Johannes von Heinsberg – Bildsprache – Wortsprache

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

10. August 2024
von JvHS
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Blickfang2

„Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche dringt, tut es auf eigene Gefahr. Wer dem Symbol nachgeht, tut es auf eigene Gefahr. In Wahrheit spiegelt die Kunst den Betrachter und nicht das Leben.“  – Oscar Wilde (Das Bildnis des Dorian Gray ) 

Blickfang

 

9. August 2024
von JvHS
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Still ruht der See – einfach so

Wie der stille See seinen dunklen Grund in der tiefen Quelle hat, so …. 

  • Was Mangel hat, das macht Geräusch; was voll ist, das ist eben still.
  • Halbleerem Kruge gleicht der Tor, der Weise ist wie voller See. 

(Buddha)

  • Tiefe Stille herrscht im Wasser,
  • Ohne Regung ruht das Meer,
  • Und bekümmert sieht der Schiffer
  • Glatte Fläche ringsumher.
  • Keine Luft von keiner Seite!
  • Todesstille fürchterlich!
  • In der ungeheuern Tiefe
  • Reget keine Welle sich. 

(Johann Wolfgang von Goethe)

8. August 2024
von JvHS
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Rückwärts analysieren, vorwärts transformierend denken, jedoch selten danach handeln!

Sisyphos-Arbeit für den Abbau der Armut und zum Ausbau des Sozialstaates – doppelt belastet durch Kriege und einer wenig konstruktiven Arbeit der Ampel-Koalition. 

Die Friedensbewegung Ende  der 1970er und Anfang der 1980er Jahren war Ausdruck der gesellschaftspolitischen Entwicklung, die einerseits von der realen Bedrohung der Blöcke des „Kalten Krieges“ durch Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen und den beiden Teilen Deutschlands als Schlachtfeld für diesen apokalyptischen Krieg beeinflusst wurde.

Andererseits vom Weltbild einer Generation bestimmt wurde, die begonnen hatte, die Dominanz der rechtskonservativen und in Teilen noch immer heimlich die Gesinnung der unseligen Nazidiktatur nachhängenden  Weltkrieg II-Generation zu durchbrechen. Ein Zeitgeist, der intellektuell das Weltbild „unter den Talaren, den Muff von tausend Jahren“ ablösen wollte. Ein zeitgeistiges Weltbild, das bestimmt war von dem Bedürfnis nach einem Leben, das von einer befreienden, demokratischen und offenen Gesellschaft fasziniert war und diesem Lebensgefühl mittels fortschrittlicher Theoriebildung eine Basis vermittelte. Ein Lebensgefühl, das Philipp Felsch, Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Uni in Berlin,  in seinem Buch „Der lange Sommer der Theorie“ grandios wiedergibt und in der das „Lesen“ von Texten wie „Theorie der Gerechtigkeit“ (John Rawls) oder „Minima Moralia“ (Th.W. Adorno) oder „Mikrophysik der Macht“ (Michel Foucault) u.v.a. die dahinter erkennbare „Theorie“ als Kategorie des Verständnisses von Geschichte begründet. Oder wie im Buch formuliert wird: in der die Beschäftigung mit philosophischen, literarischen und avantgardistischen Themen das selbständige „Denken“ ermöglicht, weil unberührt und noch frei von „Twitter/X“, „TikTok“- und „Facebook/WhatsApp“-Gängelung und Oberflächlichkeit.

Demonstrationen brillierten durch die schiere Menge der Demonstrierende, aber auch durch die seriöse Qualität und Wahrhaftigkeit der Redner. Hass und realisierte Gewalt wie sie in den extremistischen Aufläufen der „Ultras“ der Fußball-Szene, durch Rechtsextreme, Autonome der Linksextreme oder auch durch extremistische Muslime der Hamas, Hisbollah und IS-Fanatiker mittlerweile Gang und Gäbe sind, waren im Rahmen der Friedensbewegung nicht zu vermerken.

Rückwärts analysierend dürfte – nostalgische Aspekte ausklammernd – schlussfolgernd als Fazit übrigbleiben: es waren Illusionen, die Arroganz der Macht der regierenden Politik zu durchbrechen! So bleibt ein gefärbtes Bild zurück, das genügend Ansätze für Selbstkritik liefert!

