Bargeld – in Münzen oder in Scheinen gehört zum Alltag der Menschen. Mit der Einführung des Euro als offizielles Zahlungsmittel war die Grenze zum Nachbarsland bei vielen Ländern im Euro-Raum keine Barriere mehr, weil die gemeinsame Währung keinen Umtausch mehr verlangte. Mal eben beim Bäcker (bakker in den Niederlande, bageren in Dänemark, boulanger in Belgien oder Frankreich, fornaio in Italien) ein Brot, Gebäck oder eine Torte zu kaufen und mit Bargeld zu bezahlen, wird zukünftig nicht mehr möglich sein, wenn die EU-Kommission sich mit ihren Plänen durchsetzen kann, Bargeld abzuschaffen und durch virtuelles E-Geld auszutauschen. Was bequem ist, lässt Befürchtungen schnell zur Realität werden, dass im Gegenzug im Krisenfall diese Technologie zur Falle werden kann.
Beim Nachdenken über diesen Plan, das Bargeld abzuschaffen, wird der Eindruck immer zutreffender, dass bestimmte Gruppierungen die Weichen so setzen wollen, dass einerseits die Kontrolle der Menschen und die Einflussnahme auf Geldflüsse im Falle einer Finanzkrise leichter möglich sein soll und – in Erinnerung an Griechenlands Staatsschuldenkrise mit drohendem Bankrott des Staates – lässt sich die Umverteilung und der Abgang großer Summen zum Vorteil der institutionellen Anleger noch besser realisieren und zugleich die Lasten auf die Mehrheit der Bevölkerung verteilen, die -wie 2010/2011 in Griechenland – temporär keinen Zugriff auf ihre Konten hatten. Wer Bargeld in Reserve hatte, war zumindest in der Lage, die alltäglichen Notwendigen einkaufen zu können!
Und wenn die Großeltern zu Besuch kommen, dann ist die Aufbesserung des Taschengeldes der Enkeln leicht zu realisieren mit einem 5-Euro-Schein oder ein paar Euro-Münzen fürs „Sparschwein“.
Bedenken gegen Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel bestehen, wenn durch Schwarzarbeit dem Staat Steuereinnahmen und Beiträge der Sozialabgaben vorenthalten werden. Dem ist nichts entgegen zu setzen und dieses Schlupfloch zu schließen, ist berechtigt. Es bleiben aber Fragen übrig, wieso der Staat dann einer bestimmten Gesellschaftsschicht nicht mit gleicher Entschiedenheit entgegentritt und Vermögenssteuern erhebt, oder eine gerechtere Erbschaftsbesteuerung durchführt? Mit der gesetzlichen Regelung, Schwarzgeldzahlungen zu unterbinden, bedeutet der Verzicht auf Vermögenssteuern eine deutliche Ungleichbehandlung!
Was für den Normalbürger zum Nachteil gerät, kommt den Einsparungen für die Bargeldverwaltung im Finanzsektor den Banken und Unternehmen zum Vorteil.
Die Geschäftsmodell krimineller Täter im Umfeld von Bargeldgeschäften würde einschneidenden Veränderungen erfahren, sofern das Bargeld verschwindet. Zugleich geraten ab die Befürworter des Bargeld in Generalverdacht, weil sie mit den Machenschaften der organisierten Kriminalität in einen Korb gesteckt werden!
Wer sich der Einschränkung erwehren will, hat die Möglichkeit, sicher an einer Petition gegen die Pläne EU-Kommission zu beteiligen und zu widersprechen:
5. März 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für Der Rückfall in despotische Systeme als Staatsform und die erneute Ausbreitung des „Rechts des Stärkeren“
Wir sind in Deutschland schon seit rund zwei Jahrzehnten gewohnt, dass die Preisgestaltung der Mineralölkonzerne an den Tankstellen nicht willkürlich, sondern sehr genau die alltäglichen Abläufe der Verbräuche analysieren – und darauf aufbauend die Tanknotwendigkeiten nutzend – indem sie ihre Preise zur Maximierung der Gewinnspanne verändern! Dazu gehören ebenso die vor den Urlaubs- und Ferienzeiten sukzessiv höheren Preisanhebungen an den Tankstellen.
Da nur wenige Mineralölkonzerne den Benzin- und Dieselmarkt beherrschen (Monopole), ist ein freier Wettbewerb nicht mehr gegeben. Die Preise gleichen sich auch ohne Absprachen und Kartellverstoß-Allüren innerhalb weniger Minuten an. Von freier Marktwirtschaft kann in diesem Geschäftsbereich keine Rede mehr sein.
Allerdings kann wohl die Rede sein von „Übergewinn“-Absichten – letztlich eine Umschreibung des Begriffs „Wucherpreise“! Die Transparenz wird auch durch verschiedene Apps zur Info über die aktuellen Preise für Kraftfahrtstoffe nicht wirklich ermöglicht, weil es keinen Vergleich mit den Preisen in den Nachbarsländern gibt und den tatsächlichen Besorgungs- und Handelsgrundlagen der Rohstoffe Öl und Gas.
