Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

27. Juni 2020
von JvHS
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Statt Heilige Johanna nur die unheilige Corona der Schlachthöfe

„Johanna: … Nicht der Armen Schlechtigkeit Hast du mir gezeigt, sondern Der Armen Armut.“[Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Band 3, Stücke 3, S. 154]

„Unverrückbar über uns

Stehen die Gesetze der Wirtschaft, unbekannte,

Wiederkehren in furchtbaren Zyklen

Katastrophen der Natur!” (Brecht)

 

„Darum, wer unten sagt, daß es einen Gott gibt Und ist keiner sichtbar Und kann sein unsichtbar und hülfe ihnen doch Den soll man mit dem Kopf aufs Pflaster schlagen Bis er verreckt ist.“ (Brecht)

Was die heilige Johanna der Schlachthöfe (Brecht) nicht schaffte, gelingt möglicherweise der unheiligen Corona für die Arbeiter auf den Schlachthöfen: eine Verbesserung der Situation in der Fleischindustrie.

Ergänzung vom 06.07.2020

Das Virus ist weiterhin aktiv, aber immer weniger im Bewusstsein vieler Menschen! Solange es weder ausreichend und wirksame Medizin gibt, oder eine Impfung die Ansteckungs-Folgen weniger dramatisch verlaufend gestalten, ist Vorsicht geboten. Dazu kommt, dass innerhalb der Wissenschaft die Ansteckungswege noch diskutiert werden (Aerosole). Umso wichtiger ist die Verantwortung jedes einzelnen Menschen, Vorsicht walten zu lassen. Dazu gehört unbedingt auch die Masken-Trage-Pflicht zusätzlich zur Hygiene (Händewaschen!)  und zum Abstandshalten.

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27. Juni 2020
von JvHS
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Intellektuelle oder moralische Leere – Politakteure als Abgeordnete?

Selbst das Abgestorbene wird in günstiger Lichtsetzung noch als Leuchtsignal gedeutet!

Im Titel stecken einige Signalwörter, mit deren Bedeutung und dessen möglichen Wandel es wert ist, sich auseinander zu setzen. Beginnen wir mit dem letzten Wort im Titel: Abgeordnete. In der parlamentarischen Demokratie werden die Abgeordneten vom Volk gewählt, um sie dann für einen gewissen Zeitraum (Legislaturperiode- in Deutschland für 4 Jahre) mit dem Vertrauensvorschuss ins Parlament zu entsenden, damit sie die Interessen der Menschen, die sei dorthin gesandt haben,  zu vertreten. Das Verständnis über die Funktion scheint jedoch sehr gegensätzlich zu sein, insbesondere da die KandidatenInnen einer Partei angehören, die sie in einen Fraktionszwang drängen, um Inhalte zu vertreten, die von wenigen an der Spitze der Partei inhaltlich bestimmt werden.

Die parlamentarische Demokratie ist abgelöst worden von der Parteiendemokratie. Die Interessen des Volkes stehen nicht selten diametral denen der einflussnehmenden gesellschaftlichen Gruppen gegenüber, die durch die dominierende Mehrheitspartei vertreten wird. Die dazu gehörenden Abgeordneten sind nur noch Akteure im Sinne der Partei. Da ist dann auch die Moral dieser Geschichte, dass der Abgeordnete der regierenden Partei als Politakteur nur die Sicherheit seiner Privilegien im Blick hat. So zählt auch nicht die intellektuelle Ausstattung des Abgeordneten zum Pfund, das er einsetzen kann, sondern eher seine Gesinnung und die Seilschaft, die ihn umgarnt und eingefangen haben.

Wenn die Streitkultur in Zeiten eines Herbert Wehners noch herb und rhetorisch gezielt ausgestaltet wurde, sind heute weder eine Streitkultur in den Debatten noch die Anwesenheit der Abgeordneten im Plenum zu verzeichnen. Je größer die Anzahl der Abgeordneten im Parlament ist, je größer ist auch die intellektuelle und moralische Leere im Bundestag sichtbar.

Das Volk, wenn es denn den Blick überhaupt noch auf den Bundestag richtet, kann nur noch Akteure im Politgeschehen erkennen, die weder das Wohl des Wahlvolkes im Sinne haben, noch der Daseinsvorsorge und der Gerechtigkeit in der Gesellschaft zum Erfolg verhelfen würden. Figuren wie Amthor, Scheuer und Konsorten vergolden durch ihre Büttelarbeit und Handlangerdienste für die Vermögenden die eigenen Interessen. Nichts als Leere in jeglicher Hinsicht ist erkennbar. Was widerwärtiger sei, ist kaum zu benennen: die Geschichtsleugner aus der AfD mit ihrer Faktenborniertheit, oder die intellektuellen Schaumschläger und Marketing-Götzen-Anbieter der FDP. Beiden gemeinsam ist Oberflächlichkeit und inhaltliche Leere. Weil auch bei den anderen Oppositionsparteien die Energien eher nach innen und auf die Destruktion der „Parteifreunde“ gerichtet sind (Die Linke) oder zusätzlich mit einer „Kiez“- Arroganz und Pseudowissenschaftlichkeit ausgestattet sich präsentieren (Grüne), ist auch die Hoffnung trügerisch, dass aus diesen Ecken ein Wechsel der Kultur und Inhalte zu erwarten ist. Denn Macht hat die Eigenschaft zu korrumpieren!

So muss sich die gesellschaftliche Schicht der Reichsten 10 %  in diesem Land der „blühenden Landschaften“ kaum Sorgen machen, dass sie in die Verantwortung genommen werden könnten. Für den Rest der Gesellschaft wird es mit Kanzlerkandidaten von Laschet über  Merz bis Röttgen nur noch übler werden können. 

Warum die CDU/CSU noch immer einen so hohen Zuspruch haben, ist umso unverständlicher, wer beobachtet, wie gerade diese Parteien im Wesentlichen auf die Vorteile der Reichen und der institutionellen Anleger achten. (Hedgefonds und  Unternehmen wie die Lufthansa, die ihre Steuervermeidungsstrategie unbehindert ausleben können, weil die Gesetze zur Verhinderung der Steuerflucht nicht gemacht oder verhindert werden!) Die Steuerlast – auch die zukünftige durch die Corona-Krise entstandenen Belastungen – werden dagegen auf den Rest der Gesellschaft verteilt. (Da sorgen vor allem Spekulanten [á la Thiele oder Unternehmen wie Blackrock] im Zockersystem “Börse” dafür, dass die Umverteilung von unten nach oben bei den Gewinnen und leistungslosen Vermögensvermehrungenen weitergeht, ebenso wie die Umverteilung der Steuerbelastungen von oben nach unten!) Mit Merz (ehemaliges ? Blackrock-Führungsmitglied) als Kanzlerkandidat steht ja schon ein Verbündeter in den Startlöchern, damit das Unterfangen auch zukünftig zum Erfolg geführt werden kann.

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24. Juni 2020
von JvHS
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Merkmale des Ur-Faschismus nach Umberto Eco

In seinem Buch „Der ewige Faschismus“ hat Umberto Eco die Archetypen (Bilder/Anzeichen) einer totalitären und ausgrenzenden Weltanschauung aufgezeigt. In zeitlosen Beschreibungen der Strukturen dieser Ideologie spiegeln sich die aktuellen Ansätze wider, diese menschenverachtenden Handlungen und das dafür manipulierende Denken wieder zu etablieren. Sowohl Trump (USA) wie auch Erdogan (Türkei) oder Orban (Ungarn) und vor allem Bolsonaro (Brasilien) sind exemplarische Beispiele für Faschismus und Nationalismus á la Naziterrorherrschaft.

Auch wenn Variationen des Faschismus beschreibbar werden, wie er in Deutschland, Spanien und Italien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts etabliert wurde, so gelingt Eco die Kategorisierung eines Ur-Faschismus, der in allen Ausprägungen und Abweichungen hilfreich ist, heutigen Faschismus in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft zu erkennen.

  • Kult der Überlieferung.                                                                                                                                                                  Gemeinsam ist allen Faschismen eine Mixtur von Kultformen mit religiösem Eifererpotenzial und okkulten Elementen (SS-Runen oder Heilrufen mit ausgestrecktem Arm wie bei den Römern zur Zeit Cäsars). Ein weiteres Merkmal dieser Kategorie sind die verqueren Bemühungen diese Verhaltensregeln als Tradition zu deklarieren.
  • Ablehnung der Moderne / + Irrationalismus.                                                                                                                              Allen faschistischen Ausprägungen ist gemeinsam, dass zwar moderne Technik begehrt ist, zum Beispiel als Waffentechnik oder Überwachungstechnologie, dennoch erfolgt  die Ablehnung des modernen, offenen und aus der Tradition der Aufklärung kommenden Denkens. Der Geist der französischen Revolution und der Aufklärung sowie die Forderung nach Transparenz und Diskurs der gesellschaftlichen Themen (Wie wollen wir leben?) wird im faschistischen Denken als das „Verderben des Volkes“ gesehen. Nicht selten wird eine vorgeschobene Kapitalismus-Kritik praktiziert, die jedoch nicht die ökonomischen Fehlentwicklungen in den Blick nehmen, sondern durch eine „Blut und Boden-Ideologie“ oder modern durch eine irrationale völkische Ideologie ersetzt werden soll.
  • Kult der Aktion anstatt selbstständiges Denken                                                                                                                          Denken und selbstständiges kritisches Hinterfragen hinsichtlich des Handelns der Machtinhaber wird als Verrat und „Kastration der Reinheit der Ideologie“ gewertet. Jede satirische und kritisch-literarische Kultur ist dem Faschismus suspekt. Misstrauen gegenüber den Intellektuellen ist „ein Symptom des Ur-Faschismus“ (Umberto Eco). Diskriminierung und Beleidigungen der Kulturschaffenden (Bei den Nazis die „Entartete Kunst“ und das Verbrennen der Bücher / heute im rechtskonservativen  und rechtsnationalistischen Weltbild der Sammelbeleidigungsbegriff des „links-grün-versifften“) sind Erkennungszeichen des Faschistischen.  
  • Ablehnung von Kritik                                                                                                                                                                            Der Ur-Faschismus wächst und sucht sich Konsens, indem er die natürliche Angst vor dem Andersartigen ausbeutet und vertieft. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Ablehnung der anderen Gebräuche und Kulturen sind Merkmale des Faschismus und Nazismus. Ablehnung anderer Ethnien und kulthafte Verehrung von „Rasse“ (bei den Nazis/Neonazis: „Blut und Boden-Ideologie“) und Variationen dazu wie Gaulands Ausruf (AfD)  “Wir holen uns unser Land zurück…“, sind Belege für faschistische Gesinnung. (Ergänzung1: Zur Erinnerung! Mister Gauland wollte eine SPD-Politikerin mit Migrationshintergrund “in Anatolien entsorgen lassen…”! / Ergänzung 2: Der AfD Ehrenvorsitzende und Fraktionssprecher im Bundestag ist zudem für den Verbleib des Neonazi Kalbitz in der Partei!)
  • Konzentration auf Gleichschaltung                                                                                                                                          Jegliche Abweichung im Denken und Handeln wird unterbunden. So werden Wissenschaftler, Journalisten, Künstler und liberale Juristen/Richter verfolgt, ihrer Ämter enthoben und mit Berufsverbote belegt.  Das praktiziert Erdogan in der Türkei ebenso rigoros wie Orban in Ungarn und die PIS-Partei in Polen. Zuvor haben im letzten Jahrhundert die Nazis und die Faschisten in Italien und Spanien die Blaupause dafür geschaffen.
  • Individuelle und gesellschaftliche Frustration                                                                                                                        „Der Ur-Faschismus entspringt individueller oder gesellschaftlicher Frustration. Darum war eines der typischen Merkmale der historischen Faschismen der Appell an die frustrierten Mittelklassen, die unter einer ökonomischen Krise und/oder einer politischen Demütigung litten( Weltwirtschaftskrise 1928/1932 / Versailler Vertrag) und sich vor dem Druck subalterner gesellschaftlicher Gruppen fürchteten.“ (Umberto Eco)
  • Propagierung der Fremdenfeindlichkeit                                                                                                                                            In direkter oder indirekter Form ist Fremdenfeindlichkeit ein eindeutiges Merkmal ur-faschistischen Denken und Handelns.  Mit dem Versuch, ein Kriterium zu schaffen, das andere als Fremde bezeichnen hilft, wird abgehoben auf die Vorgabe: „im gleichen Land geboren zu sein“. Das ist die Grundlage für den Nationalismus jeglicher Ausprägung. Und sofern das nicht ausreicht, um andere Ethnien ausgrenzen zu können, kommt die ergänzende Begrifflichkeit von „Blut und Völkischem“ zu Hilfe.
  • Minderwertigkeitsgefühle gegenüber den Andersdenkenden                                                                                            Der offensichtlichen Unlogik, dass ein Farbiger, der in Deutschland geboren, aufgewachsen, ausgebildet und berufliche Karriere gemacht hat, perfekter als mancher Nazi die deutsche Sprache beherrscht, dennoch kein Deutscher sei, weil er nicht dem „germanischen“ Volk entspränge, ist nicht nur ein Beleg für die Minderwertigkeitsgefühle der Faschisten, sondern auch Quelle für der Verlagerung des Diskurses auf die Ebene der körperlichen Gewalt gegen andere Ethnien und Religionen. Religionen die jedoch gleiche Merkmale im Handeln zeigen, sind in dieser Ausprägung ebenfalls ur-faschistisch zu nennen.
  • Ablehnung der Friedensaktivisten und Pazifisten                                                                                                            „Faschisten glauben, ein »Leben für den Kampf« führen zu müssen. Daher ist Pazifismus die “Kollaboration mit dem Feind.” Pazifismus ist schlecht, weil das Leben ein permanenter Krieg ist. Erst nach der „Endlösung“ dem „Endkampf“ ist ein friedliches Leben möglich für den „guten“ Faschisten.“ (Umberto Eco)
