Johannes von Heinsberg – Bildsprache – Wortsprache

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

14. April 2024
von JvHS
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Angst – Ausbreitung eines Grundgefühls im Einfluss der Kriege und Massaker

Bildende Kunst

Eine der bekanntesten Bilddarstellungen der Angst schaffte Edvard Munck mit seinem Gemälde „Der Schrei“. Ein Grundgefühl, das weltweit allen Menschen bekannt sein dürfte. Und aktuell aufgrund der Ausbreitung von Kriegen und Massaker (*) immer mehr Menschen überfällt.

Der Autor Prof. Dr. Gunther Wenz, Professor für systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der LMU München, referierte im Rahmen einer Ringvorlesung im Juni 2006 zum Thema: „Der Begriff Angst“. Eine Erinnerung an Sören Kierkegaard (1813 – 1855). 

Lyrik

Was Munck bildnerisch gestaltete, gelingt dem mit Preisen ausgezeichneten Poetry Slams-Teilnehmer und studierten Germanisten Artem Zolotarov mit seiner Lyrik.

Ergänzung zum Themenbereich – Angst

  1. (*) Zeitzeugen – Schilderungen der traumatischen Belastungen im 2. Weltkrieg und durch russische Besatzungs-Soldaten von heute betroffenen Erwachsenen und den Folgen der Gewalt des Welt-Krieges am Beispiel Ursula Dorn – eines der sogenannten „Wolfskinder“. (Die Einleitungsinformation dieses Beitrages auf dem Sender ARD-Alpha lautet: Dieser Film enthält Schilderungen psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt. Die Inhalte können belastend und retraumatisierend wirken.“) Ein nur zu berechtigter Hinweis, der die unfassbar unmenschlichen Erlebnisse von Kinder, Frauen und Männern beschreibt, wie sie auch heute wieder im Krieg Russland gegen die Ukraine und bei Massakern von Terroristen (Hamas gegen Israel-Zivilisten) den Opfern angetan wird und  das zerstörende Leid erleben lassen. Die Spirale der Gewalt durch Reaktionen macht aus den Opfern wieder Täter, die wiederum Opfer  und Leid verursachen. Das „Drama-Dreieck“ verstrickt die betroffenen Menschen in eine unversöhnliche Haltung.                                                                                                                                                   
  2. Interview auf ARD- Alpha von Dr. Manfred Lütz mit dem Prof. für Psychiatrie Otto F. Kernberg , der vor dem „Pathologischen Narzissmus“ á la Hitler, Putin und Trump warnt, und die pathologische Störungen dieser Personen benennt. Diese Störungen sieht Kernberg exemplarisch dafür stehen, wie Machtkonzentration ermöglicht, (ab Minute 23:20 im Film!) dass antidemokratische Autokratieformen  Kriege und Unterdrückung als Mittel der Durchsetzung der narzisstischen Ziele der genannten Personen eingesetzt werden.   

 

14. April 2024
von JvHS
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Philosophisch-politische Gedankenschnipsel II

Illusion der Freiheit

Illusion der Freiheit

Freiheit in ihrer tiefen Krise kennzeichnet den modernen Menschen. Mit den exponentiellen wachsenden Möglichkeiten, sich Freiheiten zu nehmen, in dem die Wahlfreiheit immer größer wird bei gleichzeitig wachsender  Gedanken – und Verantwortungslosigkeit erfährt der Mensch gleichzeitig einen indifferenten Zwang, ist der Schritt zur Sucht nicht weit und bestimmte Verhaltensweisen führen zur Besessenheit und Fremdbestimmung.

Als exemplarisches Beispiel für diesen realen Freiheitsverlust sei auf das Smartphone hingewiesen. Jederzeit den Zugriff auf vielfache Möglichkeiten in der Hosentasche mit sich rumzutragen, bringt den Menschen in eine neue Unfreiheit.

Was geschieht bei Facebook, WhatsApp, Twitter und TikTok mit den Menschen? Was, wie und wann wirken die Einflüsse der Messenger-Inhalte und versprechen  pseudo-wichtige Kriterien für Lebensentwürfe und Gestaltungswege?  Die ständige Teilnahme
und die Suche fluten den Menschen mit oberflächlichen Informationen. Schlagzeilen mit Halbwahrheiten und Lügen ersetzen das Nachdenken und steuern wie im Zwang den Willen. Der freie Wille ist dem Fremdgesteuerten gewichen. Die Fragen nach dem „Warum, Wieso, Weshalb?“ werden nicht mehr gestellt oder wenn, schnell wieder dem gedankenlosen Mitmachen geopfert.

