Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

26. September 2020
von JvHS
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Einmal sollte ein Ende sein – und die Welt dreht sich dennoch weiter!

Das Jubiläum  des Blogs – 10 Jahre JvHS – ist längst gewesen. (31.07.2020). 

Wie so viele  Blogs wird auch dieser hier mal still und heimlich in der Versenkung verschwinden und dann bald vergessen sein. Das Netz vergesse nichts, wird kolportiert. Allein die schiere Menge der Informationen bedingt, dass jeder Kommentar unter den Ablagerungen der Zeit irgendwann verschüttet sein wird.

  • Im Westzipfel also nichts Neues!   

(Die letzte Stunde der Wahrheit – und nichts als die Wahrheit!) 

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15. Juni 2021
von JvHS
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Die Auswirkungen der konservativen und wirtschaftsbevorzugenden Politik

Es sind die altbekannten Agitationen der konservativen und die Wirtschaft bevorzugenden Politik durch die Parteien CDU/CSU, FDP und die nationalistisch affine AfD, die im Verbund mit den Medien eine Veränderung der Verhältnisse verhindern. Die drängenden Themen aus den Bereichen der Daseinsfürsorge-Verpflichtungen des Staates werden mit der Agenda “alles für die Wirtschaft” in keiner Weise zukunfts- und bürgerorientiert behandelt.

Diese Themen sind:

  • Schaffung von ca. zwei Mill. fehlende bezahlbare Wohnungen! Bezahlbar bedeutet hier, nicht mehr als rd. 20 % des verfügbaren Einkommens als Kostenumfang. Miet- und Wohnungsmarkt ist zur Mitgefährdung des sozialen Friedens geworden.
  • Rentensicherung durch Sozialabgaben der Kapitalinhaber auf Produktivitätssteigerungen – auch durch KI oder Roboter, sprich als Ersatz für Arbeitgeberabgaben bei Reduzierung oder Wegfall der Mitarbeiter; Rückbau der Privatisierung durch staatliche Subventionierung von privaten Konzepten á la Riester und Rürup. Forderung nach mehr Gerechtigkeit sollte nicht alleine mit dem Begriff der Generationengerechtigkeit verwässert werden!
  • Rückbau der Privatisierungen in den Bereichen Infrastrukturen von Verkehr, IT, Energie, Bildung und Forschung, Gesundheit (Krankenhäuser)
  • Steuergerechtigkeit steigern – Unternehmenssteuerzahlungen dort, wo sie entstanden sind!
  • Klimakatastrophe verhindern durch Klima-/Ökologieabgabe aller am Gesellschaftsvertrag Beteiligten, gestaffelt nach Verursachung und Verbrauch
  • Finanzierung des Schuldenabbaus durch Vermögenssteuer, Transaktionssteuer, Umsatzsteuer und Gewinn-/Renditebesteuerung
  • Personalausstattung voranbringen in den Bereichen – Polizei, Justiz, Kranken- und Altenpflege, Schule und Hochschule 
  • Korruptionsbekämpfung von Politiker 

Die Verteidigung des Status quo zulasten der Arbeitnehmerschaft – auch nach einer möglichen Nachpandemiezeit – durch die neoliberal affinen Parteien der Konservativen nimmt deutlich in der Vorwahlkampfzeit an Fahrt auf.

Anstatt Programme zur Abhilfe der zuvor aufgezählten Themen aufzulegen, wollen  die genannten Parteien die einseitige Bevorzugung der Wirtschaft und des Finanzkapitals weiter fortsetzen. 

Sehenswert in diesem Zusammenhang der Beitrag “Die Menschheit schafft sich ab” von Prof. Dr. Harald Lesch bei der Tele-Akademie!

Ebenso unterhaltsam wie lehrreich in diesem Umfeld der kabarettistische Beitrag von Frank-Markus Barwasser (Künstlername: Erwin Pelzig!)

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14. Juni 2021
von JvHS
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Brandstiftung 2.0 – Meinungsfreiheit oder Meinungsmache?