Ereignisse wie der aktuelle Krieg der USA und Israel mit dem religiösen Terrorsystem des Irans werden gerne genutzt, um die Preise in die Höhe zu treiben, ohne den realen Beleg zu erbringen, ob tatsächlich die so begründete Argumentation (Kriegsfolgen) für die unglaublichen Preissprünge wirklich zutreffend ist!
Leider ist die aktuelle Mehrheitsfraktion der Kanzlerpartei CDU/CSU in der Regierung eine Anhängerin des Neoliberalismus und verkauft den Menschen, dass das Gebaren der Mineralölkonzerne „freie Marktwirtschaft“ sei! So lässt die Kanzlerpartei aus CDU/CSU die „Wucherpreisgestaltung“ zu, weil der lobbyistische Einfluss der Konzerne auf die Kanzlerpartei mit ihrem Weltbild, dass das börsenorientierte Anlage- und Finanzkapital nicht gefährdet werden darf, und der „Eigentumsschutz“ an erster Stelle stehen muss, deckungsgleich mit den Konzernen und Unternehmen ist.
Die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland stehen nicht im Mittelpunkt der Kanzlerpartei und ihrem Koalitionspartner SPD. Preissprünge von rund 20 Prozent und mehr innerhalb weniger Stunden wird den Konzernen zugestanden.
„Übergewinn-Steuer“ zu beschließen, ist ein notwendiges Regulierungswerkzeug, um ausgewogene Interessensvertretung zu belegen! Soll regelgesteuertes Zusammenleben – sprich rechtsstaatlich, gewaltenteilig und demokratisch – im Staat eine Bedeutung haben, dann muss vor allem der Staat und seine institutionellen Einrichtungen die Sicherheit und Freiheit für alle realisieren und nicht nur für einen privilegierten Teil der Gesellschaft!
Der Widerstreit der verschiedenen Staatstheorien
Wir erleben als Bevölkerung immer wieder, dass sich staatstheoretische Grundsätze gegenüberstehen. Wer mit der Regierungsmacht nicht verantwortlich umgeht und nicht um Ausgewogenheit zwischen Sicherheit und Freiheit bemüht ist, der spaltet die Gesellschaft.
Thomas Hobbes betonte schon in seinem Werk „Leviathan“ (1651) die Gefahr, dass in Zeiten, in denen der Zeitgeist des „Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf“ wieder erstarkt, nur ein regelbasierter und ausgewogen orientierter sowie demokratisch verfasster Rechts-Staat den Hang zum „Naturrecht“ und „das Recht des Stärkeren“ und dessen Denken und Handeln einhegen und steuern kann. Für Thomas Hobbes war allerdings die Lösung, dass der Staat und die Personen die gesamte Macht ohne Gewaltenteilung auch zur Unterwerfung haben muss. Sicherheit steht an erster Stelle, dem darf dann alles untergeordnet werden. Denn dem Staat ist dafür alles erlaubt.
Wenn jedoch eine Gruppierung – wie in den USA unter Trump und seiner Republikaner – das Selbstverständnis des „Rechts des Stärkeren“ mit Willkür und Machtmissbrauch selber praktiziert, dann sind Kriege und Despotie wieder an der Tagesordnung. Einschließlich des dadurch herbeigeführten Chaos durch negative Vorbilder. So ist nicht verwunderlich, dass sich das Verhalten, Regeln/Gesetze nicht befolgen zu wollen, bis in kleinste Glied der Gesellschaft verbreitet. Regeln sind dann nur für die anderen da! Machtmissbrauch wird zur „neuen Normalität“. Ob die AfD unerlaubte Beschäftigungsverträge generiert, oder andere Parteien ihre Spendengeld-Skandale haben, oder Minister bewusst und absichtlich Schaden für das Land verursachen (Spahn mit Maskenskandal / Scheuer mit Mautskandal), es sind auf jeder Ebene Regelverstöße sichtbar.
Ein Unrechtsbewusstsein verschwindet und so kommen Vermieter auf den Gedanken, Mieterhöhungen vorzunehmen und gegen die gesetzlich festgelegten maximal 15% Erhöhungen alle drei Jahre bewusst zu verstoßen!
Die historischen Sprünge auf Weg zum modernen Staatswesen eines demokratischen Rechtsstaates
Noch rund zweitausend Jahre vor Thomas Hobbes entstanden im antiken Griechenland die ersten Versuche einer Staatstheorie. Aus den damals vorhandenen realen Umständen zur Zeit Platons im Zeitraum des 4. Jahrhunderts vor Christi Geburt formulierte Platon seine Vorstellung vom Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft. Die Ideen zur Strukturierung seines Idealstaates beruhten auf der bis dahin bekannten Form von Hierarchien, auch weil das Prinzip von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit noch nicht zum Vorstellungsraum der Menschen gehörte.
Drei hierarchisch gegliederte Stände entsprangen Platons Vorstellung:
an der Spitze der Stände die Philosophen mit ihrem universellen Wissen von Logik (Vernunft), Ethik und Ästhetik.
