License: This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license Source Author: Takahiro Kyono
„Marianne and the child / The days of kindness / I haven’t forgotten / It lives in my spine.“- Cohen
Einige Zeilen aus Leonard Cohens Gedicht für seine Lebenspartnerin Marianne Ihlen, einer Norwegerin, mit der er auf der griechischen Insel Hydra zusammen gelebt hat. „Die nächsten fünf Jahre lebten Marianne, Leonard und Lille-Axel (Mariannes Sohn) wie eine Familie zusammen – die meiste Zeit auf Hydra, wo sich Cohen von der Erbschaft seiner Großmutter inzwischen ein kleines Haus gekauft hatte.“, beschreibt die Journalistin Kari Hesthamar in ihrem Interview-Artikel mit Marianne 50 Jahr später einen Abschnitt aus Cohens Leben, das von 1960 bis 1967 er überwiegend als Schriftsteller und Roman-Autor führte. Für Leonard Cohen gehörte diese Zeit zu den kreativsten Perioden überhaupt. Er veröffentlichte fünf Bücher: zwei Romane und drei Gedichtbände.
Mit den Zeilen „Marianne and the child / The days of kindness / I haven’t forgotten / It lives in my spine“, wird Cohens Lyrik sichtbar: In der Zeile It lives in my spine codiert Cohen mit dem Wort „Rücken“ einerseits die Wirbelsäule, welche die Nerven im Rückenmark schützt. Andererseits vergleicht er den Begriff mit der Aufgabe des Buchrücken – auf den der Titel dieses „Lebensabschnittes“ und dem auf Hydra geführten Leben mit Marianne gedruckt steht.
Die Synergie des Schriftstellers und des Musikers Cohen kommen immer wieder in seinen Songtexten zum Vorschein. Cohens Songtexte sind die Wirbelsäule seiner musikalischen Botschaft. Seine Stimme ist die Farbe seiner Musik und die instrumentelle Begleitung wie der Hintergrundgesang der Körper seiner Kompositionen. In der durchlebten Sozialisation – von der Erarbeitung der lyrischen Texte bis zum Ringen mit seinen Produzenten um die Kompilationen und den Lebensphasen des Rückzugs in den Zen-Buddhismus – entstand ein Gesamtwerk an poetischen Songs, in denen die Titel „So long, Marianne“, „Suzanne“, „Famos Blue Raincoat“, „First We Take Manhattan“, „Chelsea Hotel No. 2.“, „Sisters of Mercy“ und dem Welthit „Hallelujah“ herausragten und oft gecovert wurden. In dem TV-Beitrag auf Arte: Hallelujah – Leonard Cohen – ein Leben – ein Lied / „Leonard Cohen – Live in London“ lässt sich die Reise dieses Songs nachvollziehen, der auf dem Vorgänger-Film beruht. (Im Artikel „Das Leid mit dem Lied“ in der „Die Zeit“ beschrieben.) –
Sein erstes Album „Songs of Leonard Cohen“ definiert Cohens Musikstil aus dem Umfeld der „Folk-Rock“- Musik der Protest- und sozialkritischen Songwriter von Joan Baez und Bob Dylan Anfang der 1960er Jahre in den USA mit den Textinhalten als zentrale Rolle der jeweiligen Songs. Bei Cohen inspiriert von der eigenen Sozialisation und den ihn nicht selten treffenden depressiven Phasen und Stimmungen. Seine Songstimme ist nicht die größte Stärke und durch die begrenzte Stimmhöhe erinnert sie an Chansons. Cohen schafft jedoch durch seine Persönlichkeit, die vor allem in der Auszeit im Kloster zu einer besonderen Überzeugung gereift ist, die Menschen bei seinen Auftritten zu faszinieren und mitzureißen. So ist es nicht verwunderlich, dass seine Fans sich wünschten, ihn bei seinem 90sten Geburtstag noch einmal auf der Bühne erleben zu können.
20. September 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Bibers Werk
„Der Mensch ist gleich […] dem Biber von Natur schon ein staatenbildendes Tier “ – Aristoteles
Ob der Biber-Bau mit Eingang unter Wasser schon staatenbildend genannt werden kann, sei dahin gestellt. Er folgt seiner Natur, der Biber kann nicht anders. Um ans leckere Grün heranzukommen, werden schon mal Bäume gefällt. Und um seinem genetisch verankerten Trieb zu folgen, staut das Tier Gewässer und gestaltet seine Welt um. Ob dem Biber in Frankreich nationalistische Prägungen eigen sind, ist fraglich. Genauso wie die Unterstellung, er würde seine Mutter: „Madame“ nennen! Da ist es wohl zutreffender, wenn auf die Frage, wo der Biber schläft, die Antwort: „Im Flussbett“ durchaus nicht unwahr sein dürfte.