Kommunikation wird den technischen Vorgaben der Apps unterworfen. Der gesenkte Blick beim Gang durch Ort und Zeit ist das äußerliche Kennzeichen. Der Diskurs über Inhalte ist nicht vorgesehen. Die Vorgaben und Inhalte des kommerziell verwertbaren Lebens – als lifetime value – bilden die Strukturen der Lebensweisen für die Masse. Das Kapital als Anbieter dieser Strukturen unterwirft alle Lebensbereiche vom Arbeitsleben bis zur Freizeitgestaltung.

Rahmenbedingungen á la Freihandel ermöglichen den Investoren und Unternehmen weltweit jeden Augenblick des menschlichen Lebens zu kommerzialisieren. Anstelle der Menschenwürde soll im neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsleben der Marktwert
treten, so das Ziel der Freihandelsverträge. Da wird Leben von der eindimensionalen  und lebensverarmenden Seite gedacht und verwaltet. 

Warten auf die Freiheit

Warten auf die Freiheit – aber es gibt keine Freiheit, ohne die Freiheit des anderen mitzudenken!

Die Denkfähigkeit schrumpft auf Imitation und es wird zu oft nur den falschen und fremdbestimmten KI- Erzählungen gefolgt. Die unreflektierte App-Nutzung schult allenfalls die Unmündigkeit. Verstand und Vernunft werden ersetzt mittels technischer Methoden durch Emotionskaskaden á la Dramadreieck. Konfliktlösungsfähigkeiten verkümmern und Selbst- und Fremdtäuschung potenzieren die Selbst- und Fremdausbeutung.

Depression, Burnout und andere Zeiterscheinungen von Krankheiten der „digital generation“ sind Ausdruck der Krise und des Verlusts von Freiheit.

In den Lebenswelten von Facebook und Co. wird in Form der Profile das Leben abgegeben an die Datenverwerter. Die Unmündigkeit verbirgt sich in den Netzwerken, in denen die Datenverwerter vorgeben, was modisch ist,  wie getanzt, gegessen und was gedacht werden soll. Die Abgabe der eigenen Entscheidungen an Facebook und Co. für die Gestaltung des Lebens an die Netzwerke und durch die fremdgesteuerten Strukturen einen Ersatzinhalte. 

Die Leere des eigenen Seins wird mit sinnlosen, nicht hinterfragten Versatzstücken gefüllt. So kommen in Sachen Lebensinhalt immer mehr Lebensinhalts-Zombies zum Vorschein. Um gleichsam noch den letzten Rest des Fühlens zu retten, ist der Schritt in die politische oder a-politische Fremdsteuerung nicht mehr weit. Je nach Sozialisation wird der Inhaltszombie zum Fan von sinnentleerten Privat-TV-Schmonzetten, zum Esoterik-Anhänger, zum AfD-Adepten, zum rechtsextremen und/oder gewaltsüchtigen Fußballhooligan. Extremistische Naturen folgen dann dem IS, wenn fundamentalistische Religionsnetzwerke wirken.

Hoffnung

Hoffnung und Befürchtung

Einfach das Beste zu hoffen, ist kein Lebensmotto, welches die Krise beenden würde. Und die soziale Realität frisst oft die Erkenntnis: „Wenn ich keine Liebe habe, so bin ich nichts!“ Die christliche Ausprägung dieses Gedankens entspricht der Agape des antiken Griechenlands: der Großzügigkeit, der Güte und der Nächstenliebe.

Vielleicht wäre der Wunsch nach Freiheit und Gestaltung des letzten Freiheitswillens, dem selbstbestimmten Zeitpunkt des Sterbens, nicht so evident, würden die echten menschlichen Beziehungen nicht über Facebook-Profile laufen, sondern in emphatischer Gemeinschaft und im realen Zusammensein erlebbar.

Aber am Ende des Lebens wird das selbst bestimmte Lebensende unterbunden, weil der Hospiz-Gedanke als Wartezimmer des Todes ein kommerziell verwertbares Modell darstellt. In der sich ausbreitenden Vereinsamung  bedeutet der Hospiz-Gedanke eventuell auch,  dass der einsame Mensch zumindest nicht alleine sterben muss.