  • Verachtung des Schwachen / Elitedenken auf dem Hintergrund einer militaristischen reaktionären Ideologie                                                                                                                                                                                                    Dem ur-faschistischen Verständnis eigen ist der Gedanke, dass die einzige Elite, die Gültigkeit haben darf, die der „Zugehörigkeit zum richtigen Volk“ sei. Hierin zeigt sich auch Trumps Faschismus, der im „American first“ und „great again“ propagiert wird. So wird im besten faschistischen Sinne gepredigt: “dass man mit richtigen Hautfarbe und das sind dann nur die Weißen“ zum „besten Volk der Welt“ gehöre. Ein Ur-Rassismus der der Durchsetzung der faschistischen Ideologie dienen soll. Jeder Bürger gehört zum besten Volk der Welt, die Parteimitglieder sind die besten Bürger, und jeder Bürger kann (oder muss) Parteimitglied werden. Da der „Führer“ (Trump, Erdogan wie Orban und die vielen anderen Faschisten im letzten Jahrhundert) weiß, dass er die Macht nicht demokratisch verliehen bekommen hat, sondern gewaltsam oder betrügerisch an sich gerissen hat, weiß er auch, dass seine Stärke auf der Schwäche der Massen beruht — sie sind so schwach, dass sie einen Herrscher brauchen und verdienen. Da die Bewegung hierarchisch organisiert ist (nach militärischem Vorbild), verachtet jeder Unterführer die eigenen Untergebenen, und jeder von diesen verachtet die unter ihm Stehenden. All dies stärkt das Gefühl, zu einer Elite zu gehören. Dass ur-faschistisches Handeln auch im Neoliberalismus zu finden ist, zeigen die dort herrschenden ähnlichen Strukturen. Ein Lobbyismus, der sich in den Machtzentralen mit den willigen Abgeordneten verbünden kann, bereitet letztlich auch die Zerstörung der Demokratien auf anderer Ebene vor.
  • Heldentum und Heldenverehrung                                                                                                                                                        Mit diesem Merkmal und unter dieser Perspektive werden im Faschismus alle zum Heldentum erzogen. „In jeder Mythologie ist der Held ein Ausnahmewesen, aber in der Ideologie des Ur-Faschismus ist Heroismus die Norm. Dieser Kult des Heroismus ist eng mit dem Kult des Todes verbunden — nicht zufällig war das Motto der Falangisten »Viva la muerte!«. In nichtfaschistischen Gesellschaften wird den Leuten gesagt, der Tod sei etwas Unangenehmes, dem man jedoch mit Würde begegnen müsse; den Gläubigen wird gesagt, er sei der schmerzliche Weg zu einem übernatürlichen Glück. Der urfaschistische Held dagegen ersehnt den Heldentod, der ihm als die beste Belohnung eines heroischen Lebens gepredigt wird. Der urfaschistische Held wartet mit Ungeduld auf den Tod. In seiner Ungeduld gelingt es ihm dann nicht selten, andere in den Tod zu schicken.“ (Umberto Eco)
  • Das Machohafte und die Figur des Machos                                                                                                                                Trump gibt sich oder ist machohaft (lange rote Krawatte) und steht und als Figur exemplarisches Merkmal des Ur-Faschismus und für die Synthese als „Mächtiger und Held“ in Sachen „Rettung Amerikas“. „Der Ur-Faschist überträgt seinen Willen zur Macht auf das sexuelle Gebiet. Dort ist er aber seiner Schwäche als Mensch oft unterlegen (Versagen der Potenz). Deshalb neigt der ur-faschistische Held zum Spiel mit Waffen (oder sonstigen Symbolen), die dann sein Phallusersatz werden.“ (Umberto Eco)
  • Populismus als ur-faschistische Methode und „Führerschaft“ als Ersatz für Mehrheitsentscheid                    „Der Ur-Faschismus beruht auf einem selektiven oder qualitativen Populismus. In Demokratien haben die Bürger individuelle Rechte, aber politischen Einfluss können sie nur gemeinsam unter einem quantitativen Gesichtspunkt ausüben — die Mehrheit entscheidet. Für den Ur-Faschismus dagegen haben Individuen keinerlei Rechte, während das »Volksganze« als eine Qualität begriffen wird,  eine monolithische Entität, die den gemeinsamen Willen aller zum Ausdruck bringt.“ (Umberto Eco)                                                                                                                                                                                                                            Da jedoch eine große Zahl von Menschen keinen gemeinsamen Willen haben kann, wirft sich der Führer zu ihrem Interpreten auf. Nachdem sie ihre Delegationsmacht verloren haben, handeln die Bürger nicht mehr.                                                                      „Sie werden nur noch von Zeit zu Zeit als Pars pro Toto zusammengerufen, um die Rolle des Volkes zu spielen. Das Volk ist also nur eine Theaterfiktion. Erkennungsmerkmal dieser Kategorie ist:  Wann immer ein Politiker die Legitimität des Parlaments in Zweifel zieht, weil es nicht mehr die »Stimme des Volkes« repräsentiere, riecht es nach Ur-Faschismus.“ (Umberto Eco)
  • Reduzierung der sprachlichen Fertigkeiten / Verarmung von Sprache                                                          Spracharmut und Sprachregelungen sind Elemente des Ur-Faschismus.  Das haben verschiedenen Formen von Diktatur gemeinsam. Alle nazistischen oder faschistischen Schulbücher bedienten sich eines verarmten Vokabulars und einer versimpelten Syntax, um das Instrumentarium für komplexes und kritisches Denken zu begrenzen. Stereotypische Wiederholung von Trump bei allem, was ihm nicht in sein Weltbild passt, als „Fake news“ zu bezeichnen, gehört zu diesem ur-faschistischen Merkmal.
  • Fazit: Während also nach Umberto Ecos Archetypen/Kategorien ur-faschistische Gesinnung in diktatorisches und freiheitsberaubendes Handeln mündet, in dem gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Gewalttätigkeit zur Umsetzung der eigenen Ideologie eingesetzt wird, das vom „Führer“ als dem „Besten“ der Masse legitimiert wird und populistisch zur Mainstream-Meinung unters „Volk“ gestreut wird, sind in Abgrenzung dazu die Freiheit der Rede, die Pressefreiheit im Sinne der „vierten Kraft“ (und nicht im Sinne eines vorauseilenden Bütteltums), die Versammlungsfreiheit und die Gewaltlosigkeit sowie der Respekt dem Mitmenschen gegenüber seine Freiheit nicht zu begrenzen die Merkmale eines demokratischen Zusammenlebens.

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20. Juni 2020
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Covid und die Influenza-Vergleiche – In memory of all who proclaimed loudly: “Covid is like an influenza”…

Covid und die Influenza-Vergleiche – In memory of all who proclaimed loudly: “Covid is like an influenza”…

In Erinnerung für alle, die lauthals verkündeten: “Covid19 ist wie eine leichte Influenza”…, die Todeszahlen zeigen etwas völlig anderes! Und auf der Liste der Verkünder dieser Fehleinschätzung stehen Jens Spahn (Tagesschau am 24.01.2020), Donald Trump (FAZ vom 01.04.2020) und etliche Vertreter der AfD (BR vom 04.04.2020). Sie reihen sich in diese Gesinnungsmanipulation ein, dass die Letalität (Morbidität) geringer oder gleich einer bei der Grippe (Influenza) sei. 

Die Entwicklung der Todeszahlen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus (Covid) innerhalb der letzten 6 Monate zeigt, wie fatal oder leichtsinnig diese Aussagen waren.  Die Grafik vom 01.01.2020 bis heute (20.06.2020) zeigt im Vergleich mit anderen Erkrankungen, dass dieses Virus extrem aktiv und weltweit tödlich wirksam ist. Corona/Covid19 ist nicht aus der Welt! 

Und dennoch scheinen die Lockerungen der Beschränkungsregeln die Menschen zu immer größeren Leichtsinn zu verführen. Sie verhalten schon wieder so, als wäre das Virus nicht mehr in der Welt. Aktuelle Bilder aus dem Bundesligaspielen belegen, dass Händeschütteln, Umarmungen, Rudelbildung etc. nichts mehr von den Abstands- und Kontaktvermeidungsbemühungen übrig gelassen haben! Auch der Tönnies-Skandal (Fleischverarbeitungs-Konzern- Gütersloh) mit den erneut über 1000 Infizierten wird rigoros aus dem Bewusstsein gestrichen.

Als würden alle wieder im Wolkenkuckucksheim schweben und leben.

 

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