Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

1. Oktober 2022
von JvHS
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Nachtgebet der Faschisten

„Wo die Männer (Menschen) versagen, da ruft man nach dem (starken) Mann (der Frau). Der Faschismus, der überall anders, überall in neuer nationaler Vermummung auftritt, weist in allen Ländern diesen einen gemeinsamen Wesenszug auf: Die Sehnsucht nach dem Diktator. Die erschlafften Völker suchen nach einem Hirn, das für sie denkt, nach einem Rücken, der für sie trägt.“ – Carl von Ossietzky

 

  • Im Februar war Zeitenwende,
  • Der Krieg ist nicht zu Ende.
  • Faschismus getränkte Gruppen,
  • marschierten im Takt der Truppen,
  • mordend in die Ukraine ein.

 

  • Fasziniert und angstbesoffen,
  • Nazis, auf Veränderung hoffend,
  • Denunzianten und Verräter,
  • wer hat Angst vorm Schwarzen Peter?
  • Wer kneift, dem schießen wir ins Bein.

 

  • Weil wir die Welt nicht mehr versteh´n,
  • grölen wir – laut und radikal,
  • Rechtsextremistisch,  asozial.
  • Italien hat es vorgemacht,
  • jetzt haben Faschisten dort die Macht,
  • man kann´s hören und auch seh´n.

 

  • Sei unsre Meisterin – Marie Le Pen,
  • du hast Recht, es tut nicht weh,
  •  wähl´n wir die Faschisten der AfD.
  • Unser „Vorbild“ sei Putin,
  • in den Nachdenkseiten steht es drin,
  • jetzt lasst uns besoffen beten geh´n!

 

  • Denn was du nicht willst, dass man dir tut,
  • das tu auch nicht, was willst du denn?
  • Eins in die Fresse?
  • Amen!
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30. September 2022
von JvHS
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Der Rest ist Schweigen

Der Rest ist Schweigen (Artem Zolotarov)

  • Ergebenheit in milden Zügen
  • Verloren-Sein im Lebenstraum
  • Die Tage streifen grell vorüber
  • Die Klänge flüstern scharfe Klingen.

 

  • Vergebung, Nachsicht, Offenheit
  • Rastlose Wärme – augenscheinlich
  • Das Warten wundet freundlich kühl
  • Der Schmerz wird wertvoll mit der Zeit.

 

  • So faszinierend diese Welt ist
  • Sie scheint so uferlos entgleist
  • Unsäglich fern in Beinahworten
  • Und doch so nah, wenn sie nur schweigt.
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30. September 2022
von JvHS
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Relative Realitäten – Direkte und indirekte Gefährdungen der menschlichen Existenz

 

Schönheit einer Kulturlandschaft, die Heimat sein könnte!

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat. ( Ernst Bloch – Prinzip Hoffnung)

Menschen brauchen Arbeit, bezahlte Arbeit. Die meisten der Menschen sichern damit ihre Existenz. Arbeit ist jedoch mehr. Und dieses Mehr umfasst mit der Arbeit den Sinn des menschlichen Lebens. Die Hoffnung der meisten Menschen liegt darin, dass die berufliche Arbeit auch die ist, mit der die Identifizierung und der Sinn des eigenen Lebens möglich ist. Denn wie Bloch formulierte, fände der schaffende Mensch darin eine Form seiner Lebensplanung und erwünschten Welt, in der die meisten Menschen noch niemals waren: eine Heimat.  

Jedoch wird den Menschen diese Lebensplanung von vielen Seiten fast unmöglich gemacht. Auch wenn ihm bewusst ist, dass die Mitgestaltung der Welt eine Existenz ohne Entfremdung und Ausbeutung nur in einer echten Demokratie stattfinden kann, wird gerade dies durch den Missbrauch von Macht (ob als politische oder ökonomische Macht) mehr als erschwert.

Wenn es keine der vielen Kriege (direkte Existenzgefährdung) durch Despoten und Diktatoren sind, dann sind es ökonomische Konzepte (Neoliberalismus, Finanzkapitalismus, Unternehmenspolitik als indirekte Gefährdung der Existenz) und Einflüsse, die den Menschen eine andere als die notwendige Realität überstülpen. Wer seine Erfüllung in der Erforschung chemischer Verbindungen sucht, findet sich oft genug in Chemie-Unternehmen wieder, deren Unternehmensziele durch die US-Amerikanische-Regelung, alles solange tun zu dürfen, bis Geschädigte den Nachweis erbringen, dass die Produkte und Herstellungsverfahren Menschen oder der Umwelt Schaden zufügen.

Das gegenläufige Konzept, einmal ein Grundbaustein europäischen Unternehmensverständnisses, nur das zu tun, wenn nachweislich (und dies durch das nachweispflichtige Unternehmen selber belegt)  keine Gefährdung von Mensch und Umwelt besteht.

Die ARD-Panorama-Sendung vom 29. September 2022 belegt jedoch eine andere Realität.  Unter dem Titel „Das Jahrhundertgift“ beschäftigt sich die Sendung mit der Herstellung von PFAS! Diese chemischen Produkte stehen für Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen und bezeichnen eine Gruppe chemischer Stoffe, die in hunderten Alltagsprodukten stecken. Die Eigenschaft dieser chemischen Verbindung besteht darin, dass durch den Abperleffekt Materialien  nicht mehr aneinanderkleben oder haften. Ideal für tausende Anwendungen bei Kleidung, Kochtöpfen und Pfannen, Verpackungskartons bis hin zur Zahnseide.

Als „Jahrhundertgift“ wird PFAS deshalb bezeichnet, weil es als krebserregend (Verdacht auf Hodenkrebs, Leberkrebs etc.) gilt und weil es so gut wie nicht in der Natur abgebaut werden kann. Und hier kommen dann die „Abwehrstrategien“ der Hersteller zum Tragen, in der Verbandsarbeit (konkret: FEC, der Verband der Kochgeschirr-Hersteller) werden durch Wissenschaftler „Gegengutachten“ erstellt, die sich auf Untersuchungen von Chemikern berufen, die Mitarbeiter der Herstellungsfirmen sind.

Und damit stehen die Menschen, die mit ihrer Arbeit ihre Existenz sichern, in einem Dilemma: Arbeit behalten und Lohn beziehen und die Loyalität (oder Vertragsverpflichtungen) über die Gefährdung der Umwelt und der Menschen stellen.  Dieses Dilemma gilt für viele Berufe und Arbeitsplätze. Bei Heckler und Koch als Maschinenbau-Ingenieur oder Vertriebler arbeiten, wissend, dass die Produkte zu Verbrechen an und zum Töten von Menschen genutzt werden. Oder als Umwelttechniker bei einem städtischen Wasserbetrieb arbeiten, wissend, dass die Betriebsleitung durch den politischen Willen der Stadt ignoriert, dass durch Gülle-Tourismus und illegalem Eintrag das Grundwasser kontaminiert wird, jedoch der Sparzwang verhindert, dass Technologie eingesetzt werden müsste, welche nicht zur Verfügung stehen und belastetes Wasser an die Verbraucher geliefert wird, dass nur durch hohe Chlorgaben eine Verwendung ermöglicht.

Dazu hat Adorno mit seinem Werk „Minima Moralia“ eine Alternative ermöglicht. Ergänzt durch Paul Sailer-Wlasits` Streitschrift „Minimale Moral“, um das „beredte Schweigen in der Gesellschaft“ zu überwinden. Für eine reale Demokratie und eine Arbeit, die ohne Entäußerung und Entfremdung (Bloch) möglich ist, dafür muss jeder sich engagieren und jeder Einzelne hat dafür auch die Verantwortung. 

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29. September 2022
von JvHS
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In diesen Zeiten – Staat macht Angst und Angst macht dumm

Der Schöne 27. September

  • Ich habe keine Zeitung gelesen.
  • Ich habe keiner Frau nachgesehen.
  • Ich habe den Briefkasten nicht geöffnet.
  • Ich habe keinem einen guten Tag gewünscht.
  • Ich habe nicht in den Spiegel gesehen.
  • Ich habe mit keinem über alte Zeiten gesprochen und
  • Mit keinem über neue Zeiten.
  • Ich habe nicht über mich nachgedacht.
  • Ich habe keine Zeile geschrieben.
  • Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht. 

                                                              Thomas Brasch

Die Geschichte spielt in meiner Stadt,
die der Krieg zerschnitten hat
und aus tausend Häuserwunden
Blut noch heute alle Stunden
Unterm Pflaster seufzt und stöhnt
Totes das sich nicht gewöhnt
an den Tod. Und darüber fährt
feiges Volk das sich nicht kehrt
weiter taub und blind und stumm
Staat macht Angst und Angst macht dumm.

(Thomas Brasch)

In diesen Zeiten am schönen 29. September 

Während der Blick aus dem Fenster auf die herbstlich gefärbten Blätter fällt, ziehen Putins Schergen mordend durchs „Bruderland“.

Während die Wellen der Ostsee an den Stränden plätschern, schlagen die Seismographen Alarm, und sprudelnd steigen die Gasperlen aus den zerfetzten Pipelinerohren an die Oberfläche.

Während die Bomben und Raketen wieder fallen, und der Regen durch zerstörte Dächer rieselt, und in der dunklen Ecke im Keller die Karbid gespeiste Flamme Wasser erhitzt für eine Tasse Tee im zerstörten Land der Ukrainer,  bezeugen Angst erfüllt die Menschen in den russisch besetzten Landesteilen unter den schussbereiten Waffen vor der Nase beim Zwangsreferendum ihre Zustimmung für die Okkupation.

Während die Lügen des Krieges durch den Äther wabern, und die Teilmobilmachung die Jugend in Putins Russland über die Grenzen flüchten lässt, drängt sich am Schreibtisch hinter dem Fenster mit Blick auf die Herbstfarben dem Leser Thomas Braschs Gedicht ins Blickfeld und steigert das Bewusstsein für das Leid der Ukrainer mit den Worten:

Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber
wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber
die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber
die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber
wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber
wo ich sterbe, da will ich nicht hin:
Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.
Thomas Brasch, Lied (1977)

 

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