Protest gegen die Nachrüstungspläne – eine Erinnerung

Nostalgisch die Fahne des „Ich war dabei“ vor sich hertragend und im Lehnstuhl zurückgelehnt in den romantisierenden Erinnerungen schwelgend – vielleicht noch etwas weinerlich das Gefühl der heroischen Tatkraft konservierend – an die Formen der eigenen „Friedensarbeit“ denkend und sich selbsttäuschend auf die Schulter zu klopfen und dann in Richtung der jüngeren Generationen vorwurfsvoll äußernd : „Wir haben wenigstens noch protestiert und sind auf die Straße gegangen für den Erhalt des Friedens!“, das wird bei der Generation „Z“ nichts bewegen und noch weniger bewirken! Erst recht nicht bei den politischen wie religiösen Fanatikern des Anti-Semitismus, der Terror-Anhänger von Hamas, Hisbollah und IS, oder der rassistischen, fremdenfeindlichen Gewaltanhänger der AfD/Junge Alternative und Reichsbürger-Verwirrten.
Es liegt auf der Hand, dass Historie sich so nicht vermitteln lässt. Und eine Grundlage für ein adäquates Vorgehen im Rahmen der aktuellen Friedensmöglichkeiten lässt sich daraus auch nicht ableiten.

Klar, vor 40 Jahren war der Autor einer der rund 300.000 Teilnehmer des Protestes gegen den Nachrüstungsplan von Helmut Schmidt (damaliger SPD-Bundeskanzler) in Bonn beim Hofgarten-Auftritt der Redner (unter anderem von Willy Brandt). Heroisch war diese Teilnahme keineswegs. Eher von grundsätzlichen Bedürfnissen begleitet wie: Wo ist die nächste Toilette? Verdammt, wer hat Wasser zum Trinken dabei? Drängle doch nicht so? Knall mir doch nicht dein blödes Fahnentuch ständig ins Gesicht! Wie kommen wir wieder rechtzeitig zum Bahnhof, um den Heimweg noch vor Mitternacht antreten zu können?

Rückwirkend analysiert, es war eher vergleichbar wie bei jeder Großveranstaltung: die Teilnehmer wurden wie die Lemminge vorwärts geschoben. Heroisch wäre eher die Herkulesaufgabe gewesen, sich seitwärts aus dem Strom der Menge heraus zu bewegen. Wenn es auch laut war wie bei allen Arten solcher Veranstaltungen, war es jedoch keineswegs vergleichbar mit dem grölenden Machogehabe der vielen Sportfans und „Ultras“ auf dem Weg in die Stadien.

Die Geschichte steuerte aber weiterhin an den Menschen vorbei, an jenen 300.000 in Bonn ebenso wie an den noch weniger politisch Interessierten. Denn was damals das politische Establishment in ihren Blasen plante und durchführte, war damals wie heute an den Interessen der meisten Menschen vorbei. Ronald Reagan, Margret Thatcher und die neoliberalistischen Strippenzieher trieben sowohl den Rüstungswettkampf im kalten Krieg voran, als auch die „Chicago Boys des Neoliberalismus“ (Chicago School of Economics / Milton Friedman-USA und Friedrich August von Hayek-Europa) die Maximierung der Vermögensvermehr , die u.a. neben dem Abbau des Sozialstaates auch den Umbau der Arbeitswelt zum Ziel hatte, in dem die Arbeitsnehmervertretung bis ins Mark geschwächt werden sollte.

Zurück zur Friedensbewegung. Heute ist dieser Inhalt kaum noch von Bedeutung bei der Partei „Die Grünen“, obwohl gerade in Sachen Atomkraftwerke und Friedensbewegung diese Partei aus den damals – die breiten Gesellschaftsschichten bewegenden –  Themen entstanden ist. „Die größten Kritiker der Elche, sind heute selber welche!“ formulierte F.W. Bernstein treffend, Was nichts anderes bedeutet, als dass das heutige Führungspersonal der Grünen vor 40 Jahren noch im Kindergartenalter war, aber die Philosophie der Bürgerbewegung mittlerweile ins Gegenteil verkehrt haben: aus Friedenskämpfern sind „kalte Krieger“ geworden.
Argumentativ verteidigt wird dieser Wertewandel dann mit dem Begriff: Modernisierung.

Neoliberalismus und seine Folgen

Bleiben wir beim analytischen Teil dessen, wohin die Personen aus dem Establishment unsere Geschichte beeinflussend hingesteuert haben. Was hat der Neoliberalismus verursacht? (*)

  1. Die (Menschen)-Rechte der Arbeitnehmer sind extrem eingeschränkt worden. Gewerkschaften sind von außen wie innen geschwächt worden und als Gegenpol der Arbeitgeber aktuell kaum noch wahrnehmbar.
  2. Gleichzeitig sind die „Freiheiten“ der Arbeitgeber extrem erweitert worden. Die Privatisierung der Arbeitsvermittlung und Arbeitsberatung führte zu einem
    System mit Ausbeutungspotenzial. (Hartz IV; Leiharbeit, Zeitarbeitsverträge, Niedriglohnsystematik).
  3. Globale Monopolisierung vieler Wirtschaftsbereiche und Freihandelsverträge vergrößerten die Macht der Konzerne, die einerseits sich der Politik und ihrer Regulierungsstruktur entzogen und gleichzeitig mit supranationalen Strukturen (EU) eine Plattform erhielten, ihren Einfluss durch die wachsende Finanzwirtschaftsmacht effektiv zu entfalten.
  4. Das Prinzip, die Kosten zu verallgemeinern und die Gewinne zu privatisieren, ließ sich immer besser installieren und durchsetzen.
  5. Neben der Entwicklung von Oligarchien in den Ökonomien entstanden gleichzeitig Autokratien und Diktaturen auf der Ebene der Staaten. Demokratien wurden zurückgedrängt und geschwächt.
  6. Geopolitisch haben wir einen Zustand, in dem eine skrupellose sozialdarwinistische Ökonomie zu Systemen geführt hat (Putin-Russland; Xi Jinping-China; Bolsonaros-Brasilien; Trumpismus in den USA, Erdogans antidemokratische Autokratie in der Türkei und Orbans-anti-demokratische und anti-EU-Autokratie in Ungarn viele andere weltweit), die für ihre Machtausdehnung oder den Machterhalt vor Kriegen nicht zurückschrecken. Eine neue negative Dimension ist zur Unberechenbarkeit gewachsen: dass solche Staaten und ihr Führungspersonal über den Besitz von Atomwaffen verfügen.

Fazit:

Wir haben einen gesellschaftlich-politischen und ökonomischem Zustand erreicht, in dem Systeme wie das von Putin temporär die Richtung vorbestimmen: Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung im Sinne der Menschenrechte sind ins Hintertreffen geraten. Auch weil es mal wieder „zu spät geworden ist“, für eine Abwahl oder Absetzung dieser Typen, in dem unter diesen Vorzeichen ein solidarisches „Miteinander“ noch gelebt werden könnte. Alle Wege führen wieder zur Aufrüstung und zur Kriegsbereitschaft, weil ein rechtzeitiges Handeln – gerade auch der jeweiligen Bevölkerung oben genannter Beispiele – nicht erfolgte. Die nun wirkenden Politikmodelle haben immer mehr die Kontrolle der Bevölkerung realisiert, sowie die Unterdrückung und Maßregelung bis hin zur Vernichtung der Opposition.

Die Kosten der damit verbundenen Infrastruktur (Waffensysteme zur Abwehr, Militärausgaben steigern) belasten die staatlichen Haushalte, die gleichzeitig auf notwendige Ausgaben für Bildung, Gesundheit, Renten, Klimaschutz u.a. verzichten muss, weil die Finanz-Ressourcen nicht ausreichen. Wenn zudem noch die Barrieren der neoliberalen Ideologie weiter ausgebaut werden (FDP und ihre Weigerung, Steuergerechtigkeit durch Steuererhöhungen bei Vermögen, bei Gewinne, bei Erbschaften und Transaktions-Steuern bei den Börsengeschäften herbei zu führen), dann steht es schlecht für den Abbau der Spaltung der Gesellschaft. 

( * Fußnote: Textteile verwendet von einem Beitrag aus 2022)

7. August 2024
von JvHS
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Zukunftsgestaltung – vorwärts denken und rückwärts urteilend bedenken. Die Gesellschaft mitgestalten!

Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist  das Wissen, das wir an Information verloren haben? “ – T.S. Eliot       (Original: »Where is the wisdom we lost in knowledge? Where is the knowledge we lost in information?« )  

„Sie lebten asynchron: In einer Zeit dachten, in einer anderen empfanden, in einer dritten handelten sie.“ – schrieb Roger Willemsen in seinem nie vollendeten letzten Werk „Wer wir waren“. Wer, wie und was waren wir in der Corona-Zeit? Welches Leben war zu beobachten? Wer, wie und was sind wir in Zeiten der grenzenlosen Gewalt und Hass-Entfaltung durch Angriffskriege, Kriegsverbrechen und Terror á la Hamas, IS, Hisbollah und den Vergeltungsschlägen?

Asynchron leben, das war nicht nur zu Corona-Zeiten die Beschreibung menschliches Verhalten. Es ist heute nicht anders, wenn Politik und Gesellschaft gleichermaßen gefordert sind, Rassismus, Anti-Semitismus, Rechtsextremismus und Regelverletzungen durch religiöse und ideologische Propaganda, sowie Neoliberalismus in die Schranken zu weisen und menschenfeindliches Denken und Handeln mit dem Ziel der Demokratiezerstörung nicht zuzulassen.

