Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

31. Juli 2010
von JvHS
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Begrüßung und Abschied – ein vorläufiger?

  

»Es gibt eine kreisförmige Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen. Wenn man nicht macht, was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist.

Wer Anpassungszwängen taktisch nachgibt, wohl wissend, dass er ihnen mit vertretbarem Risiko widerstehen könnte und auch sollte, wird nach und nach die Unzumutbarkeit von Anpassungsforderungen gar nicht mehr wahrnehmen, d. h., die eigene Gefügigkeit auch nicht mehr als Fluchtreaktion durchschauen.

Alles erscheint normal: die Verhältnisse, denen er sich ergibt, und der Verzicht auf Gegenwehr, den er eben gar nicht mehr erlebt.« (Horst-Eberhard Richter: Psychoanalyse und Politik)

Revision: 220619

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16. August 2019
von JvHS
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The One and Only: Horstl – oder das wahre Leben!

Wege wagen …

Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muß dessen entfremdeter Gestalt nachforschen, den objektiven Mächten, die die individuelle Existenz bis ins Verborgenste bestimmen.“ (Adorno, Minima Moralia, S. 7)

Es war schon immer ein offenes Geheimnis – der einzig Wahre war und ist: Horstl! Seines Zeichen Bundesinnenminister und die Freude aller Verwirrten und Tiefer-Staat-Demokraten.

Aus dem Leben der Minister: Wir können sprachlich alles – nur nicht transparent, verständlich und klar zu sprechen und zu schreiben. (Da steht sein CSU-Amigo im Geiste, Verkehrsminister Scheuer, dem Horstl in nichts nach!) So wird der Staatstrojaner zum harmlosen Werkzeug erklärt, mit dem die Demokratie gerettet werden soll. Da sage jemand noch, es gäbe keine relativen Realitäten. Der Meister im Relativieren bleibt Horst Seehofer – meint auch die Süddeutsche Zeitung! (*)

Nach diesem Vorbild findet sich das wahre Leben sowieso nur hier! Oder beim Privatfernsehen mit seinen Formaten.

Update vom 17.08.2019

(*) Dass das Relativieren selten harmlos ist, zeigt sich an jener Person, die als Verfassungsschutzpräsident (H.G. Maaßen) in ihrer Gesinnung selten demokratisches Verhalten zeigte und viel zu lange von seinem Vorgesetzten, dem Bundesinnenminister, gedeckt wurde und in so geschützter Gesinnungsglocke schädlich für die Demokratie wirksam werden konnte. Dass auch damals sein Netzwerk aus Kontakten zu den Kreisen des rechtsnationalen und rechtsradikalen Umfelds bestand, ist durchaus anzunehmen.

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13. August 2019
von JvHS
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Zwischenwelten – relative Realitäten

Vom Werkzeug zur Dekoration am Liegeplatz –  eine Folge der Quoten

 

Auf kleiner Fahrt – relative Realitäten der Hobby-Schiffer

 

Der Fingerzeig – statt Krabben nun Touristen

“Es waren immer die falschen Identifikationen, von denen die schlechten Realitäten gut lebten.” – Ludwig Marcuse, Mein zwanzigstes Jahrhundert

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10. August 2019
von JvHS
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Hoffnung – modern

Hoffnung modern:  Es besteht die Möglichkeit, dass in 4 Mrd. Jahren, wenn das Sonnensystem und die Erde nicht mehr existieren, die Schallplatte von Voyager I  von der Existenz der Menschheit verkünden kann. Diese Version von Hoffnung ist gleichzeitig ein Beleg, zu welchen friedlichen Leistungen Menschen fähig sein können. Die im interstellaren Raum mögliche Hoffnung ist jedoch sinnlos, wenn die Taten von Menschen auf der Erde selber zur Hoffnungslosigkeit extrahieren.

Hoffnung findet sich auch in immer wieder aufwallenden Aktionen bei den Menschen, wie sie 1968 der Aufbruch in die Aufklärung der Nazi-Verbrechen einerseits und der Widerstand gegen den Vietnamkrieg andererseits, sich darstellte. Aktuell scheint die Bewegung “Fridays for Future” eine weitere Welle einer jungen Generation zu sein, die Hoffnung macht, weil sie sich mit den Zielen und der Verantwortungslosigkeit der agierenden, neo-liberalen Machtinhaber nicht mehr identifizieren können und wollen.

Wie armselig sind dazu im Vergleich die Verhalten und Taten der Erdogans, der Trumps, der Orbans, der von der Leyens, der Dobrindts und der Scheuers – und wie absurd und verachtenswert jene der Salvinis, der Gaulands oder Höckes und Konsorten, die auf dem Weg sind, auf denen ihnen die Verbrecher gegen die Menschlichkeit vorausgegangen sind: Hitler, Stalin und die historischen Figuren und Namenlosen, die als Handlanger diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit erst ermöglicht haben.

“Angst und Hoffnung sind nur Mangel an Transparenz, Informationen und selbständigem Denken.”  (jwb)

Den Traum vom Unwahrscheinlichen nennen wir Hoffnung.” – Jostein Gaarder, Das Orangenmädchen

“Denn überall, wo größere Hoffnungen sind, da findet auch heftigerer Neid statt, gefährlicherer Hass und heimtückischere Eifersucht.” – Lukian von Samosata, Von der Verleumdung

“Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt.” – Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung

“Um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben.” – Walter Benjamin

Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten (des Lebens) drei Dinge gegeben: Die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.” – Immanuel Kant

Man darf den Führern nicht zu sehr vertrauen, dagegen sollte die Jugend unsere Hoffnung sein.” – Knut Hamsun, Neue Erde

 

Der Blick zurück der Voyager beim Verlassen des Sonnensystems auf die Erde zeigt sie als beleuchtetes Staubkorn in einem Sonnenstrahl – ein winziger blauer Punkt, auf dem Menschen lebten und leben in einem Spannungsbogen von Großartigkeit, Liebe und Barmherzigkeit, von positiven Gefühlen geleitet aber auch ein Ort der unsäglichen Verbrechen anderer, von Genozid, Vernichtung, Auslöschung und Leid aufgrund unmenschlicher Verhalten und geleitet von der Banalität des Bösen, angetrieben von Brandstiftern, Kriegstreibern, Narzissten und Psychopathen, ausgestattet mit Macht, die in Netzwerken geschützt und verborgen sich entwickeln. Eine Macht, die sich als staatliche Macht verkleidet und für persönliche Anliegen missbraucht wird, statt auftragsgemäß im Rahmen parlamentarischer Arbeit für die Allgemeinheit eingesetzt zu werden. Die Frage bleibt seit Beginn der Menschheit bestehen: wie wird man diese menschlichen Machtinhaber wieder los und entzieht ihnen die Macht? Beginnt die Lösung nicht gerade damit, dass die Menschen sich dieser Macht entziehen müssen, in dem sie selber denken, sich nicht fehlleiten lassen, und mit dem Gerüst von Glaube, Hoffnung und Liebe ausgestattet, den falschen Hoffnungsträgern o.g. Provenienz nicht folgen und ihnen keine Macht geben – sprich: sie nicht zu wählen?! (*)

Ein wenig verhilft dazu, die  – auch in den Medien – genutzten Sprachinhalte und ihre Bedeutung zu hinterfragen. Gerade letztere ist nicht selten durch die Besetzung der Begriffe mit gegensätzlicher Ausrichtung eine oft praktizierte Realität. Die AfD und ihre Aussagen sind dafür ein exemplarisches Beispiel. Aber auch die neoliberalen Seilschaften in den westlichen Allianzen sind nicht frei von dieser Methodik. Thomas Gerlach beschreibt zudem in seiner Abhandlung: Denkgifte ! (Achtung: Link zum download der Abhandlung als pdf-Datei!), wie das selbständige Denken vergiftet wird und warum den Brandstiftern der AfD und Zerstörer der Demokratie gefolgt wird! Einer AfD, die letztlich nur ein Konglomerat aus Neoliberalismus und Rechtsradikalismus ist und damit keine positive Hoffnungen erfüllen kann!

(*) Dass dies bisher nicht wirkt, zeigt sich auch in den Umfragen zu den bevorstehenden Wahlen in den neuen Bundesländern. Die steigende Zustimmung der Bevölkerung für eine undemokratisch agierende AfD-Partei ist beredtes Beispiel und lässt die dafür wirkenden Ursachen auch im Beitrag des Kognitionsforschers Rainer Mausfeld (Achtung: You tube – Link!) nachvollziehbar machen.

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7. August 2019
von JvHS
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Adorno – gesellschaftliche Wirksamkeit über seinen 50sten Todestag hinaus

Gestern war der 50. Todestag eines Menschen, der möglicherweise in der heutigen Zeit aus eben jener gefallen wäre – Theodor W. Adorno. Es ist einer der vielen Todestage und damit jenes Erinnungsschreibanlasses für das Genre Feuilleton, einer journalistischen Abteilung, welche ebenfalls aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Theodor W. Adorno hinterließ mit seiner „Minima Moralia“ jedoch ein „Denkmal“, an dem sich zunächst einmal niemand zusammenrotten kann und rechtsradikale, anti-aufklärende Phrasendrescherei auf die dem Hass nahestehenden und verlorenen, aber gewaltbereiten Seelen nach Höcke`scher und Gauland´scher Art niederprasseln lassen kann.

Adornos „Minima Moralia“ umfasst in literarischer Anwandlung ein „geistig-ästhetisches Denkmal“ nach Art des „ Denk mal – wieder selbst”. Eine Aufforderung zu genau jener intellektuellen Leistung, die im Geiste der Aufklärung den Dingen auf den Grund gehen würde, Hass als Selbst- und Fremdzerstörung erkennen würde und Lösungen außerhalb des Drama-Dreiecks suchen würde, um nicht in einem Perpetuum-Mobile gleich im Dreieck zu springen und im Wechsel der Rollen von Täter-Helfer-Opfer gefangen zu bleiben.

Aber nicht nur jene Fehlgeleiten, jene Totengräber und Vollzugstäter, wie sie in jeder antidemokratischen Walze der Gewalt unsägliches Leid verursachen, auch die sich selbst dem Establishment zugehörig fühlenden und in der inneren wie realen Emigration Befindlichen sei die Erkenntnisdichte der „Minima Moralia“ Adornos nahegelegt. Adornos Untertitel verweist auf das gemeinsam Bezeichnete: „Reflexionen aus dem beschädigten Leben“ – einem Leben, das auch heute von den Bedingungen beeinflusst und beschädigt wird, und damit Ursache für die Schere von Arm-Reich ebenso ist, wie für das würdelose, Empathie freie und die Würde der Mitmenschen verletzende Verhalten in Politik, Gesellschaft und Unternehmertum.

Zitat:

„Die traurige Wissenschaft, aus der ich meinem Freunde einiges darbiete, bezieht sich auf einen Bereich, der für undenkliche Zeiten als der eigentliche der Philosophie galt, seit deren Verwandlung in Methode aber der intellektuellen Nichtachtung, der sententiösen Willkür und am Ende der Vergessenheit verfiel: die Lehre vom richtigen Leben.

Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muß dessen entfremdeter Gestalt nachforschen, den objektiven Mächten, die die individuelle Existenz bis ins Verborgenste bestimmen.“ (Adorno, Minima Moralia, S. 7)

„Wir deuten auf den Übergang der Zivilisation in den Analphabetismus und verlernen es selber, Briefe zu schreiben oder einen Text von Jean Paul zu lesen, wie er zu seiner Zeit muß gelesen worden sein.“

„Keiner glaubt keinem, alle wissen Bescheid. Gelogen wird nur, um dem andern zu verstehen zu geben, daß einem nichts an ihm liegt, daß man seiner nicht bedarf, daß einem gleichgültig ist, was er über einen denkt. Die Lüge, einmal ein liberales Mittel der Kommunikation, ist heute zu einer der Techniken der Unverschämtheit geworden, mit deren Hilfe jeder einzelne die Kälte um sich verbreitet, in deren Schutz er gedeihen kann.“ (Adorno, Minima Moralia, S. 40)

Lesenswert auch was Thea Dorn in einem Interview beim Deutschlandfunk Kultur zur Wirkung und zum Einfluss Adornos für die Gesellschaft beschrieb.

Weitere DlF-Beiträge:

Beitrag von Martin Saar

Beitrag Eva-Maria Ziege 

Beitrag Simone Miller

Beitrag Harald Welzer

Ergänzung vom 11.08.2019:

Rede Adornos vom 06. April 1967 in Österreich

Artikel auf Heise-online: Zur Aktualität der Einschätzung des Rechtsradikalismus seitens Adornos und die Vergleichbarkeit mit der heutigen AfD!

 

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