Darunter die im Kampf ausgebildeten Wächter (Militär) zum Schutz und der Verteidigung des Staates und zuletzt
die Bauern, Handwerker und Händler, die die Versorgung für das leibliche Wohl (Essen, Kleidung, Wohnen) sichern sollten.
Weitere Gruppierungen wurden nicht einmal genannt und waren ohne Anspruch auf Rechte, sondern waren Objekte der Verwendung wie die der Sklaven!
In der Athener Demokratie erlebte Platon, dass Sokrates gezwungen wurde, den Giftbecher zu lehren, und damit dem Geist der Demokratie nicht entsprochen wurde. Für Platon enthielt diese erste Staatsform eine Tendenz, Diktatur und Tyrannei umzuschlagen. In er solchen pervertierten Form der Demokratie als Staat beißen den Letzten dann die Hunde!
Einzelaspekte in der Entwicklung der Staatstheorien und die Festlegung, was der Staat zu regeln habe
John Locke war nach Thomas Hobbes der Staatstheoretiker, der eine fast gegenteilige Aufgabe des Staates formulierte: statt Hobbes Schlussfolgerung, dass der Staat (und seine Repräsentanten) der unangreifbare Machtinhaber sein müsse und nicht wie in der Demokratie das Volk, entwickelte Locke die Urform des heutigen Neoliberalismus mit seiner Forderung, dass der Schutz des Eigentums seine wichtigste Aufgabe sei! Locke ließ dabei außeracht, wie das Eigentum entstanden ist. Der Staat sollte die Ansprüche der Neider und Missgünstigen abwehren. Ob dazu auch die Forderung nach Besteuerung ihres Eigentums gehörte, bedarf noch einer zukünftigen Forschung. Der Schutz des Eigentümers stand als wichtigste Priorität auf Lockes Agenda. (Ob Kriegsbeute, Raub, Ausbeutung oder tatsächlich das Ergebnis eigenhändiger Arbeit, bleibt ebenso bisher im Dunkeln!)
Ayn Rand – war die radikalste Vertreterin des Raubtierkapitalismus, dem bis heute auch die Geschäftsmodelle der „Heuschrecken-Gier“ und Hedgefonds-Aktivitäten folgen. Für Ayn Rand ist totaler Egoismus die höchste Form der Tugend. In Russland 1905 geboren als Kind eines Apothekers, dessen Besitz infolge der Oktoberrevolution und den Beginn der Leninistisch-Stalinistischen Diktatur enteignet wurde, erlebte sie diese Form von Gewalt und als Folge die Verarmung. Ihr Hass gegen jede solidarische Organisation als Teil einer Gesellschaft (solidarisches Krankenkassen und Rentensystem lehnte sie ab!), transformierte sie als Weltsicht, in der der Staat den Schutz des Eigentums durch Polizei und Justiz zu sichern habe. Jede andere Einmischung des Staates sei eine Verletzung der individuellen Rechte. Der Staat habe sich rauszuhalten aus allen Vorhaben des Individuums (von der Umsetzung von Geschäftsideen), kein Recht auf Steuern zu erheben, sozialstaatliche Vorhaben zu unterlassen und gesellschaftlicher Wohlstand sei nicht das Ergebnis und auf die Mehrwertschaffung von Arbeitern und Angestellten zurück zu führen, sondern einzig auf individuelle Leistung eigennütziger Unternehmen.
Für Ayn Rand ist jede staatliche Einmischung und Regulierung zu unterlassen. Stattdessen stelle der unregulierte und unkontrollierte Kapitalismus als einzig wahre Wirtschaftsform ein System dar, dass der menschlichen Natur (Rückgriff auf die unzivilisierte Form des „Naturrecht des Stärkeren“) entspreche. Sie ist das Vorbild der ungezügelten Vorgehensweise der Tech-Milliardäre á la Zuckerberg, Bezos und Musk, sowie der scientologisch-affinen Verschworenheit der Trumpschen Präsidentschaft und seiner Entourage aus der neuen Republikaner-Generation.
Eine Anhängerschaft für die Weltsicht von Ayn Rand in der Kanzlerpartei-Union von CDU/CSU darf vor allem quer durch die Netzwerkstrukturen der jungen Generation der Union mehr als nur eine Mutmaßung sein. Darauf weisen vor allem die Ablehnung von Vermögenssteuern, aber auch die Zulassung von Gewinnmaximierungen (Preissteigerungen bei Treibstoffe, Gas und Strom), oder die Ausweitung von Vermieterrechte in Form von Mietpreisexplosionen und Nebenkosten-Positionen, die dem Vermieter aufgehalst werden dürfen etc. hin.
