Johannes von Heinsberg – Bildsprache – Wortsprache

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

13. Mai 2024
von JvHS
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Demokratie – ein besonders schützens- und verteidigungswerter Gesellschaftsvertrag für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden

„Was mich in Amerika am meisten abstößt, ist nicht die herrschende äußerste Freiheit, sondern der geringe Schutz gegen die Tyrannei“. – Alexis de Tocqueville, 1840 in „Über die Demokratie in Amerika“ 

Im Gegensatz zu despotischen Staatsformen – egal ob als politisch-ideologischer oder ökonomischer Diktatur oder als Dynastien vererbter und Reichtums orientierter Macht – ist die Demokratie auf Freiheit in Form des „Mitdenkens der Freiheit des Anderen“, auf Würde, auf Gleichheit, auf Akzeptanz der Menschenrechte und auf kooperativem Friedenswillen aufgebaut!

Oder wie Alexis de Tocqueville (*) formulierte:

„Stellen wir uns eine gesetzgebende Gewalt vor, die die Mehrheit repräsentiert, ohne notwendig der Sklave von den Leidenschaften zu sein: eine ausführende Gewalt, die eine angemessene Macht besitzt, und eine richterliche Gewalt, die von den anderen Gewalten unabhängig ist; auch dann haben wir eine Demokratie, aber für die Tyrannei wird es kaum noch Chancen geben.“

Mit Donald Trump und der abgedrifteten Republikaner-Partei aber ist diese Struktur der Demokratie immer weiter aufgeweicht und verzerrt worden. 

Demokratie – aufbauend auf dem Prinzip der Willensbildung durch die Menschen als eigentlicher Souverän, die für einen begrenzten Zeitraum Mandate an Parlamentarier vergeben zur Bildung einer parlamentarischen Demokratie mit dem Auftrag, im Sinne der oben beschriebenen Demokratieinhalte durch rechtsstaatliche Gesetzgebung für die Bewahrung und Umsetzung von Menschenwürde in Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit auf allen Feldern der Gemeinwohl orientierten Lebensgestaltung zu sorgen und Leben in Frieden zu organisieren. Demokratie in der vorstehenden Form kann und darf niemals eine  parteiendominierte Form  annehmen, in der wenige Personen einer Partei in einer hierarchieförmigen Umgebung die (oft egoistischen) Ziele bestimmen und die potentiellen Mandatsträger und Kandidaten bestimmen! Die mittlerweile in Deutschland degenerierte Form der Parteien-Demokratie gefährdet die Demokratie, weil beeinflusst durch einen Lobbyismus, der Gesinnung vor Verantwortung stellt. Zudem sind in der Parteien-Demokratie der Korruption und Manipulation Tür und Tor geöffnet und manifestiert durch diese Strukturschwäche den Feinden der demokratischen Gesellschaft einen essentiellen Machteinfluss.

Dass diese Gefährdung real ist, zeigen die Parteien in der aktuellen „Ampelregierung“, wobei Gesinnung und individuelle Interessen die Handlungen steuern. Besonders deutlich wird dies von der FDP und seinen Ministern (Lindner!) praktiziert: viele schon vereinbarten Gesetzgebungen blockieren, um die eigene Wählerklientel zu bevorzugen und so die politische Existenz der FDP sichern zu können. Die in der Opposition stehende CDU/CSU mit Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) an der Spitze handelnd brandstiftend zum Schaden der Demokratie, in dem sie Öl ins Feuer der FDP-Blockaden schüttet und notwendige Regelungen verhindert! Damit macht sie sich mitverantwortlich für die Gefährdung der Demokratie, in dem sie die als rechtsextremistisch eingestufte und vom Verfassungsschutz überwachte AfD in ihrer anti-demokratischen Propaganda stärkt und sie nicht an Machtzuwachs hindert, der zum Schaden der Demokratie führt.

Stattdessen stärken die Oppositionsparteien CDU/CSU durch ihre Gesinnung und die Praxis der „Tyrannei der Parteien“  die Gefahr „einer Tyrannei der rechtsextremistischen Mehrheit!“ Dadurch kommen über „hochgeputschte Emotionen“ die unreflektierten Handlungen zum Tragen. Im Rechtsruck von EU-Ländern (Italien, Niederlande, Slowakei, Ungarn u.a.) wird dieser Prozess sichtbar.

Auf diese Art und Weise wird das nichts mit einer „wehrhaften Demokratie!“

(*) Texte aus den letzten 180 Jahren zur Demokratie, Freiheit, Feinde der Gesellschaft und Faschismus:

Rechtsruckstudien:

  1. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/23 
  2. POLITISCHE KULTUR IM FREISTAAT THÜRINGEN

Urteile zur Einstufung der AfD als rechtsextremistisch und vom Verfassungsschutz überwachter Verdachtsfall

  1. OVG – Oberverwaltungsgericht NRW in Münster

Alexis de Tocqueville 

Karl Popper

Hannah Arendt

Umberto Eco

Der ewige Faschismus

Jürgen Habermas
Kommunikation, Diskurs und Deliberation

 

12. Mai 2024
von JvHS
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Warum wählen Menschen anti-demokratische Parteien und sehenden Auges Feinde der Demokratie?

Auf diesem Blog findet der Leser Texte (eine Form der Kommunikation, die auch Zeit in Anspruch nimmt und das Sehen und Verstehen in Form des Durchdenkens in den Mittelpunkt stellt im Gegensatz zur TikTok-Methode, die zwar multikanalförmig = sehen, hören aber den Ablauf dieses Prozesses durch vorgegebene Geschwindigkeit und Menge beeinflussend ohne Rücksicht auf die individuellen und persönlichen Grundlagen!), die Bezug nehmen auf philosophisch-geprägte Gedanken und Erkenntnisse in Form von Aphorismen und Fragen dazu. Gleichzeitig sind die Beiträge hier ein Angebot, die bereitgestellten Informationen der Philosophen und Soziologen darauf hin zu verorten, ob auch heutige Generationen daraus für die eigene Lebensgestaltung lernen können und Lösungen für Konflikte und Probleme finden.

In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag eines großen Philosophen der Aufklärung zum 300sten Mal: Immanuel Kant! Aufklärung ist ein zeitgeschichtlicher Abschnitt, in dem die Fesseln des Absolutismus gedanklich und handelnd abgelegt (Gründung der USA / Französische Revolution) und diese Form der Machtausübung ins Wanken gebracht wurde. Die Grundidee der Menschenrechte (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Solidarität) als Motto der Revolution benötigte noch einen langen Zeitraum und einen beschwerlichen Weg, bis sie auch in Deutschland in eine verfassungsmäßige Form, das Grundgesetz, gegossen wurde und als parlamentarische Republik die Demokratie seit 75 Jahren garantiert.

Immanuel Kant vor 300 Jahren geboren – Erinnerung an einen Aufklärer mit Bedeutung für Philosophie und Gesellschaft

Die Demokratie als Staatform ist jedoch in ständiger Bedrängnis. Sei es, dass Parteien und Gruppierungen á la AfD die Demokratie abschaffen wollen; sei es, dass Konstruktionen á la EU mit ihrer Struktur (schwaches Parlament, unkontrollierte Kommission – die vom „Souverän, von dem alle Macht ausgehen soll in der Staatsform „Demokratie“ –  nicht direkt gewählt wird) echte Demokratie nicht gewährleisten oder durch Wirtschaftssysteme wie dem Neoliberalismus oder dem Staatskapitalismus nach chinesischer Provenienz eine globale parallele Macht installiert haben, die nichts mehr mit dem Grundgedanken der Menschenrechte und der Beachtung der Würde des Menschen zu tun haben.

Ein wesentliches Moment für die Verteidigung und den Erhalt der Demokratie, in der die Menschen dieser Gesellschaft der Souverän sein soll, besteht darin, für welche ethische Grundhaltung der einzelne Mensch sich entscheidet: Gesinnung oder Verantwortung?

Haben die Verteidiger der Menschenrechte gegen die Feinde der freien Gesellschaft gesicherte Rechte und die Mittel zur Abwehr, in diesem Prozess der Verteidigung die Rechte der anti-demokratischen Akteure (Faschisten, Neo-Nazis mit völkisch-unethischer Gesinnung, Despoten, Diktatoren, Egomanen und Terroristen á la Hamas, Hisbollah und Kalifat-Befürworter) einzuschränken? Wie kann der Rechtsstaat in einer Demokratie, in dem die Gewaltenteilung Missbrauch und Konzentration von Macht verhindern soll, die anti-demokratischen Kräfte abwehren?

Was sagen Verfassungsrichter zu diesem Dilemma, das immanentes Problem der Demokratie zu sein scheint? Und auf welchem Rechtsfundament und Rechtsverständnis stehen diese Menschen, wenn sie im NS-Unrechtssystem Einflussgeber waren (Hitlers-Ideologie und Antisemitismus rechtlich begründeten), und dennoch in der Anfangs-Zeit der BRD und der parlamentarischen Demokratie der Adenauer-Regierung wieder Einfluss hatten, wie Carl Schmitt als Völkerrechtler oder Hans Globke, der Mitverfasser der Nürnberger Rassegesetze war und den Adenauer dennoch zum Chef seines Kanzleramtes machte? 

Ein Problemkreis betrifft zudem den Generationenkonflikt, den vor allem Eltern und ihre heranwachsenden Kinder durchleben, wenn der Loslösungsprozess von den Eltern und deren Lebensentwürfen erfolgt.

Sich abwenden von den elterlichen respektive den gesellschaftlichen Werten  ist wohl ein menschliches Verhalten, das in der Phase des Erwachsenwerdens seit Generationen passiert. Der Loslösungsprozess enthält im Kern eine mögliche Weiterentwicklung. Wie aber kommt diese als Weiterentwicklung wirklich zur Entfaltung?

Mit der Loslösung von den elterlichen Lebensweisen und deren Sicht auf die Welt – die in der Kindheit haltgebende Struktur war – sind Irrwege keine Seltenheit und der Reinfall auf manipulierende Egomanen mit ihren giftigen und ausbeutenden Systemen ideologischer Natur dienen oft als Lückenfüller der Orientierungsleere, die nach der Abkehr von den elterlichen Lebensentwürfen entsteht. Welche Methodenkompetenz sollte durch Elternhaus und Schule vermittelt worden sein, wenn der Weg zum Erwachsenendasein beschritten wird?

Da ist einerseits grundlegend die Fähigkeit, dass Konflikte erkannt werden, sowie die Fähigkeit geübt wurde, nicht im Drama-Dreieck von „Täter-Opfer-Helfer“- Rollen stecken zu bleiben. Es setzt voraus, dass Impulskontrolle durch Vernunft als angemessenes Mittel gesteuert wird. Es ist grundlegend, dass Selbst- und Fremdtäuschung erkannt und korrigiert werden. Somit ein „Nein-Sagen“ können zum Handlungs-Repertoire des Erwachsenenverhaltens gehört, um sich von menschenfeindlichen Akteuren, religiösen oder ideologischen Terror-Systemen oder einfach von unterdrückenden Machtverhältnissen befreien zu können.

Wertevermittlung als Orientierungsrahmen ist notwendig. Aber Werte unterscheiden sich andererseits oft deutlich voneinander. Das Festhalten an ewig Gestriges (verklausuliert als „konservativ“) á la Herrenzimmer-Weltsicht, in der Intoleranz als ein Bestandteil des Erhalts von Privilegien und Machteinflüssen sich zeigt, ist ebenso störend für eine Gesellschaft, wie totalitäre Systeme, die despotisch jeglichen Diskurs und jede Opposition unterbinden. (*)

Wie Menschen entgegentreten – die sich über andere erheben, mit körperlicher Gewalt ihren Willen durchsetzen wollen (in den Peergroups oder Banden mäßig), andere unterdrücken, oder in politischen respektive religiösen Systemen mit der Umdeutung der Begriffe und mit der Besetzung von Positionen im Staat eine ganze Gesellschaft unterdrücken, so zum inneren Feind der eigenen Bürger werden – und welche Mittel sind geeignet, Freiheit bewahren und Sicherheit gewähren zu können? Das ist nicht ohne koordinierte und mutige Widersetzung gegen Unterdrückung zu beantworten. 

Einige Kernsätze von Wissenschaftler (Soziologie, Philosophie) beinhalten eine Antwort:

  1. „Freiheit ist nicht möglich, ohne die Freiheit des anderen mitzudenken!“ (Jede Gruppe, jede Religion, jede Gesellschaft inklusive ihrer Staatsform, die diesen Grundgedanken nicht akzeptiert, will nur die eigenen Interessen umsetzen und sollte somit am Machtgewinn von Anfang an gehindert werden!)
  2. „Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.“ ( Karl Raimund Popper) Jeder Angriffskrieg (z.B. Russland gegen Ukraine), jede Gesellschaftsform (Kalifat/Despotie/Diktatur), die mit Terror (Hamas) ihren Anspruch realisieren will, ist ein Feind der freien Gesellschaft und der Demokratie. Diese zu unterstützen oder zu wählen (AfD) bedeutet Mitverantwortung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Missachtung der Grundrechte. Letzteres geschieht auch durch Wirtschaftssysteme wie dem Neoliberalismus oder dem Staatskapitalismus á la China.
  3. Technologien (IT / KI), die als Mittel zur Umsetzung der Pkt. 1 und 2 genutzt werden, sind als Gemeingut zu betrachten und der Privatisierung zu entziehen.“  (Machtgewinn á la Musk mit X(Twitter), X-Link (Satellitensystem)
     oder BlackRock (Vermögensverwaltung mit rd. 10 Bill. Dollar Finanzmacht) sind in ihrem Handlungsumfang den Grund – und Menschenrechten zu unterwerfen, in dem keine Handlung ohne die Berücksichtigung der elementaren Rechte gemacht werden darf.)
  4. Diskurs- und Dialogbereitschaft zur Gestaltung von Gesellschaft gehören zur Allgemeinbildung und zum Kanon der rationalen Fähigkeiten eines jeden Menschen.

Wenn die Gesellschaften die in 1-3 genannten  Zustände  schon überschritten haben, stellt sich die Frage, welche Form des Widerstandes legitim ist.

Einige Impulse sind unter nachfolgenden Links zu finden:

  1. Ist Protest an Dialogbereitschaft gebunden?
  2. Ist Stoizismus ein Weg, die gesellschaftlichen Veränderungen zu ertragen?
  3. Welche Folgen hat die Umdeutung der Begriffe und wie wirken negative Sprachbedeutungen? 

Das eine steht in unserer Macht, das andere nicht. In unserer Macht stehen: Annehmen und Auffassen, Handeln-Wollen, Begehren und Ablehnen – alles, was wir selbst in Gang setzen und zu verantworten haben. Nicht in unserer Macht stehen: unser Körper, unser Besitz, unser gesellschaftliches Ansehen, unsere Stellung – kurz: alles, was wir selbst nicht in Gang setzen und zu verantworten haben.“ – Epiktet

(*)

Mephistophelische und Machiavellistische Politik – die Bühne für Erpressung, Verrat, Korruption und Destruktion der Egomanen

11. Mai 2024
von JvHS
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Alltagsschnipsel IV – Samstag Morgen in der Kreis-Stadt

Augen in der (Groß)-Stadt

  • Wenn du zur Arbeit gehst
  • am frühen Morgen,
  • wenn du am Bahnhof stehst
  • mit deinen Sorgen:
  • da zeigt die Stadt
  • dir asphaltglatt
  • im Menschentrichter
  • Millionen Gesichter:
  • Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
  • die Braue, Pupillen, die Lider –
  • Was war das? vielleicht dein Lebensglück . . .
  • vorbei, verweht, nie wieder.
  •  
  • Du gehst dein Leben lang
  • auf tausend Straßen;
  • du siehst auf deinem Gang,
  • die dich vergaßen.
  • Ein Auge winkt,
  • die Seele klingt;
  • du hasts gefunden,
  • nur für Sekunden . . .
  • Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
  • die Braue, Pupillen, die Lider;
  • Was war das? kein Mensch dreht die Zeit zurück …
  • Vorbei, verweht, nie wieder.
  •  
  • Du mußt auf deinem Gang
  • durch Städte wandern;
  • siehst einen Pulsschlag lang
  • den fremden Andern.
  • Es kann ein Feind sein,
  • es kann ein Freund sein,
  • es kann im Kampfe dein
  • Genosse sein.
  • Es sieht hinüber
  • und zieht vorüber . . .
  • Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
  • die Braue, Pupillen, die Lider.
  • Was war das?
  • Von der großen Menschheit ein Stück!
  • Vorbei, verweht, nie wieder.

Kurt Tucholsky

10. Mai 2024
von JvHS
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Können Erzählungen, Gespräche und Literatur zu mehr Freiheit und Demokratie verhelfen?

Wer kennt von der Altersgruppe der 15-30 Jährigen noch die Nachkriegsliteratur zur Aufarbeitung der Nazi- und Kriegszeit? Da wäre aus dem umfangreichen Kanon exemplarisch zu benennen:

Siegfried Lenz „Deutschstunde“, ein Roman, der von dem Dilemma des bedingungslosen Gehorsams gegenüber dem Nazi-Staat und
seinen Schergen (SD, Gestapo, SS) handelt, in der Freundschaft hinter und unter die formalen Gesetzgebungen der Nazis gestellt wird, weil in dem Terrorstaat das Weltbild der Diktatur gnadenlos durchgesetzt wird, egal ob das Handeln Unterdrückung, Vernichtung oder Zerstörung bedeutet und die Menschen bis in die nachfolgende Generation daran zerbrechen. Hitlers Nazi-Reich steht nur exemplarisch, strukturell sind die DDR-Diktatur (Stasi und SED) oder Putins Russland vergleichbar. 

Heinrich Böll „Wanderer, kommst du nach Spa…“ und „Haus ohne Hüter“ sind Werke, die die Schrecken des 2ten Weltkrieges aufgreifen, die Sinnlosigkeit jeden Eroberungs- und Angriffskrieges nachvollziehbar machen und die Folgen für die Nachkriegszeit beschreiben. Auch wenn die 50er Jahre der Adenauer-Kanzlerschaft – gerade auch durch dessen Entscheidung, zur Funktionsfähigkeit des Staates die alten Funktionsträger aus der Nazi-Zeit wieder zu nutzen, egal welche Verbrechen sie begangen hatten und somit das Weltbild der Nazi-Zeit munter fortwirken konnte – gab es mit Böll, Lenz oder Hochhuth („Der Stellvertreter“) Autoren, die kritisch die bis heute nachwirkenden Versäumnisse der Aufarbeitung der Verbrechen aus den Untiefen der Nazi- Ideologie aufgriffen und vor allem aus der Gemengelage von alten Nazis in einflussreichen Positionen der Politik, Verwaltung, Justiz, Militärs und begünstigte Unternehmer aufgriffen und nachvollziehbar machten. 

In „Haus ohne Hüter“ wird von Böll das Schicksal – man könnte auch sagen, die logische Konsequenz des Todes der Soldaten – der Väter zweier Jugendlichen aufgegriffen, die im Krieg „gefallen“ sind. (Welche Verniedlichung der dafür gebrauchte propagandistische Begriff der Verantwortlichen Deutung platzieren will! Wie wirksam diese Verharmlosung jedoch bei den betroffenen Familien ist und bis heute bei den Menschen aus Russland noch keine Wende in ihrem vergifteten Denken bewirkte, dass dieses Verrecken ehrenvoll sei, das zeigen immer wieder auch die Bildberichte über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine!)

Böll zeigt aber auch auf, dass die „Unfähigkeit zu trauern“ (Mitscherlich) sich gerade darin zeigt, dass die Mütter der Jugendlichen in „Haus ohne Hüter“ gleichgültig bleiben in Sachen Aufarbeitung Nazizeit, selbst als eine der Mütter mit dem Offizier, der für den Tod ihres Mannes und Vaters ihres jugendlichen Sohnes verantwortlich war, eine Beziehung eingeht. Dieses moralische Versagen der Überlebenden, aber auch der alleinerziehenden Mütter wirkt ebenso nach, wie der „Muff“ der Verdrängung der Mitverantwortung für die 12 Jahre unsäglicher Verbrechen. Dass auch die Kirchen teilweise Mitverantwortung tragen und in der Nachkriegszeit keine zukunftsgerichtete Perspektiven entwickelten, das griff Rolf Hochhuth in seinem Werk „Der Stellvertreter“ auf und ist nicht zuletzt am Vertrauensverlust zu den Kirchen, insbesondere  ihren Skandalen um die Missbrauchsfälle sowie an den folgenden bis heute steigenden Austrittszahlen bei den Kirchen zu beobachten. 

Max Frisch betont die Fehlentwicklung der Identität, vor allem durch die Orientierung an den Handlungen, die des eigenen materiellen Vorteil willens zu agieren betrifft. In „Herr Biedermann und die Brandstifter“ steht die Verbrüderung mit falschen Freunden, die strafbewehrte Verbrechen begehen, im Mittelpunkt der menschlichen Fehlentscheidungen. Dass in den unsäglichen TV-Formaten – die das negative Handeln (Mobbing, jedes Mittel nutzend für eigene Vorteile, Hass schürend, Lügen verbreitend, nur auf Äußerlichkeiten achtend) zum zentralen Agieren machen – gerade das negative Vorbild zum Tragen kommt und jegliche  Solidarität und Empathie vermissen lässt, ist ein weiterer Grund dafür, was den feststellbaren und Leid provozierenden Umgang der Menschen betrifft.

Die Reihe der literarischen Werke, die für ein anderes Weltbild stehen, greifen auch Günter Grass mit „Blechtrommel“ (Oskar  Matzerath als symbolische Figur des Widerstands), Jurek Becker mit „Jakob der Lügner“ (als Erzählung über das Leben in einem KZ und der faschistischen Judenverfolgung und den Holocaust), Erich Loest mit „Jungen, die übrigblieben“ (Wie im Film „Die Brücke“ wird auch hier das Thema des Verheizens jugendlicher Soldaten aus ideologischer Verblendung behandelt) oder Alfred Andersch mit „Die Kirschen der Freiheit“ auf. Andersch schreibt über die Desertation als Ausdruck der Erkenntnis über die Sinnlosigkeit des Krieges und eine Form des Widerstands. Hier wird die Aktualität desertierender russischer Soldaten im Ukrainekrieg vorweggenommen. 

Ein Bildungskanon, der weder in den TV-Beiträgen mit den literarischen Verfilmungen angeboten wird, wie das in den 1980er Jahren üblich war, noch in die Lebenswirklichkeit der nachfolgenden Generationen und Jugend integriert wird als ethisch-moralisches Angebot und Alternative zu nationalistisch-faschistischen Weltbilder á la AfD. 

Sicherlich bleibt die Frage, die sich auch der Autor Peter Weiß stellte und zum Ausdruck brachte mit:

„Wer braucht meine (literarische) Arbeit, und kann mein Schreiben helfen, die Erde bewohnbarer zu machen?“ 

Trotz der in dieser Aussage liegenden Hinterfragung kreiste auch die Arbeit „Die Ermittlung“ von Peter Weiß um das Thema der Aufarbeitung der Mitverantwortung und Mittäterschaft der Deutschen im sogenannten „Dritten Reich“. Den viel zu späten Frankfurter Prozess (erst 1964!) gegen die Wachmannschaft des KZ Auschwitz verarbeitet er mit „Zeugenaussagen, Protokolle, Akten und Briefe“ und steht damit in einer Tradition mit Hannah Arendts „Bericht über den Eichmann-Prozess“ in Jerusalem. Weiß betont die Versäumnisse der Adenauer-Regierungszeiten, in der ermöglicht wurde, dass die Justiz der Nachkriegszeit durch die ehemaligen Nazi-Justizvertreter das Ziel, alles „unter den Teppich zu kehren“, erreichte und was die juristische Aufarbeitung der Nazi- Mittäterschaft über Jahre verhinderte. 

Für wenige Jahre (vom Ende der 1960er bis 1982) mag die Frage, ob Kultur (Literatur, Gesprächskreise, TV-Literatur-Verfilmungen) zur Stärkung der Demokratie und der Freiheit betragen können, bejaht werden. Mit der Privatisierung des TV-Bereichs sind Klamauk, Oberflächlichkeit und Pseudo-Wettbewerb körperbetonter Partnerversuche mit sexuellem Voyeurismus und Selbstausbeutung  an die Stelle des respektvollen Umgangs miteinander getreten. 

Realität war auch in den ersten beiden Jahrzehnten nach der Nazi-Terror-Zeit, dass in den Familien so gut wie nicht über diese Zeit gesprochen wurde. Das wiederholte sich ebenso im familiären wie im Freundes-Kreis nach dem Ende des DDR-Systems mit dem Unrechtssystem durch die Stasi und dem SED-Partei-System. 

Zudem erfolgt mehr als dreißig Jahre nach dem Ende der DDR eine nostalgische Verklärung des autoritären Unrechtssystems mit der Wirkung, dass wiederum Parteien und Personen, die für autoritäres, ausgrenzendes und menschenfeindliches Handeln stehen, als „Heilsbringer“ für die aktuellen Probleme eingestuft werden. Der unsägliche „scheinbare Wahlerfolg der AfD“ steht dafür als Beispiel. 

Das Bewusstsein als Fähigkeit zum unabhängigen und vorurteilsfreien Erkennen von Zusammenhängen geht anscheinend bei einem größeren Teil der Menschen in Deutschland verloren. Stattdessen wird einer demokratieablehnenden und manipulierenden Ideologie der rechtsradikalen und faschistischen Weltsicht gefolgt, und Gesinnung an die Stelle der verantwortlichen Vernunft gesetzt. 

Was bleibt zusammenfassend zu schreiben?

Neben den vorhandenen Definitionen und Beschreibungen, was seit jeher die rechtsextremen Parteien wie die AfD oder in den dreißiger Jahren die NSDAP praktizieren und welche Ziele sie haben – bleibt nicht vergessen zu betonen, dass die demokratischen Parteien ihrer Verantwortung aktuell zeitweise nicht gerecht werden. Ein unbestraftes Verhalten für ein strafbewehrtes Handeln á la Andreas Scheuer (CSU) wirkt extrem befeuernd auf den Verlust des Vertrauens der Bevölkerung in die Regierung.

 

10. Mai 2024
von JvHS
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CDU/CSU im Selbsttäuschungsmodus unterwegs – Versäumnisse bei den Beschlussfassungen auf dem Parteitag

Da plustern sich die ewig Gestrigen und Egomanen auf in ihrem Selbsttäuschungsmodus und übersehen in ihrer Verbohrtheit, den „Sozialismus“ zu bekämpfen, dass sie dabei die eigentliche reale und faktische Gefahr verkennen, in dem Rechtsextreme á la Höcke nicht verhindert werden! Die Parteitags-Beschlusslage von 2018 – „keine Zusammenarbeit und keine Wahl eines Politikers einer Partei, deren Vorgänger jahrzehntelang eine sozialistische Diktatur in Ostdeutschland betrieben„(FAZ!) –  wurde nicht korrigiert!

Ein Beitrag in der FAZ vom 10.05.2024 klärt darüber auf, wie sträflich leichtsinnig die CDU mit der realen Gefahr umgeht, dass das demokratische Gefüge durch einen rechtsextremen Ministerpräsidenten in Thüringen zerstört werden kann! Die AfD und Höcke werden den ersten Baustein zum Umbau des demokratischen Staates setzen können. Nach der Adenauer-Ära und dessen Positionierung der Nazis in Machtpositionen von Politik, Verwaltung, Bildung und Gerichtsbarkeit wäre ein AfD-Ministerpräsident die erneute Gefährdung der Demokratie in Deutschland. 

Dass die „heimliche Zuneigung“ eher zum Rechtspopulismus bei CDU/CSU tendiert, das ist ein offenes Geheimnis. Markus Söder (CSU) hat dies im eigenen Landtagswahlkampf im Herbst 2023 praktiziert und belegt dies aktuell mit dem Besuch bei der neofaschistischen italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni und Chefin der ultrarechten Partei Fratelli d’Italia! 

Hier wiederholt sich durch eine Gesinnungspolitik das Starkmachen der anti-demokratischen Kräfte, die schon in den Endjahren der Weimarer Republik die erste Demokratie in Deutschland zerstörte! 

  

Verdammt noch mal … Die Grenzen der Zumutung sind erreicht!

Relative Realitäten – Direkte und indirekte Gefährdungen der menschlichen Existenz

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