Es wäre instinktlos, wenn in diesen Zeiten gestiegener, nicht selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit und Kürzungen des ALG II als Sanktionsmittel durch die Jobcenter die Abgeordneten sich eine Erhöhung der Diäten (welche Sprachwitz, eine Vermehrung als Diät zu bezeichnen!) genehmigen würden.
Laut Spiegel-Bericht soll in einem Gesetzentwurf, der noch eingebracht und im Parlament verabschiedet werden muss, auf die diesjährige Erhöhung verzichtet werden.
Im anderen Fall wäre der Verweis auf Heinrich Heines lyrische Kritik am staatlichen Handel wie in seinem Versepos „Deutschland – ein Wintermärchen“ zutreffend gewesen:
Deutschland – immer wieder mal ein politisches Wintermärchen
CAPUT I – Heinrich Heine (Auszug)
Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.
Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.
Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.
Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen
Wassenberg. Die Räume des Bergfrieds in Wassenberg waren wieder Ort einer außergewöhnlichen Ausstellung. Der Fotograf Willi Palm präsentierte seine Schwarz-Weiß-Fotografien, bei denen das Hinschauen lohnenswert war, weil auch den Details Raum gegeben wurde. Mit gleichermaßen sensiblem wie genauem Hinsehen nahm er den Kulturraum Schwarzwald in den Blick.
Das Ergebnis sind Bilder über Natur, Landschaft, Menschen und Vergänglichkeit, die im Betrachter Gefühle der Sehnsucht und Heimat auslösen.
Dem Zeitgeist nachgespürt
Seit Jahren reise er in den südlichen Schwarzwald, immer an die gleichen Orte, verriet Willi Palm im Gespräch. „Schwarzwald 1901“ habe er seine Ausstellung genannt, weil er dem Zeitgeist der damaligen Jahrhundertwende gerne nachspüre. Die Schwarzwaldhäuser übten eine Faszination auf ihn aus, so dass er auch jeweils in einem dieser Häuser wohne, wenn er sich in der Region aufhalte. Viele seien jedoch leerstehend und würden verfallen. Die Vergänglichkeit des Lebens spiegele sich in diesen Häusern wider. Auch wenn die Faszination für die schindelgedeckten Schwarzwaldhäuser an den baumbestückten Hängen sich in vielen Fotos widerspiegele, so sei das Gespräch mit den Menschen, die in diesem vergehenden Kultur- und Naturkreis ihre Heimat hatten, ebenso wichtig für ihn, betonte Willi Palm. Zwei eindrucksvolle Porträts belegen den Respekt vor den Menschen und ihre Verbundenheit zu ihrer Heimat.
Mit einer kurzen Beschreibung seines fotografischen Wirkens und dass „die Ursprünglichkeit der Orte und Landschaften“ im Mittelpunkt seiner Interessen stehen, ließ Willi Palm lieber seine Bilder sprechen. Ergänzend betonte er, mit der bewussten Entscheidung für Schwarz-Weiß-Fotografien wolle er einen Gegenpol zu den Hochglanzprospekten setzen.
In einem kurzen Dialog mit Bürgermeister Manfred Winkens erläuterte Palm exemplarisch seine Werke. „Im Bergfried, der guten Stube Wassenbergs, ist immer etwas los“, formulierte Winkens seine besondere Freude, dass wieder jemand ausstelle.
Der gelernte Fotograf nutzt die Schwarz-Weiß-Fotos als Abstraktionsmittel und druckt diese auf Barytpapier aus, was die Darstellung der gesamten Bandbreite der grauen, schwarzen und weißen Töne ermöglicht. So arbeitet Willi Palm mit brillantem Weiß, welches aus den Grau- und Schwarztönen herausleuchtet, das Geheimnisvolle der Landschaft heraus.
Relikte
Neben den Fotos präsentierte Palm in einer Collage ergänzend die Relikte der Schwarzwaldheimat. Heimat, ein Begriff, der in allen Beträgen aufgegriffen wurde und von dem der Philosoph Ernst Bloch formulierte, als würde er sich auf Palms Bilder beziehen:
„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“
„Schwarzwald 1901“: Geheimnisse der Landschaft im Fokus
Version vom 26.04.2017 – wieder eingestellt nach Serverumzug
5. Juni 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für Besinnung aufs Wesentliche II
In den Aphorismen der Philosophen sind Erkenntnisse kondensiert, welche die aktuelle politische Großwetterlage treffend bezeichnen: Wie Erdogan und seine Eleven sich gebärden; wie sie mit der Konzentration der Macht und den versuchten Personenkult faschistoide Strukturen im eigenen Land aufbauen; was die autokratischen Installationen in den Ländern Türkei, USA bewirken, wenn Pressefreiheit verloren geht, wenn Opposition ohne rechtsstaatliche Mittel weggesperrt werden. Bezeichnend bleibt, dass in den genannten Ländern eine jubelnde Masse ihre eigene Freiheit und Selbstbestimmung an die aktuell herrschenden Präsidenten Erdogan und Trump abgibt.
Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst. (Voltaire)
Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. (Jiddu Krishnamurti, indischer Philosoph und Theosoph)
Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen. (Jean-Jacques Rousseau)
Der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab. (Karl Popper)
Es ist gefährlich Recht zu haben, wenn die Regierung falsch liegt. (Voltaire)
Wenn das Individuum nicht die Masse tyrannisieren darf, so darf die Masse ihrerseits nicht das Individuum erdrücken. (Antoine de Saint-Exupéry)
4. Juni 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für Ästhetik – Besinnung aufs Wesentliche
Zusammenhalt als Mittel der Gestaltung menschlich bedingter Ästhetik
Natur bedingte Ästhetik
Ästhetik als Mittel wie auch als Ort der Artikulation des zeitgeistigen menschlichen Selbstverständnisses.
