Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

19. November 2020
von JvHS
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Relative Realitäten – oder die Kraft der Ästhetik

Von der Kraft aus einer anderen Zeit

 

Moralische Gesetze wirkten noch

in uns und den anderen 

Menschen doch in der Welt

wirkte Symbolik statt Vernunft.

 

Moral und Ethik sind vergessen

verdrängt durch Free-TV-Mixturen

und übriggebliebene Bruchstücke der Gefühle

wirken statt Vernunft.

 

Der Tanz ums goldene Kalb

vom ungebändigten Virus verwirbelter Verstand

regiert die Lust am Chaos und Drogen

wirken statt Vernunft.

 

November ist und weder

Beethovens Neunte noch die Gestirne

über uns besänftigen die Hirne

es wirken weder Gefühle noch Vernunft.

 

Manisch-depressiv wechseln

Freudentanz und Trauermarsch doch

„Freude schöner Götterfunke“  wirkt mit

Aisthesis  auf Vernunft und Verstand.

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16. November 2020
von JvHS
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Ethik als Baustein philosophischer Bemühungen

Ein paar Gedanken zur Ethik als Baustein der Philosophie sollen hier mehr oder weniger ernsthaft aufgeführt werden.

“Man kann sagen, dass der Faschismus der alten Kunst zu lügen gewissermaßen eine neue Variante hinzugefügt hat – die teuflischste Variante, die man sich denken kann – nämlich: das Wahrlügen.” – Hannah Arendt 

Dass zum Beginn des philosophischen Denkens die Trennschärfe zur Religion nicht vollständig vollzogen war, zeigt sich an den Zehn Geboten, die als Regelwerk für das „Gute“ und das „Menschengerechte“ sowohl religiöses Korsett wie auch ethische Grundlage war.

Das Dilemma dieser Unschärfe besteht darin, dass bis heute die Fundamentalisten mit ihrer Erbarmungslosigkeit viele Regeln bis aufs Blut durchsetzen wollen – im religiösen Umfeld wie in den philosophischen Feldern von Politik und Wirtschaft – und immer zum Schaden der meisten Menschen.

Und genau diese Fundamentalisten (der Schritt zum Terror und Furor ist nicht weit, wie historisch bis heute nachvollzogen werden kann) scheuen die Fragen nach dem „Warum“, dem „Wann“ und dem „Woher“ wie der Teufel das Weihwasser oder die Politik die Transparenz. Denn „Gewissheiten“ bestehen oft nur im Glauben, im Mythos und im Betrug und der Täuschung. Oder in der Besetzung der Begriffe und Auslegung der Bedeutung – also wer das letzte Wort haben darf.

Und da kommen dann immer der Zweifel und die Skepsis zum Tragen. Und das beinhaltet den Zwang danach zu fragen, ob ein „Gott“ sich denn auch mit einer Identity Card ausweisen kann?

Typen wie Trump gerieren sich als Big-Dealer, die gerne in Anspruch nehmen, „Gott“ bei der Überreichung der Zehn Gebote heruntergehandelt zu haben. Leider hätte er dem Kompromiss zustimmen müssen, dass er Gott neben sich dulden müsse, dass Ehebruch noch aufgeführt sei und Mord nicht erlaubt sei. Aber er habe dennoch erreicht, dass die restlichen Gebote dehnbar seien und  dass erst nach ihm alle Kinder ihre Eltern ehren müssten, egal was die Eltern verbrochen hätten.(Das hören auch heute noch weltweit die Altnazis und Faschisten gerne!) So sei zwar das Lügen und falsches Zeugnis ablegen nicht erlaubt, aber das „Wahrlügen“ und alles Nichtpassende als Fake-News zu bezeichnen schon. Mord sei zwar auch nicht erlaubt, aber der Rufmord schon. Und das Trachten nach fremdem Eigentum hätten die USA mit ihrem Bankwesen, der Wallstreet und den Ratingagenturen durch Gewohnheitsrecht in eine legalisierte Form gebracht. Zumindest habe kein Gott ihm bisher dabei widersprochen.

Platon versuchte den Ansatz der Zehn Gebote in einen Tugendkatalog zu fassen. Sein Grundverständnis von Staat und Staatsbürger beschrieb er in seinem Hauptwerk „Der Staat“. Da für ihn der Staat ein abstrahiertes Abbild der Seele des Einzelnen sei, beschrieb er anhand der Tugenden des Einzelnen auch die des idealen Staates. Die Haupttugend sei die Weisheit, in der sich das Wissen von der Idee des Guten sich realisiere. An der Spitze solle deshalb ein Philosophenkönig stehen, jedoch kein Ökonom und kein Politiker. Aber auch Platon konnte Zweifel nicht ausräumen. Denn eine Fee erschien einem dieser Philosophenkönige und bot ihm die Wunscherfüllung eines von drei Wünschen an: Er könne wählen zwischen Weisheit, Ästhetik und 10 Mrd. Goldstücken. Als Idealist wählte der Philosophenkönig die Weisheit. Im selben Augenblick erstarrte er und wurde schreckensbleich. Ein Mitarbeiter fragte besorgt, was denn sei und erhielt die Antwort: „Ich hätte die Goldstücke nehmen sollen!“

Auch in den christlichen Religionen sind seit Jahrhunderten Fundamentalisten aktiv – von den „Domini Canes“ (den Hunden des Herrn) und der Inquisition bis zum „Opus Dei“–Verbund oder von den Kreuzzügen bis zu den fundamentalchristlichen US-Republikanern – und nehmen die Bibel als Kreationisten ebenso wörtlich wie den biblischen Ausspruch „sich die Welt und die Menschen untertan zu machen!“ Eine Nutzungsform der Bibel, in dem sie  als Mittel den Zweck entheiligt.  Aber Hauptsache der Nutzen für die eigene Geldbörse und das versteckte Bankkonto in den Steuerparadiesen ist erreicht. John Stuart Mill steht als „Heiliger“ der Börsen und als Mitbegründer des Utilitarismus dafür Pate. Und so könnte Melanie Trump auf die Idee kommen, diesen verqueren Ansatz von Ethik für alle Eventualitäten zu nutzen: Auf jeden öffentlichen Termin und den davon gemachten Fotos sollen getragener Schmuck den Anschein erwecken, dass sie Reichtümer besitze, die im Falle einer Trennung von Big-Donald die Nachfolgerin vor Neid erblassen lassen solle.

Und Figuren wie Trump fahren auf dieser Nützlichkeit-Ethik (*)ab. Denn diese zu praktizieren ist für ihn wie wollen, nur krasser.

( * Ergänzung vom 20.11.2020: Zitat aus Der Freitag-online: “In seiner Amtszeit hat Donald Trump nur gelogen und getrickst. Was aber, wenn er selbst eine Wahrheit war? Eine Wahrheit über den Zustand einer Gesellschaft, eine Wahrheit über den Zustand der westlichen Welt? Dann wären ja seine Nachfolger, die weniger lügen und weniger tricksen, eigentlich die größere Lüge.” Zitatende; Das aktuelle Wahrlügen, das Hannah Arendt auf Adolf Eichmann bezog.)

In dem Reigen der historischen Philosophen, die Ethik-Modelle hinterlassen haben, gehört nun mal auch Immanuel Kant erwähnt. Er hat jedoch die Gebotsform der Zehn Gebote in ein abstraktes Prinzip verwandelt. Exemplarisch dafür steht der bekannte „kategorische Imperativ“. In Kants Sprache veröffentlicht als „Handle so, dass die Maxime deines Handelns jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte!“.  Hans Jonas hat Kants kategorischen Imperativ weiter entwickelt zum ökologisch-ökonomischen Imperativ: Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten (persönliche Verantwortung übernehmenden) menschlichen Lebens auf Erden.“  Hans Jonas in „Das Prinzip Verantwortung“

Als Verballhornung ist die Formulierung eingängiger und leichter erinnerlich: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das tue auch nicht, was willst du denn? – Eins in die Fresse?“ Auch diese Drohung und Umsetzung sind Figuren wie Trump, Orban, Kaczyński und Erdogan nicht fremd! Die Nützlichkeit von Gewaltanwendung, von Säuberungen, von Kriegen und von Erpressungen haben sie erkannt und zum Credo ihres Handelns bestimmt.

Und nicht zuletzt im historischen Reigen darf Friedrich Nietzsche erwähnt werden. Er ist zwar nicht der erste, aber auch nicht der letzte, der die christliche Ethik – und zu ihr gehören auch die Menschenrechte – ersetzen wollte durch den „Willen zur Macht“. Denn “Gott sei Tod”, hatte er verkündet. Und die Überzeugungskraft der individuellen Stärke gehöre nun mal zum Recht des Einzelnen, sich gegen die Masse durchzusetzen. Ein willkommenes Modell zur Selbsttäuschung und Legitimierung aller Größenwahnsinnigen – vom GröFaZ bis zu Trump und Erdogan mit all den von ihnen verursachten Leiden.

In den modernen Zeiten von Internet und den sozialen Medien (welche Täuschung dieser Begriff vornimmt, weil die größten unsozialen Aktionen auf deren Plattformen ja stattfinden!) geben sich ja mittlerweile jedes Unternehmen von Hinz bis Kunz ethische Spielregeln und sogar „Unternehmensphilosophien“. Und vom Freiberufler bis zu den Klerikern heißt die ethische Rahmengebung nicht selten „Berufsethos“. Und auch da wird nicht selten zur utilitaristischen Praxis gegriffen, selbst in einer Notsituation wie im folgenden Witz ersichtlich:

Eine Bank wird von bewaffneten Verbrechern überfallen. Bankangestellte und anwesende Kunden werden Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände abgenommen. Plötzlich drückt der eine Kunde seinem Freund einen Geldschein in die Hand. „Was ist das?“, flüstert der ihm ins Ohr und erhält zur Antwort: „Die fünfzig Euro die ich dir noch schulde!“

Wie viel Geld wohl in der Stammzellenforschung noch ethisch definiert den Besitzer wechseln wird, ist wohl im Rahmen der ethischen Regelbemühungen der Menschheit ebenso wenig feststellbar, wie die Verteilung der Kosten für die Corona-Krise gerecht vorgenommen werden wird.

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16. November 2020
von JvHS
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Politische Ethik im Parlament – oder die Selbstentmachtung der Legislative

“Gewalt in Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beginnt, wo das Reden und der Diskurs der Vernünftigen aufhört, ausgrenzt und gestört wird. Aber die Störung eines Diskurses und das Unterbinden von Verhandlungen oder die Abgabe der Kontrolle der Exekutive durch das Parlament als  Verantwortung für die Gestaltung und Regelung des menschlichen Zusammenlebens in Staaten ist ebenso eine Ausgrenzung der Vernunft!” (JWB)

“Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.” (Karl Raimund Popper)

“Der Sinn von Politik ist Freiheit.” – Hannah Arendt – Was ist Politik? 

“Diese neue Situation, in der die »Menschheit« faktisch die Rolle übernommen hat, die früher der Natur oder der Geschichte zugeschrieben wurde, würde in diesem Zusammenhang besagen, dass das Recht Rechte zu haben oder das Recht jeden Menschen, zur Menschheit zu gehören, von der Menschheit (auch den Abgeordneten) selbst garantiert werden müsste.” – Hannah Arendt – Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft

“Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?” Hannah Arendt -Vita activa oder vom tätigen Leben, S. 12 

“Eine Welt, die Platz für die Öffentlichkeit haben soll, kann nicht nur für eine Generation errichtet oder nur für die Lebenden geplant sein; sie muss die Lebensspanne sterblicher Menschen übersteigen.” – Vita Activa oder vom tätigen Leben”

“Man kann sagen, dass der Faschismus der alten Kunst zu lügen gewissermaßen eine neue Variante hinzugefügt hat – die teuflischste Variante, die man sich denken kann – nämlich: das Wahrlügen.” – Hannah Arendt – in “Zur Zeit”

“Natürlich ist es »nützlicher«, Unrecht zu tun als Unrecht zu leiden; um des denkenden Dialogs mit mir selbst willen muss gerade dieser Nützlichkeitsstandpunkt aufgegeben werden.” Hannah Arendt – Wahrheit und Politik 

Zu unterscheiden von den falschen Anspornungen zu Regelüberschreitungen – wie sie durch die Corona-Leugner propagiert werden –  ist die parlamentarische Selbstentmachtung. Nicht als Korrektiv der Exekutive aufzutreten, ist durchaus kritikwürdig und macht eine Fehlentwicklung in der parlamentarischen Demokratie offensichtlich. Denn wenn die zeitlich mit der Macht der Vertretung des Volkes ausgestatteten Abgeordneten nicht die Kontrolle und Korrektur der Regierung übernehmen, sind sie überflüssig. Denn dass  handwerkliche Fehler passieren, ist möglich, sie aber nur abnickend durchzuwinken, ist ein Versagen des Parlaments auf der ganzen Linie! 

Dieses Verhalten von vielen Abgeordneten ist auch eine Schwächung der Demokratie (Serie von Wolfgang J. Koschnick), wie die Corona-Leugner dies auf ihre verquere Verbrüderungsart mit Demokratieablehnern wie “Querdenker” es tun.  Heribert Prantl kommentierte dies in seiner Kolumne in der SZ (Süddeutschen Zeitung) vom 14.11.2020. (Wer an der dortigen Paywall scheitert, hat Zugriff darauf über die NDS!) 

Den eigenen Bundestagsabgeordneten fragen, wie er abstimmen wird (ob sich der Fraktionsdisziplin beugend, oder der Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft seines Wahlkreises folgend – nicht nur des Teils, der ihn gewählt hat!), kann auch transparent und öffentlich auf der Plattform “Abgeordneten-Watch” erfolgen. Das Nichtantworten von Abgeordneten ist dabei höchst aufschlussreich! 

In memoriam und Abwandlung des bekannten Spruchs: “Der größte Lump in jedem Land… ist der Parteifreund und Lobbyist auf der Fraktionsbank!” 

 

Weniger ernsthaft  gesprochen ist der noch politisch Interessierte geneigt, zu Werbesprüche zu greifen, wie sie in den Wahlkämpfen dem Wahlvolk präsentiert werden anstelle von Inhalten:

SPD ist wie Currywurst

 CDU ist wie Tanz auf dem BlackRock 

   CSU ist wie Maut in Grimms-Märchen

    Grüne ist wie Klimakterium

      Linke ist wie Zickenkrieg  

       FDP ist wie geplatzter Luftballon

         AfD ist wie  angeketteter Angstbeißer 

Ergänzung vom 17.11.2020

Im EU-Parlament ist die EVP (EU-Parlaments-Abgeordnete/Mitglieder der CDU / CSU sind darin organisiert) gegen eine härte Gangart im Falle Ungarns (Orban) und Polens. Sie unterstützt das destruktive Verhalten/lässt damit zu, dass diese Länder die EU erpresst!  Da scheint wohl bei den Damen und Herren der CDU/CSU das wirtschaftsnahe Hemd der eignen Haut näher zu sein, als der Rock der Verantwortung für eine Orientierung aller EU-Länder an demokratische Grundverständnisse! 

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15. November 2020
von JvHS
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Von den Propheten und Wahrheitsverkündern im Corona-Diskurs zum Thema Lockdown und ihren Wirkungen auf Corona-Leugner

Wie die Plattform der „Achsen-Guten“ immer wieder mit ihren Artikeln den Anschein erweckenden „Aufklärer“ und „Wahrheitsentdecker“ spielt  – möglicherweise auch nur vorbewusstseinsmäßig –, realiter jedoch als Brandstifter oder bestenfalls als Katalysator für die steigende Anzahl an Corona-Leugner und einer grassierende Unvernunft somit mitverantwortlich ist, das zeigt der Artikel des sich ach-so-klug-gebenden „Mahners“, Herrn Robert von Loewenstein. Und der seines Zeichens als unternehmender Jurist oder juristischer Unternehmer – man weiß es nicht so genau – exemplarisch für das Agieren auf der Plattform Verfahrender nutzt die Wirkung der Rhetorik, um seine „Logik“ unters Volk zu streuen.

Er bemüht sogar eine Aussage des Philosophen Julian Nida-Rümeling bei dessen Auftritt in einem TV-Format, um seiner Aussage Reputation zu verleihen. Nur Nida-Rümelin spricht genau jenes an, dass – wie bei Loewenstein auch – die einzige logische Schlussfolgerung sei, die schützenswerten, weil Vorerkrankten (Diabetes, Herzinfarkte, Krebserkrankungen und Alte) besser zu „schützen“, aber die jungen Menschen und die Kinder sollen weiter ohne Lockdown ihre Partys feiern, sich treffen, ihre subjektiven Bedürfnisse ausleben und herumknutschen dürfen. Dass aber genau dieses Verhalten zu den sich ausbreitenden explosiv steigenden Zahlen führen, aus denen auch die Überlastung der Betten für die Intensivbehandlung generiert werden, die eine Behandlung und Operationen für die Betroffenen von o.g. Vorerkrankten dann nicht mehr ermöglichen, diese Schlussfolgerung wird tunlichst nicht erwähnt. Es wird postuliert, dass die Generation der Jugend und auch der feierwütigen älteren Generation  schwere Schäden erleiden würden (welche? Traumata und daraus folgend die Unfähigkeit zum Leben?), wenn sie ihren subjektiven Bedürfnissen und bisherigen Gewohnheiten nicht nachkommen dürfen. Vielleicht sind ja die Stichworte Disziplin und Nachdenken über eine neue Sinngestaltung für ein gelingendes Leben in dieser Argumentation zu kurz gekommen? Vielleicht wird es notwendig und an der Zeit sein, über neue Formen der sinngebenden Lebensformen und den Wegen zu einem gelingenden Leben mit der Jugend zu diskutieren, als die alten Gewohnheiten auf Teufel komm heraus wieder legal oder illegal zu installieren! 

Stattdessen wird die Prämisse der Inzidenzzahlgrenze von 35 respektive von 50 infrage gestellt. Und bei Herrn von Loewenstein werden dazu die  Argumente vorgebracht, dass aufgrund der faktisch vorhandenen, aber nicht erfassbaren Dunkelziffer an Infektionen (bis zu 15-mal höher als vom RKI bekannt gegeben) sowohl eine Nachverfolgbarkeit nicht möglich sei wie auch die Inzidenzzahlgrenze eine unbrauchbare Messgröße wäre, um politische Entscheidungen wie den Lockdown treffen zu können, besonders dann, wenn es Grundrechtseinschränkungen betrifft. An der Kritik der Nachverfolgbarkeit mag die Berechtigung nicht abzustreiten sein, besonders was die Kosten für die Corona-Warn-App betrifft, die anscheinend kaum das damit gewünschte Ziel der Kontrolle der Ausbreitung erreichen lässt. (Das ist allerdings ein Thema, das die Gesellschaft mit dem Gesundheitsminister zu verhandeln hätte.) Das Fehlverhalten der Corona-Leugner ist hier  nicht von betroffen, welche wesentlich ursächlicher ist für die neue Welle der Erkrankten.

Was jedoch in von Loewensteins Argumentationskette fehlt, ist die Antwort auf die Frage, wie denn eine Einschränkung zur Eindämmung der Infektionszahlen erfolgen soll, wenn Teile der Bürgerschaft allgemeine Regeln nicht einhalten wollen? Mit dem Ausklammern wichtiger Diskursanteile wie vorstehend genannt, wird den Leichtfertigen, den Feiertätern, den Ignoranten, den Hotspot und Spreadern ja Spiritus nicht nur in die Kehlen, sondern auch ins Feuer der Corona-Leugnungen geschüttet. Denn große Teile der Bevölkerung sind schon dem Gift des Halbwissens und den Verführungen zu unsinnigen und schädigenden Grenzübertretungen sowie der Verbrüderung mit den gewaltbereiten Vertretern der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit erlegen! Mit der Inzidenzzahlgrenze ist ein leicht verständliches, wenn auch ggf. kritisierbares Messinstrument installiert worden, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Denn leider wirkt auch hier bei uns die „Trump´sche“ Methode der Propaganda-Befeuerung und Versprechungen falscher „Propheten“ und selbsternannter „Wahrheitsverkünder“.   

Zu unterscheiden von den falschen Anspornungen zu Regelüberschreitungen ist dabei die parlamentarische Selbstentmachtung. Nicht als Korrektiv der Exekutive aufzutreten, ist durchaus kritikwürdig und macht eine Fehlentwicklung in der parlamentarischen Demokratie offensichtlich. Denn wenn die zeitlich mit der Macht der Vertretung des Volkes ausgestatteten Abgeordneten nicht die Kontrolle und Korrektur der Regierung übernehmen, sind sie überflüssig. Denn dass  handwerkliche Fehler passieren, ist möglich, sie aber nur abnickend durchzuwinken, ist ein Versagen des Parlaments auf der ganzen Linie!

Ergänzung vom 24.11.2020

Schwedens Sonderweg gescheitert?

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