“Wo die Barmherzigkeit und Klugheit ist, da ist nicht Verschwendung noch Täuschung.” – Franz von Assisi

“Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.” – Christian Friedrich Hebbel

“Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.” – Wolfgang Neuss

“Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen den Menschen.” – Epiktet

Wie geht Brandstiftung? Vor allem durch direkte Formen der Meinungsmache und den hämischen bis beleidigenden Stil des Fanatikers für den Neoliberalismus.  Mit dem Beitrag Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhundert: W. K. auf der Plattform AdG, seiner Heimpostille, präsentiert er –  Broder, Henryk M(dot) – seinen Fans und Followers ein Stöckchen, über das dann dieselben nur zu gerne  springen. Alle Lebensentwürfe und Weltsichten, die Toleranz, soziales Engagement, Solidaritätsprinzipien in den Sozialversicherungsbereichen,  staatliche Daseinsfürsorge-Verpflichtungen sowie Nachhaltigkeit in den Ressourcen und Vermeidung der Klimakatastrophe betrifft, werden fanatisch verteufelt. Da greift der BHM(dots) dann zur geifernden und diskriminierden Sprachbotschaft. Die Herrenzimmer-Attitüde lässt sich bei dem Herrn auf Dauer eben nicht verstecken.

Welche Wirkung dieses Elaborat sprachlicher Vergiftung erzielt, wird dann nachvollziehbar in den Leser-Kommentaren. Nachfolgend einige Auszüge:

Zitat1:

D. L. / 13.06.2021 “Mein Vater hatte eine passende Beschreibung für Menschen wie Frau Baerbock. So schlau wie das Hinterviertel einer Kuh.” 
 
Zitat2:

J. L./ 13.06.2021 “Sie ist wahrscheinlich beim Trampolinspringen öfter mit dem Kopf auf dem Rahmen aufgeschlagen. War gar nicht gut fürs Denkvermögen”.

Zitat3:

J. Kr./ 13.06.2021 “Hmm, und das von einem ehemaligen Leerer – in Schwaben wird doch keiner angestellt, der nicht einen bis suf die Picosekunde korrekten und vollständigen Lebenslauf abgibt. Dortige Unternehmen setzen sogar Privatdetektive zur Kontrolle ein, ab einer gewissen Verantwortungsstufe. Kretsche-unglaubwürdig!”

Zitat4:

J. H./ 13.06.2021 “Soviel zum Thema Kretschmann und “bürgerlich” …. Und dann zur Krönung diejenigen die es wagten auf die Falschangaben der aufgeblasenen Kanzlerkandidatin hinzuweisen verunglimpfen. Was für eine widerliche, selbstgerechte, heuchlerische und selbstbereichernde autokratische Mischpoke, die ansonsten doch immer so mit “Moral” argumentierenden Grünen und ihre sektenhaften Nullchecker-Anhänger. Innen wie außen. Und den Staatsfunk- und sonstigen Dumm-Journos zuckt weiterhin der rechte Arm vor Entzückung in die Höhe (da bei denen anderes ja eh nichts mehr zucken kann), wenn sie ihre “junge globale Führerin” in den Himmel loben dürfen.”

Zitatenende (Quelle: AdG)

Tja, bei dieser geballten Wort- und Sprach-Intelligenz ist der Weg vom Kopf zu den Füßen und den gemeinsamen Hass- und Wut-Märschen der Achsen-Eleven und -Followers im Querdenker-Universum nicht mehr weit!