Der Mensch fällt nicht nur Bäume, er fällt auch Urteile, manche voreilig und ohne Nachdenken. Aristoteles verortete den Menschen als „zoon politikon“ – als politisches Tier. Ob darüber hinaus der Bereich „sozial“ mitgedacht war, bedarf eines neuen Diskurses!
19. September 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Nebel über der Stadt
So bleiben Realitäten unscharf und der Mensch erliegt den Täuschungen.
Ungleichzeitigkeiten feiern fröhliche Urstände.
Erkenntnisdifferenzen verschaffen den Anti-Demokraten Macht.
17. September 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Der „gesunde Menschenverstand“ – zwischen Intoleranz, Vorurteil und Missbrauch durch ideologische Populisten
Die alte Herrenzimmeridylle – oder die „Tugenden“ der völkisch-populistischen Weltsicht der Nationalkonservativen
„Der gesunde Menschenverstand ist die Summe aller Vorurteile, die sich bis zum 18. Lebensjahr im Bewusstsein festgesetzt haben“ – Albert Einstein
Der freie Mensch handelt niemals arglistig, sondern stets aufrichtig.“ – Baruch de Spinoza, Ethik
„Der fundamentale Akt der Freiheit ist der des Verzichtes auf Unterjochung eines Unterjochbaren, der Akt des »Seinlassens«.“ – Robert Spaemann, „Handbuch philosophischer Grundbegriffe“
„Der Geist der Wahrheit und der Geist der Freiheit – dies sind die Stützen der Gesellschaft.“ – Henrik Ibsen, Stützen der Gesellschaft, 1877
„Der Glaube an eine größere und bessere Zukunft ist einer der mächtigsten Feinde gegenwärtiger Freiheit.“ – Aldous Huxley, Wissenschaft, Freiheit und Frieden
„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“ – Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag
Während Papst Franziskus 2013 für die Kirche betete, damit sie weiter wachse und gestärkt werde und dabei den „gesunden Menschenverstand“ in den kritischen Blick nahm (Quelle: Radio Vatikan), machte Hubert Aiwanger 2021 politisch Stimmung im Sinne seines Weltverständnisse. Die SZ (Glosse von Maximilian Gerl) nannte Aiwangers Vorstellung, was „gesunder Menschenverstand“ sei, zwar noch eine Art von Meinungsfreiheit, betitelte Aiwangers Aussagen jedoch als intellektuelle Hohlphrasen!
Wohlwollend darf der so oft genutzte wie auch missverstandene Begriff „gesunder Menschenverstand“ dann angeführt werden, wenn im Rahmen des Alltagsgeschehen das Verhalten der Menschen für die Gefahrenabwendung nachvollziehbar ist: wer nicht auf die viel zu dünne Eisdecke eines Gewässers ohne Prüfung tritt, dem würde jeder für diese Entscheidung einen „gesunden Menschenverstand“ bescheinigen. Das gleiche wäre auch denjenigen zu bescheinigen, die niemals eine Autobahn zu Fuß überqueren würden, während der Verkehr unaufhörlich auf allen Spuren an einem vorbeirauscht.
Albert Einstein, der den „gesunden Menschenverstand“ kritisch hinterfragte, wusste von der prägenden Kraft der Sozialisation, die vor allem hinsichtlich gemachter negativer Erfahrungen und fehlender Fertigkeiten und Fähigkeiten für Konfliktlösungen oder Regeln für das Zusammenleben, dass der „gesunde Menschenverstand“ die Summe von Vorurteilen, Hassgefühlen und Gewaltbereitschaft sein könnte.
Der „gesunde Menschenverstand“ ist somit in der Summe ein Weltbild (ein Verständnis von der Welt), dass durch ideologische und soziologische Inhalte geprägt wird. Der „gesunde Menschenverstand“ kann somit kein allgemeingültiger Maßstab sein, der wegen seiner politisch-ideologischen Prägung und der individuellen Sozialisation sich unterschiedlich verortet und zudem manipulierbar ist.