Zwei der auch philosophischen Menschheitsfragen haben ihren Ort seither immer wieder auf dem Boden der Ästhetik gehabt: die Frage nach dem Anteil der Sinnlichkeit innerhalb unseren Erfahrungen aller Art, die sich auf die ästhetische Wahrnehmung richtet, und die gleichermaßen praktische Frage nach dem Status und Wert des von Menschen Gestalteten in der Welt der Kunst, Musik und Architektur.
Zugleich erfolgt die Definition des Begriffs „Ästhetik“ im Spannungsfeld von „Ästhetik als Theorie der ästhetischen Erfahrung „und „Ästhetik als Bestandteil der Theorie der Kunst“.
„Die Aufklärung steht im Wechselverhältnis mit der Bewegung, in der die Künste, insbes. Literatur und Musik, sich von den Normen der traditionellen Regelwerke emanzipieren und zu jener Autonomie finden, durch die sie dem Selbstbewusstsein des modernen Menschen zur Darstellung verhelfen.“ (Zitat aus Enzyklopädie Philosophie)
Ästhetik und Ethik – Gefühl und Verstand, oder sinnliche Wahrnehmung und bewusstes Denken im Dienste von Mensch und Gesellschaft
Die Entwerfer des modernen Designs halten sich auch an die bei Platon metaphorisch ausgedrückte Einsicht, schöne Eindrücke seien gutes, hässliche Eindrücke dagegen schlechtes Futter für die menschliche Seele. Neben dem Schönen, dessen grundlegende Bedeutung für die ästhetische Erfahrung die Klassiker der modernen Ästhetik bestätigen, spielt bei Schiller wie bei Kant – und generell in der Ästhetik des jeweiligen Zeitgeistigen – der Begriff des Erhabenen bis heute eine wichtige Rolle. Was die Menschen als „erhaben“ empfinden, ist jedoch schnellen zeitgeistigen Wechseln unterworfen.
Gefragt wird überall mit zunehmender Eindringlichkeit nach der Rolle der Bedeutung des Sinnlichen anstelle der Vernunft für die Gestaltung eines gelingenden menschlichen Lebens. Ebenso wird die produktive Einbildungskraft geschätzt als Fähigkeit für Schriftsteller wie für Designer von Kleidung oder Möbel. Zur Geltung kommt diese Fähigkeit auch beim Geschmacks-Urteil von Weinen während der Weinverkostung oder bei der Beurteilung der Ergebnisse von Arbeit, um diese als die eines Genies zu bewerten. Doch nur dem Bauchgefühl zu vertrauen, um Schönes und Erhabenes in Natur und Kunst zu verorten und die Vollkommenheit der Gestalt(ung) zu erkennen, ist es stattdessen hilfreicher, der Bedeutung des reflektierten Gefühls mehr Gewicht zu verleihen, um zu einer stabilen Entwicklung eines vernünftigen Selbstverständnisses zu kommen.
In der Ostfriesen Zeitung vom 03. Juni 2026 lautet die Schlagzeile auf Seite 9: Wasser im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Wer auf oder an den Deichen steht, erkennt, worum es an den Küstenrändern Ostfrieslands schon seit Jahrhunderten geht: die Regulierung des Meerwassers, welches durch Flut und Ebbe kommt und geht. Und die Menschen in der Region haben dazu ein ambivalentes Verhältnis, weil dieser Wechsel von Flut und Ebbe den Menschen bis heute viel abverlangt. Jenes, was mühsam dem Meer an neuen Landflächen abgerungen wurde, gilt es zu bewahren und zu schützen. Wassermanagement zu betreiben und zu beherrschen, das ist ein wichtiger Baustein der Lebensgrundlagen der hier wohnenden Menschen.
Und so ist es kein Wunder, dass mit dieser Thematik auch der Ortsführer und Kulturvereins-Vorsitzende Johann Pieper seinen Einstieg in die Führung durch seinen Heimatort Werdum vornimmt. In anschaulicher Weise und anhand kleiner geologischer Landschaftskarten erläutert er die Entstehung Werdums. Eine Ortschaft, die seit rund 750 Jahren besteht. Die verschiedenen Verläufe der Küstenlinien lassen sich an den nachfolgenden Karten nachvollziehen.
Foto 1 Harlebucht-Karte Ortsführer Johann Pieper (blaueingefärbte Flächen sind von Flut und Ebbe betroffen!)
Werdum lag auf einer Anhöhe und war zu keinem Zeitpunkt Teil der Harlebucht. Der Fluss Harle entspringt im Moorgebiet im Wittmund und mündet in der Harlebucht. Das bedeutete für die in Werdum siedelnden Anwohner schon vor rund 500 Jahren, die Küstenlinie zu befestigen, den Zufluss und Abfluss des Meerwassers zu überwachen, zu regulieren und zu sichern. Am Deichbau mitzuwirken, war Pflicht für alle Anwohner. Dies gilt bis zum heutigen Tag, auch wenn es schon einige hundert Jahre zurückliegt, dass Werdum mal einen Hafen hatte. Heute wird ein jährlicher Beitrag von jedem Grund- und Bodenbesitzer eingezogen, um das weiterhin notwendige Wassermanagement zu finanzieren.
License: Benutzer: AxelHH -I, the copyright holder of this work, release this work into the public domain. This applies worldwide. Die fotografische Wiedergabe dieser geschützten Arbeit fällt unter den § 59 des deutschen Urheberrechtsgesetzes (UrhG), nach dem es „zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben.
Die Karte zeigt skizzenhaft den Verlauf des Flusses Harle sowie die Harlebucht (blaue Flächen) und ihre Deichverläufe (violette Linien) im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte!