Menschen sind nicht mehr eins mit sich selber, mit der Natur und mit den Mitmenschen. Und oft genug geschieht in diesen wie in jenen Zeiten, dass nicht einmal mehr gedacht wird, das Empfinden für sich wie für die anderen Wesen unterdrückt und abgestorben ist und das Handeln robotergleich vollzogen wird. Entweder entbehrend jeglicher Vernunft oder im Rausch des „Scheiß-Egal-Seins!“ und reduziert auf eine gefühlsgesteuerte biologische Masse namens homo sapiens.

Und so finden sich die weiteren Sätze Willemsen in seinen Aufzeichnungen, als beschriebe er die Jahre 2020-2024:
„Ja, wir wussten viel und fühlten wenig. Wir durften es nicht fühlen und hörten doch T.S. Eliot fragen: »Where is the wisdom we lost in knowledge? Where is the knowledge we lost in information?« Hörten es und häuften noch mehr Informationen auf. Als brauchten wir zum Handeln einen neuen Klimabericht, einen neuen Schadensbericht über die Weltmeere, den Regenwald, die grassierende Armut. Aber aus all den Fakten ist keine Praxisentsprungen, die auf der Höhe der drohenden Zukunft wäre.“ (Wobei KI -Künstliche Intelligenz sich genauso trügerisch entwickelt, wie die versprochene Sicherheit der Daten in den Cloud-Systemen sich als trügerisch erwiesen hat! Anmerkung des Blog-Autors)

Und nun nehmen wir es hin, dass die Kaste der Politiker á la FDP und Koalitionäre ihre Dekrete blockierend verkünden, Verordnungen verteilen und das Leben der ihnen anvertrauten Menschen reglementieren, einschränken und begrenzen, weil Regierungen und Richtlinienkompetenz-Inhaber meinen, dies tun zu können, da die ihnen von den Bürgern temporär verliehene Macht sie dazu ermächtige. Sie gleichzeitig aber so weit entfernt von der Wirklichkeit und dem Leben der meisten Staatsbürger entfernt sind, dass sie keinerlei Wissen über die Nöte der normalen Menschen haben, noch dass sie Mitgefühl für sie empfinden.

Verfassungen und Grundgesetze werden dabei nicht selten ignoriert. Politik und Staat, sprich: die Menschen, die Funktionen übernommen haben – die in einem System (nennen wir es Demokratie) eingerichtet wurden zur Verwaltung, Steuerung und Ordnung des Zusammenlebens – sowohl ideologisch wie auch normativ handeln, und mit ihrem parteiorientierten Egoismus bei vielen Menschen für einen Vertrauensverlust in den Staat sorgten. Jene Menschen  – manipuliert von Antidemokraten á la AfD und Extremisten – dazu brachten und bringen, ihrer Verantwortung für die Freiheit und die Demokratie nicht nachzukommen. Sie ist ihnen längst genommen worden in vielen Staaten weltweit, weil sie zugelassen haben, dass autokratische Figuren ihre Macht autoritär verteidigen oder in destruktive Machteroberung umsetzen wollen. 

Zukunftsgestaltung haben sie Google und Big-Data-Sammlern mit ihren Datenbanken überlassen, ebenso wie sie jegliches Denken den Populisten überlassen haben. Nun – da die persönlichen Gewohnheiten von den Sachzwängen der Pandemie und den neoliberalen Ursachen für Rezession und den Kriegen geändert werden, der Ablauf des Lebens nicht mehr von Konsum, materieller Freizeitgestaltung und permanenten Feiern geprägt wird, weil ein Virus die Menschen auf sich selber zurückgeworfen hat, Lebensentwürfe durch Kriege und Bankrott zerstörten wurden – da wird klar, wir sind alle nicht mehr zukunftsgestaltend,  wenn wir beim gewohnten Egoismus bleiben. Wir sind in dieser neoliberalen Welt umgeben von menschenfeindlichen und freiheitsbeschränkenden Strukturen. Und dazu nicht mehr allzu weit entfernt von den Zuständen wie in den weltweiten Diktaturen. 