Im Gegensatz zur Weltsicht von Ayn Rand, so wenig wie mögliche staatliche Einmischung zu ermöglichen, pervertieren jedoch die Formen indirekter staatlicher Einmischung durch die Lobbynetzwerke zwischen Politiker in Machtpositionen und Unternehmen in Deutschland und der EU. Zudem ist eine Neigung in den staatlichen Institutionen zu beobachten, indem die systemischen Risiken auf die Individuen verlagert werden. Fehlentscheidungen des Managements in den Konzernen und Unternehmen und ihre Folgen werden sozialisiert, wobei zugleich das versagende Management mit extrem hohen Boni sich selber versorgen! Durch die Blockade einer gerechteren Besteuerung der Privilegierten und Vermögenden seitens der Unionsparteien, werden immer mehr Gesetze verfasst, die die Kosten des Sozialstaates auf die private Vorsorge umleiten und in die Verantwortung des Einzelnen verlagert, egal ob die Möglichkeiten real bestehen oder nicht!
Das gilt auch für den Arbeitsmarkt – und die Verschleierungspolitik der Jobcenter-Bestrafungsmethoden – in dem die unverschuldete Arbeitslosigkeit aufgrund von Konjunkturdellen und vor allem des Strukturwandels durch KI als Versagen des Individuums propagiert wird. Die sich so entwickelnden fundamentalen Krisen der Demokratien läuten die Zerstörung der rechtsstaatlichen Demokratien ein. Der Abbau und Umbau der Demokratie in den USA ist ein warnendes Zeichen. Aber das wird von den reaktionär-konservativen Teilen der Politik ignoriert respektive nicht in die notwendigen Bahnen geleitet.
Denk ich an Deutschland im Jahr der vielen Wahlen, bin ich um den Schlaf gebracht!
2. März 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für Merkmale des weltweit neu erstarkenden, menschenfeindlichen Faschismus
Von der epidemischen Ausbreitung rechtsradikaler Ideologien und dem brutalen Aktivismus neoreaktionärer Superreichen (Peter Thiel, Elon Musk, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Konsorten) bis zum verzerrten „Macht- und Freiheitsbegriff“ in Form der rechts- und verfassungsbrechenden Willkür eines Donald Trump zeigt sich ein neuer Faschismus, der über die Merkmallisten und Definitionen des „ewigen Faschismus“ Umberto Ecos hinausreicht.
Die promovierte Autorin, Eva von Redecker, setzt in ihrem neuen Buch „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“ den Fokus auf die Erforschung der autoritativen Bewegungen (AfD und Identitären in Deutschland / MAGA-Ideologie in Trumps US-Amerika) mit dem Ziel, eine Theorie des neuen Faschismus zu definieren. Sie untersucht die netzwerkende Beziehung von Faschismusideologie mit dem Weltbild des neoliberalistischen reaktionären Kapitalismus.
Auf dem Boden der „Kritischen Theorie“ seziert sie neue Faschismus-Formen und bringt mit ihrem Begriff „Phantombesitz“ eine neue Kategorie faschistischer Handlungen in den Diskurs „Was ist Faschismus?“ An welchen Kategorien Faschismus definierbar wird, hat Umberto Eco in seinem Werk „Der ewige Faschismus“ aufgeführt. Dem fügt Eva von Redecker eine weitere Kategorie hinzu, die vor allem den Besitzanspruch und die Verfügungsmacht über Menschen und ihre ausbeuterische Verwertung anspricht.
Unter dem Begriffs-Schirm des Menschenrechts und der Menschenwürde lässt sich subsummieren, dass niemand Besitz an einem Mitmenschen haben kann. Zu Recht kann dies als ein wesentliches Merkmal zivilisierter Regelwerke der Demokratie und des Rechtsstaates verstanden werden.
„Phantombesitz“ (*) nennt von Redecker das aus faschistischer Ideologie entstandene Anspruchsdenken der aktuellen Faschisten, die über die Arbeitskraft von Menschen in Produktionsabläufe ebenso verfügen wollen (als Kriegsgefangene, die von den Nazis als Zwangsarbeiter in den Produktionen von Kriegswaren, in der Landwirtschaft etc. eingesetzt waren), wie über die Kampfkraft als Soldaten, die in Militäreinheiten gedungen werden (aktuell in Russlands Truppen durch Zwangseinberufung, oder durch Abordnung fremder Soldaten für Kriegseinsätze im Ukrainekrieg wie durch Korea) und denen keine Wahl gelassen wird, sich gegen diese Verwendung wehren zu können.
Die Ungleichbehandlung farbiger Menschen und die Nicht-Anerkennung des Menschenrechts gesellschaftlicher Gruppen durch Faschisten ist ein weiterer Baustein, der zudem durch das vermeintliche Recht auf „Verfügungsmacht“ nach faschistische Weltsicht noch abartiger realisiert werden kann, in dem ein Pseudorecht konstruiert wird, nicht nur die Arbeitskraft nach Gutdünken zu verwenden, sondern noch pervertierter, in dem Gegner und Kritiker als „Feinde“ der Faschisten (Migranten, Linke, Klimaschützer) benannt werden, in dem sie ausgegrenzt, verhaftet, vertrieben und getötet werden. Dehnbare Gesetze, die einen Ausnahmezustand konstruieren, um die verfassungsmäßigen Rechte der Menschen außer Kraft zu setzen. (Beispiel: US-Regierungspraxis unter Trump; ICE-Einsatz). Die Willkürfreiheit dieser Trump-Regierung lässt sich nicht einmal mehr vom Urteil des Supreme Court als Kontrollmacht der Verfassungstreue bremsen. Das ist Verfassungsbruch und ein Verbrechen und Selbstermächtigung!
