Johannes von Heinsberg – Bildsprache – Wortsprache

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Wir leben in vergifteten Zeiten, begleitet von der Illusion – gesellschafts-, finanzwirtschafts- und geopolitisch – in Freiheit zu leben!

Die verschiedenen Erkenntnisse der Humanwissenschaften (zu denen unter anderem die Neurowissenschaften, die Psychologie, die Sprachwissenschaften, die Ethnologie, die Paläontologie und die Soziologie  gehören) verweisen auf eine menschenfeindliche Entwicklung hin, in der die Vorstellung, dass wir in Freiheit leben, immer mehr zur Illusion wird. 

Byung-Chul Han, Philosophie-Professor und Kulturwissenschaftler, beschäftigt sich in seiner Philosophie der Moderne mit den Entwicklungen und Auswirkungen der informationstechnologischen Entwicklungen auf die Medienwirklichkeit und auf die gesellschafts-, finanzwirtschafts- und geopolitischen Einflüsse des Neoliberalismus.

In seinem Essay „Die Müdigkeitsgesellschaft (2010)“ diagnostiziert Han, dass in modernen Gesellschaften nur noch die Effizienz und die neoliberale Vermarktungslogik eines Jeden zähle. Die Folge seien Sinnlosigkeit, Depression und vor allem Müdigkeit. In der Beschleunigung (Flut der Informationsangebote durch die sozialen Medien und das Internet mit Meinungs- und Shopping-Apps wie TikTok, Temu oder Shein), der Optimierung des Selbstbildnisses und dem „Keine-Zeit-Haben“ für sich und seine Mitmenschen sieht Han eine gefährliche Entwicklung, die die Menschen entmündigt und krank macht.

Von der neoliberalen Wirklichkeit geprägt bis in die tiefsten Abgründe agieren die rechtskonservativen Politik-Profiteure der Jungen Union und Enkelgeneration á la Carsten Linnemann, Johannes Winkler, Phillip Amthor und Jens Spahn (alle CDU) um den „uralten Kern“ der Klientelvertreter á la Kanzler Friedrich Merz und bestätigen durch ihre menschenverachtende, gesellschaftsspaltende Ungerechtigkeits-Politik (Bürgergeld-Abschaffung, Arbeitsrecht-Abbau-Pläne, Privatisierung der Altersvorsorge und Zerstörung des solidarischen Rentensystems, Vermögenssteuer-Ablehnung) Byung-Chul Hans Diagnose-Ergebnisse.

Zitat Byung-Chul Han:

„Gerade schreibe ich an einem neuen Buch mit dem Titel Illusionen der Freiheit. Ich zeige in dem Buch, dass die individuelle Freiheit zum Scheitern verurteilt ist. Wir glauben, dass wir in einer Gesellschaft leben, die freier ist denn je. In jedem Lebensbereich sind die Optionen grenzenlos, dank Dating-Apps auch in der Liebe. Alles ist sofort verfügbar. Das unendliche Scrollen verspricht unbegrenzte Informationen. Soziale Medien machen eine grenzenlose Kommunikation möglich. Authentizitäts- und Kreativitätsrausch suggerieren eine wachsende individuelle Freiheit. Gleichzeitig haben wir aber ein diffuses Gefühl, dass wir in Wirklichkeit nicht frei sind. Depression und Sucht stellen die Schattenseiten des sich absolut frei wähnenden spätmodernen Individuums dar, das sich permanent dazu aufgefordert sieht, es selbst zu sein, sich selbst zu verwirklichen, ja sich selbst hervorzubringen. Die grenzenlose Freiheit, die ihm suggeriert wird, erweist sich als Illusion. Sie erzeugt Zwänge, und zwar innere Zwänge, an denen das sich frei wähnende Leistungssubjekt zerbricht. Die Selbstverwirklichung nimmt die Form einer Selbstausbeutung an“.  Zitatende (Quelle

Menschen sind in diesen gesellschaftlich-toxischen Entwicklungen gefangen in der Illusion und Selbsttäuschung, dass sie in „individueller Freiheit“ leben, obwohl sie in einem Selbstausbeutungssystem sich eingerichtet haben. Das gilt für berufliche wie freizeitliche Bereiche. Ihr Alltag wird – von der Kindheit bis ins hohe Alter – von sichtbarer Öffentlichkeit (Selbstentblößung in den sozialen Medien und als Influencer/Innen) und Oberflächlichkeit bestimmt. Eine Oberflächlichkeit, die Aufmerksamkeit verhindert. Denn die verlangt Ruhe und das tiefe Durchdringen der aktuellen Wirklichkeit, um für die Reizüberflutungs-Probleme eine Lösung zu finden! Stattdessen wird jeder Teilnehmer in der Informationsgesellschaft mit Informationen überflutet und nicht selten in die Sucht getrieben! Sucht – in welcher Variante und Stärke – aber ist Abhängigkeit und keine Freiheit.

Diese (Selbst-)-Zerstörung der Privatsphäre ist Folge der neoliberalen, wirtschaftspolitischen Rahmengebung, in der die Menschen als Ware und Datenpakete gehandelt werden zum wirtschaftlichen Nutzen der Monopolkonzerne und ihren daraus resultierenden Vermögenssteigerungen, die nur einem privilegierten Teil der Gesellschaft zugutekommen. Diese geringe Anzahl an Menschen kumulieren durch ihre Finanzmacht den Einfluss auch auf Politik und neigen dazu, den parallel sich entwickelnden Diktaturen durch Egomanen mit politische Macht á la Donald Trump, Waldimir Putin und Konsorten die Demokratien zerstören und Unterdrückungs- und Unrechtssystem aufbauen zu können.

Ob als Gegenpol zu diesen Entwicklungen auf Ethik und Regelwerke zurückzugreifen notwendig ist, darin sind die Menschen ebenso uneinig, wie in vielen anderen Problem-Bereichen. Und dennoch finden sich Anregungen, die in den Diskurs einzusteigen verhelfen, wie können die Despoten und ihre Unrechtssysteme verhindert oder zurückgedrängt werden!

Seit der Aufklärung wurden die „Zehn-Gebote“ (Dekalog) als zeitübergreifendes Kulturerbe und Grundlage autonomer, durch eigene Einsicht, entwickelnde Ethik aufgefasst, und in allgemein einsehbare Vernunftregeln wie den Kategorischen Imperativ übersetzt. Dazu gehören ebenso die Verfassungen in den Demokratien und die Erklärung der Menschenrechte!

Anläufe zur gesetzlichen Gestaltung (Download der PDF-Datei!) der Grundrechte in der Informationstechnologie gab es schon vor 16 Jahren. Allem Anschein nach sind die lobbyistischen Verhinderungsaktionen der Monopolisten erfolgreich gewesen in der Abwehr dieser grundgesetzlichen Rahmengebung.

Aus den gemachten Fehlern in der EU sollte gelernt werden. Ob das in heutiger Zeit noch gelingt, ist mir als Autor nicht klar. Dass ein neuer Anlauf nicht einfacher sein wird angesichts der neuen Barrieren durch die KI, die in der Hand der oben genannten Monopolisten (von Microsoft, Amazon, X/Twitter) sind, dürfte jedem aufrechten Demokraten klar sein. Denn „Freiheit bedeutet, immer auch die Freiheit des Mitmenschen mitzudenken und aufeinander abzustimmen!“

Eines dürfte dem aufmerksamen Beobachter anhand der vielen Ereignisse in den letzten Wochen klar sein: In Diktaturen und Despotien erfolgt die Umsetzung dieser Menschenrechtsinhalte nicht!

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