Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

26. September 2020
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Einmal sollte ein Ende sein – und die Welt dreht sich weiter!

Einmal sollte ein Ende sein – und die Welt dreht sich weiter!

Das Jubiläum  des Blogs – 10 Jahre JvHS – ist längst gewesen. (31.07.2020). Als Bürger unter diesem Format, der auch auf den Schultern von Riesen der Philosophie, der Literatur und der Aisthesis kaum zu vernehmen war, und nicht zuletzt über die Rolle als  Rufer in der Wüste des menschlichen Seins nicht hinaus kam, ist es obsolet gewesen, extra darauf hinzuweisen.  

Es scheint nun klug zu sein, ein Ende der bisherigen Form zu finden. Wie so viele  Blogs wird auch dieser hier still und heimlich in der Versenkung verschwinden und bald vergessen sein. Das Netz vergesse nichts, wird kolportiert. Allein die schiere Menge der Informationen bedingt, dass jeder Kommentar unter den Ablagerungen der Zeit irgendwann verschüttet sein wird.

Möglich, dass ab sofort nur Bilder und Fotos hier sprechen. Sagt man nicht, dass Bilder mehr als 1000 Worte sagen? Mal sehen, was wird. Alles ist möglich. Aber auch nichts.

So beginnt mit dem morgigen Tag,  dem 27. September 2020, ein geeigneter Tag und ein passender Anlass, das Ende der bisherigen Blogform zu besiegeln. Thomas Brasch hat diesem Datum ein Gedicht gewidmet. Es hat den Titel:

Der Schöne 27. September

  • Ich habe keine Zeitung gelesen.
  • Ich habe keiner Frau nachgesehen.
  • Ich habe den Briefkasten nicht geöffnet.
  • Ich habe keinem einen guten Tag gewünscht.
  • Ich habe nicht in den Spiegel gesehen.
  • Ich habe mit keinem über alte Zeiten gesprochen und
  • Mit keinem über neue Zeiten.
  • Ich habe nicht über mich nachgedacht.
  • Ich habe keine Zeile geschrieben.
  • Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht. 

                                                              Thomas Brasch

  • Im Westzipfel also nichts Neues!                                                                                                                                                              (Die letzte Stunde der Wahrheit – und nichts als die Wahrheit!) 

Weiterlesen →

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

16. Oktober 2020
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Niedertracht oder Niedergang? – Symbolkraft der Bilder

Niedertracht oder Niedergang? – Symbolkraft der Bilder

So manche, die sich berufen fühlen, die Zukunft planen zu können, landen irgendwo, wo sie nicht hinwollten. Ob hier zusammen gekommen ist, was der “Vogelschiss der Partei-Geschichte” in Wirklichkeit ist – Abfall gelandet im Abwasserkanal?

Ein gelingendes Leben ist nicht nur ein individuelles, sondern  immer auch ein sozial gemeinsam zu gestaltendes und zu förderndes  Projekt, für das solidarisch die Ressourcen bereit zu stellen sind.  (JWB)

Die Menschen in Deutschland haben eine andere Zukunft verdient, als die AfD es mit Figuren wie Höcke, Gauland, Weidel und Konsorten wollen. Wer im Vorgestern gesinnungsmäßig verweilt, plant eine “Zukunft” zurück ins ewig Gestrige. Das Alice-Wunderland ist real noch immer geprägt von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, von nationalkonservativem Junkertum, von Abgrenzung und der Arroganz pseudo-elitären Verhaltens.  Ziele wie “… wir holen uns unser Land zurück (Gauland)…” sind Belege für ein Weltbild der Rückständigkeit. Zudem stellen sich sofort Fragen hinsichtlich: was ist das “unser” Land? Das Land der Junker und Großgrundbesitzer, das Land der Raubritter und Industriebarone und in welchen Grenzen welchen Zeitraums?  