 

 

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13. Juni 2021
von JvHS
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Zwischen Form und Inhalt – zwischen Verstellung und Wahrhaftigkeit – zwischen Mensch und Leute

Zwischen Form und Inhalt – zwischen Verstellung und Wahrhaftigkeit – zwischen Mensch und Leute

Isolation und Alleinsein sind Bedingungen, die existenzielle Erfahrungen machen lassen, die im letzten Jahr zur neuen Form des Normalseins führte. Die Menschen wurden auf sich selbst zurückgeworfen. Menschen, die bis dato diesen Situationen immer ausgewichen sind. Eine Flucht in die Masse oder wenigstens in die Gruppe anderer Menschen – beim Rumhängen, auf der Arbeitsstelle, bei Open-Air-Veranstaltungen, beim Shoppen in überfüllten Kaufhäusern, in vollbesetzten Bars und Bistros und selbst beim Sportausüben in Hallen oder Stadien – um dem Alleinsein zu entkommen.

Eine Lebensgestaltung, die in dieser Form die Menschen in eine Richtung treiben ließ. Mit dem Stromschwimmen als  Teil der Herdentiere oder Lemminge. Das Mitgerissen-Werden als normale Daseinsform. Ein Leben in der Gemeinschaft – der kleinsten Form als Partnerschaft und der noch von den Menschen begreifbaren Form der Familie, Sippe und Freundschaft. Der Mensch als soziales Wesen oder wie Aristoteles definierte als „zoon politikon“. Eine Bestimmung, die ihn als Gemeinschaftswesen ausweist, welches auch die politische Struktur (den Staat) formte.

Aus Sicht der Evolution entwickelte sich das Gemeinschaftswesen Mensch, der nur in der Gruppe überleben konnte.

Was auf der Strecke blieb oder sich noch gar nicht entwickelt hatte, war die Auseinandersetzung mit der eigenen Person. In der Gruppe bildete sich der „Leitwolf“ heraus –  um eine Vokabel aus der Tierwelt zu nutzen. Seine Dominanz und der Führungsanspruch, bestimmt durch das „Un-Recht des Stärkeren“, nicht selten allein durch körperliche Gewalt und Überlegenheit gegenüber den Mitmenschen erlangt, selten jedoch durch Klugheit und Mitmenschlichkeit (Empathiefähigkeit), regelte das Zusammenleben der Menschen in diesen zahlenmäßig überschaubaren Größenordnungen von Gruppe, Familie oder Sippe/Clan. Unterwerfung oder Versklavung der Einzelnen waren und sind bis heute wirksame Formen – auch der Machtausübung in der Gemeinschaft.

Riten, Gewohnheiten, Regeln (Gebote und Verbote), definiert vom Despoten und Diktator oder Vereinbarungen zwischen einer kleinen Gruppe  Gleichgestellter setzen den Rahmen für das Zusammenleben. Einen engen, geschlossenen und hierarchisch organisierten. Erst spät in der Geschichte der Menschheit  eine offene, sich weiteren entwickelnde, kreative und das Potenzial nutzende Plattform, die Verstand und Herz, Vernunft und Menschenfreundlichkeit ihren Freiraum schafft und nicht durch Einengung der Freiheit Strukturen eines autokratisches System installiert.

Das Prinzip Anpassung ist ein evolutionserprobtes Mittel des Überlebens. Wer oder was sich anpasst, hat größere Überlebenschancen. Die Hoffnung des einzelnen Menschen auf größere Sicherheit wird daraus genährt. Das sind die Wirkkräfte, die bis heute als Prinzip Einfluss auf  Gruppen nehmen. Sie bewirken jedoch auch, dass die Beschäftigung mit der eigenen Person und der Frage: Wer bin ich? (meine Stärken und Schwächen) Was macht mich aus? (Fertigkeiten und Fähigkeiten) Wie will ich leben? (in Freiheit, selbstbestimmt etc.) zu oft verdrängt wird.

Der Mensch als lernendes Wesen wird sich entscheiden und für diese Entscheidung auch Verantwortung übernehmen müssen. Die Pandemie hat die Menschen gezwungen – durch das Alleinsein, die Einsamkeit und die Quarantäne bedingte Isolation – sich mit sich selbst und seinen bisherigen Lebensformen zu beschäftigen.

Dieser Blick in den Spiegel des eigenen Daseins hat bewirkt, dass die Selbsttäuschung und das Verstecken der eigenen Persönlichkeitsmerkmale und Verhalten viel schwieriger bis unmöglich wurde. Dieser „Wahrheit“ auszuweichen, das war wohl eine der gängigsten Verhaltensweisen in den letzten Monaten.

Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, beraubte ihn jedoch auch der Möglichkeit, neue Erkenntnisse und Potenziale zu entdecken und zu nutzen. Die übriggebliebene Variante war die, dass nicht wenige Menschen sich den Narrativen des „Querdenkens“ anschlossen. Die Abgabe der Verantwortung, mit seiner Einsamkeit, seiner Konfrontation mit sich und seinem Charakter sich auseinander zu setzen, wurde eingetauscht mit der vorgegebenen Erzählung „Wir sind jene mit dem Durchblick“ und der Forderung „zurück in die Vergangenheit der alten Normalität“! Das Mitlaufen in der Herde vermittelte trügerische Sicherheit.

Aufgegeben wurde dafür die Freiheit der Selbstbestimmung. Selbsttäuschung ist einfacher als die Arbeit an der eigenen Weiterentwicklung. Die Form ersetzt die Inhalte. Die sind austauschbar, wenn die Struktur bekannt ist – zum Beispiel durch 60 Jahre Fremdbestimmung und Diktatur (1933 bis 1990), wie die Mitbürger in den neuen Bundesländern diese Lebenswirklichkeit erleben mussten und verinnerlicht haben.

Brandstifter und Profiteure, die aus der nationalistisch-konservativen Weltsicht nicht herauskommen und von „wir holen uns >unser< Land wieder zurück“ faseln, befeuern die Vorurteile durch ihre Abgrenzungsäußerungen und ihre Ablehnung der toleranten und zukunftsorientierten Akzeptanz anderer Lebensweisen.

Wer als Mensch über einen Zeitraum von 50 bis 60 Jahre nur eine Diktatur erlebt, in denen die Struktur nach dem Wechsel des Personals weiter Bestand hatte, in dem lediglich die Worte ausgetauscht wurden, der verinnerlicht bei solchen Sozialisationsbedingungen eine Herrschafts- und Machtform der Autokratie und Despotie. Dass das Misstrauen angewachsen ist, scheint als Folge nicht verwunderlich zu sein. Im privaten Hintergrund „blühen“ dann generationsübergreifend die Weltbilder des rechtsnationalistischen GRÖFAZes weiter, wie sich in Hoyerswerda und weiteren Orten schnell offenbarte.

Wenn zudem die Hoffnung auf eine offene Gesellschaft und die unhinterfragte „Sehnsucht“ nach Einführung des Neoliberalismus schnellstens sich als Luftblase erwies, die statt blühender Landschaften überwiegend das Gefühl des Betrogenseins und des Verlierers produzierte, dann ist die Akzeptanz des Rechtsradikalismus und des Verqueren-Denkens mit seinen irrationalen Blasen nur folgerichtig. Mit den Bedingungen des Neoliberalismus konfrontiert, potenziert sich in diesen Landstrichen die Ablehnung des demokratischen Staates. Die Feinde der offenen Gesellschaft erhalten weiteren Zulauf. Ein Prinzip kommt zum Vorschein, das so und ähnlich Entwicklungen in Ungarn, Polen, Türkei und den USA unter Trump ermöglichten.

Wehret diesen Anfängen! Denn wenn der Mensch nur noch zur Masse der „Leute“ transformiert wurde, fehlen alle Elemente einer positiven, zukunftsorientierten, freien und toleranten Gesellschaft. Dazu gehört, die Probleme der Zukunft anzugehen, die Harald Lesch in seinem Tele-Akademie-Beitrag eindringlich “Schafft die Menschheit sich ab?” erörterte.

