits ist gerade diese reale Vernetzung in den Vereinen auch die Grundlage für die notwendige Solidarität in Krisenzeiten. Hilfsbereitschaft, Beistand und ehrenamtliches Engagement sind höchst ausgeprägt in dieser Region. Ob dies als „Blaupause“ für städtisches Leben und Handeln in Pandemiezeiten gelten kann, müssen die Menschen in den Städten und Ballungsräumen beantworten. Eine handelnde Person, wie Landrat Pusch, der Veranwortungsethik statt Gesinnungsethik praktiziert, ist für eine Region ein Glücksfall. Das allerdings kann in der Tat als Blaupause gelten.

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30. März 2020
von JvHS
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Weltbild der Herrenzimmer-Clique im Einweg-Spiegel

Perfider und widerlicher lässt sich arrogante Selbstüberschätzung und Fremdtäuschungsverhalten als Antrieb für Manipulation und für den Vertrieb des „kleinbürgerlichen Herrenzimmer-Weltbilds“nicht formulieren. In bekannter, provokanter Weise agierend, verteilt Hendryk Broder seine Ergüsse als „Zückerchen“ für seine Fans aus den Reihen der selbsternannten „Eliten“.

Broders Spiegel: Corona-Sozialismus” – lautet ein heutiger Titel mit inhaltlich vergleichbarer Qualität der bekannten “Blöd”-Zeitung. 

Zitat: “Teil einer jeden sozialistischen Strategie ist es, den Staat in Schlüsselpositionen zu bringen, sowohl in der Meinungsbildung, aber auch in der wirtschaftlichen Aktivität der Bevölkerung. Was wir jetzt erleben, könnte man in dieser Hinsicht als eine Art von Corona-Sozialismus bezeichnen.”Zitatende (Quelle: Broders achgut-Portal)

Wie austauschbar krude Weltbildformulierungen sind, lässt sich nachstehend bestens nachvollziehen:

“Teil einer jeder sich selbstüberhöhenden und gleichzeitig geschäftsideetragenden Strategie ist es, sich in öffentlichkeitswirksamen Äußerungspositionen zu bringen, sowohl für die Meinungsmanipulation der Bevölkerung, aber auch als eine Art der auf Umsätze zielende Selbstvermarktung. Was somit von Teilen der machomäßigen Herrenzimmer-Welt virtuell und wunschgemäß erlebt wird, könnte als eine Art neoliberaler und vorgelebter Sozial-Darwinismus bezeichnet werden.”( jwb)

Ein beredtes Beispiel für das neoliberale Weltbild-Verhalten ist im Meinungstext des Herrn Rainer Zitelmann zu finden.

Wie für die eigenen Zwecke Begrifflichkeiten besetzt werden, das belegt eine Meinungsäußerung der Herrn Rainer Zitelmann auf der Plattform „theeuropean.de“, in dem er Max Weber und seine beiden gegensätzlichen ethischen Maxime aufführt:  Zitelmann zitiert einen Textausschnitt von Max Webers “Politik und Beruf”, in  dem Weber von gesinnungsethisch und verantwortungsethisch geleitetem Handeln spricht.

Auch hier wieder der Versuch, die beiden Begrifflichkeiten inhaltlich zu besetzen. So wird aus dem Weltbild des Herrn Zitelmann klar nachvollziehbar, dass er die Beschränkungen in Form des wirtschaftlichen Lockdowns selbstredend für „gesinnungsethisch“ hält, dagegen die Fortsetzung der wirtschaftlichen Aktivitäten in voller Fahrt und nach kurzer Zeit der Beschränkung als „verantwortungsethisches“ Handeln wertet.

Ein solch neoliberaler „Weltgeist“ wie der des Herrn Zitelmann kommt erst gar nicht auf den Gedanken, dass Menschenrechte und deren gesetzlichen Grundlagen Vorrang vor dem Aktiengesetz und dem neoliberalen Ökonomiemodell haben. Dass genau umgekehrt zu werten ist, was Verantwortungsethik und was Gesinnungsethik bedeutet, verschweigt er oder entgeht ihm in seinem Einweg-Spiegelblick. Verantwortungsethik beinhaltet,  dass die Kapitalinhaber und Vermögensbesitzer zunächst die Rettung ihrer Unternehmen mit den Rücklagen, dem eingesetzten Kapital und den Finanzvermögen aus zuvor gemachten Gewinnen zu decken haben, bevor der Staat mit seinen steuerfinanzierten Mitteln die Haftung und Stützung übernimmt.