Dem separatistischen und nationalistischen AfD-Weltbild  setzt Amartya Sen Modelle und Konzepte globaler Gerechtigkeit gegenüber, welche die Abschaffung der sozialen Ungleichheiten in Bezug auf Bildung, Gesundheit, Arbeit und Lebensgrundlagen in den Mittelpunkt stellen. Amartya Sen betont eine globale Solidarität und Verhandlungsbereitschaft als grundlegend für demokratische Tugenden und belegt somit, dass es keinen Kampf der Kulturen um Identitäten gibt, noch dass Ausgrenzungen von Menschengruppen und deren Ausbeutung eine Grundlage für  menschenfreundliche Lebensentwürfe sein können.  Mit dem Modell des “Capability Approach” (Befähigungsansatz)-Konzeptes steht die Entwicklung der Menschen – auch und gerade der Schwächsten – im Mittelpunkt der Schaffung von Wohlstand, der nicht ausschließlich am Wirtschaftswachstum gemessen werden kann. Im Gegensatz zur verengten und begrenzenden Sicht der AfD und zu ihrer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sowie dem Festhalten am gierigen Neoliberalismus, setzt Amartya Sen  auf notwendige Veränderungen in der Kultur politischer Entscheidungen, um die Fähigkeiten zu entwickeln, Verantwortung für andere zu tragen (und nicht nur für eine kleine ausgewählte Klientel Vermögender, die bevorzugt werden), sowie das Recht auf Mitbestimmung und Selbstbestimmung gesetzlich zu verankern. 

 

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

15. Oktober 2020
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Zukunftsreden – vorwärts denken und rückwärts urteilend bedenken! An der Gesellschaft mitbauen!

Zukunftsreden – vorwärts denken und rückwärts urteilend bedenken! An der Gesellschaft mitbauen!

Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das wir an Information verloren haben?

(Original: »Where is the wisdom we lost in knowledge?  Where is the knowledge we lost in information?« )
T.S. Eliot 

„Sie lebten asynchron: In einer Zeit dachten, in einer anderen empfanden, in einer dritten handelten sie“ – schrieb Roger Willemsen in seinem nie vollendeten letzten Werk „Wer wir waren“.

Wer, wie und was waren und sind wir in der Coronazeit? Welches Leben ist zu beobachten?

Asynchron leben, das ist nicht nur in Corona-Zeiten  die Beschreibung menschliches Verhalten. Nicht mehr eins-sein mit sich selber, mit der Natur und mit den Mitmenschen. Und oft genug geschieht in diesen wie in jenen Zeiten, dass nicht einmal mehr gedacht wird, das Empfinden für sich wie für die anderen Wesen unterdrückt und abgestorben ist und das Handeln robotergleich vollzogen wird. Entweder entbehrend jeglicher Vernunft oder im Rausch des „Scheiß-Egal-Seins!“  und reduziert auf eine hormongesteuerte biologische Masse namens homo sapiens.

Und so finden sich die weiteren Sätze Willemsen in seinen Aufzeichnungen, als beschriebe er das Jahr 2020:

„Ja, wir wussten viel und fühlten wenig. Wir durften es nicht fühlen und hörten doch T.S. Eliot fragen: »Where is the wisdom we lost in knowledge? Where is the knowledge we lost in information?«

Hörten es und häuften noch mehr Informationen auf. Als brauchten wir zum Handeln einen neuen Klimabericht, einen neuen Schadensbericht über die Weltmeere, den Regenwald, die grassierende Armut. Aber aus all den Fakten ist keine Praxis entsprungen, die auf der Höhe der drohenden Zukunft wäre.“

Und nun nehmen wir es hin, dass die Kaste der Politiker ihre Dekrete verkünden, Verordnungen verteilen und das Leben der ihnen anvertrauten Menschen reglementieren, einschränken und begrenzen, weil Regierungsmitglieder und Richtlinienkompetenz-Inhaber meinen, dies tun zu können, da die ihnen von den Bürgern temporär verliehene Macht sie dazu ermächtige. Verfassungen und Grundgesetze werden dabei ignoriert.

Politik und Staat, sprich: die Menschen, die Funktionen – die in einem System (nennen wir es Demokratie) eingerichtet wurden zur Verwaltung, Steuerung und Ordnung des Zusammenlebens  –  übernommen  haben, handeln sowohl ideologisch wie auch normativ vor allem in Corona-Zeiten, weil die Bürger ihrer Verantwortung für die Freiheit nicht nachgekommen sind. Sie ist ihnen längst genommen worden in vielen Staaten weltweit, weil sie zugelassen haben, dass autokratische Figuren ihre Macht autoritär verteidigen.  

Zukunftsgestaltung haben sie Google mit seinen Datenbanken überlassen, ebenso wie sie jegliches Denken den Populisten überlassen haben. Nun, da die persönlichen Gewohnheiten von den Sachzwängen der Pandemie geändert werden, der Ablauf des Lebens nicht mehr von Konsum, materieller Freizeitgestaltung und permanenten Feiern geprägt ist, weil ein Virus die Menschen auf sich selber zurückwirft, da wird klar, wir sind nicht frei für den gewohnten Egoismus. Wir sind in dieser neoliberalen Welt umgeben von menschenfeindlichen  und freiheitsbeschränkenden Strukturen.  