Johann Pieper (im 71ten Lebensjahr) lebt seit seiner Geburt in Werdum und weiß bei seinen Kommentaren während der Ortsführung so manches Erlebnis einzubinden, welche die Zuhörer gebannt seinen Erzählungen folgen lässt. Sei es jetzt, wie geheimnisvoll – durch den Gründer stillschweigend bis zum letzten Tag vor der Eröffnung – die erste Bierbrauerei in Werdum um das Jahr 2000 entstand und die Dorfbewohner rätselten, was im ehemaligen Landwirtschaftshof wohl entstehe.
St. Nicolai – Werdum
Oder welche Straßen und Häuser rund um die Kirche, die auf einer Anhöhe errichtet wurde, zum Kern der Ortschaft gehörten und wann sie entstanden sind. Straßennamen (Alter Schulweg) sind nicht zuletzt ein Verweis auf die Funktion von Gebäude, welche längst umgewidmet wurden wie zum Beispiel die Schule.
Daten zur Kirche und wann das Gebäude auf einer Warft errichtet und erstmals erwähnt wurde, waren Bestandteil einer weiteren Erzählung durch Johann Pieper. (Fotos: Kirche und Innenraum)
Kirchen-Innenraum St. Nicolai mit Chor und Altar und links neben der Treppe das Taufbecken!
Weitere Stationen der Ortsführung durch Werdum waren: Burg Edenserloog, die letzte Burg des Harlingerlandes und Sitz des Häuptlings (friesisch: Hovetlinge oder Hovedlinge) in den letzten Jahrhunderten. Johann Pieper erwähnte die Besonderheit dieser Organisationsform des Zusammenlebens, in dem Ostfriesland keiner Lehnsherrschaft unterstand. Johann Pieper betonte die so praktizierte Form der Demokratie, in dem im 12.-14. Jahrhundert jedes Gemeindemitglied prinzipiell gleichberechtigt war.
Dies galt für alle Hofstellen und Feuerstellen (Bauernhof und kleine bedachte Häuschen). Doch auch dieses System (mehr Demokratie praktizieren) und Bestandteil des („friesischen Freiheitskonzeptes) wurde ersetzt, indem die Funktion des „gewählten Häuptlings“ in die dynastische Funktion des „Häuptlings“ als Stand und Standesherrschaft sich wandelte.
Und nicht zuletzt ist die Station „Haustierpark“ (PDF-Datei!) Bestandteil des Rundgangs bei der Ortsführung durch Werdum!
Die Gemeinde Werdum ist Teil der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund. (Werdum liegt 6,3 m über Meeresniveau (NN) und befindet sich ungefähr zehn Kilometer in direkter Linie nordwestlich von Wittmund. Die Warfen Siedlung liegt inmitten eines ausgedehnten Knickmarsch-Gebietes mit einer Höhe von 0,5 – bis 1,5 m über NN.) (Quelle: PDF-Datei )
Mit ca. 750 Einwohnern ist Werdum die kleinste Gemeinde der Samtgemeinde Esens. Der Kernortsteil Werdum wurde zum ersten Mal 1327 als „Weerdum“ erwähnt. 1420 erhielt der Ort den heutigen Namen. Werdum wurde abgeleitet von dem Begriff „werthum“, was so viel wie „Geländeerhebung im Feuchtgebiet“ bedeutet!
Der namensführende Ortsteil Werdum liegt 6,3 m über Meeresniveau (NN) und umfasst vor allem die Kirche St. Nicolai mit den direkt anliegenden Gebäuden und Straßen.
Die Reihen-Siedlung Gastriege entstand auf einem Sandrücken und wurde 1670 erstmalig urkundlich genannt. Der Name dieses Ortsteils bedeutet „Reihensiedlung auf dem höher gelegenen Ackerland“.
Der Ortsteil Edenserloog gründet auf der Burg Edenserloog; und wird 1491 als Edelens erwähnt.
Was spricht für den Luftkurort Werdum, um dort Urlaub zu machen? In erster Linie die Menschen, die ihre Unterkünfte als Ferienwohnungen oder Zimmer zur Verfügung stellen und deren Zufriedenheit, Humor und Freundlichkeit die Grundlage für eine entspannte und erholsame Urlaubszeit bilden.
Die Nähe zum ostfriesischen Wattenmeer mit seinen vorgelagerten Inseln bietet spannende und interessante Begegnungen und Erlebnisse. Das „platte Land“ ist ideal fürs Fahrradfahren.
Kulturelle und historische Entdeckungen lassen die Siedlungsgeschichte der Region lebendig werden: Wie wurde wann wo gelebt? Zwischen Marsch und Geest sind die Spuren der Natur- und Landschaftsform bis heute sichtbar. (Museum: Leben am Meer).
Museumswiese mit Erdholländer Mühle, Backhuus (links) und Historische Schmiede (rechts)
Die Infrastruktur für touristische Angebote (Haustierpark, Kneippanlage, Wohnmobilplatz und Werdumer Museumswiese mit Backhuus, Erdholländer Mühle mit Mühlenbesichtigung und Historische Schmiede, in der ein Schmiedemeister seine Handwerksfähigkeiten nutzt und Schmiedearbeiten durchführt) lässt mehr als 20000 Gäste im Jahr in Werdum anreisen.
Haustierpark in Werdum
Werdum ist zudem ein Startpunkt für Besuche:
Inselbesuche von Bensersiel /Esens nach Langeoog
Von Neuharlingersiel nach Spiekeroog
Emden (Kunsthalle mit sehenswerten Ausstellungen),
Die neoliberale Brille hat die Drei-Prozent nicht abgelegt. Die Vorsilbe „Neo-“ diktiert im Sinne von wegradieren jeglicher sozialliberaler Rücksichtnahme im Denken und Handeln weiterhin die Gesinnung dieser Partei. Einer Ansammlung von arroganten Typen á la Trump´scher Provenienz. Doch für eine seriöse Argumentation und eine Verantwortungsethik stehen weder der neu gewählte Vorsitzende Wolfgang Kubicki, noch der libertäre 17jährige Selbstdarsteller Lars Jan Verwaal als Typus der jungliberalen Nachwuchsorganisation der FDP. (Quelle: TAZ)
Sozialisiert durch die neuen Medien und der Selbstdarstellungsdarstellungsgier als Influencer und mit gesinnungsträchtiger Sicht geprägt, sieht dieser Jüngling den neu gewählten Vorsitzenden und Provokateur Kubicki ebenso als Vorbild wie in Elon Musk und Javier Milei.