Wer die Forderung formuliert, dass Menschenleben zu retten sind, bevor es um die Sicherung der Vermögen in Hedgefonds und Investitionen á la Blackrock geht, der praktiziert als Politiker  verantwortungsethisches Handeln in Sinne Max Webers. Denn schon im Grundgesetz ist formuliert, dass Eigentum verpflichtet – und zwar für den Erhalt der gesamten Gesellschaft. Und wenn der Staat in Vorleistung tritt, somit die entstehenden Kosten für die Stützung des wirtschaftlichen Lebens in Pandemiezeiten übernimmt, dann aber nur solange, bis die Beendigung der Gefährdung der Menschen erfolgt ist. Die staatlichen Vorleistungen für die Kapitaleigentümer sind dann sukzessive an den Staat zurück zu zahlen. Ausnahmen können nur für die Solounternehmer und Klein-und Mittelstandsunternehmen eingeräumt werden, die keine Kapitaleigentümer in Sinne der Konzerne und Aktiengesellschaften und Finanzinvestoren sind. Denn es entständen ja sowieso soziale und staatlich zu finanzierende Kosten, wenn diese Menschen aus dem freiberuflichen Umfeld von Kunst, journalistischer Tätigkeit, gewerblicher Dienstleistungen etc. ihre Selbstständigkeit nicht mehr fortsetzen könnten.

Was allerdings bisher fehlt in den schnell erstellten Verordnungen und Handlungsgrundlagen, das sind die notwendigen Entscheidungen und gesetzlichen Grundlagen für eine Transaktionssteuer und eine Erhöhung respektive wieder Einführung der Vermögenssteuer und Erbschaftssteuern, damit schnell wieder Geld in die Kassen der Staaten fließt, um die Kosten der Wirtschaftsstützung abdecken zu können.

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25. März 2020
von JvHS
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Begegnung der besonderen Art

Ein schwarzer Schwan steht in der Literatur symbolisch für unerwartete Ereignisse  wie bei Nassim Nicholas Taleb. Insofern ist die Pandemie durch das Corona-Virus stellvertretend für ein zwar mögliches, aber unerwartetes, weil nicht erwartetes Ereignis.

Taleb hehauptet, ein triplet of opacity, eine Dreifaltigkeit des Missverstehens in Bezug auf die Geschichte und ihre Auswirkung auf die Gegenwart belegen zu können in den nachfolgenden Merkmalen, indem Menschen irrtümlich denken und handeln:

  1. die Illusion, gegenwärtige Ereignisse zu verstehen,
  2. auf die retrospektive Verzerrung historischer Ereignisse abheben und
  3. die Überbewertung von Sachinformation, kombiniert mit einer Überbewertung der intellektuellen Elite zu verzeichnen sind.

Wie zutreffend in einigen der vorstehend benannten Merkmale auch die jetztige Situation ist, lässt sich leicht nachvollziehen. Dennoch lässt sich trefflich streiten, ob in Albert Camus “Die Pest” so manche Vergleichbarkeit zur heutigen Situation vorweggenommen wurde. Manche Menschen denken, dass dies zutreffend ist. Schlussfolgernd darf schon geschlossen werden, dass die politisch Verantwortlichen, sich identifizierend mit dem Weltbild des Neoliberalismus, dessen Auswirkungen hätten bedenken  müssen. So bleibt eine solche Analyse weder eine Illusion, Ursache und Wirkung für die Pandemie benennen und erkennen zu können, noch eine retrospektive Verzerrung geschichtlicher Ereignisse (wie die Pest oder die Spanische Grippe )zu begehen, wenn aus den Abläufen und ihren Folgen  für die Zukunft und die jetztigen Ereignisse hätte gelernt werden können.

Was auf jeden Fall zutreffend im Rahmen der o.g. Merkmale  Talebs ist: sowohl die Überbewertung der vielen “Sachinformationen” und sich gegenseitig widersprechender Aussagen der Experten, wie auch die unkritische Überwertung der intellektuellen Elite, die als Beraterschwarm die Politik umgarnt und ständig Einfluss nehmen kann, konnten verhindern, dass im aktuellen Wirtschaftssystem ziemlich viel im Argen liegt. Welche Zumutung manches Staatsoberhaupt für die Menschen darstellt, kann an den Figuren von Trump, über Johnson bis Erdogan nachvollzogen werden. 

Martin Walser hat das Symbol des schwarzen Schwans in seinem gleichnamigen Drama verwendet. Auch hier steht die Vergangenheitsbewältigung im Mittelpunkt des Geschehens. Die Aufarbeitung im Rahmen eines Generationenkonflikts (Vater/Sohn-Verhältnis) wird auch das Thema sein müssen in der Nach-Corona-Zeit. Allerdings sollte dann die Aufarbeitung des Themas Neoliberalismus und seine Auswirkungen auf das bisherige politische Handeln (von den Freihandelsverträgen bis zu den Themen Privatisierungen und Verteilungsgerechtigkeit) im Mittelpunkt der Diskurse stehen.

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