Diese aber ermöglicht dann die Umsetzung von Menschenrechtsverletzungen aufgrund des neuen faschistisch-ideologischen Selbstverständnisses der Gesetzesverbrecher und mittels einer konzertierten Aktion des Netzwerkes zwischen Politik und Wirtschaft die Zerstörung des demokratischen Regelwerkes (Verfassung, Gewaltenteilung und Rechtsstaat). Die faktisch faschistische Regierungs-Clique unter Trump praktiziert einen „rechtsbrechenden Liberalismus“ (*), weil die vernunftgeleitete Selbstkontrolle zur Rücksichtnahme auf andere Menschen beiseitegeschoben wird!
Wenn zum Erkennen des Faschismus der Kriterienkatalog von Umberto Eco wie von Eva von Redecker genutzt werden kann, muss das Etikett „Faschismus“ nicht genutzt werden, um Verhalten, Denken und Zielformulierungen desselben eindeutig als menschenverachtend, bösartig und gesellschaftsvergiftend bezeichnen zu können.
Wer aber will in solchen Verhältnissen leben wollen, außer diejenigen, die Faschisten sind! Die aber praktizieren gruppenbezogen Menschenfeindlichkeit in ihrem Wahn!
(*) Begriffe aus: Eva von Redecker „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“!
Die gute alte Herrenzimmerzeit – oder die Tugenden des Nationalkonservativen als vermeintlicher Wegweiser in neue Zeiten
Ob konservativ, ob gesellschaftskritisch, ob nonkonformistisch, ob neoliberal oder rechtsextremistisch, für jede Haltung, Weltsicht oder Identifikation eines Menschen kommt irgendwann beim Älterwerden der Zeitpunkt, eine Rückschau auf die eigene Jugend und die zeitgeistigen Identitäten vorzunehmen.
Nicht selten erfolgt eine Abkehr von der Weltsicht, die als rebellischer Jugendlicher gegen die Haltung der Elterngeneration eingenommen wurde. Und in der zweiten Hälfte des eigenen Lebens wird der Wechsel zur diametral entgegengesetzten Weltsicht vorgenommen. Ein Bäumchen-Wechselspiel der besonderen Art, oft vom Regen in die Traufe geraten und sich dann wundern, weshalb man nasse Füße bekommt! Dieser Vorgang wird auch als „Lebensweisheit“ verklärt und ist doch oft nur dem schon lange verleugnetem materialistisch-neoliberalen Zeitgeist und der zweiten Seele in der eigenen Brust geschuldet.
Die Musikvorliebe, der Kleidungscode und die Sprache sind Bereiche, in denen der jugendliche Zeitgeist gegen die Elterngeneration protestiert und zum Ausbruch kommt. Allerdings reiben sich die in die Jahre gekommenen Anhänger so vieler zersplitterter und neuformierter eigener Jugend-Identitäten dann die Augen, wenn nach Jahrzehnten die Protestformen in Wellenbewegungen sich wiederholen, aber dann oft radikaler und von anderen Ideologien in Anspruch genommen, wenn Methoden der linken Gruppen von Rechtsradikalen vereinnahmt wurden.
Der Streit flammt zwischen den im Zeitgeist ihrer Jugend ehemals verbündeten Kompagnons oft unerbittlich und unnachgiebig auf! Nichts gelernt und die Hälfte vergessen, könnte man meinen! Die menschliche Natur scheint unveränderlich zu sein. Lediglich die Intensität mag sich in diesen wiederholenden Konflikten unterscheiden.
Aktuell scheiden sich die Geister über die Entstehung der Protestform des „Punk“. Vor rund 50 Jahren war die jugendlich Abgrenzung vom Erscheinungsbild der Elterngeneration durch Frisur und Kleidung besonders krass zum Ausdruck gebracht worden. Dabei ändert sich der Rückblick der Protagonisten des „Punk“ nicht nur aufgrund der sie nun betreffenden Vergesslichkeit, sondern auch, weil Sprache und Emotionserinnerungen vom betrügerisch agierenden Hirn unmerklich über die Zeit verändert wurde zu einem neuen, subjektiven Bild des Punk-Zeitgeistes. Gestritten aber wird dann von 60Jährige wie im Kindergarten!
Die Ungleichzeitigkeit der Erkenntnis und der Urteilsfähigkeit lässt vermeintlich alte Gemeinsamkeiten vergessen und kaleidoskopisch verändert auftauchen. Je nach Abstraktions- und Abstandsfähigkeit kommen Kränkung, Ablehnung, vorurteilige Ausgrenzung und Spaltung zum Tragen. Die Spaltung ehemaliger Verbündeter kommt dabei nur den neuen extremistischen Machtinhabern und neoliberalen Profiteuren zugute.