So wie sein Vorbild Kubicki propagiert er für weniger Inhalte und mehr „Ragebait“ (Provokation)-Aktionen. Dabei ist ihm wie auch Kubicki und seinem ebenso neu gewählten Generalsekretär Martin Hagen, Geschäftsführer der rechtskonservativen „Denkfabrik“ R21, jegliches populistische Getue wichtig. Statt „Mehr Demokratie wagen“ steht die neue Führungsspitze der FDP für „mehr Musk und Milei wagen“, synonym stehend für mehr Egoismus und rigideren Kapitalismus praktizieren!
Wie gespalten die FDP (als neues Kürzel Für Die Provokation“) mit dieser Strategie der Un-Seriosität schon ist, das zeigt sich beim Parteitag. Die Zustimmung zur spontanen Gegenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann von 40 % der Stimmen und der daraus folgenden Zustimmung von nur 59% für Wolfgang Kubicki und seines Generalsekretärs Martin Hagen von 58% lässt tief blicken!
Nein, Deutschland braucht keine weitere Partei, die mit der rechtskonservativen und in Teilen anti-demokratischen AfD zusammenarbeiten will und statt durch Diskurs-Inhalte nur durch Polter-Aktionen notwendige Wähler-Stimmen einfangen will!
30. Mai 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für Unsoziales Büttelverhalten der neoliberal-rechtskonservativen CDU-Fraktions-Spitze bei der Kostenverteilung für den Sozialstaat
Versuchsballon der CDU-Bundestagsfraktion in Sachen Kostenbeitrag für die Pflegekosten
„Angesichts explodierender Kosten in der Pflege fordert CDU-Fraktionsvize Albert Stegemann, mehr erwachsene Kinder an den Kosten ihrer pflegebedürftigen Eltern zu beteiligen. „Ich sehe die Möglichkeit, die Einkommensgrenze, bei der man zu den elterlichen Pflegekosten herangezogen wird, herunterzusetzen“, sagte Stegemann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz) vom Samstag.
Bislang müssen sich Kinder nach dem 2020 eingeführten Angehörigen-Entlastungsgesetz erst ab einem Jahresverdienst von mehr als 100.000 Euro an der Unterbringung ihrer Eltern beteiligen.“ (Quelle: Die Zeit)
Allein die Sprache des ehrenwerten Herrn Fraktionsvize Stegemann verrät mit dem Begriff „Umgehungstatbestand“ seinen Versuch, dass die bisherigen gesetzlichen Möglichkeiten (erst ab 100.000 Euro Jahreseinkommen) in die Ecke des straffällig gewordenen Ganoven gestellt werden soll!
Der „Umgehungstatbestand“ der reichen 25% der Bevölkerung ist allerdings ein vielfach höheres Risiko für den Sozialstaat, welches es einzuschränken gilt. Ebenso wie die riesigen Lücken der Stiftungs- und Steuerschlupflöcher für die Unternehmen und Erben, welche der Gesellschaft deutlich mehr schaden aufgrund der vielen Möglichkeiten für diese Klientel, sich ihren Verpflichtungen zu entziehen! Wie wäre es, wenn an diesen einseitigen Vorteilen für die Privilegierten gesetzliche Korrekturen vorgenommen werden würden?
Die Überlegungen des CDU- Fraktionsvize Albert Stegemann im Bundestag ist ein „Büttel-Verhalten“ der Reichen und Superreichen-CDU-Klientel gegenüber, das verdeutlicht, wie wenig diesem Abgeordneten das Wohl des Volkes und eine gerechtere Verteilung der Belastungen interessiert. Allem Anschein nach ist es die Aufgabe für die Positionsinhaber als Fraktions-Vize, solche Versuchsballons zu starten im Namen der Fraktionsführung (Jens Spahn) und der Regierungsspitze um CDU-Kanzler Merz!
Und die Springer-Zeitschrift „Die Welt“ agiert im Sinne dieser „Schutzmaßnahme“ für die Profiteure des neoliberal-rechtskonservativen Finanzkapital-Systems, die im Kosmos des Trump´schen Gier- und Machtkonzentrations-Umfeld ihre Kapitalgewinne zur weiteren Ausdehnung ihrer Einflussnahme nutzen und möglichst keinen „Cent“ für die Kosten des Sozialstaates zahlen wollen!
Das soll der Großteil der Bevölkerung übernehmen, die ein Leben lang geschuftet haben für die Abzahlung der Kredite bei den Banken und Sparkassen zur Errichtung ihres kleinen Einfamilienhauses, das der nächsten Generation dieser Familien ihren Start in bessere Umstände erleichtern könnte.
28. Mai 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für Von liberalistischen „Leistungsträgern“ und Steigbügel-Halter der AfD – oder das Konzept des Tambourmajors der FDP
Ein Typ-Mensch mit der Haltung, dass die AfD für Mehrheitsbeschaffung durchaus akzeptabel sei. Ein Typ „Mensch“, der meint, was und wie jemand lebe und zu Reichtum komme, den Staat und die Mitmenschen nichts angehe. Ein Menschenschlag, der meint, dass die FDP eine Partei der „Leistungswilligen, [und] der Leistungsträger“ sei und Leistung „sich wieder lohnen“ müsse. Und so verkündet er eine „Botschaft“ aus den Tiefen des Anachronismus des Neoliberalismus und Finanzkapitalismus mit einem Freiheitsbegriff, in dem „die Freiheit der anderen nicht mitgedacht“ werden muss.
Ein Typ-Mensch, dessen Weltsicht geprägt ist von der Gesinnung, welche den Egoismus als Qualitätsmerkmal für „Leistungsträger“ versteht. Diese Gesinnung weiß er allerdings in der Regel rhetorisch zu verbergen! Ab und zu – welchen Einflüssen auch immer unterworfen – gelingt diesem Ayn Rand (der Prophetin des Libertarismus)-Anhänger Kubicki ein besonderer Lapsus:
Zitat „Wir erwarten, dass unsere Koalitionspartner sich an die Verträge halten“, betonte er. Und baute dann in seinen Ausführungen über die Wahlchancen der FDP bei den drei Landtagswahlen und der Europawahl in diesem Jahr noch einen Lapsus ein. Freie Demokraten seien „sehr egoistische Menschen“, verkündete er, um sich gleich zu verbessern in „sehr individuelle Menschen“. Zitatende (Quelle: RND – Redaktions- Netzwerk Deutschland)
Die Freud´sche Fehlleistung Kubickis lässt die wirkliche Gesinnung dieses Berufspolitikers aufblitzen und hinter die Kulissen seines Rhetorik-Theaters blicken!
„FDP-Politiker und -Anhänger sind demnach „Egoisten“ unter dem Deckmäntelchen des „Individuellen“. Oder anders ausgedrückt: sichtbar wird die neue-alte Identität der selbsternannten FDP-„Eliten“.
Wenn diese Republik eines nicht mehr braucht, das ist eine Partei á la FDP oder Verweigerer des Sozialliberalismus und der Verantwortungsethik. Die Gesinnung der „Totengräber der Ampel-Regierung“ unter Christian Lindner und Kollegen und ihre Blockade-Politik in Sachen Gemeinwohl und Daseinsvorsorge, darauf kann dieses Land verzichten!
25. Mai 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für Angriffskriege bleiben Angriffskriege und Kriegsverbrechen bleiben Kriegsverbrechen – dagegen hilft auch keine Taube!
Um es klar und deutlich zu machen: Russland hat den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Punkt! (Das galt im Februar 2022 genauso wie es heute noch gilt!)
Die Verantwortung dafür liegt bei Putin und seiner Regierungs-Entourage. Ebenso liegt sie bei diesen Personen und Gruppen für die Kriegsverbrechen, die in der Ukraine begangen wurden und noch begangen werden. Von der Wagner- und Prigoschin-Gruppe (*) bis zur Bande um Kadyrow und den originären Truppen der Armee. (*) (Mittlerweile ist der Chef der Wagner-Gruppe nach einem Aufstand gegen Putin, der abgebrochen wurde, bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.)
Die historisch belegten und in relativer geschichtlicher Nähe begangenen Kriege anderer Nationen sind jeweils in ihrem eigenen Licht der Verantwortung zu betrachten. Diese immer wieder als Argumente für eine „Verteidigung“ Putins und seines Angriffskrieges gegen ein souveränes Land einzubringen, ist nicht nur infantil, sondern entbehrt jeder Legitimation. Da helfen auch keine Lügen und Propaganda.
Die Motive der geführten Kriege sind oft die gleichen: die der geopolitischen Machterweiterung. Die Rüstungsindustrie, die für die Umsetzung dieser Ziele die Waffen liefert, frisst die finanziellen Ressourcen der direkt beteiligten und betroffenen Nationen. Indirekt lösen Kriege immer auch weltweit Krisen, Hungersnöte und Leid aus. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen und ökologischen Belastungen Auslöser für Krisen, wie wir sie gerade erleben.
Wann ist die Friedensbewegung als demokratische Kraft noch wirksam?
Eine Friedensbewegung ist in der Vermeidung von Kriegen im Vorfeld immer eine mehr als notwendige Kraft. Deshalb sind die Menschen in jeder einzelnen Nation dafür verantwortlich, die Machtkonzentration auf Egomanen, Tyrannen und Autokraten zu verhindern und sich für Mitbestimmungsstrukturen einzusetzen, die dies ermöglichen, bevor mal wieder alles zu spät ist.
Wenn dies versäumt wurde und es zu Machtkonzentration wie in Nordkorea, in der Türkei, in China und auch in Russland und Weißrussland kommt, dann müssen die anderen Nationen und ihre Verbündeten in der Lage sein, einen solchen Angreifer in seine Schranken zu verweisen. Notwehr und Selbstverteidigung ist ein Recht, das in Anspruch genommen werden darf.
Die Argumentationen auf den Kopf zu stellen und einen Angriffskrieg zu verteidigen, wie Russland ihn gegen die Ukraine begonnen hat, ist nicht nur kindisch, sondern destruktiv und wenig überzeugend. Auf einigen – ehemals aufklärenden Plattformen – haben sich die Vorzeichen geändert. Dazu gehören querfrontartig sowohl ehemals als links-liberal verortet die Nachdenkseiten (NDS), wie die rechts-national-konservative Achse des Guten (Achgut).
Eine Täter-Opfer-Umkehrung ist keine Dialektik, auch wenn sie so verpackt erscheint. Die Desinformationen scheinen sich von links bis rechts zu verbreiten, und sind in ihrer Wirkung zumindest virulent brandstiftend und einem Aggressor wie Putin dienlich. Lügen und Fehlinterpretationen zu verbreiten, macht die Verbreiter nicht unschuldig. Entweder sind sie unfähig, dies zu erkennen, oder sie agieren bewusst so, dann sind sie zu kritisieren für ihre Desinformationen.
Volker Eichener beschreibt die Vorgehensweisen in seinem Essay „Russlands Krieg gegen die Ukraine“: Kann man mit habituellen Lügnern verhandeln? auf der Plattform Ruhrbarone! Viktor Orbán und deutsche Intellektuelle fordern, eine Verhandlungslösung mit Russland zu finden, um den Krieg in der Ukraine rasch zu beenden. Solche Forderungen zeigen, dass wir mit der russischen Kultur des Lügens, des vranyo (враньё), nicht vertraut sind. Im Gegenteil, deutsche Putin-Freunde haben selbst schon die Kultur des Lügens übernommen, indem sie Verschwörungstheorien konstruieren, die dazu beitragen, dass die Wahrheit an sich destruiert wird. Welchen Wert hätte überhaupt ein Friedensvertrag, der mit einem habituellen Lügner abgeschlossen würde? ( Gastautor Volker Eichener ist Professor für Politikwissenschaft an der Hochschule Düsseldorf)
Wie solche Verschwörungshetze funktioniert und weshalb sie geglaubt wird, formuliert Volker Eichener in seinem Essay! „Verschwörungstheorien verletzen sämtliche wissenschaftlichen methodologischen Regeln. Und sie wimmeln von logischen Fehlern, obwohl sie sich durch Verwendung von Konjunktionen wie „weil“ oder „deshalb“ den Anschein logischer Argumentationsketten geben. Aber die Schlüsse, die sie ziehen, sind in der Regel Fehlschlüsse, insbesondere:
§ Cui-bono-Fehlschluss. Weil jemandem ein Ereignis nutzen mag, ist nicht gesagt, dass der Nutznießer das Ereignis auch verursacht hat. Beispiel: „Selenskyj kann durch die Explosion im Hafen von Odessa die Russen der Aggression bezichtigen. Also hat er sie selbst inszeniert.“ § Argumentum ad ignorantiam: Eine Behauptung ist nicht deshalb wahr, weil es (noch) keine Beweise gibt, welche die Behauptung widerlegen. Beispiel: „Das war eine ukrainische Sprengladung, die im Hafen von Odessa explodiert ist. Es gibt keinen Beweis, dass es eine russische Rakete war. Die Videos, die vom Meer aus anfliegende Raketen zeigen, sind gefälscht.“
§ Tu-quoque-Fehlschluss. Ein Verbrechen wird gerechtfertigt, weil andere auch Unrecht getan haben (sollen). Tatsächlich bleibt Unrecht Unrecht, unabhängig davon, ob andere auch Unrecht tun. Beispiel: „Ja, eine russische Rakete mag Zivilisten getötet haben. Aber die Ukrainer haben im Donbass einen Völkermord begangen.“
§ Ad-hominem-Fehlschluss: Die Gültigkeit von Aussagen wird bestritten, weil die Person, die sie geäußert hat, angegriffen wird. Beispiel: „Weil Wolodymyr Selenskyj Auslandsvermögen verschleiert hat, ist nichts von dem wahr, was die Regierung der Ukraine behauptet.“
§ Argumentum ad verecundiam: Eine Behauptung wird damit begründet, dass sie von angeblichen Autoritäten geteilt wird. Beispiel: „Dass die Ukraine den Angriff inszeniert hat, haben selbst arabische und indische Medien bestätigt.“ Abgesehen davon, dass die zitierten Autoritäten meist zweifelhaft sind, beweist das nichts, da sich auch Autoritäten irren können.
§ Non-sequitur-Fehlschluss: Es wird eine Behauptung mit einer Tatsache begründet, die gar keine Ursache dafür darstellt. Beispiel: „Die Ukraine hat den Angriff selbst verübt, weil sie mit westlichen Waffen versorgt worden ist.“ Das mit der Waffenversorgung stimmt, aber es hat nichts mit dem Angriff auf den Hafen zu tun.
Aus dem Drama-Dreieck von Opfer-Täter-Helfer-Rollen kann nur herausgefunden werden, wenn das Zurücktreten aus dieser Spirale und der Blick aus der Meta-Perspektive auf diese Spirale geworfen wird. Der diplomatische Kanal für diese Meta- Perspektive darf auch in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht geschlossen werden.
Wenn jedoch ein Krieg begonnen wurde, dann ist Selbstverteidigung das Recht jedes Angegriffenen. Und dann folgt unweigerlich das, was immer in jedem Krieg passiert: Das Leid der Menschen nimmt noch mehr überhand, als es im kriegslosen Normalleben schon von den meisten Menschen weltweit erlebt werden muss.
Und wie im Beitrag „Krieg oder kein Krieg“ des Kolumnisten Hartmut Finkeldey auf „tell Online“ zwar diskursiv angesprochen: Aber Krieg kann niemals nur das kleinere Übels sein! Entscheiden muss sich jedoch jeder in dieser Situation – aber sich genauso der Konsequenzen bewusst sein!
Auf die verweist Finkeldey in seinem Text, in dem er George Orwell zitiert: „We have become too civilized to grasp the obvious. For the truth is very simple. To survive you often have to fight, and to fight you have to dirty yourself. War is evil, and it is often the lesser evil. Those who take the sword perish by the sword, and those who don‘t take the sword will perish by smelly diseases.“
„Wir sind zu zivilisiert geworden, um das Offenkundige zu sehen. Denn die Wahrheit ist sehr einfach. Um zu überleben, muss man häufig kämpfen, und wenn man kämpft, macht man sich schmutzig. Krieg ist böse, nur ist er häufig das kleinere Übel. Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen, und wer nicht zum Schwert greift, stirbt durch faule Kompromisse.“ (Quelle: tell Online-Magazin)
Es bleibt die Frage offen, wie lange es Gültigkeit hat, dass das Wort und die Schrift das „argumentative Schwert“ sein kann, bevor dieser Ansatz dann seine Wirkung verfehlt?
Eine Wahrheit haben Menschen schon vor unseren Krisenzeiten aus Erfahrung formuliert: „Es kann der bravste Mensch nicht in Frieden leben, wenn der böse Nachbar es nicht will!“
Version vom 27.03.2024 – wieder eingestellt nach Server-Umzug
25. Mai 2026
von JvHS Kommentare deaktiviert für Das Spiel mit der Demokratie durch die Regierungen Merkel und Nachfolger – zwischen Ideal und Wirklichkeit
Die Frage, wer herrschen solle – ein Diktator, eine Elite oder das Volk – ist falsch gestellt. Stattdessen müsse man fragen: Gibt es Regierungsformen, die es erlauben, eine verwerfliche oder auch nur inkompetente Regierung loszuwerden?“ (Karl Popper)
Nichts könnte die Bürger mehr überzeugen, dass sie wieder Vertrauen in die Politik und in die Regierung haben könnten, wie das Beispiel, die Proteste der Bevölkerung gegen CETA und TTIP ernst zu nehmen, die in vielen Gutachten belegten Bedenken wahrzunehmen und zu berücksichtigen, die nicht selten auf die unrechtmäßigen und gegen bestehende Gesetze verstoßenden Handlungen im Falle einer „vorläufigen“ in Kraftsetzung von CETA verweisen und das Umgehen der Parlamente als Verstoß gegen das Beteiligungsrecht durch die Regierung Merkel kennzeichnen.
Und auch Vizekanzler und SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel hätte Gelegenheit, sich als Vertreter des Volkes und nicht nur einer bestimmten Klientel zu beweisen, wenn er sowohl den Fakten folgen würde, wie auch die Ablehnung der Ratifizierung von CETA aktiv betreiben würde. Stattdessen ist zu befürchten, dass auf dem Parteikonvent die Partei auf seine beabsichtigte Zustimmung zur „vorläufigen“ Inkraftsetzung einschwören wird und sein irritierendes Spiel mit der Wahrheit weiter aufführen wird.
Sollte dies wieder so eintreten wie befürchtet, dann kann nur auf die Thesen zum Buchautor Wolfgang J. Koschnick und seines Buches „Demokratie am Abgrund“ verwiesen werden. Und folgende Beschreibung der Politik tritt in den Vordergrund: Update vom 25.08.2016
Leider ist das Selbstverständnis der Politiker in den Landesparlamenten wie im Bundestag so, dass sie sich den kritischen Nachfragen der Bürger entziehen. Darauf wird partout nicht geantwortet. Geschieht dies noch am Anfang einer Legislaturperiode bei einem Neuabgeordneten, dann ist verfolgbar, dass er sich im Laufe der vier Jahre immer weiter den kritischen Nachfragen entzieht. Es geht schnell im Machtgefüge- was soll man sich da von den Bürgern noch befragen lassen. Die öffentliche Meinung wird mit kontrollierten Informationen gefüttert, die das eigene Selbstbildnis nur noch positiv und ausgesiebt erscheinen lassen sollen, auch wenn es nichts mehr mit der Volksvertretung zu tun hat.
Schnell tritt anstelle der Rechtfertigung gegenüber dem Wähler dann jenes, was Koschnick so formulierte:
Das politische System ist so weit erstarrt, dass die von der Bevölkerung losgelösten Berufspolitiker noch nicht einmal mehr so zu tun brauchen, als verträten sie das Gemeinwohl. Sie leben in ihrer eigenen Welt. Sie sind eine politische Kaste für sich, die sich weitgehend von der breiten Bevölkerung losgelöst hat.
Dazu wurde schon in diesem Blog berichtet und wird an dieser Stelle nochmals verwiesen und zitiert:
Die Idee und die Wirklichkeit
Zitat 1: „Der Idee nach sind Demokratien Gebilde voller lebendiger Teilnahme der Völker an der politischen Wirklichkeit. In ihnen nimmt der Wille der Mehrheit eines Volks konkrete Gestalt an. Sie sind ein Menschheitsideal, solange sie das Gemeinwohl der Bevölkerung verwirklichen und die Chance auf ein erfülltes Leben für so viele Menschen wie möglich bieten. Die Demokratie ist das Menschheitsideal schlechthin.“ Zitatende Status Quo
Zitat 2: „Aus dem einstigen Ideal ist ein Herrschaftssystem geworden, in dem eine besonders üble und unfähige Spezies von Berufspolitikern sich an den Schalthebeln der politischen Macht bequem eingerichtet hat, ihre eigenen und eigennützigen Interessen verfolgt und sich aus staatlichen Mitteln komfortabel versorgt. Das politische System ist so weit erstarrt, dass die von der Bevölkerung losgelösten Berufspolitiker noch nicht einmal mehr so zu tun brauchen, als verträten sie das Gemeinwohl. Sie leben in ihrer eigenen Welt. Sie sind eine politische Kaste für sich, die sich weitgehend von der breiten Bevölkerung losgelöst hat.
Es ist eine politische Kaste mit eigenen Gewohnheiten, Ressourcen, Interessen und klarer Abgrenzung vom Rest der Bevölkerung. Sie dient auch nicht der Mehrheit der Bevölkerung, sondern nur der verschwindend kleinen Minderheit der Reichen und Superreichen. Sie sind die willigen Helfer und Helfershelfer des Kapitals! (Kommentar: Die Entfernung von den realen Bedürfnissen der Menschen hat sich 2026 noch vergrößert, ebenso wie die Skrupellosigkeit und Bösartigkeit der Machtinhaber in den Bereichen Politik und Business. Beispiele dafür sind die Egomanen á la Trump, Putin, Erdogan und Konsorten!)
Und so herrscht allenthalben ein merkwürdiger Gegensatz: Alle Menschen lieben die Demokratie als Prinzip und Ideal. Aber über den demokratischen Alltag sind sie entsetzt, ja angewidert. Doch der politische Alltag ist die wahre Realität, nicht die Utopie.“ Zitatende (Kommentar: Dieser so beschriebene Status ist auch 2026 unverändert, lediglich die Protagonisten – das Volk und die Verteilung der temporären Machtübertragung durch Wahl der Abgeordnete – sind rechtsradikaler, gewaltbereiter und menschenfeindlicher geworden!)
Zitat 3: „Der britische Philosoph Karl Popper meinte einst, die Frage, wer herrschen solle – ein Diktator, eine Elite oder das Volk – sei falsch gestellt. Stattdessen müsse man fragen: Gibt es Regierungsformen, die es erlauben, eine verwerfliche oder auch nur inkompetente Regierung loszuwerden?“ Zitatende (Kommentar: Die Ignoranz aktueller Machtinhaber gegenüber der Gewaltenteilung und den demokratischen Verfassungen lässt sich am Beispiel der Handlungen Trumps (Dekrete am Parlament vorbei, sowie der Missachtung der Gerichte), den IT-Weltmarktführern und dem Finanzkapital nachvollziehen.
Notwendigkeit – keine Utopie
Zitat 4: „In seiner Parabel >Die Stadt der Sehenden< entwirft der portugiesische Literaturnobelpreisträger José Saramago die utopische Vision einer (anderen) demokratischen Wirklichkeit. Und so lautet wohl Saramagos Utopie: Der Mensch kann sich mehrheitlich und direkt für das Richtige entscheiden, ohne den Umweg über die Politik und ihre Repräsentanten. Wahre Freiheit braucht keinen Staatsapparat – und sei er noch so demokratisch -, sondern die moralische Integrität der Bürger, und Toleranz ist die Mutter der Ordnung, nicht die Staatsgewalt.“ Zitatende (Kommentar: Leider verflüchtigt sich bei immer mehr Menschen die moralische Integrität wie Gas in die Atmosphäre und vergiftet das Denken wie Handeln. Toleranz und gegenseitiger Respekt werden Opfer der Willkür und des Egoismus. Die Hoffnung, dass Verantwortungsethik die treibende Kraft für die Demokratie als Ordnungsrahmen sich durchsetzt, ist immer geringer angesichts der Staatsgewalt in Form autoritärer und diktatorischer Willkür.)
Wir müssen uns nicht einreden lassen, dass direkte Demokratie und Mitbestimmung nach dem Vorbild der Schweiz nicht machbar sei, weil zu teuer, zu aufwendig und zu schwerfällig. Wer sich dem Vorwurf als Politiker entziehen will, wie in Zitat 2 beschrieben, muss alles dran setzen, dass Volksabstimmungen in Deutschland und der EU zur Selbstverständlichkeit werden, jedoch so organisiert und gesetzlich abgesichert, dass nicht Quantitätsgrenzen und formale Unmöglichkeiten nur eine Pseudoabsicht dokumentieren. Doch einen Einwand darf diese Hoffnung nicht übersehen: die moralisch-ethische Deformation des Denkens und Handelns ist in 2026 weit vorangeschritten und führte zur Unfähigkeit der Konfliktlösung, in dem die Menschen im Drama-Dreieck der Rollen (Opfer-Täter-Helfer) stecken geblieben sind. Weil auch in Zeiten der Abgabe der Eigenverantwortlichkeit an ein hierarchisches System („Führer befiel und denke für uns“) wieder Auftrieb erlebt, werden Mitbestimmungssysteme zur gleichen Gefährdung der Demokratie wie die Staatsgewalt in den Händen der Egomanen á la Trump, Putin und Erdogan.
Update: vom 25.08.2016
Leider ist das Selbstverständnis der Politiker in den Landesparlamenten wie im Bundestag so, dass sie sich den kritischen Nachfragen der Bürger entziehen. Auf Nachfragen und Transparenz-Forderungen wird partout nicht geantwortet. Geschieht dies noch am Anfang einer Legislaturperiode bei einem Neuabgeordneten, dann ist verfolgbar, dass er sich im Laufe der vier Jahre immer weiter den kritischen Nachfragen entzieht. Es geht schnell im Machtgefüge der Parteien-Demokratie – was soll man sich da von den Bürgern noch befragen lassen. Die öffentliche Meinung wird mit kontrollierten Informationen gefüttert, die das eigene Selbstbildnis erscheinen lassen soll, auch wenn es nichts mehr mit der Volksvertretung zu tun hat. Schnell tritt anstelle der Rechtfertigung gegenüber dem Wähler dann, was Koschnick formulierte:
Das politische System ist so weit erstarrt, dass die von der Bevölkerung losgelösten Berufspolitiker noch nicht einmal mehr so zu tun brauchen, als verträten sie das Gemeinwohl. Sie leben in ihrer eigenen Welt. Sie sind eine politische Kaste für sich, die sich weitgehend von der breiten Bevölkerung losgelöst hat.
Die schon einmal ergänzte Version vom 25.08.2016 wird wieder eingestellt, weil die letzten Regierungsbündnisse (Ampelkabinett und Kabinett Merz) nichts der Verschlechterung des politischen und ethisch-moralischen Zustandes Deutschlands entgegengesetzt haben. Und die Menschen, die sich als Volk verstehen, bereiten der fatalen Wiederholung, eine rechtsextremistisch antidemokratische Partei (AfD) an die Macht zu bringen, den Weg dazu.
Der Hoffnung, der Karl Valentin mit seinem Aphorismus „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist„, Ausdruck verlieh, ist von der brutalen Wirklichkeit vertrieben worden. Religionsanhänger würden sagen: „Gnade uns Gott!“