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Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

12. Mai 2021
von JvHS
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Der Sechste ARB: Armut und Reichtum-Bericht – wie Parteien Sprachverballhornungen zur Verhinderung der Transparenz nutzen

Armut wird von der Regierungsarbeit ignoriert. Fakten dazu sind: Die Teilhabe an den Ergebnissen der guten Konjunktur wird verhindert. Steuerpolitik und Niedriglohnausweitung tun ihr Übriges. Und die Messgröße: Als arm gelten in diesem Fall Haushalte, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben. Rund 16 Prozent der Haushalte in D sind davon betroffen!

Es hat und wird sich nichts ändern an der gesellschaftlichen Situation und der Spaltung der Gesellschaft. Ein schonungsloser Bericht zur Armuts- und Reichtums-Spaltung wird von vielen Seiten behindert. Auf diesem Blog ist dazu schon des Öfteren Stellung bezogen worden.

Der Armuts- und Reichtums-Bericht der Bundesregierung erscheint alle vier Jahre. In diesem Jahr der Wahlen ist der mittlerweile 6. ARB kurz vor der Veröffentlichung. Besonders auffällig ist diesmal nur, dass nicht mehr im Bericht die Vokabel „Reichtum“ genutzt wird, um das Auseinanderdriften der Gesellschaft zwischen den Armen und den Superreichen zu beschreiben, sondern die Verharmlosungs- und Verschleierungsvokabel „Wohlhabenheit“. Zu Recht kritisiert der Politologie Prof. Dr. Christoph Butterwegge in einem Interview mit der TAZ diesen armseligen Versuch der Verniedlichung durch das Kunstwort „Wohlhabenheit“.

Es wird auch nicht von lohnabhängigen Einkommen gesprochen, sondern von Leistungseigentum, um dem Narrativ von „Leistung muss sich wieder lohnen“ einen Begründungsansatz zu geben. Und so tritt denn auch die „gelb-orange gefärbte” Yuppie-Partei FDP wieder auf mit der alten bekannten „Steuersenkungsforderung für die Wirtschaft“! Es ist und bleibt, trotz aller Farbspielereien, ein Steuersenkungsverein für die Wirtschaft mit selbstbezogener Unsolidarität.

Im Rahmen der Schuldenaufarbeitung deutete der Kanzlerkandidat der SPD und aktuelle Finanzminister Scholz an, dass die Schuldenbremse ab 2023 wieder eingeführt wird.

Damit wird deutlich, dass zurzeit die Stellungen und Barrikaden bezogen werden, jegliche Verteilungsfrage und den gesellschaftlichen Diskurs dazu zu unterbinden oder erst gar nicht aufkommen zu lassen, wer als gesellschaftliche Gruppe die Schulden zu stemmen hat. So wird es wie bisher nur dann möglich sein, dass die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ermöglicht wird, die Anhebung der Erbschaftssteuern erfolgt und die Rückzahlung von staatlichen Milliardenbeträge an Konzerne (wie für der Lufthansa oder Kurzarbeitergeld für Konzerne, die Mrd. Gewinne zu verzeichnen haben), umgesetzt wird, wenn die CDU/CSU abgewählt wird. Dabei sind FDP und AfD keine Alternativen.

Liebe Mitbürger, liebes Wählerpotenzial, wacht auf, denn es werden nicht die Reichen und Superreichen sein, die einkommensbezogen und solidarisch den Schuldenabbau mitfinanzieren,  sondern diejenigen in diesem Staat, die kein Vermögenseinkommen generieren können, sondern ihre Existenz von Lohneinkommen (siehe: Thomas Piketty! *) mühsam – und oft nicht ohne Aufstockung durch staatliche Unterstützung – sichern müssen. Gebührenerhöhungen auf der kommunalen Ebene, Preissteigerungen bei Strom und andere Energieformen und Mietsteigerungen, die preiswertes Wohnen verhindern, werden das sowieso schon dürftige Einkommen real noch mehr kürzen. Einkommensrunden werden noch seltener zu realen Lohnsteigerungen führen und die Steuererhöhungen wie etwa bei der MwSt. werden die verfügbaren Einkommen reduzieren.

