Auf den Weg zum Herrenhof mit seinem Renaissance-Torbogen
Herrenhöfe waren Wohnsitze von Gutsbesitzer, die mit besonderen Rechten von ihren Landesherren ausgestattet waren. Dazu gehörten u.a. das Mühlenrecht, das Baurecht, das Jagdrecht, das Recht auf den Zehnten als Abgabe der Bauern, das Weiderecht und das Fischereirecht. Zusätzlich galt oft, dass das Eigentumsrecht an der Kirche damit verbunden war, den Pfarrer zu stellen. All diese Privilegien galten auch für den Herrenhof in Mußbach, Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße.
Das Herrenhaus, 1773/74 im Barockstil erbaut. Im großen Hof – der durch eine teilweise bestehende 5m hohe Mauer als Ringmauer umgeben ist, die das Gut zum Wehrhof machte – liegt dem Herrenhaus gegenüber an der Rückseite der Johanneskirche der Getreidekasten mit dem Storchenturm aus der Renaissance Zeit (1530 und 1589 erbaut). Ergänzt wird das Ensemble aus Kutscherhaus, Kelterhaus und Remise (vor 1500 gebaut), Ställe und Werkstatt sowie einem Arbeiterwohnhaus aus dem Jahr 1815.
Getreidekasten mit Storchenturm
Der Johanniter-Orden war seit 1290 Grundherr in Mußbach, der den Herrenhof mit seinen Liegenschaften über 500 Jahre bewirtschaftete. Auch wenn der Herrenhof im Bauernkrieg (1524-25) von Zerstörung verschont blieb, was wohl der hohen Wehrmauer und der Gesamtanlage als Wehrhof zu verdanken war, blieb der Herrenhof im Dreißigjährigen Krieg vor Verwüstung nicht verschont. Und nur wenige Jahrzehnte nach 1648 und dem Frieden von Münster überrannten Ludwig der XIV. und seine Soldaten die Pfalz und brannten alle Ortschaften links der Rheins nieder.
Wehrmauer (5m hoch) des Herrenhofs in Mußbach
Ab 1689 übernahm der Malteser-Orden den Herrenhof und seine Ländereien in Eigenregie und erhielt den Herrenhof durch ergänzende Bebauungen im Barockstil. Im Zuge der Französischen Revolution musste der Malteser-Orden den Herrenhof und seine
Ländereien an das Französische Heer übergeben. 1806 säkularisierte Napoleon den Herrenhof. Napoleon versteigerte aus Geldnot den Herrenhof im März 1811 wieder. Der Kaufmann Jakob Kraetzer und sein Sohn ersteigerten den Herrenhof und 130 Hektar Acker, Wiesen und Weinberge.
Arbeiterwohnheim des Herrenhofs (1815 erbaut)
Das Gut und seine Ländereien verwalteten die Nachkommen der Familie Kraetzer bis 1899. Der Schwager des letzten Kraetzer-Erben, Otto Sartorius, übernahm den Herrenhof 1899. Der Herrenhof blieb bis 1970 im Besitz der Familie Sartorius und galt als größter Winzerhof in der Pfalz. 1970 verkaufte die Familie Sartorius den Herrenhof und seine Ländereien an das Land Rheinland-Pfalz.
Seit 1983 pachtet die Fördergemeinschaft von Mußbacher Bürger und Vereinen die leerstehenden Teile des Gebäudeensembles mit dem Ziel, ein Kulturzentrum für die Öffentlichkeit zu betreiben. Kunstausstellungen, Konzerte, Theater, Kleinkunstveranstaltungen in einer großen Ausstellungshalle erfolgen im Kelterhaus. Im Getreidekasten befindet sich ein Weinbaumuseum. In den Stallungen befindet sich das Haus der Vereine, das von Musikvereinen und Trachtengruppen genutzt wird. Das Herrenhaus wie auch das Arbeiterhaus blieben in der Nutzung als Wohngebäude der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Wein- und Gartenbau (SLFA).
Herrenhaus (Neues Schaffnerhaus – Barock 1774/75 erbaut) des Herrenhofs mit Brunnen (25m tief)
Der Herrenhof, ein kulturelles und historisches Kleinod von Mußbach, ist nicht nur im Zentrum des Ortes gelegen, sondern ist Mittelpunkt des Vereinslebens und Ort für Ausstellungen und Konzerte.
Mußbach, Winzerort an der Weinstraße.
Leben und Engagement für den Ort und für den Herrenhof.
16. April 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Die Schwierigkeit des Rechtsstaates: Die Totengräber der Demokratie zu bannen durch gerechte Urteile
Die Auswahl der Geschworenen beim Prozess gegen Donald Trump entpuppt sich als Gesinnungsüberprüfung der möglichen Geschworenen. Anstelle der Prüfung, ob eine/ein Geschworene(r) logisch denken, die Aufgabe der Urteilsfindung verantwortlich übernehmen kann und unvoreingenommen ohne Ansehen der Person, die angeklagt ist, die Fakten berücksichtigen kann und wird, erfolgt die gläsern-durchleuchtende Profilierung der Geschworenenkandidaten.
Dieses unsägliche Verfahren zeigt die Schwierigkeit des Rechtsstaates, die Gefährder der Demokratie zu bannen durch gerechte Urteile, wenn diese durch ihre Rechtsanwälte den Rechtsstaat mit allen Tricks verbiegen wollen!
Anstatt dass der Angeklagte durchleuchtet wird, werden die Geschworenen einem Fragenkatalog mit 42 Fragen und Unterfragen unterzogen, der eine Profilierung bedeutet, die den Grundgedanken der Geschworenen-Gerichtsbarkeit skelettiert und den Versuch unternimmt, die Maximierung des ausgewogensten Verurteilungspotenzials zu realisieren. Ein fast unmöglicher Auftrag, der nur der Verzögerung des Prozessbeginns dient, ganz im Sinne der Verteidigung.
Den positivsten Grund für dieses Unternehmen dennoch zu unterstellen, lässt zugleich an John Rawls „Theorie der Gerechtigkeit“ denken. „Gesucht“ würde für den Prozess bedeuten, unter dieser Maxime Geschworene zu finden, die gleichsam ohne gesellschaftliche Erfahrungen und Wissen wären, vergleichbar Rawls Gedankenexperiment „Schleier des Nichtwissens“ entsprungen. Das ist weder pragmatisch, noch im Geiste der Väter der US-Verfassung!
Dabei gilt es vor allem und einzig, den „Schleier der verschwiegenen und verborgenen“ sowie strafrechtlich relevanten Fehlverhalten des Angeklagten Donald Trump zu lüften! Die Besetzung des obersten US-Gerichts (Supreme Court) und die Ernennung neuer Richter auf Lebenszeit mit Gesinnungsgenossen in seiner Präsidentenzeit hatte Trump ja auch nicht einem unwürdigen Durchleuchtungsprozess unterzogen.
16. April 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Fehlende Moral in Politik und Wirtschaft – Lobbyisten als Handlanger und Aktivisten der Machtgierigen
Bedrohungsgeste – „Ich will und werde für einen Tag Diktator sein“.
Aktuell ist weder Gesetz noch Recht, weder Anstand noch Ehre, weder Moral noch Ethik der regulierende „kategorisch-imperative Gerichtshof“ für eine wachsende Menge an Menschen. Stattdessen treten an die Stelle der „Minima Moralia“: Egoismus, Gier, Skrupellosigkeit und Macht. – JWB
„Es ist schwierig, ein großes Vermögen zu erwerben, ungleich schwieriger ist es, dieses mit Anstand auszugeben“, formulierte einmal John D. Rockefeller. Was der Monopolist Rockefeller unterließ, war die Definition von „Anstand“ und was er darunter verstand. Rockefeller gründete 1870 die Standard Oil Co. of Ohio und 1882 den Standard Oil Trust, der 95% des Raffineriegeschäftes der USA kontrollierte. Diesem Geist und dieser Weltsicht folgten in den 1980er Jahren die größten Mineralöl-Konzerne ExxonMobil (Nachfolger der Standard Oil Co.), Chevron, BP und Shell.
Arte-TV zeigt Beitrag “ Klimawandel – Die Macht der Lobbyisten“
So berichtet der Arte-TV- Beitrag „Klimawandel – Die Macht der Lobbyisten“ über das Vorgehen gegen die Klimawandelbedrohung und die Vereinbarungen der Nationen zum Schutz des Klimas, dass 1981 durch Führungskräfte der genannten Unternehmen ein Strategie- und Taktikpapier erstellt wurde, das den Plan enthielt, die Gefährdung des Klimas durch wachsenden CO2-Ausstoß aufgrund ihrer Geschäftstätigkeiten zu leugnen, in dem sie ihre Verantwortlichkeit für den Klimawandel vernebelten und mit Gegenkampagnen die wissenschaftlichen Studien überzogen. Sie finanzierten Lobbyisten (Thinktanks, Kommunikationsexperten) und sponserten Universitäten, damit bereitwillige Wissenschaftler mit Scheinargumenten die Klimaforscher und ihre Studien diskriminierten.
Eine Taktik, die schon die Tabakindustrie Jahrzehnte vorher angewandt hatte, um ein Verbot der Werbung für Tabakprodukte sowie die Verantwortung der Tabakindustrie für Erkrankungen durch Rauchen zu verhindern.
Die Mittel, welche die Tabakindustrie und die Mineralöl-Konzerne nutzten, diese Mittel setzen auch Autokraten und Möchte-Gern-Diktatoren wie Donald Trump und seine Partei der Republikaner oder andere Antidemokraten minderen Formats á la Höcke und AfD ein:
Fakten, die Kritik und Argumente für Fehlverhalten und Gefährdung der Demokratie belegen, werden als Fake-News bezeichnen;
Diskreditierung wissenschaftlicher Studien und ihrer Autoren, welche die Verantwortungslosigkeit und Gefährdung der Demokratie die Protagonisten zeigen;
Kommunikationskampagnen auf allen Medienkanälen gegen Opposition und Kritik bis zum persönlichen Angriff;
Missbrauch politischer Macht bis hin zu strafrechtlich relevanten Handlungen;
Besetzung von Positionen in Legislative, Exekutive und Judikative durch Gesinnungsgenossen;
Beeinflussung der rechtsstaatlichen Verfahren und Schädigung des Rechtsstaates durch Blockade, Verzögerungen und populistische Propaganda mit Aufruhr-Potenzial;
John Rawls „Theorie der Gerechtigkeit“ und der „Schleier des Nichtwissens“ als Gedankenexperiment und Versuch, die Auswahl der Geschworenen im Prozess gegen Donald Trump kategorisieren zu können!
„In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz. Wenn wir uns von Wut beherrschen lassen, geht uns das höchste Vermögen unserer Intelligenz verloren: die Urteilskraft.“ – Dalai Lama
Im April 2023 habe ich über meine Erfahrung mit OpenAI/ChatGPT zum Thema Olaf Scholz berichtet. Kostenlos steht bis heute den Nutzern die Version ChatGPT 3.5 zur Verfügung. Diese Version nutzt alte Datenbank-Daten und die Ergebnisse sind mehr als dürftig. Wer die neue Version 4.0 und aktueller nutzen will, muss eine Bezahlversion als Abo abschließen. Kosten: ab 20 US$/mtl.!
In einem ZDF-Beitrag von Prof. Harald Lesch (Reihe: Leschs Kosmos) werden die positiven Möglichkeiten von KI stärker betont, als die negativen.
Für Recherche und Nutzung von Datenbanken standen bisher für die Verarbeitung von Daten „unterstützende Werkzeuge“ zur Verfügung. Mit ChatGPT erfolge ein Paradigmen-Wechsel, weil selbst generierende Entscheidungen und Handlungen durch Programme und ihre zugrundeliegenden Algorithmen erfolgen.
Deutlich wird im Beitrag von Lesch, dass in allen Bereichen, in denen exemplarisch der Einsatz von KI im Beitrag gezeigt wird, jeweils Versionen von GPT 4.0 zum Einsatz kommen. Damit haben wir eine Entwicklung, in der schon die Nutzung von KI für viele
Menschen wegen der Kosten nicht möglich sein wird.
Der Zweiklassenunterschied beim KI-Einsatz gilt auch für den Bildungsbereich von Schule und Wissenschaft. Da Schulausstattungen in der Verantwortung von Kommunen liegen, bleibt es bei der schon bekannten Ungleichheit im Schulsystem und den Ausstattungen der einzelnen Schulen. Das gilt auch für die Wissenschaft. Beigefügt ist die aktuelle Erfahrung mit der öffentlichen Version GPT3.5 zum Thema Rechtsextremismus. (*) Die so erstellten Ergebnisse sind lächerlich oberflächlich und weit weniger ausführlich als bei Wikipedia.
Alternativen wie über BingAI (die Integration von ChatGPT in die gleichnamige Microsoft-Suchmaschine) und EdgeBrowser – KI sind so deutlich in der Selektion durch Microsoft beeinflusst, so dass eine unabhängige und unbeeinflusste (nicht selektive) Nutzung nicht möglich ist. Wer sehen kann, dass die KI-Technologie in der Hand der großen Konzerne als Geschäftsmodell dient, wie soll KI dann den Zugang zur Welt, zum Wissen und den Erkenntnissen für alle zur Verfügung stellen? Wie kann Freiheit, Gleichheit und Teilnahme dann für die meisten Menschen garantiert werden?
Über die Nutzungseinschränkung der KI durch die Bezahlschranke für die meisten Menschen hinaus, ergeben sich vor allem Fragen hinsichtlich der Einflüsse auf die Gesellschaft und den einzelnen Menschen im Besonderen: Wenn nicht kontrollierbar ist, was und wen die KI-Bilder zeigen, was ist dann noch Realität? Wenn politische und gesellschaftliche Entscheidungen anstehen, wie und worauf kann sich der Mensch noch verlassen? Welche Informationen können tatsächlich noch Orientierung geben?
Wird die Fähigkeit kritisch und selbstständig zu denken (Stichwort: Aufklärung) verkümmern, wenn KI die Ergebnisse und Wertungen vorgibt? Wie kann der Einzelne Fakten prüfen, wenn die Quellen nicht genannt werden, auf die die KI sich bezogen hat?
Wie kann der Missbrauch dieser Technologie verhindert werden, wenn das Verhalten der Menschen sich seit Beginn der Menschheit noch nie so geändert hat, dass Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt verhindert wird?
Wird KI sich selbstständig machen, so dass die Menschen die ethische und reale Kontrolle über die KI verlieren wird? Dann wird KI die Menschen, die Jobs und die Arbeitsplätze in vielen Berufen (Jura und Gerichtsbarkeit, Produktion, Verwaltung, Medizin, Ordnungskräfte, Militär, Bildung, Pflege) ersetzen.
Es bleibt die bisher nicht beantwortete Frage: Wird KI das Leben zum Vorteil aller erleichtern oder wird der Mensch sich selber verzichtbar machen?