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10. Juni 2021
von JvHS
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Umsetzung der Menschenrechte als Kernprogramm echter demokratischer Verfassungen und Staaten

“Die Würde des Menschen ist unantastbar!” – Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 1

“Einem Menschen seine Menschenrechte verweigern bedeutet, ihn in seiner Menschlichkeit zu missachten.” – Nelson Mandela

“Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist. Sich der Heuchelei in der Art, den Glauben zu leben, bewusst zu werden, ist eine Gnade und ein erster Schritt, den wir gehen müssen. Wir müssen für die Geschichte Verantwortung übernehmen, sowohl als einzelner als auch in Gemeinschaft. Angesichts dieses Verbrechens können wir nicht gleichgültig bleiben. Das anzunehmen bedeutet, sich der Krise auszusetzen.” – Papst Franziskus in seinem Brief an Kardinal Marx

Ein offener Brief des Papstes auf das Rücktrittersuchen des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, weist auf ein Kernproblem aller Institutionen hin, das auch in diesem konkreten Fall wieder sichtbar wird: dass nicht eine Institution verantwortlich ist, sondern immer einzelne Menschen oder ihre Seilschaften. Im jeweils eigenen Haus ist das “unter-den-Teppich-kehren” als Methode der Konfliktlösung zu verhindern.

Nicht „die Kirche“, nicht „die Politik“, nicht „der Staat“ sind in der damit kodierten und verallgemeinerten Form für den Missbrauch und das Versagen zu benennen. Nein, es sind immer Menschen, einzelne Menschen, die ihre Macht missbrauchen. Menschen, die in Seilschaften verstrickt sind und die ein Weltbild vertreten, dass weder in der Orientierung an der Menschlichkeit, noch an der Justiz in Rechtsstaatlichkeit und dem Menschen-Recht ausgerichtet ist. Und diese einzelnen Menschen erst recht nicht an der Übernahme von Verantwortung für ihre Taten interessiert sind. Wie sonst ist die Verweigerung des Rücktritts von Minister wie Andreas Scheuer oder Jens Spahn zu erklären? 

Dass aber einzelne Handelnde ihre Taten weiterhin ausführen können, hat auch damit zu tun, dass jene Funktionsträger, die ihre – an den Menschenrechten und der Menschenwürde ausgerichtete – Richtlinienkompetenz ausüben müssten, Stillschweigen und Nicht-Handeln bevorzugen. Sie werden mit diesem Verhalten zu Verbündete der destruktiven Versager.

Dieses Prinzip gilt für fast alle Institutionen. Wenn diametral entgegengesetzte Einstellungen und Handlungskonzepte aufeinander prallen, dann lässt sich das Abgleiten in die Despotie, Willkür und das Unrecht nur vermeiden, wenn die Orientierung an der Antwort und Normierung erfolgt, was der Mensch für ein menschenwürdiges, erfüllendes Leben benötigt. Was damit verstanden wird, ist in den gemeinsam von allen Betroffenen definierten Inhalten festzuhalten. Die bisherigen Wahlprogramme und Parteiprogramme stellen dafür keinen Ersatz dar! Ebenso wenig reicht es aus, dass in den Koalitionsverhandlungen nach einer Wahl die Inhalte von wenigen Machtinhabern ausgehandelt werden. Es sind andere Beteiligungsformen durch Bürgerräte notwendig.

Amartya Sen führt aus, dass  materielle Güter und Ressourcen für diesen Zweck als wichtige Mittel – aber nicht als Selbstzweck – betrachtet werden, aber darüber hinaus Infrastrukturen für die Befähigungen fordert, über die der Mensch verfügen muss, damit er sein Leben erfolgreich gestalten kann.
Die Frage nach den Befähigungen geht über die Konzepte, die sich auf den Lebensstandard und die Menschenrechte konzentrieren, nach dem Verständnis von Sen insoweit darüber hinaus, als sie die Verpflichtung der Gesellschaft (und damit der Regierungen, die temporär beauftragt sind zur Umsetzung) beinhaltet, aktiv zur Entwicklung eines besseren Lebens aller ihrer Mitglieder beizutragen.

Das “Capability-Approach-Ansatz” genannte Vorgehen ist geeignet, Ungleichheit und Armut mehrdimensional unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren zu beschreiben und Zielsetzungen sowie deren Erreichung für gesellschaftliche Entwicklungen darzustellen. Dass der Befähigungsansatz für jedes Land individuell anders ausgerichtet wird, ist ebenfalls als Notwendigkeit zu akzeptieren. Die Achsenbildung von Nationen und Verbünde ist ebenfalls zu vermeiden und dafür sind Alternativen zu entwickeln. Denn im Falle des Nichtzustandekommens drohen wieder Kriege – vom kalten Krieg bis zu den wirklichen Kriegen.

Dazu gehören:

  1. politische Freiheiten (Kritik- und Meinungsfreiheit, Widerspruch durch Rechtsstaatlichkeit, Wahlrecht, Formen der Bürgerratsbeteiligung mit Kontrollfunktionen und direkter Demokratie etc.)
    2. ökonomische Institutionen (Ressourcen, Bedingungen des Tausches, Verteilung, Besteuerung der leistungslosen Vermögenszuwächse, sozialer Wohnungsbau als Daseinsfürsorge-Aufgabe, Vermeidung der Ökonomisierung aller Lebensbereiche)
    3. soziale Chancen (Bildung, Gesundheit, Abschaffung der Privatisierungen, staatliche Daseinsfürsorge-Aufgaben)
    4. Transparenzgarantien (Pressefreiheit, Informationspflichten z. B. Lobbyregister, Korruption als Ausschluss aus politischen Ämtern, juristische Verfolgung)
    5. soziale Sicherheit (Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe, Mindestlöhne und deren an den jeweiligen Durchschnittslöhnen orientierten Einkommen des Landes, gesetzliche Rentenversicherung und Grundeinkommen)

Um ein “Weiter-so-wie-bisher” zu beenden, ist es notwendig, dass auf die Fehler aufmerksam gemacht werden muss. Dass Aufklärung erfolgen muss, wie und warum Ungleichheiten, Armut, soziale Not weiterhin existieren können und wer für diese Fortsetzung die Verantwortung hat. 

So mag an Schillers Aussage erinnert werden, die bis heute für große Teile der Menschheit gilt:

“Würde des Menschen. Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen [Bildung und Daseinsfürsorge, möchte man ergänzen…!] Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.” – Friedrich Schiller

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8. Juni 2021
von JvHS
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Die neoliberalen Kolonnen kommen ins Rollen

“Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.” – Albert Camus, Fragen der Zeit (Verteidigung der Freiheit)

“Der heutige Kampf […] findet […] seine Ideologie in der strengen Orientierung von Denken und Verhalten am gegebenen Universum von Tatsachen. Bestärkt durch die Leistungen von Wissenschaft und Technik, gerechtfertigt durch seine anwachsende Produktivität, spottet der Status quo aller Transzendenz.” – Herbert Marcuse / Der eindimensionale Mensch

“Genau genommen ist aber ein Arbeiter, der Kloaken auspumpt, um die Menschen vor gesundheitsgefährdenden Miasmen zu schützen, ein sehr nützliches Glied der Gesellschaft, wohingegen ein Professor, der gefälschte Geschichte im Interesse der herrschenden Klassen lehrt, oder ein Theologe, der mit übernatürlichen transzendenten Lehren die Gehirne zu umnebeln sucht, äußerst schädliche Individuen sind.” – August Bebel

“Dialektik ist, als philosophische Verfahrungsweise, der Versuch, mit dem ältesten Medium der Aufklärung, der List, den Knoten der Paradoxie zu entwirren. Nicht zufällig war das Paradoxon seit Kierkegaard die Verfallsform von Dialektik. Dialektische Vernunft folgt dem Impuls, den Naturzusammenhang und seine Verblendung, die im subjektiven Zwang der logischen Regeln sich fortsetzt, zu transzendieren, ohne ihre Herrschaft ihm aufzudrängen: ohne Opfer und Rache.” – Theodor W. Adorno, Negative Dialektik

Was mit Poppers Vereinnahme aus geisteswissenschaftlicher Ecke versucht wurde, setzt sich bei der Politik im Wahlkampf und den Medien und einer fragwürdigen Form nach Art der Journaille-Agitation fort: 

  • Das Renten-Eintrittsalter zu erhöhen (68 Jahre) ist das bekannte Argument, das vor allem dazu dient, die Beteiligung an der Finanzierung der gesetzlichen Renten für die reichsten Teile der Gesellschaft zu verhindern. Statt über berechtigte Einnahmen auf der Steuerseite zu debattieren (z.B. Erhöhung respektive Wiedereinführung der Vermögenssteuern, sowie Transaktionssteuern für die Teilnahme an der Börse, Besteuerung der leistungslosen Einkommen wie Mrd. an Renditen etc.; Produktivitätsorientierte Sozialabgaben-Anteile der Arbeitgeber), um damit die Finanzierung der gesetzlichen Rente zu sichern, wird seitens der CSU (Alexander Dobrindt) weiter auf dem toten Gaul á la Riesterrente als private Vorsorge für das Alter rumgeritten! Sicherlich werden dann auch noch die Versuche noch zahlreicher werden, die die Lohneinkommensgruppen von “Junge Generation gegen Alte-Generation” gegeneinander hetzen werden!
  • Die Benzinpreiserhöhung um 16 Ct. und die heimliche Erhöhung der Gewinnmarge durch die Energie-Konzerne, die als Anteil nicht erwähnt werden (bei einem Preis von 1,56 Euro/Liter – Stand: 08.06.2021 im Vergleich zu 1,27/Liter mit Stand von Ende Oktober 2020) wird wieder kräftig geheuchelt und die Lasten auf den Teil der Bevölkerung abgewälzt, der aufgrund der Pendelnotwendigkeit vom Land zur Arbeitsstelle auf  das KFZ angewiesen ist. Die Lüge in der Politik hat immer Konjunktur! Im Fall der Benzinpreiserhöhung/Energiekosten-Steigerungen hat die Koalition aus CDU/CSU + SPD die Erhöhung des Benzinpreises um 16 Ct. schon längst gesetzlich beschlossen! Allerdings gestreckt in einem Zeitraum von 2023 bis 2026! Sich jetzt über die Forderung der Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock, den Benzinpreis um 16 Ct. zu erhöhen – jedoch in einem Zug und vorgezogen auf 2023 – ist Heuchelei vom dreistesten Format! 

Was auf der CDU/CSU-Seite in Sachen Privatisierung der Daseinsfürsorge-Aufgaben und der Altersrente als Argumentation eingebracht wird – und dabei das Scheitern in Sachen Riesterrente geflissentlich bei Seite geschoben wird – ist adäquat der Forderung nach Benzinpreiserhöhung, ohne dabei Konzepte zu berücksichtigen, die die Lebenswirklichkeit der Menschen in Sachen Mobilität beachten! 

Statt Lösungskonzepte zu erarbeiten, werden die “Denk-Ressourcen” dafür verwendet, den alten Status quo für die Einkommensstarken und Finanzstarken zu verteidigen und zu erhalten. Dafür ist keine Heuchelei zu schade und keine Lüge zu infam! 

Jedoch ist kaum Verwunderung zu betonen, wenn die Akteure á la Scheuer, Dobrindt, Spahn betrachtet werden, die als Prototypen des eindimensionalen Menschen agieren!

Ergänzung vom 12.06.2021

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)  – der “Geist” und die Gesinnung des Wolfgang Clement, neoliberaler Trojaner innerhalb der Schröder-SPD-Partei  –  lässt die INSM als neoliberale Kolonne gegen die Partei “Die Grünen” und ihre Kanzlerkandidatin marschieren, agitieren und hinterfotzig Grenzen überschreiten.

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