Ein wenig konkreter werdend und beispielhaft das Weltbild des „Punk“ aufzeigend, soll auch ein Disput zwischen ehemals Verbündete im Geiste einfließen.
Als die Lebensweise des „Punk“ im Klassenzimmer sichtbar wurde
Der Autor dieses Textes war zum Zeitpunkt des Auftritts der „Punk-Bewegung“ als Lehrer Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre tätig. Die Aufklärungsbedürfnisse der 68er-Generation wurden meinerseits nachvollzogen, aber ich war nicht in die rebellischen Aktionen in Berlin, Frankfurt oder anderen Hochschulstädten involviert, sondern ich agierte als aufmerksamer Beobachter, der sich ein eigenes Bild durch Literatur und Wissenschafts-Studien verschaffte über die „Unfähigkeit der Täter- und Mitläufergeneration“ hinsichtlich der Holocaust-Aufarbeitung.
Jede radikale Veränderung konfrontiert die Vorgänger-Generation mit der eigenen Weltsicht. Toleranz und der Diskurs über die Haltung der „Punks“ war den Anhängern der konservativen Weltsicht eher fremd. Der militärische Ton damaliger Sportlehrer im Alter von 60 Jahren war leider durchaus den Schülern nicht fremd. Dagegen wurde als Punk-Fan protestiert.
Als Lehrer an einer Hauptschule tätig, konnte ich die Veränderung zu einem „Weltbild der destruktiven Ablehnung und Selbstaufgabe“ miterleben. Das Erscheinungsbild der Jugendlichen änderte sich radikal in allen Bereichen: von der Kleidungsmode, über die Friseur, die Sprache, über den Musikgeschmack bis zur Verweigerung der schulischen Regeln. Das war für die „Punks“ im Klassenraum selbstverständlich.
Die Begeisterung der Jugendlichen für die Lebensweise des „Punk“ war für mich nachvollziehbar, wurde jedoch nicht ohne Widerspruch hingenommen, sondern der Versuch wurde gestartet, die „Punk-Begeisterten“ zur kritischen Hinterfragung zu bewegen. Denn der Rückzug in die „No-Future-Haltung“ war kaum sachlich zu begründen und wurde dennoch ohne zu hinterfragen von den Jugendlichen übernommen. Einfach um dazu zu gehören!
Auch wenn die „Bedrohungslage“ durch Atomraketen-Aufrüstung (Pershing II), die wachsende Arbeitslosigkeit und die wirkende Stagflation und das wirtschaftliche Nullwachstum zwar realistisch beschrieben und im eigenen Familienalltag erlebbar wurde, aber für eine destruktive und deprimierende Grundstimmung gab es keinen wirklichen Grund. So förderte „Punk-Sein“ eine zu große Affinität zum vorschnellen Aufgeben und zur Resignation, ohne den Versuch zu unternehmen, an einer konstruktiven Alternative mitzuwirken.
Wie so oft beim Generationenstreit wurde nicht erkannt, das, was die Generationen verbindet nicht als wichtiger gesehen wurde als das, was sie trennt. Kulturelle neue Entwicklungen und Veränderungen werden von Extremisten jeglicher Couleur schon immer als „Gefahr“ gesehen, anstatt als Chancen begriffen zu werden. Diese Haltung verstärkt eine ausgrenzende Sichtweise, in dem Toleranz missverstanden wird als Öffnung zur Verstärkung nur des eigenen Weltbildes.
Wie schnell absurde Schlussfolgerungen gezogen werden, lässt sich am Beispiel der Fragen nachvollziehen: „Wer vertritt wen, mit welcher Autorität, auf welcher Rechtsgrundlage und mit welchen Folgen?“
Übertragen auf die aktuelle Situation unter der globalen Erpressung und den Zoll-Dekreten der Präsidentschaft Trumps, der sich über Verfassung und über die Supreme Court-Urteile (oberstes Gericht der USA) hinwegsetzt, und die Erkenntnisse bestätigt, dass „bei jeder kulturellen und rechtlichen Aneignung es die gibt, die Regeln nicht mehr akzeptieren und widerrechtlich handeln, und jene, die dieser „Gewalt“ gegen über ausgeliefert sind, in dem ihre demokratische Identität durch ökonomische und politische Aneignung sowie exekutiver Missbrauch manipuliert wird, und dessen Folgen zum weltweiten Unrecht führen!“
Intoleranz ist die gefährlichste Form der Unterdrückung anderer Menschen durch diktatorische und despotische Gewalt, weil sie zugleich Unfreiheit bringt und Weiterentwicklung verhindert. Der im neoliberalen Umfeld aktuelle Eigentumsbegriff bedarf einer völlig neuen Definition, in dem die Bandbreite der kulturellen Entwicklung der Menschheit sich nur entfalten kann, wenn Erkenntnisse und Wissen nicht der egoistischen Ausbeutung durch ökonomische Vereinnahmung unterworfen werden, sondern allen Menschen zugutekommt.
Bisherige Identitätsmodelle haben oft in den absurden Irrtum geführt. Eine Essenskultur, die oft von den Bedingungen der durch die Natur hervorgebrachten Nahrung und später durch wissenschaftliche Erkenntnisse geförderte Anbaumethoden entwickelt wurde, sowie alle Erfindungen, welche der Menschheit Fortschritt gebracht haben, haben ihre Wurzeln in der Bandbreite der Anpassungsfähigkeit an die Gegebenheiten und den Ideen zur Lösung von Problemen. Die Begrenzung auf den Begriff des Eigentums und der egoistischen Nutzung für privilegierte Gruppen unter Ausschluss und Ausgrenzung der überwiegenden Mehrheit der Menschen führt zu Barrieren und Kriegen. Die kollektive Kreativität wird verhindert und Möglichkeiten der Inspiration werden der ökonomischen Ausbeutung unterworfen.
Die Menschheit lässt zu, dass sie in Fesseln von Egomanen gelegt wird. Zugleich lässt sie sich in extremistische Identitätsmodelle treiben. (MAGA / AfD!)
19. Februar 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für „Aufrecht – Überleben im Zeitalter der Extreme“: Prequel (Fortsetzung durch Nachtrag) von Lea Ypi
Zum Buch „Aufrecht – Überleben im Zeitalter der Extreme“
Obwohl es eine Binsenweisheit ist, dass Menschen verschieden mit Ereignissen umgehen, die weltgeschichtlich so Ungeheuerliches wie den Holocaust betreffen, bleibt diese Erkenntnis immer noch überraschend in Bezug auf die dabei entstehenden Variationen. Zu ergründen, warum immer wieder Menschen den anderen unfassbares Leid zufügen, so wie im Fall der Vernichtung der Juden in den Konzentrationslagern geschehen, das ist meistens nur ein Aufklärungsbedürfnis der nachfolgenden Generationen, die das „Glück der späten Geburt“ hatten, sprich nach 1945 geboren wurden! In Mitscherlichs Werk „Die Unfähigkeit zu trauern“ wurde ein Verhalten diagnostiziert, das sowohl erbärmlich wie beschämend war, und die Realität des Verdrängens und Vergessens der Täter und Mitläufer in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem 2ten Weltkrieg beschrieb.
Die Generationen, welche öffentlich Fragen stellten und das Schweigen in den Familien aufbrechen wollten, sind jedoch nochmals zu differenzieren. So sind jene Söhne und Töchter der Täter und Mitläufer gemeint, die 1968 im Selberdenken-Alter waren, zu unterscheiden von denen, die zur Wende-Zeit bis zum Ende der 1990er Jahre mit einem anderen Zeitgeist in Berührung kamen. Einem Zeitgeist, in dem die Gier des Neoliberalismus die Dollarzeichen in die Augen der StartUp-Unternehmen der Dot-Com Unternehmen trieb.
Zur Jahrtausendwende waren die meisten Täter und Mitläufer, die beim Extremismus des Nationalsozialismus an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt waren, einer gerechten Verurteilung schon entkommen! Immer mehr Zeitzeugen verstarben und die wenigen überlebenden Opfer des Holocaust kämpften gegen das Vergessen einen verzweifelten Kampf bis zu ihrem Tod.
Aufgrund dieser bis heute wirkenden Nichtaufarbeitung eines ganzen Volkes – bei dem der Fanatismus und Extremismus eines verbrecherischen Systems, des „Nationalsozialismus“, eine mitmachende Begeisterung entzündete – entstand ein Strukturgerüst des Terrors und der Menschenfeindlichkeit, welches auch heute wieder bei den Anhängern des „Führungssystems“ bis zu 40 % Zustimmung findet.
Vor allem in den Bundesländern der ehemaligen DDR ist die hohe Zustimmung zu einer anti-demokratischen Partei (AfD) besonders unverständlich, weil sie die Strukturen eines Unrechtsstaates miterleben mussten. Und hier wirken die Versäumnisse der Aufarbeitung ein zweites Mal in den Agenden der Familien!
Eine durchgehende, tiefsitzende Despotie-Struktur (Überwachung/Kontrolle und Ausschaltung der Opposition) von 1933 -1989 konnte in der DDR nachhaltig wirksam werden, weil die Begriffe wechselten, aber die Struktur der Unfreiheit im Denken und Handeln nicht. Was für Deutschland galt, trifft auch für andere Länder in Europa zu.
Die philosophische Schriftstellerin Lea Ypi beschreibt in ihrem Werk „Aufrecht – Überleben im Zeitalter der Extreme“ das Leben ihrer Großmutter in Albanien im Zeitraum ab 1941 bis in die Neuzeit nach der Jahrtausendwende.
Zitat: „Lea reist an die Orte von Lemans (Vorname der Großmutter) Leben, um es Stück für Stück anhand von Archivalien, Akten und Anekdoten zu rekonstruieren. Gebannt folgt man ihr in die untergegangene Welt der osmanischen Aristokratie, an die Wiege der neuen Nationalstaaten auf dem Balkan und natürlich nach Albanien, erst unter faschistischer Besatzung, dann unter kommunistischer Herrschaft.“ Zitatende
Alles fängt mit einer Fotografie ihrer Großmutter an, die in den sozialen Medien auftaucht und von Menschen außerhalb der Familie kommentiert wird.