Es ist wieder eine Zeit des Wandels gekommen! Dabei darf nicht rückwärts gedacht werden, um das Rückständige, das Nationale, das Kriegstreiben und den Hass als Normalität installieren zu wollen. Zum Vorwärtsdenken gehört beim menschenförderlichen Wandel, dass Konzepte und Ideen wie sie in der Sozialenzyklika „Fratelli Tutti“ des Papst Franziskus benannt sind, in den Mittelpunkt der notwendigen Veränderung gestellt werden müssen. Oder ergänzend wie im Ansatz von Amartya Sen/Martha Nussbaum “Capability Approach”-Modell eine Umsetzung erfolgt unter dem Verständnis, dass gesellschaftlicher Wohlstand nicht alleine am Wirtschaftswachstum zu messen ist, wie der gierige finanz- und vermögensorientierte Neoliberalismus dies verkündet. Amartya Sen betont mit seinem Modell, die Entwicklungsmöglichkeiten der Armen und Schwächsten einzubeziehen. Solidarität und Verhandlungsbereitschaft als essentielle Tugenden zur Erhaltung der Demokratie sind zu stärken.  Zur Zielerreichung der globalen Gerechtigkeit sind nach seinem Verständnis der Abbau der sozialen Ungleichheit vor allem in Bezug auf Bildung und Gesundheit vorrangig in den Fokus zu nehmen und die Ressourcen dafür bereitzustellen. Dem Mythos der zu verteidigenden Kulturen (westliche Wertegemeinschaft/ abzugrenzende und auszugrenzende Ethnien) durch Kriege setzt er entgegen, dass es keinen Krieg der Kulturen geben kann, weil die einzige Identität heißen kann, wir sind weltweit alle gleichberechtigte Menschen!  

Die Baustellen-Inhalte lauten: Freiheit vorleben, Einschränkungen der Grundrechte zurücknehmen, Klimawandel berücksichtigen und Energiewende realisieren, Frieden sichern – Kriege beenden, Steueroasen austrocknen, Gewinne sozialisieren und zur Kostendeckung der Pandemie einsetzen, Armut beseitigen, Algorithmen der Künstlichen Intelligenz der menschenrechtlichen Ethik unterwerfen. Wir wollen überleben mit dem Ziel, unsere Lebensentwürfe so zu gestalten, dass ein lebenswertes Leben ermöglicht wird!

Das vorläufige Ende dieses Beitrages mag wiederum mit Zitaten von Roger Willemsen beschrieben werden, wenn die Aufgaben von allen Menschen angepackt werden, um unsere Baustellen des sozialen Lebens bewusst und selbstverantwortlich zu bewältigen unter Einbezug der nachstehenden Erkenntnisse und der dort beschriebenen Verwerfungen:

„Von den bewusstseinsbildenden Prozessen der Kultur kann nicht gesprochen werden, ohne zu fragen, unter welchen Bedingungen Bewusstsein heute überhaupt zustande kommt“.

Und weiter:

„Der Anspruch an die Disziplin auf allen Feldern bringt Querulanten, Hysteriker, Choleriker, Amokläufer hervor, der Anspruch an die Leistungsfähigkeit (im neoliberalen System) Versager, Ausgebrannte, Depressive, Menschen, die am Projekt der Selbstwerdung scheitern und sich zwischen den öffentlichen Parametern verlorengehen mit dem Refrain:
Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr.“

Sowie:

„Die Souveränität ging von den Staaten auf Finanzsysteme und Konzerne über. Autonomie wurde in immer kleinere Zonen zurückgedrängt, radikal verstanden: undenkbar.
Zugleich aber blies sich das Individuum auf in nie dagewesener, nie möglich erschienener Datenfülle aus dem Einzelleben, das bald ein einziges großes, gleichgeordnetes Massenleben war, das sich in Massenchoreographien durch die Städte  wälzte. Und während sich all dies vollzog, wurde das eigene Ich erreicht von einer Müdigkeit, einem Welken, einem Überdruss an sich selbst, dem es die letzten Selfies ohnmächtig hinterherwarf.“

Und so muss die Arbeit an den Baustellen lauten, dass wir gerade jenes nicht wollen, was Willemsen gegen Ende seines Textes schrieb:

„Wir agierten auf der Schwelle – von der Macht des Einzelmenschen zur Macht der Verhältnisse. Von der Macht der Verhältnisse in die Entmündigung durch Dinge, denen wir Namen gaben wie »System«, »Ordnung«, »Marktsituation«, »Wettbewerbsfähigkeit«. Ihnen zu genügen, nannten wir »Realismus« oder »politische Vernunft«. Auf unserem Überleben bestanden wir nicht.“

 

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

13. Oktober 2020
von JvHS
Kommentare deaktiviert für CETA – ein Freihandelsabkommen steht wieder vor dem Bundesverfassungsgericht

CETA – ein Freihandelsabkommen steht wieder vor dem Bundesverfassungsgericht

Nicht jeder Lichtblick erfüllt die Erwartungen!

Das Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada ist eine Blaupause für das sich schadlos halten von Konzernen, die ihre Gewinneinbußen in Zeiten wie Corona durch eine Schadensersatzforderung an die EU respektive an deren Mitgliedsstaaten wie Deutschland über private Schiedsgerichte ausgleichen wollen. Gegen jegliche Vernunft und Widerstand wurde das Abkommen vorläufig in Kraft gesetzt, obwohl die Ratifizierung nicht abgeschlossen wurde. Auch in Deutschland ist die Ratifizierung bisher nicht erfolgt. Vor allem wird sowohl vor dem Bundesverfassungsgericht in Deutschland wie vor dem EU-Gerichtshof geklagt, weil das Abkommen CETA die Beteiligung der Parlamente ausschließen will.

CETA ist eines der Mittel und Wege des Neoliberalismus, welche Papst Franziskus in seiner Sozialenzyklika “Fratelli Tutti” kritisiert und verurteilt. Da weiß der Papst sich einig mit großen Teilen der Bevölkerung, die dieses System der privaten Schiedsgerichte und die Entmachtung der gewählten Parlamente und der damit faktisch erfolgten Demokratiezerstörung schärfstens verurteilen und CETA durch die Klagen noch verhindern wollen! 

Damit nicht in Vergessenheit gerät, was CETA und die Freihandelsverträge verursachen (ein offener Brief der Zivilgesellschaft, der immer noch aktuell ist und an die Bundestagsabgeordnete gesendet werden kann!), sei hier auf das Verfahren hingewiesen!

Mehr Informationen zur heutigen Verhandlung  

Quelle: Westfälische Nachrichten (WN)

BVerfG. ein Beschluss vom 14. September 2020 

Quelle: Bundesverfassungsgericht (BVerfG) 

Details zur Verfassungsbeschwerde “Nein zu CETA”   vom 30.08.2016

Quelle: Mehr-Demokratie.de 

BVerfG zur vorläufigen Anwendung von CETA (2016) vom 07.12.2016 

Quelle: BVerfG 

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

12. Oktober 2020
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Papst Franziskus Sozialenzyklika “FRATELLI TUTTI” – eine Kritik des neoliberalen Weltbilds und Wirtschaftssystems

Papst Franziskus Sozialenzyklika “FRATELLI TUTTI” – eine Kritik des neoliberalen Weltbilds und Wirtschaftssystems

Papst Franziskus hat seine neueste Sozialenzyklika “Fratelli Tutti” veröffentlicht, in der er sich auf Franz von Assisi und dessen „Schwester- und Brüderlichkeit-Appell“ im Sinne der Menschenrechte und von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bezieht. Sie ist eine aktuelle Kritik am neoliberalen Wirtschaftssystem und an den Absichten der großen Konzerne, mithilfe von politischen und gesellschaftlichen Beeinflussungen (Lobbyismus/Seilschaften) bis in die Gesetzgebung hinein, ihre Macht zu Lasten der Weltbevölkerung auszudehnen. (Amartya Sens Idee der Gerechtigkeit sowie die globale Entwicklung auf der Grundlage des Capability Approachs sind ergänzende Modelle zur Sozialenzyklika durch eine politische Philosophie, die einen menschenfreundlicheren Lebensentwurf gestalten hilft, als das Weltbild des Neoliberalismus es überhaupt zulassen würde!)

“Vergiss die Armen nicht!”

Enzykliken sind Rundschreiben des Papstes an die Einrichtungen der katholischen Kirche, in der die Lehre der katholischen Kirche und ihr aktueller Stand der Sichtweise der Gesellschaft und ihre Analyse als zu berücksichtigendes Weltverständnis sowie theologische Vorgabe verkündet werden. Weil eine Enzyklika nicht nur an die katholischen Gläubigen gerichtet ist, sondern an alle Menschen, die „guten Willens sind“, ihr Verständnis von der Welt und die Gestaltung der Welt auf der Grundlage der Enzyklika handelnd zu beeinflussen, sind gerade die großen Beeinflussenden der wirtschaftlichen und politischen Machtinhaber angesprochen, ihr Handeln im Sinne der Enzyklika zu ändern.

Dass dies den Profiteuren und den Mächtigen der neoliberalen Weltsicht nicht in den Kram passt, ist nachvollziehbar. Denn Figuren wie Larry Fink (Blackrock CEO)  und der ehemalige Blackrock-Deutschland-Vertreter und aktuelle Kandidat für den CDU-Vorsitz und damit möglicher Kanzlerkandidat, Friedrich Merz, wird diese Enzyklika schwer auf dem Magen liegen, wenn der Einfluss der Katholischen Kirche mit einer solchen Ausrichtung ihrer Theologie sich gegen das Finanzgebaren á la Blackrock richtet. Dass die CDU/CSU insgesamt sich auch betroffen fühlen muss, weil sie als Vertreter und Verfechter  des Neoliberalismus bei diesem zu verorten ist, muss jedem Wähler dieser Parteien schwer auf die Füße fallen und sie sich direkt von der Enzyklika kritisiert fühlen. Jedoch ist nicht nur die Union gefordert, die Enzyklika zu berücksichtigen und sich des Bestandteils ihrer Parteinamen (Christlich) wieder zu besinnen, auch die anderen Parteien in Deutschland – von der FDP als neoliberale Wirtschaftspartei bis hin zur SPD und ihren neoliberalen Gruppierungen – sind angesprochen!

Es ist nicht verwunderlich, dass die Kräfte, die vom Neoliberalismus profitieren, ihre Kritik direkt und indirekt mit den Mitteln der Diskriminierung und der Zersetzung – auch der Person des Papstes – in die mediale Welt blasen. Einer von ihnen ist der Präsident des Ifo- Institut für Wirtschaftsordnung, Clemens Fuest, ein Neoliberalist wie er im Buche steht. Er scheut sich nicht, den Papst zu diskreditieren und ihm perfide Vorurteile und Unwahrheiten vorzuwerfen! Dass diese Meinungsäußerung als Kritik bezeichnet wird, ist bedeutungsfälschend par excellence und gleichzeitig Indiz für die Befürchtung, dass die Enzyklika das neoliberale Wirtschaftssystem entlarvt und in die Ecke stellt, in die es gehört – als ein System der Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen zum Vorteil weniger Profiteure! Da werden denn auch die innerkirchlichen Gegner des Papstes aktiv und blasen ins gleiche Horn.

So mögen die Auszüge aus der Enzyklika für sich und für Papst Franziskus sprechen:

 Zitat: „Ich habe den großen Wunsch, dass wir in dieser Zeit, die uns zum Leben gegeben ist, die Würde jedes Menschen anerkennen und bei allen ein weltweites Streben nach Geschwisterlichkeit zum Leben erwecken. Bei allen: »Dies ist ein schönes Geheimnis, das es ermöglicht, zu träumen und das Leben zu einem schönen Abenteuer zu machen. Niemand kann auf sich allein gestellt das Leben meistern […]. Es braucht eine Gemeinschaft, die uns unterstützt, die uns hilft und in der wir uns gegenseitig helfen, nach vorne zu schauen. Wie wichtig ist es, gemeinsam zu träumen! […]

Als ich dieses Schreiben verfasste, brach unerwartet die Covid-19-Pandemie aus, die unsere falschen Sicherheiten offenlegte. Über die unterschiedlichen Antworten hinaus, die die verschiedenen Länder gegeben haben, kam klar die Unfähigkeit hinsichtlich eines gemeinsamen Handelns zum Vorschein. Trotz aller Vernetzung ist eine Zersplitterung eingetreten, die es erheblich erschwert hat, die Probleme, die alle betreffen, zu lösen. Wenn einer meint, dass es nur um ein besseres Funktionieren dessen geht, was wir schon gemacht haben, oder dass die einzige Botschaft darin besteht, die bereits vorhandenen Systeme und Regeln zu verbessern, dann ist er auf dem Holzweg.“ Zitatende

Quelle: Enzyklika Fratelli Tutti! 

