Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

31. Juli 2010
von JvHS
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Begrüßung und Abschied – ein vorläufiger?

  

»Es gibt eine kreisförmige Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen. Wenn man nicht macht, was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist.

Wer Anpassungszwängen taktisch nachgibt, wohl wissend, dass er ihnen mit vertretbarem Risiko widerstehen könnte und auch sollte, wird nach und nach die Unzumutbarkeit von Anpassungsforderungen gar nicht mehr wahrnehmen, d. h., die eigene Gefügigkeit auch nicht mehr als Fluchtreaktion durchschauen.

Alles erscheint normal: die Verhältnisse, denen er sich ergibt, und der Verzicht auf Gegenwehr, den er eben gar nicht mehr erlebt.« (Horst-Eberhard Richter: Psychoanalyse und Politik)

Revision: 220619

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19. November 2019
von JvHS
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November III – Das Elend und die Kontemplation

Der kalte 09. November!

Ich habe keine Zeitung gelesen – mich nur mit ihr zugedeckt.
Ich habe keiner Frau nachgesehn – denn sie gingen abgewandt  an mir vorbei.
Ich habe den Briefkasten nicht geöffnet – ich besitze keinen solchen.
Ich habe keinem einen Guten Tag gewünscht – ich hatte selber schon lange keinen mehr.
Ich habe nicht in den Spiegel gesehn – ich schämte mich zu sehr.
Ich habe mit keinem über alte Zeiten gesprochen – es wäre zu schmerzlich gewesen.
und mit keinem über neue Zeiten – mir fehlte die Hoffnung.
Ich habe nicht über mich nachgedacht – ich suchte das Vergessen.
Ich habe keine Zeile geschrieben – meine arthrotischen Finger verweigerten dies.
Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht – denn ich lag auf ihnen.

Die Begeisterung für Sichtweisen führt nicht selten zum Tunnelblick. An seinem Ende ist das Erblickte so eng und ausschnittsweise, dass außerhalb dieses Blickwinkels kein Erkennen mehr Raum hat. Was dem einen Menschen wie eine Kontemplation erscheint, lässt den anderen Menschen an existenzielle Not denken. Hier wird das Gedicht “Der schöne 27. September” des Lyrikers Thomas Brasch als kontemplativ empfunden, dort kämpft ein Mensch bei gleicher Zeile, aber ergänzender und dialektischer Bedeutung, um sein Überleben.

Thomas Braschs “Der schöne 27. September” wird ergänzt, erweitert, verändert. Ich bediene mich seines Werkes – es wird zum “nass-kalten 09. November”. Es gehört zur interpretatorischen Bandbreite, dass andere Menschen dies als Missbrauch empfinden mögen. Vielleicht ist es aber auch nur der Blick auf die andere Seite der Medaille des Zusammenlebens der Menschen. 

Der kalte 09. November geht aber darüber hinaus und hat eine historische Bedeutung für die Entwicklung der politischen Gesellschaft in Deutschland.

Der 09. November: … 1848 (Wien)/… 1918 (Berlin/Hindenburg; Ludendorff; Hohenzollernkaiser) /… 1923 (München Hitler; Ludendorff – Putsch) / …1938 (“Kristallnacht” Pogrom in D, Synagogenbrände) /… 1989 (Öffnung/”Fall” der Mauer) / … 2019 (Geschichtsblindheit, Unkenntnis u. Nichtwissen, AfD-Rechte und Fremdenhass, Menschenfeindlichkeit und Gewalt: Chronik einer Wende, die vor 30 Jahren begann!)

 

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18. November 2019
von JvHS
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Armuts- und Überschuldungsland “D”

Die Datenerhebungen zur Einkommensstruktur – vor allem der Menschen, die ihr Einkommen über Lohneinkommen beziehen und nicht über Vermögenseinkommen – belegen, dass neben den Niedriglöhnen und der daraus resultierenden niedrigen Altersversorgung, Armut sich weiter ausbreitet. Die Messgröße für diese Einordung (lt. Definition des Bundesamtes für Statistik) lautet: “Nach dem von der EU gesetzten Standard liegt die Armutsgrenze bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens der Bevölkerung in Privathaushalten.

Parallel dazu steigt ebenfalls die Verschuldungsquote, weil das an der Armutsgefährdung oder unter der Armutsgrenze liegende Einkommen nicht ausreicht, die Kosten des Lebens (wie die Mietkosten und die Mieterhöhungen und die Verteuerung der Wohnnebenkosten Müllgebühren, Strom- und Heizkosten etc.) bei den Grundbedürfnissen zu decken.

Altersarmut und die Verschiebung der Daseinsfürsorge des Staates auf ehrenamtlich geführte und organisierte Ersatzleistungen wie den “Tafeln” belegen das Versagen der Politik und politischen Verantwortlichen  in diesen Bereichen.

Kinderarmut als Folge der von rd. 7 Millionen unter der Armutsgrenze liegenden Haushalte und die Ausgrenzung dieser gesellschaftlichen Gruppe sind ebenso ein Benachteiligungsbeleg für die Möglichkeiten dieser Gruppe. 

Wer dazu noch den Investitionsstau der Bildungseinrichtungen (Schule, Hochschule), die fehlenden Personalressourcen und die Unterrichtsausfälle betrachtet, muss zu den oben genannten Armutskriterien noch die Chancenarmut hinzufügen.

Fehlende Verteilungsgerechtigkeit und steigende ungleiche Einkommensverteilung lassen die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander  gehen. 

Dass zur Zeit gegen diese Argumentation “Geschütze” aufgefahren werden, ist ein Beleg dafür, dass die Vermögenseinkommenbesitzer ihre fehlende Solidarität nicht verändern wollen. 

Update vom 19.11.2019

Den Aktionen der neoliberalen Reichtumsgruppen sei empfohlen, das Interview der Nachdenkseiten mit dem Sozialforscher und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Butterwegge zu lesen. In diesem Rahmen sei auf das neue Buch Butterwegges: “Die zerrissene Republik“ verwiesen. 

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17. November 2019
von JvHS
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Am Morgen II

“Der Mensch hat immer eine Heimat und wär es nur der Ort, wo er einmal war und heute nicht mehr ist. `Denn Heimat ist, was jeder glaubt zu kennen, aber worin noch niemand wirklich jemals war´. Aus der Entfernung von Zeit und Ort stammt die nostalgische Verklärung von Heimat. Ein solches Verlustgefühl führt zur Selbsttäuschung und dem Ersatz-Gefühl durch Besitztum. Die Anhäufung von Besitz äußert sich im Sammeln – denn wer nur für sich sammelt, dem fehlt der Blick fürs Wesentliche – der Mitmenschlichkeit und Solidarität.” (JWB)

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16. November 2019
von JvHS
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Am Morgen

“Es ist mir in den Wissenschaften gegangen wie einem, der früh aufsteht, in der Dämmerung die Morgenröte, sodann aber die Sonne ungeduldig erwartet und doch, wie sie hervortritt, geblendet wird.” – Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen 372

Graffiti: “Ich wollt, ich wär ein Teppich.Dann könnt ich jeden Morgen liegen bleiben.”

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14. November 2019
von JvHS
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Novemberstimmung II – oder das Selbstzeugnis der Mitläufer und Sympathisanten von AfD und Neonazis

 

Wenn Menschen befragt werden, wie ihre Stellung zur AfD ist, ob diese Partei wählbar ist und warum sie mit einer neoliberalen, neofaschistischen und ausgrenzenden, menschenfeindlichen Partei paktieren, sie unterstützt, und im Fall der Fälle zu den ca. 25 % der Wähler gehören, die diese Partei  wählen, dann kommt schneller als eine abgefeuerte Pistolenkugel aus dem Mund hervor geschossen:  

Ich bin kein Nazi… kein Faschist.. kein Rassist… und auch kein gruppenbezogener Menschenfeind, aber …

Und dann wird schnell sichtbar und verstehbar, dass mit dem “Aber”… das eigene Dasein als nahe oder identisch mit dem Nazi-Weltbild verbunden ist. Welche Bedeutung das “Aber” hat, wird in den inhaltlichen Ausprägungen sichtbar!

Ich bin kein Nazi… kein Faschist.. kein Rassist… und auch kein gruppenbezogener Menschenfeind, aber …

… ich unterstütze mit meiner Wahl der AfD das Weltbild der Ausgrenzer, Gewaltbereiten, Holocaustleugner, Rechtsextremen und Menschenfeinden.

… ich klatsche Beifall und habe Sympathien für die Ausgrenzer, Gewaltbereiten, Holocaustleugner, Rechtsextremen und Menschenfeinde.

… ich skandiere und marschiere mit bei den Ausgrenzern, Gewaltbereiten, Holocaustleugner, Rechtsextremen und Menschenfeinden, wenn es gegen die Regierung und Andersdenkenden geht.

… ich lasse verbrecherische Taten zu und feuere sogar an, wenn die NSU Mitmenschen ermorden, Rechtsradikale Hetzjagden veranstalten und Brandsätze werfen gegen Ausländerheime und Asylunterkünfte.

… ich freue mich klammheimlich , wenn die Rechtsterroristen  wieder im Verbund mit Pegida und AfD-Vorsitzenden ihre Fackelzüge und Belästigungsumzüge machen, um die Bürgerschaft einzuschüchtern.

Und so ist nur zu oft zu hören:

“Zu all dem bekenne ich mich, aber ich bin kein Nazi… kein Faschist.. kein Rassist… und auch kein gruppenbezogener Menschenfeind, ich bin nur

… blind in meinem Hass, in meinem Frust und empfinde Lust am Destruktiven.

… mitleidlos, neidisch, vorurteilshaft, denkfaul und banal böse.”

Das ist dann eine Selbst- und Fremdtäuschung par excellance! Ein Weltbild wird geleugnet, auch wenn es lediglich auf dem Kopf steht! 

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