Den Parteien muss vor der Wahl die Zusicherung abgerungen werden, dass die leistungslosen Vermögenseinkommen   (durch Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, Transaktionssteuern für jede Kapitalanlage-Tätigkeit) stärker belastet werden, um eine gerechtere Verteilung der zukünftigen Lasten und Schuldentilgung zu erreichen.

Wer noch tiefer eintauchen möchte, hat bei der nachstehenden Auswahl an Links dazu Gelegenheit.

1.) Literatur

* Thomas Piketty “Ökonomie der Ungleichheit”

2.) Datenmaterial Statistisches Bundesamt:

Mikrozensus

Bundesministerium für Arbeit und Soziales 

Vermögensübersicht

Armutsbericht

6. ARB 

Forschungs-Datenbericht Bereich:Hochvermögender (Achtung: PDF-Datei)

Hans-Boeckler-Stiftung + WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut)

Verteilungsbericht 2020

Armuts- und Reichstumsbericht – Kommentar

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10. Mai 2021
von JvHS
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Alternative Modelle wie Bürgerräte als Ergänzung zu den Abgeordneten und als Garant für mehr Demokratie

Bürgerräte – Thema: Klimawandel

“Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.” – Karl Raimund Popper

Der Missbrauch der Macht von Abgeordneten ist systemisch immanent!

Reden allein hilft nicht weiter – Bürgerräte zu etablieren, das ist notwendig aufgrund der Ausweitung korruptionsnaher Verhaltensweisen vieler Abgeordneter im Bundestag! 

“Demokratie ist im Grunde die Anerkennung, dass wir, sozial genommen, alle füreinander verantwortlich sind.” – Heinrich Mann

“Unter der Demokratie besteht alle Politik aus einer Reihe dynastischer Fragen: das Ziel ist stets der Posten, nicht das Prinzip.” – Henry Louis Mencken

“Wenn man aber das allgemein Menschliche und allen Gemeinsame von ihnen verlangt, so kann eigentlich nur dreierlei dabei übrig bleiben: die Dummheit, das Geld oder höchstens ein wenig religiöse Erinnerung!” – Robert Musil – Der Mann ohne Eigenschaften

“Die Demokratie muss dem Schwächsten die gleichen Chancen zusichern wie dem Stärksten.” – Mahatma Gandhi

“Die Demokratie setzt die Vernunft im Volk voraus, die sie erst hervorbringen muss!” – Karl Jaspers

“Die demokratischen Einrichtungen sind Quarantäne-Anstalten gegen die alte Pest tyrannenhafter Gelüste: als solche sehr nützlich und sehr langweilig.” – Friedrich Nietzsche

Mit dem Wissen wächst der Zweifel.« –  Johann Wolfgang von Goethe

Ludwig Marcuse: »Wer das (letzte) Jahrhundert (und das aktuelle!) durchlebt hat – auch nur mit einem Mindestmaß von Gedächtnis – und ist kein Skeptiker geworden, dem ist nicht zu helfen.« Insofern ist angesichts der vielen Skandale in der Politik eine Auffrischung und Ergänzung der Demokratie notwendig.

Es ist gesamtgesellschaftlich belastend – mit Auswirkungen auf das soziale und solidarische Leben – dass die Ignoranz der Politiker und der ihr nahestehenden Menschen und ihr Fanatismus für eine politische Ideologie oder Weltanschauung (hier an der Unterstützung des Privatisierungswahns im Gesundheitsbereich!) sich so zeigt, dass sie sich scheinbar sicher sind, die „Wahrheit“ zu besitzen; dagegen die klugen Menschen (im Sinne von Toleranz, Wissenschaftlichkeit und Menschlichkeit) durchaus zweifeln und die eigenen Ansichten (im Sinne Sokrates´scher Erkenntnis: „Ich weiß, dass ich nichts Endgültiges weiß“) hinterfragen.  

Mit der Ablehnung humanistisch (menschenfreundlich)-ethischer Verantwortung erreicht der nihilistisch gefärbte Egoismus einen Grad an Menschenverachtung, der sich am deutlichsten im Neoliberalismus zeigt.

Beim Typus des Politikers mit dieser Eigenschaft ist es jener, der opportunistisch zwischen Dogmatismus und Relativismus rückgratlos hin- und herschwankt und utilitaristisch abwägt, welches Verhalten und welche Gesinnungsethik für ihn den größten Nutzen bringt.

Die Bürgerräte – als Ergänzung mit Weisungsbefugnis zu den etablierten und korruptionsaffinen Abgeordneten – könnten funktionell,  neben der Haftbarmachung der gewählten Politiker für bewusste Verstöße gegen den Amtseid „zum Wohle des Volkes“, als Kontrolle des Bundestages und der Politiker agieren.

Vor allem sollten Bürgerräte nicht nur in den wichtigsten Inhalten der Zukunftsplanung (Klimawandel, Bildung, Gesundheit) ihre Arbeitsergebnisse in die Gesetzesplanung einbringen, Bürgerräte müssen Mitbestimmung ausüben können bei Themen wie: „Gehalt und Diäten“, bei der „Besetzung von Ämtern und Funktionen wie Bundestagspräsident und Vizepräsidenten“ sowie bei den „Untersuchungsausschüssen für die Sicherung der Ergebnisse und Konsequenzen sorgen!“  

Diese Forderung sollten die Wähler jedem Kandidaten zur Beantwortung vorlegen in Form von öffentlichen Briefen und Anfragen. Dies zu ermöglichen, ist demokratische Pflicht der Presse und Medien!

 

 

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9. Mai 2021
von JvHS
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Vom Sinn des Lebens – oder Vita activa ohne Intensitäts-Exzesse

“Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.” (Karl Raimund Popper)

“Der Sinn von Politik ist Freiheit.” – Hannah Arendt – Was ist Politik? 

“Diese neue Situation, in der die »Menschheit« faktisch die Rolle übernommen hat, die früher der Natur oder der Geschichte zugeschrieben wurde, würde in diesem Zusammenhang besagen, dass das Recht Rechte zu haben oder das Recht jeden Menschen, zur Menschheit zu gehören, von der Menschheit (auch den Abgeordneten) selbst garantiert werden müsste.” – Hannah Arendt – Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft

“Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?” Hannah Arendt -Vita activa oder vom tätigen Leben, S. 12 

“Eine Welt, die Platz für die Öffentlichkeit haben soll, kann nicht nur für eine Generation errichtet oder nur für die Lebenden geplant sein; sie muss die Lebensspanne sterblicher Menschen übersteigen.” – Vita activa oder vom tätigen Leben”

Wie viele kluge Menschen vor ihm, soll Theodore Roosevelt mal treffend gesagt habe: “The only man who never makes a mistake is the man who never does anything.” In abgewandelter Form findet sich diese Erkenntnis bei vielen wieder, allerdings oft genug begleitet von lähmenden Angststörungen.

Zum andere Extrem gehören die Menschen, die auf dem Weg sind, bei ihren Gefühlen und ihrem Handeln alles der Intensität und ihrer Steigerung zu unterwerfen, weil sie getrieben werden von dem Gedanken, bloß nichts im oder  vermeintlich sogar das ganze Leben zu verpassen.

So werden alle Lebensbereiche (vom Sex, von der Arbeit,  in der Beziehung, im Alltag, in jeglicher Form des „Vita activa“) der Jagd nach Intensität geopfert. Bewusst oder unbewusst wird dabei von der Prämisse ausgegangen, dass nach dem Leben nichts mehr kommt. Der Abstumpfungsprozess, der mit jedem „Mehr“ ebenso zunimmt, führt dennoch beim modernen Menschen am Ende zu einer Leere.

Die Erde reicht vielen Menschen nicht mehr, überhaupt noch die Augenblicke ihres Lebens genießen zu können. Alle Achttausender-Berge sind schon bestiegen, alle vermarktungsfähigen Sportextreme sind schon ausprobiert, jede Droge ist schon genommen, jede Todessehnsucht schon in wahnwitzigen Handlungen umgesetzt und jede Sektenstruktur schon erlitten, als Einsatz,  um der Angst vor dem Ende – ohne Perspektive nach dem Tod zu sein – zu entgehen. Jetzt muss der Globus verlassen werden und der Weltraum ist das neue Pseudoziel der Lebenserfüllung. Und jeder Schritt in die nächste Stufe der Steigerung ist gleichzeitig ein Schritt, der in die eigene Vernichtung getan wird.

Wenn der Glaube an ein Jenseits, an ein Weiterleben oder eine Wiedergeburt nicht mehr für die Menschen funktioniert, dann ist die Strukturierung des Alltags und die Routine vielleicht ein Ausweg zu einer asketischen Form des gelingenden Lebens. Beschränkung und Verzicht, statt Rausch und Intensitätsexzesse. Selbst-Disziplin gepaart mit Respekt und Diskursfähigkeit stabilisiert Beziehungen ebenso wie Alltagsarbeit. Disziplin und Routine (auch Training und Beherrschung der Fertigkeiten) schaffen Fähigkeiten und Ergebnisse in den kulturellen Bereichen von Musik, Literatur, bildende Kunst wie auch in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung. Wie sagte schon die Großeltern-Generation: “Kein Meister ohne Übung!”  Nicht gemeint dagegen war, nur dem Kitzel des Sensationellen hinterherzujagen.  

Sich selbst zu kennen und alles Verhalten, das einem schadet, zu unterlassen, gefestigt durch die Strukturierung des Alltags in Arbeit und Freizeit, trägt diese dazu bei, dem Ausbrennen durch Exzesse aus dem Weg zu gehen. Die Fähigkeit zu erkennen, welche Augenblicke des Glücks sich immer wieder ergeben und diese in ihrem kurzen Zeitabschnitt zu genießen, ist Teil des aktiven Lebens ohne Übersättigung.

Den meisten Jägern und Süchtigen von Facebook, Instagram und anderen Plattformen der Überforderung blieben mit einer Distanz zu den sozialen Medien die größten Krisen mit den Mustern manisch-depressiver Prägung und ihre existenzbedrohlichen Erfahrungen erspart. Stattdessen spüren sich die Intensitätsjäger selbst nicht mehr, sodass Lärm und Beschallung ganzer Stadtteile mit Lautsprechern Beleg dafür sind, sich nur über Intensität und Lautstärke fühlen zu können. Beim Intensität-Exzess ist der Störenfried immanent enthalten. Die dadurch entstehenden Konflikte sind ebenso Bestandteile einer negativen Kommunikation. Der äußere wie innere Zwiespalt spaltet die Gesellschaft.

Hannah Arendts Philosophie enthält als wesentliches Konzept die Idee, dass Hoffnung für jeden Menschen besteht, weil dieser mit jeder Handlung einen Neuanfang machen kann, der die alten und krankmachenden Muster durchbricht.

Und Aristoteles betonte:“ Die Gegenwart ist Gegenstand der Wahrnehmung, die Zukunft ist Sache der Hoffnung und die Vergangenheit ist Gegenstand der Erinnerung (und der Analyse.)“

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7. Mai 2021
von JvHS
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Statt Sachverstand nur Populismus in der Regierung und das Finanzsystem bleibt demokratisch kaum kontrollierbar!

Unsere Demokratie ist zurzeit nicht betriebsfähig!

“Der Kapitalismus genießt unter der Demokratie einen Vorteil: seine Feinde sind, selbst wenn er angegriffen wird, zerstreut und schwach, und er ist gewöhnlich leicht imstande, die eine Hälfte gegen die andere zu bewaffnen und sich so beider zu entledigen.” – Henry Louis Mencken

“Der Kapitalismus ist ungesund – sogar für Kapitalisten.” – Ernst Bloch

Mutmaßlich hängen Entscheidungen der Regierungen, wie sie in den letzten Wochen der  Bürgerschaft irritierend vorgesetzt wurden,  damit zusammen, dass das Augenmerk auf die Stimmung des Volkes gelegt wird, anstatt dem Sachverstand als leitende Handlungsstrategie zu folgen. Als Beispiel diene die Verordnung zur Verwendung des Impfstoffes von AstraZenica und die chaotischen Informationen des Gesundheitsministeriums und seiner Untergliederungen (RKI) dazu.

Zunächst wurde verordnet, dass AstraZenica nicht bei über 60-Jährigen eingesetzt werden soll. Kurze Zeit später dann nicht bei unter 60-jährige Menschen. Aktuell wiederum bei allen Menschen jeglichen Alters. Parallel dazu änderte sich auch die Vorgabe für die Zeitabstände zwischen 1. und 2. Dosis: zunächst 6 Wochen, dann wiederum 12 Wochen und nun aktuell ist die Vorgabe auf vier Wochen geschrumpft!

Wer die Timeline der widersprüchlichen Aussagen betrachtet, kann feststellen: Je nach Verfügbarkeit des Impfstoffes änderten sich die Aussagen! Da zwischenzeitliche Erkenntnisse von möglichen Gefahren (Hirnthrombosen) bekannt wurden, änderte sich die Zielgruppe. Weil danach die fehlende Verfügbarkeit aufgrund der skandalösen Beschaffungskatastrophen jegliche durchgehende Strategie zerstörte, wurden die Zeitabstände für die 2. Dosis gestreckt (Diese Entscheidung erfolgte schon zu einem Zeitpunkt, ohne das Wissen über die schwankende Breite der Schutz-Wirksamkeit zu kennen!).

Aktuell besagt eine Studie (veröffentlicht in “The Lancet”), dass die größte Wirksamkeit mit 81 % bei einem Abstand von 12 Wochen und mehr besteht! Unter 6 Wochen sinkt die Schutzwirkung auf rund 50 %! Dem steht nun der Druck auf die Regierung entgegen, weil mit der Öffnung des Lockdowns für die schon vollständig geimpften Menschen die gesellschaftsspaltende Neiddebatte erfolgt.  Deshalb wird die Erkenntnis der Studie beiseitegeschoben und vier Wochen sind ein verlockendes Angebot, sich mit diesem – durch schlechtes Kommunikationsmanagement seitens der Regierung –  verbrannten Impfstoff dennoch impfen zu lassen. Das Denken wird somit geleitet auf: „Scheiß was auf die Gefährdungen durch das Mittel, ich nehme es und in vier Wochen habe ich meinen gelben Impfpass und kann wieder meine Freiheiten bis zum Urlaub genießen!“ So werden die Vorräte unters Volk gebracht und man bleibt nicht auf den Kosten sitzen!

Genau dieses Agieren ist populistisch-autokratisches Politikerhandeln. Zudem wirft die kommende Bundestagswahl ihre Schatten voraus: Die Zustimmung für die aktuellen Regierungsparteien sind aus der Sicht der Parteien CDU/CSU mehr als gefährlich. Sie werden reduziert auf das, was sie in Wirklichkeit sind: Die Erfüllungsgehilfen einer Minderheit von privilegierten Vermögenden und für den Erhalt des Finanzkapitalismus neoliberaler Provenienz.

Wahlen und Grundrechte werden instrumentalisiert von der herrschenden Privilegierten-Schicht und ihren Bütteln in den politischen Funktionen (Andreas Scheuer / Peter Altmaier).  Für das Gelingen einer Demokratie sind programmatische Versprechungen der Kandidaten weder genügend, noch hinreichend. Mehr direkte Demokratie mittels weisungsbefugter Bürgerräte sind alternativlos notwendig. Die populistischen Reaktionen der Regierungsmitglieder zerstören das Vertrauen noch mehr und entblößen den wahren Charakter der Aktionen und Agierenden: mit der Wahl/Wiederwahl das Ziel zu erreichen,  ihre eigenen lukrativen Pöstchen zu behalten oder zu erwerben. Im Mittelpunkt steht nur die egomanische Identität. Grundprinzipien von Respekt und ethischem Verhalten werden unterlaufen. Selbst der Pakt mit den dezidiert sich erklärenden Antidemokraten wird eingegangen (Hans-Georg Maaßen in Thüringen).

Für den Machterhalt und ihre Egoismen verhalten sich Politiker  nahe am straftatbewehrten Agieren wie Korruption und Kollaboration (*). Die Unterstützung der erzkonservativen, rückwärtsgewandten, neoliberalen Eliten aus Wirtschaft (*) und Wissenschaft verschaffen den Rechtskonservativen und Faschisten/Nazis den Zugang zur Macht. Ein zivilisierter und respektvoller Diskurs zwischen den Menschen  wird gerne durch die “Domini Canes” dieser Partei (AfD) unterlaufen und durch ihre gewaltbereiten “Ordnungskräften auf der Straße” unterbunden.

Das Selbstverständnis dieser Clique ist so weit in den Sozialdarwinismus verzerrt, dass sie den Beispielen der autokratischen Despoten á la Victor Orbán und Jaroslaw Kaczynski nacheifern, sobald sie die Gelegenheit dazu erhalten würden. Jede Kritik an diesem Vorgehen wird mit dem logisch-falschen Argument begegnet: „Ich bin gewähltes Mitglied des Abgeordnetenhauses!“ Als ob eine solche Wahl dazu berechtige, die Demokratie zu schwächen und zu zerstören oder einen demokratischen Staat in einen Überwachungsstaat umzubauen.

Unter dem Deckmantel der Wahl sind noch lange keine Täuschungen über angebliches demokratisches Handeln erlaubt, wenn in Wirklichkeit die Einschränkung der grundgesetzlich verbrieften Rechte wie Freiheit und Gleichheit praktiziert wird!

Was durch die Intransparenz des Lobbyismus hier in Deutschland an Macht in die Hände weniger Einflussreicher gespielt wurde, ist in der vorhandenen Dimension schon zersetzend genug. Die Verantwortung dafür, dass das Gemeinwohl im Zentrum des politischen Handelns stehen muss, kann weder aufgegeben, noch abgegeben werden. Jetzt ist es mindestens schon fünf Sekunden nach Zwölf und die letzte Chance der Demokratie, jenseits des Diktats der Ökonomie und seiner Seilschaften mit Bürgerräten die Gesellschaft zu gestalten und den Privatisierungswahn in den Aufgabenfeldern der Daseinsfürsorge zu unterbinden.

Populismus sollte als solcher benannt und abgelehnt werden, egal ob er rot, grün, gelb-orange oder schwarz daherkommt. Was gestoppt und rückgängig gemacht werden muss, ist ein Finanzsystem, das sich heute  kaum noch demokratisch kontrollieren lässt. Wie sonst lässt sich akzeptabel erklären, dass Firmen wie BMW (verfünffachen des Gewinns) und Siemens (verdreifachen des Gewinns) und andere dennoch Kurzarbeitergeld als staatliche Unterstützung erhält.

Zu diesem Thema ist das Buch von Katharina Pistor „Der Code des Kapitals“ besonders aufschlussreich und  lesenswert!    

Ergänzung 

In diesem Buch geht es um die Macht einiger anglo-amerikanischer und weltweit agierender Rechtsanwaltskanzleien. Die bestimmen, was weltweit rechtlich als Eigentum gilt, als Verfügungsgewalt über das Eigentum und welche Rechte an welchen Gütern (Grund und Boden / Produktionsmittel / Finanzkapital und geistigem Eigentum) jemand hat! Eigentum ist also ein rechtliches Konzept, welches von diesen wenigen Anwaltskanzleien inhaltlich dominiert wird, weil sie es schaffen, dieses Konzept als Rechtsordnung in Staaten durchzusetzen! Dieses Privatrecht, von privaten Kanzleien weltweit durchgesetzt, wird zur Privatrechtsordnung, in Deutschland ist dies das BGB (Bürgerliche Gesetz Buch). 

Im Privatrecht kann jeder so lange das machen, was er für richtig hält im Vertragsrecht, bis ihm ein Rechtsgegner das unterbinden lassen will. Damit sind wir auch beim US-amerikanischen Verständnis von Umweltverschmutzung, von Raubbau etc. Innerhalb des etablierten Privatrechts hat sich das Verständnis durchgesetzt, das  Recht und seine Durchsetzung wählen zu können. Und dann suchen sich diese “Rechts-Hopper” mit ihrem “Rechte-Shopping” auch das Land aus, wo die Privatrechtsdurchsetzung am günstigsten ist. Und Staaten und Staatenverbünde wie die EU, die für Kapitalfreiheit sind, lassen denn auch Drittländern keine Chance. So werden dann staatliches Eigentum von Staaten in Form von Yachten, Konten etc., die sich dem entziehen wollen, beschlagnahmt, wenn sie im Einzugsbereich der EU und/oder der USA z.B. sich befinden.

Katharina Pistor formuliert dann auch in ihrem Buch, dass Kapitalgüter, die nach z.B. New Yorker Recht geschaffen werden (und wenn es Finanzprodukte, die so komplex und nicht mehr durchschaubar sind, wie jene, die zur Finanzkrise und Lehmann-Pleite führten) auch in Deutschland durchgesetzt werden! 

Welcher Irrsinn – und welches perfide Verständnis von Eigentum, nicht zum Wohle der Allgemeinheit, sondern als Rechtsgut über die Menschenrechte gestellt wird. 

Ergänzung II

Claus von Wagner “zwitschert” weiter…

(*) Ausnahmsweise verlinke ich auf Twitter, weil die Mitteilung von Claus von Wagner auf einen Prototyp des Urkapitalisten  hinweist, den Armin Laschet nun in sein Wahlkampfteam aufgenommen hat, nach dem alten Muster, binde deinen bisherigen Gegner beim Kampf um den Vorsitz und auch als Kanzlerkandidat ein, um ihn unter Kontrolle zu haben. Ein strategischer Fehler und ein Schritt in die rechtskonservative Richtung thüringischer Provenienz und Provinzdenken. 

Ergänzung III vom 08.05.2021

Passt ins Bild der CDU/CSU-Weltanschauung – eine Gesinnung zwischen egomanischem Anspruchsdenken und fehlender Verantwortung. 

Das Gesinnungsdenken der Konservativen in den Regierungen schwappt dann schon mal “Kurz” grenzüberschreitend über!

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6. Mai 2021
von JvHS
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Erich Fried – lebte er noch, wäre er heute 100 Jahre alt geworden

Erich Fried – eine Lyrik mit Blick auf das steinige Leben, über dem dennoch die Ästhetik der Leichtigkeit schwebt – Nachfolgendes ist nicht sicher, ob  Fried dies äußerte: “Zu den Steinen hat einer gesagt: seid menschlich. Die Steine haben gesagt: Wir sind noch nicht hart genug.”

“Aus dem Leben bin ich in die Gedichte gegangen. Aus den Gedichten bin ich ins Leben gegangen. Welcher Weg wird am Ende besser gewesen sein?” –  Erich Fried – Liebesgedichte

“Wer will, daß die Welt so bleibt wie sie ist, will nicht, daß sie bleibt.” Erich Fried

“Zweifle nicht an dem, der dir sagt, er hat Angst, aber hab Angst vor dem, der dir sagt, er kenne keinen Zweifel.” – Erich Fried -100 Gedichte ohne Vaterland

Erich Fried – ein kreativer Störenfried von lyrischer Art mit Blick auf Larmoyanz, geschichtliche Gedankenlosigkeit, politische Verantwortungslosigkeit und zwischenmenschliche Oberflächlichkeit! Ihn heute zu vermissen, hieße nichts Anderes, als dass der Fokus auf die Welt um eine wichtige Perspektive der Menschenfreundlichkeit ärmer geworden ist. Welche Kraft hätte seine Lyrik in Zeiten der Pandemie noch entfalten können und wie mächtig erklängen seine Verse in den Ohren der politischen Versager in der heutigen Zeit?

Vom Sparen
Eine uralte Art des Sparens
ist das Sparschwein
Von den Sparschweinen
kommt vielleicht das Wort Sparschweinereien
Denn oft muß gespart werden
für eine Schweinerei
Auf die werden dann
die Ersparnisse verwendet
Je tödlicher die Schweinerei
desto lebhafter muß gespart sein
Je mörderischer
desto mörderischer das Sparen
Für jede Rakete zum Beispiel
muß sehr viel gespart sein
Da muß man jetzt sparen
damit einem dann nichts erspart bleibt
Wenn die Rechnung oben nicht stimmt
heißt es unten Sparen
Denn die Sparschweinereien
werden fast immer verfügt
von fetten Schweinen
auf Kosten der armen Schweine

Fußnote:
Seit Veröffentlichung der Gedichte ›Eine Stunde‹ und ›Vom Sparen‹ sind die Sparmaßnahmen, die Rüstungsausgaben und der Hunger größer geworden.

 

Und was den Rechtsruck in dieser Republik betrifft, ist immer noch Frieds Lyrik aktuell und zutreffend beschrieben! Ins Stammbuch schrieb Fried diesen Rückwärtsgewandten: 

Das Ärgernis (…mit  den Rechtskonservativen!)
Wendet euch
nicht ab
sondern schauet
ihr braven Bürger
den jungen Neonazis
die in euerem Staat
von neuem den Glauben
an den alten Irrsinn
gelernt haben
tief in die Augen
Ihr schaut nicht
genau genug hin
wenn ihr in diesen blauen
oder braunen
oder auch grauen Augen
nicht
einen Augenblick lang
euer eigenes
Spiegelbild seht

 

Und dennoch war er immer den Menschen zugewandt und glaubte an die Liebe, die ist, was es ist!

Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

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