Möge die schöne neue Welt der Roboter gesteuerten Hospize als Optimierungsverwertbarkeit des kommerziellen Sterbens uns jemals verschont bleiben.

 

13. April 2024
von JvHS
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Philosophie und Politik – Leitplanken für die Politik durch Ethik und Moral setzen, unterstützt vom Rechtsstaat

Der Kreis der Ungleichzeitigkeit 

Das Symposium „Philosophie und Politik  anlässlich des 60. Geburtstags von Prof. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin“ – jährt sich im Herbst dieses Jahres zum 10. Mal – ist mit seinen Beiträgen aktueller als gedacht. Als „Geistesfest“ – wie Rainer Forst anmerkte – eine äquivalente Begleitung zu den Irrungen und Wirrungen der Geschehnisse in Politik und Gesellschaft in dem vergangenen Jahrzehnt.  

Die Gastvorträge und Beiträge der geladenen Redner von Jürgen Habermas über Julian Nida-Rümelin, Susan Neiman, Barbara Zehnpfennig bis Rainer Forst , Volker Gerhard und Carl-Friedrich Bethmann und dem Nicht-Philosophen und Ex-Kanzler Gerhard Schröder (dessen Einladung wohl eine Reminiszenz an gemeinsame politische Tage von Nida-Rümelin und Schröder war), lassen die Notwendigkeit erkennen, dass Politik die Leitplanken der philosophischen Wegmarkierungen und Diskursnotwendigkeiten dringender denn je benötigt.

Der Rechtsruck in den Extremismus der AfD ist weiterhin ebenso Gegenstand wie die Kriege (Angriffskrieg Russlands durch Putin und Terrorakte der Hamas) und Massaker fundamentalistischer Religionsfanatiker gegen Israel und dessen Reaktionen und bedürfen der Erkenntnisebene von Ethik und Moral. 

In den einzelnen Video-Beiträgen, die hier zu finden sind , ragt im Sinne einer realistischen Verbrüderung von Philosophie mit der Politik nicht zuletzt der Beitrag von Nida-Rümelin heraus. Normen der Moral und politische Machtinteressen stehen sich nicht selten diametral gegenüber! Welche Fakten zu akzeptieren sind, ob also „alternativlose Vorgaben der Macht“ Merkel`scher Art und Weise hinzunehmen sind, muss im gesellschaftlichen Diskurs erarbeitet werden. Friss oder stirb – solche Vorgaben für die Bevölkerung  aus dem politischen Lager sind obsolet! Das sollten die Regierungsparteikoalitionäre schnell verstehen, um dem Rechtsruck in den europäischen Nationen und auch in der BRD bei den nächsten EU- und Landtags-Wahlen entgegentreten zu können.

Reiner Machterhalt auf Kosten der Demokratie, in dem Gedankenspiele, eine AfD ggfs. in eine Koalition einzubinden, ist ein Verbrechen an den Menschen in diesem Staat. Eine Festlegung, auf keinen Fall mit dieser Ansammlung faschistisch und rassistisch handelnden Dummies eine Koalition zu bilden – weder auf Landes-, noch Bundesebene – ist eine Frage der Zukunft und politischen Glaubwürdigkeit aller Parteien und vor allem der CDU/CSU und muss so schnell wie möglich öffentlich erneut betont werden! 

Die Hoffnung, durch Aufklärung und TV-Diskussionsduelle die Maske der Höcke-AfD herunter zu reißen und ihre wahren Absichten zu präsentieren, dürfte sich als Irrtum erwiesen haben. Aufklärung überzeugt  a priori nicht, der Rechtsstaat muss parallel und wirksam die Grenzen setzen.    

12. April 2024
von JvHS
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Kraft der Kreativität im Widerstreit mit den realen Begebenheiten – Philosophie, Fotografie + bildende Künste

Zur Erkenntnisfähigkeit gehört die Selbsterkenntnis; aber auch jene Fähigkeit, die Selbst- und Fremdtäuschung zu erkennen.

Philosophische und politische Gedankenschnipsel

„Wenn anstelle des Respekts vor der Würde des Menschen die Verwertbarkeit des einzelnen Menschen für die Wirtschaft als Norm für politisches und wirtschaftliches Handeln in den Mittelpunkt gestellt wird, dann manifestiert sich in diesem Handeln eine neue Form der Menschenfeindlichkeit.“ 

Vorausgeschickt sei die Bemerkung erlaubt, dass die hier gezeigten Fotos in keiner Weise an die Fotografien des Sebastião Salgados heranreichen, wenn auf ihn im nachfolgenden Text Bezug genommen wird. Den Fotografen Sebastião Salgado hier zu benennen, den der bekannte Filmemacher Wim Wenders zum Mittelpunkt seines Films „Das Salz der Erde“ machte, liegt auch darin begründet, dass Salgados Wirken ein exemplarisches Beispiel für die Kraft der Kreativität im Widerstreit mit den realen Begebenheit darstellt. 

Es ist an der Zeit, die Skepsis wieder stärker in den Fokus zu stellen, was Politik betrifft. Vor allem, wenn Gesellschaften und ihre Regierungen es nicht schaffen, die Extremisten und Feinde der Gesellschaft in die Schranken zu weisen und ihr unsägliches Agieren zu unterbinden. Die Höckes und Trumps dieser Welt gefährden ebenso die Menschen, wie die Putins dieser Welt. Die These, dass unsere Demokratie am Abgrund steht, ist nicht von der Hand zu weisen. Im Film von Wim Wenders „Das Salz der Erde“  (in Zusammenarbeit mit Salgados Sohn, Juliano) über Sebastião Salgado, sagte jener im Vorfeld zum Film:

«Ich glaube inzwischen, unsere wahre Bestimmung ist es, dass wir uns bewaffnen. Und dass wir uns gegenseitig töten bis zum Ende», sagte Salgado in einem «Spiegel»-Interview. Bei seiner Arbeit in Kriegsgebieten habe er unvorstellbare Brutalität erlebt. «Dieses Wissen über uns Menschen, das ich durch mein Leben als Fotograf erlangt habe – ich sage Ihnen, dieses Wissen ist kaum auszuhalten. Ich habe den Glauben an uns verloren.»

Soweit ist die Skepsis beim mir noch nicht gediehen, aber dass ein solches Fazit am Ende des Arbeitslebens gezogen werden kann, ist nachvollziehbar, wenn auch nicht nachzueifern. Manchmal hilft dann das Studium der Philosophen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Rahmenbedingungen für ein Leben nicht durch Kriege und Oligarchien diktiert werden.

Es hat sich am beschriebenen Zustand der jeweiligen historischen Zeitgeiste bis heute nichts verbessert. Und so manches Mal ergibt sich die Handeln ist berechtigt. Dennoch ist es weiterhin notwendig, den Blick nicht abzuwenden von der Erkenntnis, dass es „kein richtiges Leben im falschen“ (Theodor W. Adorno – Minima Moralia) geben kann.  

Den Glauben an die Menschen nicht verlieren

Den Glauben an die Menschen nicht ganz zu verlieren – obwohl Typen wie Trump, Putin, Erdogan, XiJinping sich gleichen bei der Praktizierung der Unmenschlichkeit, der Menschenfeindlichkeit und ihrer Verbrechen gegen die Menschlichkeit und genügend Anlass dazu geben würden, den Glauben zu verlieren –  muss die Botschaft auch und gerade in den aktuellen Situationen des Angriffskriege (Ukrainekrieg)  und Terroraktionen der Hamas lauten, den Mut nicht zu verlieren. Wie das gelingen kann, dazu sind einerseits die Erkenntnisse der Philosophen ebenso Hoffnung gebend, wie auch das Wissen um die Kraft der Kreativität in der bildenden, schreibenden und Musik machenden Kunst.

In lockerer Reihenfolge werden deshalb Bezüge zur Fotografie und bildenden Kunst gezogen. Wobei für mich in Sebastião Salgado Fotografie die sozialdokumentarischen Porträts des Lebens der Menschen und des Lebens der Natur sich vereinen. Themen wie Klimaschutz, Armut und Reichtum und Krieg, die aktuell den Menschen auf der Seele brennen. In der bildenden Kunst sind die Pendants nicht zuletzt Gerhard Richter und quer durch die Kunstgeschichte bekannte Künstler für mich Anregung sowie ihre Werke ein ästhetischer Genuss.