Kant versuchte eine Differenzierung zwischen dem „gesunden Menschenverstand“ und dem „Gemeinsinn“, also jene breitgefasste Stimmung und Meinung in einer Gesellschaft, in der die subjektive Beurteilung (Ampel-Regierung mach Politik am Menschen vorbei/ AfD sei die bessere Wahl) sich als allgemein geteilte Urteile kumulieren und in der Wertung als öffentliche Meinung sich entwickelt haben, ohne dass tatsächlich „die Idee eines gemeinschaftlichen Sinnes, das heißt eines Beurteilungsvermögens …, welches in seiner Reflexion auf die Vorstellungsart jedes anderen in Gedanken (a priori) Rücksicht nimmt, um gleichsam an die gesamte Menschenvernunft sein Urteil zu halten und dadurch der Illusion zu entgehen, die aus subjectiven Privatbedingungen, welche leicht für objectiv gehalten werden könnten, auf das Urtheil nachtheiligen Einfluß haben würde.“ (Zitat: Kant)
Der Philosoph Immanuel Kant betonte, dass der so geartete „gesunde Menschenverstand“ unkritisch an festen Vorstellungen hänge und sich Gegenargumenten verweigere; Rene Descartes (Philosoph) vermerkte, dass dem sogenannten „gesunden Menschenverstand“ fehle, was den wirklich menschlichen Verstand ausmache: Skepsis, Analyse, Induktion, Prüfung!
Zusammenfassender Kommentar zum Thema „gesunder Menschenverstand“
Auf den „gesunden Menschenverstand“ wird sich immer dann berufen, wenn dem Begriffsanwender die sachlichen Argumente ausgehen. Auch wird dieses Pseudoverstandesmodell angerufen, wenn die populistische Verkürzung der Argumentation twitternd ihre Runde macht und aggressiv gegenüber einer Kritik auftritt, die methodisch Ratio und Logik als Wegweiser der Erkenntnis nutzt. Stammtischniveau wird zur argumentativen Basis des „gesunden Menschenverstandes“ erklärt. Nicht selten ist jene Haltung, die im „gesunden Menschenverstand“ durch alle Poren schimmert, nichts anderes als Intoleranz. Toleranz gegenüber Andersdenkenden wird als krank machend empfunden und verhindere die als alternativlos erklärte Überwachung und Kontrolle. Überhaupt wird Freiheit einer undefinierten Sicherheit geopfert. Wer dagegen eigenständiges Denken fordert und den gesunden Menschenverstand als Schubladendenken entlarvt, wird als Gutmensch beschimpft und in autokraten und didaktorischen Staaten als Landesverräter bezeichnet und seiner Freiheit beraubt.
Der „gesunde Menschenverstand-Anwender“ benötigt scheinbar seine Schubladen. Die können auf- und zugemacht werden. Darin verschwinden lassen will der „gesunde Menschenverstand-Besitzer“ das komplexe Leben, die Mitgestaltung der Gesellschaft und das eigenständige Denken.
Offen ist der „gesunde Menschenverstand“ dagegen für propagandistische Rezepte des vorurteilenden Schubladen-Denkens. Wer diesen so geprägten „gesunden Menschenverstand“ anwendet, erhält das nicht einhaltbare Versprechen, dass dieses geartete Denken und Fühlen das Leben erleichtere. Der „gesunde Menschenverstand“ wird somit zur Belohnung eines gehorsamen Volkes. Seine Ausdrucksfähigkeit entstammt der geschwätzigen Oberflächlichkeit der Regenbogenpresse, ist zudem aber auch die Folge der gezielten Sprachmanipulation durch rechtskonservative und neoliberale Sprachmuster. Aktuell beherrschen die völkisch-rechtsextremistischen Denkmodelle in vielen Landesteilen die Wahlentscheidungen der Menschen. (Thüringen, Sachsen, Brandenburg)
Die Medien und Kommunikations-Unternehmen der rechten Populisten (einschließlich der unseligen Kanäle der sozialen Medien á la TikTok, Twitter/X etc.) machen sich diese zunutze. Das virtuelle und virale Sein bestimmt das Bewusstsein. Meinungsfreiheit, Redefreiheit und Freiheit der Kommunikation sind längst bei Google, Facebook und Twitter/X von den rechtsnationalistisch-rechtsextremistischen Parteien beeinflusst worden. Figuren wie Donald Trump platzieren ihre eigenen Plattformen, um wirre und verlogene Manipulationen in die Welt zu posaunen.
Autokratien (Ungarn, Türkei) und Diktaturen (Russland, Iran, China) filtern, selektieren und unterdrücken neben den Inhalten auch die Verbreitungskanäle. Das machen sie Hand in Hand mit den Geheimdiensten und den Ordnungskräften. Während letztere Länder ihre staatliche Macht nutzen, um nur bestimmte Freiheiten noch zuzulassen, senkt sich die Waage von Freiheit oder Sicherheit in den Demokratien immer mehr in Richtung Überwachung! (Sicherheit aber für wen? Für das gesamte Volk oder nur für eine bestimmte Klientel?). IT-Unternehmen und Datensammler (Google, Facebook und Twitter/X) nutzen ihre Netzwerke und Infrastruktur als Geschäftsmodell, in dem sie mit den Meinungen, mit der Redefreiheit und den persönlichen Gedanken ihren Profit machen.
Die Datenvereinnahmung macht sie weltweit zum Besitzer und Beeinflusser des Denkens und Fühlens der Menschen. Sie stehlen den Menschen die Gedanken, das Wissen und die Verfügungsgewalt darüber aufgrund eines Systems, das als Vertragsgrundlage lediglich den Zugang zu einer Technologie (Internet) definiert, welche diese Unternehmen nicht erfunden haben. Flankiert von einer Politik, die solches Geschäftsgebaren mit schwammigen Gesetzen eine Pseudogrundlage gibt.
Dieser unheilvollen Allianz von Politik, Staat und wenigen Unternehmen frönt der „gesunde Menschenverstand-Besitzer“ mit huldvoller Zuneigung und gedankenlosem Gebrauch der eigenen Daten, die sich widerspiegelt in der Äußerung: „Ich habe nichts zu verbergen…“. Ein exemplarischer Beleg für Selbst- und Fremdtäuschung. Als sei diese Äußerung die Absolutionsformel für jegliche Ausbeutung, Überwachung, Meinungsmanipulation und Meinungsunterdrückung durch die Datensammler-Konzerne.
Die Ungleichzeitigkeit des Erkennens und Handelns feiert wieder fröhliche Urstände zugunsten der neoliberalen Weltsicht. Diese Ausformung des „gesunden Menschenverstandes“ ist die Ursache für die schleichende Zerstörung der Demokratie. Wenn Politik und demokratische Staaten die Freiheit der Sicherheit opfern, bekommt am Ende beides nicht! Wenn die Demokratie verloren geht, bleiben nur noch Autokratien und Diktaturen.
16. September 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Kunst in der Fabrik III – erfrischende Bandbreite von Malerei, Fotografie über Keramik-Objekte bis zu Keramik- und Holz-Skulpturen
Fünf KünstlerInnen präsentieren Skulpturen und Objekte aus Keramik, Holz und Metall. Ulrich Hollwitz erweitert mit seinen Fotografien den ästhetischen Genuss und die Palette der künstlerischen Ausdrucksmittel. Seine Fotografie greift Gesehenes auf mit dem Mittel der Fotografie, nicht als Abbild, sondern als gestaltetes Bild, das Dinge begreiflich machen will und durch die Gestaltungsmöglichkeiten der digitalen Bearbeitung eine Umdeutung und Erweiterung vornimmt. So schafft eine Abstrahierung der Fotografie eine Verbindung zur abstrakten Malerei.
Ulrich Hollwitz – Fotografie
Die Kettensäge ist das dominierende Werkzeug für Peter Röttges, mit dem er seine Objekte und Skulpturen aus Holz direkt aus dem Baumstamm gestaltet. Farbiges Nacharbeiten oder auch die Skulpturen in Bronze gießend, verarbeitet er die Reste der Baumstammes zu Collagen.
Peter Röttges
Peter Röttges – Holzskulpturen
Peter Röttges – Bronze Skulpturen
Marile Heinens Skulpturen werden aus Ton gearbeitet, die immer wieder in der Grundform des Menschen enden. Ihre Verarbeitung der Einzelfiguren oder Paare wirken in ihrer Erscheinungsform wie aus Stein gemeißelt. Mit ihrer Platzierung im Raum ergibt sich eine wie selbstverständlich erscheinende Inbesitznahme des Raumes, als mischen sie sich unter die anwesenden Besucher. Wie Wesen, die zum Leben der Menschen und ihrem kommunikativen Miteinander dazugehören würden.
Im Dialog mit Marile Heinen – Skulpturen Hintergrund: Marianna Kalkhofen Werke
Marile Heinen – Skulpturen und die Wandfahnen von Marinna Kalkhofen
„Gert Jägers Œuvre zeichnet sich durch eine Vielzahl von Stilen und Ausdrucksformen aus. Seine Formenpalette reicht von der strengen architektonischen Form bis hin zur abstrakten organischen Struktur , die in einer vielschichtigen Materialität realisiert wird. Bei der Umsetzung seiner künstlerischen Ideen sind Metall und Stahl die bevorzugten Werkstoffe.“
So wird Gert Jäger mit seinem Skulpturen und in seiner künstlerischen Charakterisierung und Verortung im Werkkatalog der Ausstellung „Kunst in der Fabrik – 2024“ beschrieben.
Kunst in der Fabrik II – berichtet über die KünstlerInnen aus dem Bereich Malerei