Daraus erwächst die Motivation bei Lea Ypi, eine tiefgründende Reflexion des Lebens ihrer Großmutter zu beginnen und Erkenntnisse über die Zerbrechlichkeit von Wahrheit entlang der Realitäten in besonders extremen Zeiten zu gewinnen. Lea Ypi wird in die Notwendigkeit hineingezogen, in dem sie sich auseinander setzen muss mit ihrer subjektiven Erinnerlichkeit an geliebte Menschen und deren Versuche, Würde zu bewahren! In einer Zeit, in dem Despotie und Terror, sowie das Verhalten gegen anders Denkende „mit Stiefel getreten zu werden“ zur „Normalität“ des Alltags wurde!
Diese Reise in eine Zeit mit einer anderen Realität und Auswirkungen des dort herrschenden Zeitgeistes auf das Leben von Menschen erfordert vom Forschenden, Mutmaßungen zu unterlassen und verlangt gleichzeitig, Empathie nicht zu verdrängen im Urteilen über mögliche moralisch-ethische Mängel im Lebenslauf der Menschen. Als Leser nachzuvollziehen, wie Ypi sich dieser Anforderung stellt, kann durchaus ein exemplarisches Beispiel sein für den Umgang mit der heutigen Realität in vielen Ländern, in denen der Abbau der Demokratie und der Aufbau von Oligarchien zur neuen „Normalität“ von Unfreiheit, Unterdrückung und Missachtung der Menschenwürde sich entwickelt.
Darüber hinaus nimmt Lea Ypi die aktuelle Form des „Gesprächsverlaufs“ auf den Chatplattformen in den Fokus, in dem entlang der Kommentare von unbekannten Trollen zum Foto der Großmutter das Systemversagen der sozialen Medien zum Thema und Gegenstand eines neuen Extremismus gemacht wird. Eines Extremismus der Schamlosigkeit und Skrupellosigkeit, weil die Bandbreite der Mittel – von Lügen, Shitstorm, Dreistigkeiten, Grenzübertretungen, Distanzlosigkeit und Hasstiraden – jede Wahrheit zerfetzt und wie durch den Fleischwolf gedreht zurücklässt.
Es wird fantasiert, fabuliert, faktenlos interpretiert, beleidigt, behauptet und provoziert in den Messenger-Apps auf Teufel komm raus. Mit dem Ziel, alle Mitteln einzusetzen, um die Zielperson zu besiegen oder das eigene Weltbild manipulativ zu verbreiten.
Den Versuchen von Kränkung, Verletzung und Erniedrigung zu widerstehen, frisst beim betroffenen Zielobjekt dessen Seele und nimmt jegliche Energie, sich zu verteidigen. Oder entwürdigt jene, die schon verstorben sind und die Angriffe nicht mehr abwehren können.
Wer in Archiven sucht, wird auch mit Wahrheiten und Fakten konfrontiert, die mit der Frage nach der Verantwortungsübernahme für den Umgang mit den gefundenen Informationen verbunden ist.
„Ich möchte mich in diesem Archiv vorsichtig bewegen. Ich möchte mich den Akten mit Umsicht nähern, sozusagen philosophisch, ja auf eine ästhetische Weise, die sich ganz bewusst vom »gesetzlichen Rahmen« löst. Ich hasse die Regeln, denen wir uns nur unterwerfen, weil wir keine Wahl haben – ich bevorzuge den Gebrauch der Urteilskraft, das freie Spiel von Gefühl und Vernunft, die allmähliche Befreiung aus den geerbten Banden von Familie, Nation und instinktiver Zugehörigkeit. Ich nehme mich selbst zu ernst, könnte man an dieser Stelle einwenden. Dennoch – um klar zu sehen, müssen wir uns unserer Vorstellungskraft bedienen.“
»Ich habe den Antrag als Wissenschaftlerin gestellt«, betont die Autorin in der Ichform ihre Entscheidung, wie sie sich den Fakten ihrer Recherche stellen will. Die Position der Wissenschaftlerin einzunehmen ist zugleich auch die Möglichkeit, sich zu distanzieren von der Familie, sofern die Recherche-Fakten moralisch-ethisches Versagen offenbaren könnten.
Ob die Menschen – die sich arrangieren mussten mit Unfreiheit und Unterdrückung – mit dem Ausspruch: „Hier hat sich nichts verändert“, selbsttäuschend unterwegs sind, oder weil sie denken, dass negatives menschliches Verhalten nur schwer zu ändern ist, auch wenn Albanien, der Ort der Handlungen, kein stalinistisch organisierter Unterdrückungsstaat mehr ist, das wird sich erst auf den nächsten 300 Seiten erweisen.
Fortsetzung folgt…in diesem Prequel von Lea Ypi zu ihrem Werk „Frei“!