Fotografie als Kunst und kreatives Mittel

Fotokunst ist eine eigenständige Kunstproduktion und Ausdrucksform wie sie zugleich auch eingebettet ist in die Entwicklung der verschiedenen Kunststile. Die Technik der Fotografie und ihre Gestaltungsmittel sind dabei die Grenzen des Mediums, egal ob auf die durchaus vorhandenen Unterschiede von analoger und digitaler Fotografie sich bezogen wird.

Die Kooperation zwischen Fotografie, grafischer und malerischer Darstellungsmittel lässt sich schon in der Frühzeit der Fotografie nachvollziehen. So diente die Fotografie als „Skizze“ ebenso für die Landschaftsmalerei wie für die Collage. Die gemeinsamen Schnittmengen vereinigen sich in der Technik der Collage und Montage, in der das Gesamtwerk nur durch Fotografien und/oder schon digital veränderten Fotos erstellt wird. Stilmittel und Technik fließen ineinander und ergeben ein eigenes Sujet.

Während in der Zeit der analogen Fotografie noch die Fotos als „Schnipsel“ der Collage und Montage einen Abzug notwendig machten, ist durch die digitale Fotografie mit ihren Verfremdungsfiltern und Farb- und Kontrastanpassungen das kreative Arbeiten deutlich flexibler und variabler ermöglicht worden.

Mit der Fotografie – die in ihrem Ursprung das Festhalten einen Augenblicks und die Reduktion auf ein zweidimensionales Sehergebnis ist, das zudem mit der Begrenzung des Seh- und Wiedergabewinkels einer Gestaltungsform unterworfen ist, die gestalterisch genutzt werden kann – wird das Einfrieren eines Ausschnitts der Realität in jedem Foto praktiziert. Dieser Ausschnitt ist einerseits die Chance auf die Konzentration eines Teils einer sehr begrenzten Realität, so dass Fotografie erst in der Serie den Zusammenhang von Raum und Zeit zeigt. 

Subjektivität und Objektivität der Fotografie

„In jedem Bild gibt es zwei Personen: Den Fotografen/Künstler und den Betrachter.“ – Ansel Adams

Ob dieser Ausschnitt einer Wirklichkeit auch einen historisch objektiven Bezug repräsentiert, darüber lässt sich trefflich streiten. Denn die Deutung und Bedeutung des im konkreten Foto gezeigten Ausschnitts hat sowohl subjektive wie kulturelle Ausformungen. Und vor Manipulation und Fälschung ist auch dieses Medium nicht gefeit.

Die streng formalen Zeitdokumente industrieller Architektur von Bernd und Hilla Becher –  ( ein Teil ihrer Schüler aus der von ihnen gegründeten „Düsseldorfer Photoschule“ mit dem Gruppennamen „Struffsky“ umfassen die Fotokünstler Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth) – sind von ebenso bestechender Ästhetik wie Salgados Fotografie. 

11. April 2024
von JvHS
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Schönheit einer Kulturlandschaft, die Heimat sein könnte, in der die Menschen in Frieden leben könnten!

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ ( Ernst Bloch – Prinzip Hoffnung)

Gefährdet ist die Geschichte ebenso wie der Mensch selbst – gehört er einer bestimmten, nämlich wenig selbstbestimmten gesellschaftlichen Gruppe an! Und damit ist nicht zuletzt die Demokratie als Staats- und Gesellschaftsform gefährdet. Entwurzelt sind zu viele Menschen, weil ihnen die Arbeit genommen wurde und deswegen auch die Möglichkeit, als Schaffender und Gestaltender die eigenen Gegebenheiten (Sozialisation) umzugestalten, um somit seinen Lebensentwurf zu verwirklichen.

Entfremdet von den ihn umgebenden Gesetzen wie Hartz IV, von Fremdbestimmtheit und von den gesellschaftlichen Konzepten der wenigen, einflussreichen Vermögenden und der falschen Heilsverkündern á la AfD-Populisten und Egomanen á la Trump, Orban und Erdogan. Denn letztere bauen die freie Meinung, die unmanipulierten Wahlen, den Rechtsstaat und die Freiheit der Andersdenkenden ab.

Es sind die von Armut betroffenen Menschen, für die es keine Arbeitsplätze geben wird, weil die einfachen Tätigkeiten längst verlagert oder abgebaut wurden. Es sind die Entlohnungskonzepte des Niedriglohnsektors Deutschland, dessen Aufgabe es nicht zuletzt ist, die Angst des Mittelstandes zu schüren. Und es ist die Sozialneidkampagne, welche die Regenbogenpresse und das Privatfernsehen schüren, die schon so oft gezündet hat, wenn das kritische Augenmerk zu sehr auf die verheerende Wirkung der Realität für die eine Million Langzeitarbeitslosen und die rund sieben Millionen Hartz IV-Aufstocker / Bürgergeldbezieher gelegt wurde. Die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten rund 18 Millionen Menschen in Deutschland machen seit Jahren rund ein Fünftel der Bevölkerung aus.

Passend dazu kommt die Unfähigkeit und Überforderung der meisten Menschen, den Datenfluss mit falschen, halbwahren und zu schnell verbreiteten Informationen zu filtern und mittels eines die Fakten prüfenden Blickes korrekt einzuordnen. Wer kann die Messung und die korrekte Einschätzung der wirtschaftlichen und politischen Realität mit seinen Wahrnehmungen noch leisten im Alltag? Die Menge und der kurze Takt überfordern jeden Menschen, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Jeden Menschen – auch den gewählten Abgeordneten! Der Ausweg wird nicht selten gesucht im Ersetzen der Fakten durch Gesinnung. Anstelle der objektiven Prüfung der Gegebenheiten tritt das vorgefertigte Bild des vorschnell Urteilenden, verbreitet auch durch die Medien, die sich dem Diktat der Agenturen und des Verleger-Weltbildes beugen. 

Das emotionsgeleitete Weltbild  ersetzt vernunftbestimmte Realität. Und die Lüge, die schnell verbreitet wird, (nicht selten als Machenschaft von den Geheimdiensten in die Welt gesetzt worden), tritt an die Stelle sachbezogenen Wahrnehmung. Eine von Politik genutzte Strategie zur Durchsetzung der Macht der Regierenden, wie bei Theresa May in 2018 oder zur Erreichung der Rache- und Machtsicherungsziele wie bei George W. Bush in 2003. Der äußere Feind wird zum Sündenbock und dient zur Ablenkung von den nach innen vorherrschenden Problemen. Die Brandstifter haben wieder Konjunktur und Krieg zu schüren gehört zum Handwerkszeug der Vernebelung. Und Angriffs-Kriege zu führen (Ukrainekrieg durch Putins-Russland) und die Zerstörung der Lebensgrundlagen vorzunehmen oder als  Cyberangriff auf die Infrastruktur (Stromversorgung, Krankenhäuser) durchzuführen, sind ebenso Eskalationsstufen der Unterdrückung wie die Terror-Angriffe der Hamas auf Zivilisten mit hasserfüllten Massakern unmenschlichster Taten.

Realität und objektive Wahrnehmung treiben immer mehr auseinander – statt Vernunft nur noch die negativen Gefühle von Hass, Gier, Neid und Rache, die zur Gewalt gegen gruppenbezogene Menschenfeindbilder führen. Der Rechtsruck ist in Gang gesetzt und die Populisten spielen ihr Lied auf der Leier der niedrigen Emotionen. Welche Antworten wird es geben auf die Fragen: wie binden wir die Millionen von Menschen ein, für die die Arbeitsgegebenheiten nicht mehr vorhanden sind? Die große Veränderung kommt erst noch, wenn auch die Berufe erfasst sind, für die noch ein hoher Bildungsabschluss notwendig ist! Die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) sind noch gar nicht erfasst und in die Entwicklung der Gesellschaft eingespeist!

Von rund 4000 Berufsbildern und ihren Kerntätigkeiten kann die Digitalisierung bei durchschnittlich rund 75 % aller Tätigkeiten und Fertigkeiten den Menschen ersetzen! Die Industrie und die Konzerne als Kapitaleigner erhöhen Produktivität und Gewinne, an denen dann noch mehr Millionen Menschen nicht mehr beteiligt sind. Wie wird dann die Beteiligung an den gesellschaftlichen Kosten verteilt sein? Wer von diesen den Gegebenheiten entfremdeten Menschen darf dann wie noch existieren?

Und wir sind dann wieder weiter entfernt von dem „worin die Kindheit weist, aber noch nie jemand wirklich war: der Heimat im Rahmen des friedlichen Zusammenlebens und der sozialen Sicherheit!“ 

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