Ergänzung:

Wenn einer meint, dass es nur um ein besseres Funktionieren dessen geht, was wir schon gemacht haben, oder dass die einzige Botschaft darin besteht, die bereits vorhandenen Systeme und Regeln zu verbessern, dann ist er auf dem Holzweg.”, heißt es in dem obigen Zitat. Und wer glaubt, die Entscheider an den staatlichen Schaltstellen geht es um die Verbesserung von Demokratie und gelingende Lebenswege für alle, der irrt sich gewaltig. 

Es geht den Entscheidern darum, Transparenz und damit Haftbarkeit und Aufklärung über Entscheidungen und Fehlentscheidungen zu vermeiden, damit die Kontrolle über das Tun der Exekutive und Legislative nicht möglich ist. 

Woran diese Einschätzung festgemacht werden kann? Daran! 

Und die Schädigung des Staates durch die Entscheider in den Ministerien geht ungestraft weiter – auch durch ein wucherndes Beratersystem, das sowohl Wissen auf Kosten der Bürger absaugt und zum Geschäftsgegenstand macht, mit dem sie das sich angeeignete Wissen des Staates auch noch diesem Staat extra in Rechnung stellt. Ein Cum-Ex-Skandal der besonderen Art, initiiert und abgesichert durch Minister und Politik und zu Lasten der steuerzahlenden Bevölkerung.

Es ist das Gegenteil von dem, was Papst Franziskus in seiner Enzyklika formuliert:

Zitat:

Ich lege diese Sozialenzyklika als demütigen Beitrag zum Nachdenken vor. Angesichts gewisser gegenwärtiger Praktiken, andere zu beseitigen oder zu übergehen, sind wir in der Lage, darauf mit einem neuen Traum der Geschwisterlichkeit und der sozialen Freundschaft zu antworten, der sich nicht auf Worte beschränkt.

Jahrzehntelang schien es, dass die Welt aus so vielen Kriegen und Katastrophen gelernt hätte und sich langsam auf verschiedene Formen der Integration hinbewegen würde. So ist zum Beispiel der Traum eines geeinten Europas vorangeschritten, der fähig war, die gemeinsamen Wurzeln anzuerkennen und sich zugleich über die in ihm wohnende Verschiedenheit zu freuen. 
Erinnern wir uns an »die feste Überzeugung der Gründungsväter der europäischen Union […], die sich eine Zukunft wünschten, die auf der Fähigkeit basiert, gemeinsam zu arbeiten, um die Teilungen zu überwinden und den Frieden und die Gemeinschaft unter allen Völkern des Kontinentes zu fördern«

Doch die Geschichte liefert Indizien für einen Rückschritt. Unzeitgemäße Konflikte brechen aus, die man überwunden glaubte. Verbohrte, übertriebene, wütende und aggressive Nationalismen leben wieder auf. In verschiedenen Ländern geht eine von gewissen Ideologien durchdrungene Idee des Volkes und der Nation mit neuen Formen des Egoismus und des Verlusts des Sozialempfindens einher, die hinter einer vermeintlichen Verteidigung der nationalen Interessen versteckt werden.

„Offen sein zur Welt“ ist ein Ausdruck, den sich die Wirtschaft und die Finanzwelt zu eigen gemacht haben. Er bezieht sich ausschließlich auf die Öffnung gegenüber den ausländischen Interessen oder auf die Freiheit der Wirtschaftsmächte, ohne Hindernisse und Schwierigkeiten in allen Ländern zu investieren. Die örtlichen Konflikte und das Desinteresse für das Allgemeinwohl werden von der globalen Wirtschaft instrumentalisiert, um ein einziges kulturelles Modell durchzusetzen. Eine solche Kultur eint die Welt, trennt aber die Menschen und die Nationen, denn »die zunehmend globalisierte Gesellschaft macht uns zu Nachbarn, aber nicht zu Geschwistern«.[9] Wir sind einsamer denn je in dieser durch Vermassung gekennzeichneten Welt, welche die Einzelinteressen bevorzugt und die gemeinschaftliche Dimension der Existenz schwächt.

Aus dem gleichen Grund wird ein Verlust des Geschichtsbewusstseins gefördert, das eine weitere Auflösung hervorruft. Man nimmt das Vordringen einer Art von „Dekonstruktivismus“ in der Kultur wahr, bei dem die menschliche Freiheit vorgibt, alles von Neuem aufzubauen. Aufrecht bleibt nur das Bedürfnis, grenzenlos zu konsumieren, und das Hervorkehren vieler Formen eines inhaltslosen Individualismus. ” 

Zitatende 

Quelle: Enzyklika Fratelli Tutti! 
 

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS