Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

26. September 2020
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Einmal sollte ein Ende sein – und die Welt dreht sich dennoch weiter!

Einmal sollte ein Ende sein – und die Welt dreht sich dennoch weiter!

Das Jubiläum  des Blogs – 10 Jahre JvHS – ist längst gewesen. (31.07.2020). 

Wie so viele  Blogs wird auch dieser hier mal still und heimlich in der Versenkung verschwinden und dann bald vergessen sein. Das Netz vergesse nichts, wird kolportiert. Allein die schiere Menge der Informationen bedingt, dass jeder Kommentar unter den Ablagerungen der Zeit irgendwann verschüttet sein wird.

  • Im Westzipfel also nichts Neues!   

(Die letzte Stunde der Wahrheit – und nichts als die Wahrheit!) 

Weiterlesen →

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

25. Februar 2021
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Der Skandal um Cum-Ex und CumCum geht auf allen Ebenen weiter

Der Skandal um Cum-Ex und CumCum geht auf allen Ebenen weiter

Wie die Zusammenarbeit von Politik, Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit zum Schutz der Vermögenden und der Finanzakteure Früchte trägt:

  1. Aufklärung soll verhindert werden! Informationsfreiheitsgesetz wird trickreich eingeschränkt. Das Stichwort zu dem weiteren Skandal heißt dabei: “Vertraulichkeit” – dahinter kann dann jede Kritik versenkt werden! Und im Verborgenen bleiben die Beteiligung am Versagen des Finanzministeriums.
  2. Eine Übersicht über die Thematik Com-Ex und CumCum ist hier gegeben.
  3. Auf diesem Blog gab es zum Thema des organisierten Betrugs schon Stellungnahmen!
image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

24. Februar 2021
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Abschiedsworte eine Parlamentariers – Mahnung für eine andere Kultur parlamentarischer Arbeit

Abschiedsworte eine Parlamentariers – Mahnung für eine andere Kultur parlamentarischer Arbeit

Start zu neuen Ufern!

Erich Kästner:

“Der Zweck sagt ihr, heiligt die Mittel?

Das Dogma heiligt den Büttel?

Den Galgen?  Den Kerkerkittel?

Fest steht trotz Schrecken und Schreck:

Die Mittel entheiligen den Zweck!“

Fabio de Masi, MdB (Mitglied des Bundestages) und in der Partei “Die Linke”. Auf seiner Homepage teilt er seinen Entschluss mit, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Er führt dazu private Gründe an, wie mehr Zeit für seinen Sohn zu haben.

Zitat: Ich habe in den letzten sieben Jahren immer an der maximalen Belastungsgrenze gearbeitet. Insbesondere mein Sohn musste daher zu häufig zurückstehen. Dies hatte auch damit zu tun, dass es lange Zeit zu wenig Personal in unserer Partei und unserer Fraktion gab, das bereit war, sich für die ökonomischen Debatten unserer Zeit zu interessieren“

Was ist das Besondere an dieser Veröffentlichung und im Vergleich zum Beispiel mit dem Herrn Friedrich Merz (CDU)? Den Abgleich mit letzterem Herrn überlässt der Autor gerne der Leserschaft. Spannender und ungleich vielsagender sind ein paar Gedanken und Aussagen von Fabio de Masi, die für sich selbst sprechen. In diesen Aussagen erfolgt eine Innensicht auf das Abgeordneten-Dasein und die parlamentarische Arbeit. Und so ist ableitbar, dass seine kritischen Anmerkungen insbesondere auf ein Selbstverständnis vieler Abgeordneten verweisen, das zu sehr in den Fesseln von Fraktionszwang und Weltsicht gefangen bleibt und ein strukturelles Problem der Parteien-Demokratie ist. Deshalb folgt der rote Faden meines Kommentars den nachfolgenden Zitaten als Urquelle de Masis.

In der komprimierten Darstellung seiner Arbeit als gewähltes Mitglied von EU-Parlament (2014-2017)  und als Bundestagsabgeordneter (2017-2021) wird einiges sichtbar, dass im deutlichen Gegensatz zu den Arbeitsschwerpunkten des o.g. Herrn Merz steht!

Zitat: Ich konnte in den sieben Jahren Akzente setzen – in der Eurokrise und der Geldpolitik, beim Thema Lobbyismus, bei Steueroasen und den Luxemburg-Leaks, beim Thema Geldwäsche, insbesondere dem Chaos bei der deutschen Financial Intelligence Unit, und den Panama Papers, bei der Debatte um den digitalen Euro und die drohende Finanzmacht von Digitalkonzernen wie Facebook, der digitalen öffentlichen Infrastruktur und der Besteuerung von Digitalkonzernen, bei der Debatte um den Investitionsstau und die Schuldenbremse, beim Cum-Ex-Steuerraub und dem Warburg-Skandal, bei der Besteuerung der Vermögen von Milliardären (Vermögensabgabe), der Aufklärung des Wirecard-Skandals und der Reform der Finanzaufsicht. Ich habe dabei versucht, durch harte Arbeit und Transparenz (wie die Veröffentlichung meiner Steuerbescheide) zu zeigen, dass es echte Überzeugungstäter in der Politik gibt.“

Im Blick hatte dieser Abgeordnete wohl eine andere Gesellschaftsschicht als der Herr Merz!

Zitat: „Viele Menschen kämpfen in der Corona-Krise um ihre Existenz. Ich habe immer versucht, für jene Menschen Politik zu machen, die versuchen, ihre kleinen Träume zu verwirklichen und dabei anständig zu bleiben.“

De Masi verweist auf die Menschen in der Gesellschaft, die aus sogenannten „kleinen Verhältnissen stammen“ und dennoch anständig bleiben. Letzteres ist eine Grundvoraussetzung, dass auch in der gesamten Gesellschaft – quer durch alle Schichten – die Anständigkeit zu einem Leitmotiv des jeweiligen Handelns wird.

Für de Masi ist die Sacharbeit und der sachliche Diskurs ein Grundbaustein für eine parlamentarische Arbeit, die zu konstruktiven Lösungen für das Land und seine Menschen führt. Er benennt dabei die Schwächen seiner Partei “Die Linke” insbesondere, wenn eine Entwicklung zu erkennen ist, dass auch in dieser Partei das Eigeninteresse von Abgeordneten im Vordergrund stehen kann!

Zitat: „Denn es ist gerade im Bereich der Wirtschafts- und Finanzpolitik ungleich schwerer, als linke Oppositionspartei – ohne kurzfristige Machtperspektive – ernst genommen zu werden. Ich denke, ich konnte den Beweis erbringen, dass es die LINKE auch selbst in der Hand hat, ob sie bei ökonomischen Debatten, die nun angesichts der Corona Krise das ganze Land bewegen, eine Rolle spielt. 

Ein Mandat ist kein Selbstzweck. Auch die beste Finanzpolitik bringt uns nicht weiter, wenn ich zwar Respekt für meine Arbeit bekomme, aber die Partei aufgrund strategischer Fehler und Erscheinungsbild schwächelt – obwohl viele unsere Forderungen in der Bevölkerung äußert populär sind. Dann steht das eigene Engagement in keinem gesunden Verhältnis mehr zu dem, was wir real für jene Millionen Menschen erreichen, die im Unterschied zum großen Geld keine Lobby im Parlament haben.

Ich war immer der Überzeugung, dass meine Partei auch einen Wettbewerb um die besten Köpfe braucht, die uns vertreten. Wir haben viele Talente und engagierte Mitglieder, die ihre Lebenszeit selbstlos in politisches Engagement investieren. Zu häufig ist aber der Maßstab für ein Bundestagsmandat nicht, wer über das eigene Milieu hinaus Menschen erreicht.“

Und in den nachfolgenden Zitaten betont De Masi die Notwendigkeit und die Voraussetzungen für eine andere Diskurskultur und letztlich für eine – über die jeweilige Partei- und Fraktionsgrenzen hinausgehende – Entscheidungskultur zur Lösung von Sachproblemen und zur Fortentwicklung der gesamten Gesellschaft und nicht nur einer bestimmter Klientel!

Zitat: „Ich habe den politischen Meinungsstreit – gerade mit Konservativen und Liberalen – immer als eine Bereicherung empfunden. Denn Widerspruch schult die eigenen Argumente. Wir müssen lernen, respektvoll miteinander zu streiten – so wie in jedem Dorf, in jeder Familie, in jedem Sportverein und in jedem Freundeskreis“.

Eine Mahnung für eine Veränderung im parlamentarischen Selbstverständnis wird deutlich! Verantwortungsethik statt Gesinnungsethik dafür scheint de Masi zu werben!

Zitat: „Es gibt in verschiedenen politischen Spektren und vor allem in den sozialen Medien die Tendenz, Politik nur noch über Moral und Haltungen zu debattieren. Ich halte dies für einen Rückschritt. Werte und Moral sind das Fundament politischer Überzeugungen. Wer jedoch meint, dass alleine die „richtige Haltung“ über “richtig oder falsch” entscheidet, versucht in Wahrheit den Streit mit rationalen Argumenten zu verhindern.“

Dass der politische Gegner immer dort steht, wo Populisten ihr Doppelspiel und vor allem die Schwächung der Demokratie im Zentrum ihres Handelns sehen, daran lässt De Masio keinen Zweifel!

Zitat: „Eine solche Debattenkultur hat nichts mit Aufklärung zu tun, sondern ist Ausdruck eines elitären Wahrheitsanspruchs, wie ihn die Kirche im Mittelalter bediente. Vor allem verstärkt dies aber Spaltungen in der Gesellschaft, wovon rechte Demagogen weltweit profitieren. Dies hilft Kräften wie der AfD, sich als Anwältin der kleinen Leute aufzuspielen, obwohl ihnen die Schweizer Franken zu den Ohren herauskommen.

Eine weitere Erkenntnis benennt er, in dem er die Wirkung bestimmter Schwerpunkte in den Fokus nimmt, die im Wesentlichen im Widerspruch von Sicherheit statt Freiheit liegen. Wer Sicherheit und die Forderungen von Politik nach Mitteln – ohne diese zu hinterfragen- Sicherheit zu gewährleisten so in den Vordergrund stellt, wer also jene bevorzugt und massiv durchsetzt, der gefährdet die Freiheit und verliert damit letztlich beides: Sicherheit und Freiheit!

Zitat: „Die Kunst der Politik besteht darin, auch an die Lebensrealität und die Sprache jener Menschen anzuknüpfen, die um die Kontrolle über ihr Leben fürchten. Die politische Linke darf das menschliche Grundbedürfnis nach Sicherheit – in einem umfassenden Sinne – nicht vernachlässigen. Dabei sollte man weder Ressentiments schüren noch so sprechen, dass normale Menschen einen Duden brauchen. Aber auch „Maulheldentum„  ersetzt keine praktischen Antworten auf konkrete Probleme. Es werden die Parteien gewählt, denen man zutraut, Existenzen in der Corona-Krise zu sichern, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu verhindern, dass Kinder aus ärmeren Stadtteilen ihr Recht auf Bildung einbüßen!“

Es ist nicht verwunderlich, dass für de Masi Themen wie: Niedriglohnsektor, Wohnungsnot, prekäre Verhältnisse durch den Neoliberalismus und die Tabuisierung von alternativen Ökonomiemodellen durch die Regierungs- und konservativen Parteien im Fokus seiner politischen Arbeit stehen.

Zitat: „Wir müssen mehr Kapitalismuskritik und weniger erhobenen Zeigefinger wagen. Ein Akademiker mit hohem ökologischen Bewusstsein und hohem Einkommen, der öfters eine Fernreise unternimmt, verfügt über einen höheren ökologischen Fußabdruck als eine „Umweltsau“, die sich keinen Urlaub leisten kann. Wer sich die Miete in den Innenstädten nicht mehr leisten kann, muss häufiger mit dem Auto zur Arbeit pendeln, wenn zu wenige Busse und Bahnen auf dem Land fahren.

Millionen Frauen (…und Männer!) im Niedriglohnsektor brauchen Schutz vor Ausbeutung …

Identität ist wichtig im Leben. Sie darf aber nicht dazu führen, dass nur noch Unterschiede statt Gemeinsamkeiten zwischen Menschen betont werden und sich nur noch „woke“ Akademiker in Innenstädten angesprochen fühlen. Eine Politik, die nur noch an das Ego und die individuelle Betroffenheit, aber nicht mehr an die Gemeinschaft appelliert, ist auch Donald Trump nicht fremd.“

Und seine Aufforderung zur Bescheidenheit und das Zurückdrängen von Dünkel und Arroganz, das nicht selten bei Menschen zu sehen ist, die ein Landtags- oder Bundestagsmandat erreicht haben, ist ein Vermächtnis, das jedem ans Herz gelegt werden darf.

Zitat: „Ich wünsche …. Demut gegenüber den Wählerinnen und Wählern, die wir verloren haben. Ich wünsche unseren Abgeordneten die Fähigkeit, sich auch selbst kritisch zu hinterfragen, welchen Beitrag zur Stärkung (linker … vielleicht besser menschengerechterer!)  Politik man in der Öffentlichkeit noch leistet. Denn unser Job ist ein Privileg, das man sich jeden Tag auf Neue verdienen muss.“ 

Durchaus  also ein offener Brief mit Inhalten, die jeder Abgeordnete für sich gelten lassen sollte!

De Masi schließt nicht ganz unerwartet mit einem Zitat von Rosa Luxemburg:

„Sieh, dass Du Mensch bleibst. Mensch sein ist von allem die Hauptsache. Und das heißt: fest und klar und heiter sein, ja heiter, trotz alledem.“ — Rosa Luxemburg

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

23. Februar 2021
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Black and White – vergilbtes Leben

Black and White – vergilbtes Leben

Corona-Meinungsgeräusche

Den Menschen im Lande erscheint so mancher Auftritt einzelner Politiker als eine Kaskade von gesteigerten Geräuschen á la:

Laut – Lauter – Lauterbach

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

21. Februar 2021
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Schluss mit der negativen Weltsicht – Wege zu neuem Bewusstsein und Mitgestaltung der Gesellschaft

Schluss mit der negativen Weltsicht – Wege zu neuem Bewusstsein und Mitgestaltung der Gesellschaft

Der heutige Journalismus ist überwiegend von negativer Berichterstattung geprägt. Das, was uns täglich an Fehlverhalten, Misslungenem, Verbrecherischem und Menschenfeindlichkeit per Medien (TV, Presse, Internet) als Informationsflut überrollt und mitreißt, ist überwiegend zutiefst negativ gefärbt und vermittelt uns, dass der Mensch und die Leute  von Grund auf schlecht seien!

Und wer genau hinschaut, sieht weltweit zuhauf das Versagen der Politiker, zu oft den Egoismus des Einzelnen (im Privaten wie im Beruf) und erkennt tagtäglich die Auswirkungen des Neoliberalismus und seine Folgen  für die meisten Menschen. So lässt sich nicht verleugnen, dass die Gier Einzelner nach Geld und Macht ursächlich für die Ausbeutung und Versklavung der Menschen ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander geht und das Mitgefühl und die Solidarität gegen null tendieren. Konzerne wie Nestlé reißen sich die Wasserrechte in Afrika unter den Nagel (anscheinend durch Bestechung korrupter Politiker) und verkaufen das Gemeingut und ein Grundrecht teuer an die eigentlichen Besitzer und Anspruchsberechtigungen. Vermögensverwalter wie BlackRock Inc. nutzen die Börse, um mit dem eingesammelten Geld (rund acht Billionen Dollar) sich zum mitbestimmenden Faktor bei den größten börsennotierten Aktiengesellschaften weltweit zu etablieren. So wird über den CEO (zurzeit Larry Fink) das Geschäftsgebaren auch der DAX-Konzerne regelmäßig von den Interessen BlackRocks geleitet.

Die feststellbare Erkenntnis: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ ist heute ebenso zutreffend, wie es zu Marx´ Zeiten schon eine Wahrheit war.  Die banale Erkenntnis spiegelt sich auch in bekannte Sprichwörter und Aphorismen wider und geht dennoch darüber hinaus. („Nach jemandes Pfeife tanzen…“/ „Sich mit fremden Federn schmücken…“/„ Vor Neid platzen“ etc.) Die Sozialisation des Menschen bestimmt zudem das Selbstbewusstsein und das Verhalten des einzelnen Menschen und in der Summe das der Gesellschaft. 

Die Weltsicht und die Eigenart, das Augenmerk auf das Negative in der Welt zu richten, ist durchaus genetisch verankert. In der Frühzeit der Menschen war diese selektive Sicht ein Schutz für den Menschen. Denn rechtzeitig Gefahren zu erkennen, die Sinne zu schärfen für alles, was negativ für das Leben der Menschen sein konnte, zu erkennen und sich damit auseinander zu setzen, bestimmte das Überleben. „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“. In diesem Umfeld war das Handeln der Vorfahren auf kurzfristige Entscheidung optimiert: Flüchten oder Kämpfen!

Wenn diese Entscheidungen heute auch mit anderen Mitteln und Methoden umgesetzt werden, bleibt die grundsätzliche Verhaltensweise auch heute noch zutreffend. Einen essenziellen Unterschied muss der Mensch heute zusätzlich bewältigen: die Menge der auf ihn einstürzenden negativen Reize ist um ein Vielfaches höher als in der Zeit der Jäger und Sammler. Mit dieser Reizüberflutung kommt die krankmachende Überforderung! Die psychisch-mentalen und die physisch-körperlichen Reaktionen von Burnout, Depression und neurotisch-psychotischen Zuständen sind die Folgen. Ob die verhaltensbasierten Strategien und Therapien in Form „Das Bewusstsein bestimmt das Sein“ wirksam sein können, ist zumindest zu bezweifeln. Die Absicht dahinter ist, den Einzelnen zu verändern anstatt die Welt des Neoliberalismus und deren Benachteiligungen! Denn nach diesem Verständnis liegt die Ursache für das Systemversagen beim Einzelnen, anstatt das Versagen des Systems zu benennen und als Ursache für die Armut, die Ausbeutung und die Ausbreitung von Kriegen zu erkennen. Es ist der alte Diskurs darüber, ob die Veränderung des Verhaltens auch ein verändertes Bewusstsein bewirkt und darüber das Sein sich verändert. Die Frage bleibt, wie diese Veränderung inhaltlich bestimmt ist?

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass mit der Überreizung der Wahrnehmung durch die  Informationsflut und der dadurch bedingten Begrenzung der mentalen Verarbeitung als Ergebnis Menschen sich hilflos und überfordert fühlen.  Wer als Mensch kaum noch das Gefühl entwickeln kann, dass er Presseberichten und Aussagen von Regierungsverantwortlichen trauen kann, auch weil die Fähigkeiten fehlen, die Aussagen auf Objektivität und Wahrhaftigkeit zu prüfen,  der gerät in eine Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit. Diese führt dazu, sich den notwendigen Entscheidungen zu entziehen. Er hört auf, sich den Aufgaben zu stellen. Er flüchtet ins Nichtstun und überlässt gesellschaftliche Entscheidungen anderen. (Nicht zur Wahl zu gehen; sich der Meinung eines „Vordenkers“ anzuschließen und in einer Filterblase zu landen und damit manipulierbar zu werden).  

Das Verhalten der Menschen im Biedermeier ist dafür typisch. Der Rückzug ins Private ist die Konsequenz. Das wird heutzutage sichtbar im Konsum von Formaten des Privatfernsehens mit der Folge, nicht mehr über die Politik und ihre Auswirkungen nachzudenken. Wer das Angebot der Unterhaltungspresse anschaut, sieht, dass die Gartengestaltungsvorschläge in Hochglanzauflagen und die Kochrezept-Vorschläge schon inflationär bis in die Apothekenschau reichen.

Der Spruch: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ hat in dieser apodiktischen Form kaum noch Gültigkeit. Neurologische Forschungen belegen, dass bis ins hohe Alter hinein das Hirn veränderbar bleibt und neue synaptische Verknüpfungen entstehen. 

Ein Motto wie „Das Reden über Probleme schafft Probleme – ein Reden über Lösungen schafft Lösungen“ ist notwendigerweise zu hinterfragen. Wer bestimmt die Lösung und mit welcher Absicht soll diesem Motto gefolgt werden? Dass es wirkt, scheint die Hirnforschung zu belegen, insbesondere, dass neue Erfahrungen machen und ein lebenslanges Lernen Hand in Hand gehen. Denn alles, was der Mensch tut, was er aktiv macht oder nicht macht, verändert ihn und ist in seinen Hirnveränderungen nachvollziehbar. 

Um in der heutigen Zeit der Reiz- und Informationsüberflutung bestehen zu können, bedeutet, die Aufmerksamkeit zu erhalten, die der Mensch zu bekommen wünscht. Aufmerksamkeit ist eine der wichtigsten Ressourcen in der heutigen Zeit. Das wissen sowohl die Werbefachidioten, wie auch der karrieregeile Politiker,  ebenso wie der machtgierige Kollege und Vorgesetzte.

Beim Versagen oder bei Fehlentscheidungen wird alles getan, die Schuld zu vertuschen! (Scheuer u.a. in Untersuchungsausschüssen) Neben der „Schuldzuweisung“ wird auch das „Sündenbockprinzip“ genutzt. (Die Ausländer! Der Kanake! Der Jude! Die Grün-Links-Versifften! Wie zu oft derlei Kommentare und rassistische Vorurteile und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten in den sozialen Medien zu lesen sind, kennt wohl fast jeder Mensch!)

Komplexere Fragen und Probleme verlangen bessere Recherchen und das Bewusstsein, dass es keine Schwarz-Weiß-Wirklichkeit gibt, noch in der Regel die Entweder/Oder-Lösungen der richtige Weg bedeutet.

In einer offenen Gesellschaft wie der Demokratie ist nicht nur nach dem Wer, Wo, Was und Warum zu fragen, sondern auch nach dem: Wie geht es jetzt weiter nach der Pandemie? Die wichtigste Eigenschaft ist deshalb, sich nachdenkend einzubringen. Das gelingt am besten, wenn  der Mensch neben seiner

  • Neugier
  • Über den Tellerrand hinausschauen kann
  • Nachsichtig mit sich und den anderen Menschen ist
  • Zulässt, dass Menschen Fehler machen können und daraus lernen
  • eine andere Diskurskultur und konstruktive Lösungen  notwendig sind
  • eine neue Lern- und Arbeits-Umgebung geschaffen werden muss durch die Gesellschaft, in dem Raum zur Neugier, Forschung und Weiterentwicklung ermöglicht werden. (neue Schulwirklichkeit, andere Arbeitswirklichkeit, Abschaffung der Hartz-IV-Gängelung und Verbot der Zeit- und Leiharbeit; Einführung der bedingungslosen Grundeinkommen!)

Und diese Forderungen auch an die Politik und Regierungsverantwortlichen gestellt werden, wenn sie wieder gewählt werden wollen!

 

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

19. Februar 2021
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Schöne neue Welt der Algorithmen? Von Datenkraken über künstliche Intelligenz bis zum normierten Menschen

Schöne neue Welt der Algorithmen? Von Datenkraken über künstliche Intelligenz bis zum normierten Menschen

Künstler: Günter Winterscheid – Mensch und Wald

“Bedeutende Erfolge sind auch die Ergebnisse überwundener Krisen.”

“Eine Kultur beruht auf dem, was von den Menschen gefordert wird und nicht auf dem, was sie geliefert erhalten.” – Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste

“Eine Kultur kann nur an ihrer eigenen Schwäche sterben.” – André Malraux

“Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen nicht mehr in der Lage sind, zu definieren, was Kultur ist.” – Max Frisch

“Wo das Bewusstsein schwindet, dass jeder Mensch uns als Mensch etwas angeht, kommen Kultur und Ethik ins Wanken.” – Albert Schweitzer, Verfall und Wiederaufbau der Kultur

Zu Michel Foucaults zentralen Begrifflichkeiten gehören Macht, Wissen und deren Beeinflussung des Subjekts. Sein Denken bezog sich unter anderem auf die Auswirkungen von Überwachung auf den Menschen. Überwachung erfolgte in den Jahrzehnten seines Lebens bis Anfang der 1980er Jahre noch auf analoger Ebene. Abhören  durch Wanzen, heimliches Filmen und Ablichten, Erspähtes und Gehörtes aufzeichnen, teils noch per Hand und schriftlich.

Die Überwachung der Menschen erfolgt heute nach einem anderen Modell und zu einem allumfassenden Zweck. Die Umsetzung erfolgt mittels der Algorithmen, manchmal – aber eher vereinzelt – zur Abwehr von Terror, meistens jedoch zur Manipulation der Menschen oder als Geschäftsmodell. Big Data auf der politischen und ökonomischen Ebene ist heute anders strukturiert und zu verstehen.

Die Fragen, die heute wichtig sind zu stellen und darauf Antworten zu hören, lauten eher, wie und wozu die Umwandlung von unzähligen Daten (gespeichert in den Informationsdatenbanken der Datenkraken) in Wissen über Menschen erzeugt wird? Wie und wozu dieses Wissen genutzt wird, um Macht auszuüben? (Und welche Macht üben Politik einerseits und Unternehmen andererseits aus?)

Das Wissen, das daraus resultiert, wird in eine bestimmte Form gegossen, die von den Zielen der Datensammler (NSA, Facebook, Google) beeinflusst wird. Dazu konstruieren die Datensammler Algorithmen, die neue Welten des Wissens schaffen, die eindimensional und zielgerichtet sind. Die darin enthaltende Wahrheit ist weder umfassend, noch adäquat, weder ausreichend, noch hinreichend für die Qualität des gelingenden Lebens. Wissen über und von den Menschen wird durch die KI nicht erzeugt, sondern „eingeimpft“ in Maschinen, Gegenstände und Handlungen, als wäre es nur so und nicht anders da. Veränderungen werden nicht als Fortschritt und als Evolution ermöglicht, sondern im Sinne der Potenzierung und Maximierung (von Macht, von Gewinn, von Steuerbarkeit der Menschen etc.) vorgenommen – und zwar durch die Inhaber der Algorithmen und/oder durch eine selbstlernende und seelenlose (sprich von Ethik und Moral unkontrollierter) KI (Künstlicher Intelligenz).

Statt Kreativität, Unterschiedlichkeiten und große Bandbreite in der menschlichen und kulturellen Entwicklung zuzulassen und damit das spontane Leben zu ermöglichen, steuern wir im Machtgefüge der Algorithmen auf Einschränkung, Gleichheit im Gleichschritt, Verwertbarkeit und Berechenbarkeit der Datensammler und Verwerter zu. Die Ungewissheit wird eliminiert, Entscheidungen werden manipuliert und abgenommen. Die menschliche Existenz wird genormt und angepasst, sowie zum Konsumenten reduziert und profiliert. Allumfassende Überwachung sorgt für den Rahmen, der je nach Zielsetzung durch die Machtinhaber modelliert wird.

Für die Vermögensverwalter á la Blackrock ist nur von Interesse, die Kapitalflüsse zu organisieren, die zur Gewinnmaximierung dienen. Dem haben die Algorithmen zu dienen. In der Politik sind deren Akteure und Machtinhaber nur daran interessiert, dass für politische Wahlen die Meinungen und die Entscheidungen der Wähler so zu steuern sind, dass die gewünschten Mehrheiten zustande kommen. Für Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft (und in kleinen Resten) für die Verleger und Verwerter der offiziellen Medien dienen die jeweiligen gesammelten Daten und ihre Verarbeitung  nur der  Ausweitung ihrer Macht, die mittlerweile größer ist, als die nationaler Staaten. Die Berücksichtigung von Zielsetzungen wie Solidarität, wie gelingendes Leben, wie Umweltschutz, wie Daseinsfürsorge, wie Klimakrisenbewältigung oder Berücksichtigung der Ressourcenerschöpfung (wir haben nur eine Welt!) ist weder im Fokus dieser Akteure, noch von Interesse.     

 

Ergänzung vom 19.02.2021 18.00 Uhr:

Es ist  real schon schlimmer, als im vorherigen Textabschnitt kommentiert!

Die E-privacy-Verordnung der EU als EU-Regulation zum Schutz der Privatsphäre ist derart zynisch und belegt – man verzeihe die Formulierung – dass die Kommission anscheinend auf den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre der Menschen “schei..t”.  Da ist wohl der letzte Rest von Anstand und Moral zum Schornstein rausgefeuert worden!

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS