Friseur-Besuche haben nicht selten die Eigenschaft, dass der Kunde dem Friseur – einem in der Regel wenig bekannten Menschen – private bis intime Informationen über sich preisgibt. Die Haare und der Schädel als quasi intimer Bereich, der für körperliche Berührungen und Eingriffe zur Verfügung gestellt wird. Die Nähe lässt sich nur erdulden, wenn ein Vertrauensverhältnis ermöglicht wird. Dieser Zustand ist vor allem dort vorzufinden, wo der Dienstleister „Friseur“ auch als Selbständiger Friseurmeister den Kunden bedient, dabei exquisit und ohne weitere Personen im Service-Raum.
Besteht dieses Arbeits- und Dienstleistungsverhältnis über Jahre, gehen die Gesprächsthemen über das allgemein Unverbindliche hinaus. Episoden aus dem Kunden-Leben werden ebenso offenbart, wie berufliche und private Lebensereignisse. Dabei geraten beide– Kunde wie Dienstleister – nicht selten temporär in die Rolle des „Vertrauten“.
Wie beim Wurf eines Steines in den Teich oder den See breiten sich die Gesprächs-Themen kreis- und spiralförmig in alle Lebensbereiche aus. Die Kreisringe der Themen reichen vom Tratschen über gemeinsame Bekannte aus der Nachbarschaft, den eigenen privaten und beruflichen Work-Life-Balance-Problemen über gesellschaftliche Ereignisse aus Dorf, Kommune und Kreis bis hin zum politischen Geschehen aus.
Das Motto „Erzähl es deinem Friseur“ realisiert sich in jeder Beziehung ebenso, wie die Verortung des Dienstleisters in den vielschichtigen Rollen vom „Mein Friseur, der Berater für alle Lebensbereiche“ bis zum „Der Frisuren-Dompteur“ als exemplarischer Wähler und Anhänger der anti-demokratischen AfD aus dem Umfeld der Selbständigen des Handwerks.
Das Outing als Unterstützer der demokratiegefährdenden AfD sollte nicht überraschen. Die Selbstständigen aus dem Handwerk sind den existenziellen Gefahren des Wettbewerbs in direkter Weise ausgesetzt. Oft als Familienbetrieb in x-ter Generation sind sie dem Staat und seinen bürokratischen Zwängen und Vorschriften ausgesetzt. Ein Staat, der eher die Konzerne aus den Bereichen der Produktion und der Finanzimperien mit ihren lobbyistischen Netzwerken im Blick hat, als die Sorgen und Nöte des Handwerks, verliert das Vertrauen der Bevölkerung.
Und dennoch sind die Strukturen der Netzwerke der verschiedenen Handwerke von tiefem national-konservativem Denken und Handeln durchdrungen. Traditionen sind als Leitlinien präsent, sowie sie Einfluss auf Hierarchien haben und als Bausteine des Handwerks aktiv sind. Gruppenbezogene Feindschaften und Ausgrenzungen gehören zur Handwerks-DNA.
Autokratische Strukturen sind dem traditionellen Handwerk ebenso nah, wie die Immunisierung und Abgrenzung zum Fremden und der offenen Gesellschaft. Politik und der Gestaltungswille zum Erhalt der Demokratie ist weniger Thema und Gegenstand des Interesses des Handwerks. Radikale Handlungen sind dagegen nicht fremd.
Das Handwerk als Teil der wirtschaftlichen und selbstständigen Gesellschaft ist für die AfD eine leichte Beute. Die Versprechungen der AfD finden ein offenes Ohr bei der Handwerkerschaft. Denn dieser Typ Mensch im Handwerk wählt die Rechtsextremisten und Rechtspopulisten nicht, weil sie arm sind, sondern weil sie sich „kulturell heimatlos“ sowie „gesellschaftlich zersplittert“ fühlen im Wertewandel der IT- und KI-Explosionen.
Wahlentscheidungen werden beim „kulturell heimatlosen“ Handwerk ebenso wie bei der identitätslosen Arbeiterschaft nur emotional getroffen. Den Vernunft orientierten Argumenten und Fakten, wessen geistigen Denkens und Handelns die anti-demokratische AfD ist, verschließen sich beide Gesellschaftsschichten. Die so entstandene „Enteignung der bisher bekannten Normen“ verunsichert Arbeiter/Angestellte wie handwerkliche Selbständige und treibt sie in die Arme der rechtsextremistischen AfD.
Die ehemaligen Parteien der Mitte und Regierungs-Koalitionen (Unionsparteien, SPD, Grüne, Linke) sehen der zuvor benannten Entwicklung taten- und ideenlos zu! Lobbyistische Einflüsse und Klientel bestimmte Verhalten sowie die Autokratie-affinen Strukturen der Parteien-Demokratie sind mitverantwortlich für die wachsende Gefährdung der rechtsstaatlichen und grundgesetzlich ausgerichteten Demokratie insgesamt.
In diesen Bereichen kann nur noch eine radikale Kehrtwendung den Machtverlust an die rechtsextremistische und anti-demokratische AfD vermieden werden!
Zerstörung des Sozialstaates durch neolibertäres Denken und Handeln ist Gefährdung der Demokratie
Verteidigung der Demokratie und Abwehr der Feinde der offenen Gesellschaft
Version vom 13.07.2026 / 19:20 Uhr (kleine Korrekturen und Linksetzung!)