Es ist wieder eine Zeit des Wandels gekommen! Dabei darf nicht rückwärts gedacht werden, um das Rückständige, das Nationale, das Kriegstreiben und den Hass als Normalität installieren zu wollen. Zum Vorwärtsdenken gehört beim menschenförderlichen Wandel, dass Konzepte und Ideen, wie sie in der Sozialenzyklika „Fratelli Tutti“ des Papst Franziskus benannt sind, in den Mittelpunkt der notwendigen Veränderung gestellt werden müssen. Oder ergänzend wie im Ansatz von Amartya Sen/Martha Nussbaum “Capability Approach”-Modell eine Umsetzung erfolgen muss, begleitet von der Erkenntnis, dass gesellschaftlicher Wohlstand nicht alleine am Wirtschaftswachstum zu messen ist, wie der gierige finanz- und vermögensorientierte Neoliberalismus dies verkündet.

Amartya Sen betont mit seinem Modell, die Entwicklungsmöglichkeiten der Armen und Schwächsten einzubeziehen. Solidarität und Verhandlungsbereitschaft als essentielle Tugenden zur Erhaltung der Demokratie sind zu stärken. Zur Zielerreichung der globalen Gerechtigkeit sind nach seinem Verständnis der Abbau der sozialen Ungleichheit vor allem in Bezug auf Bildung und Gesundheit vorrangig in den Fokus zu nehmen und die Ressourcen dafür bereitzustellen.

Dem Mythos der zu verteidigenden Kulturen (westliche Wertegemeinschaft/ abzugrenzende und auszugrenzende Ethnien) durch Kriege setzt er entgegen, dass es keinen Krieg der Kulturen geben darf, weil die einzige Identität heißen kann, wir sind weltweit alle gleichberechtigte Menschen!

Die Baustellen-Inhalte an denen Regierungskoalitionen sich orientieren müssen,  lauten:

Freiheit vorleben, Einschränkungen der Grundrechte zurücknehmen, Klimawandel berücksichtigen und Energiewende realisieren, Frieden sichern – Kriege beenden, Steueroasen austrocknen, Gewinne sozialisieren und zur Kostendeckung des Sozialstaates und des Gemeinwohls einsetzen, Armut beseitigen, Algorithmen der Künstlichen Intelligenz der menschenrechtlichen Ethik unterwerfen.

Wir wollen überleben und mitbestimmen mit dem Ziel, unsere Lebensentwürfe so zu gestalten, dass ein lebenswertes Leben ermöglicht wird!

Das vorläufige Ende dieses Beitrages mag wiederum mit Zitaten von Roger Willemsen beschrieben werden, wenn die Aufgaben von allen Menschen angepackt werden, um unsere Baustellen des sozialen Lebens bewusst und selbstverantwortlich zu bewältigen unter Einbezug der nachstehenden Erkenntnisse und der dort beschriebenen Verwerfungen:
„Von den bewusstseinsbildenden Prozessen der Kultur kann nicht gesprochen werden, ohne zu fragen, unter welchen Bedingungen Bewusstsein heute überhaupt zustande kommt“.

Und weiter:

„Der Anspruch an die Disziplin auf allen Feldern bringt Querulanten, Hysteriker, Choleriker, Amokläufer hervor, der Anspruch an die Leistungsfähigkeit (im neoliberalen System) Versager, Ausgebrannte, Depressive, Menschen, die am Projekt der Selbstwerdung scheitern und sich zwischen den öffentlichen Parametern verlorengehen mit dem Refrain: Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr.“

Sowie:

„Die Souveränität ging von den Staaten auf Finanzsysteme und Konzerne über. Autonomie wurde in immer kleinere Zonen zurückgedrängt, radikal verstanden: undenkbar.
Zugleich aber blies sich das Individuum auf in nie dagewesener, nie möglich erschienener Datenfülle aus dem Einzelleben, das bald ein einziges großes, gleichgeordnetes Massenleben war, das sich in Massenchoreographien durch die Städte wälzte. Und während sich all dies vollzog, wurde das  eigene Ich erreicht von einer Müdigkeit, einem Welken, einem Überdruss an sich selbst, dem es die letzten Selfies ohnmächtig hinterherwarf.“

Und so muss die Arbeit an den Baustellen lauten, dass wir gerade jenes nicht wollen, was Willemsen gegen Ende seines Textes schrieb:

„Wir agierten auf der Schwelle – von der Macht des Einzelmenschen zur Macht der Verhältnisse. Von der Macht der Verhältnisse in die Entmündigung durch Dinge, denen wir Namen gaben wie »System«, »Ordnung«, »Marktsituation«, »Wettbewerbsfähigkeit«. Ihnen zu genügen, nannten wir »Realismus« oder »politische Vernunft«. Auf unserem Überleben bestanden wir nicht.“

Wer jedoch glaubt, dass Parteien á la AfD ein menschenwürdiges Leben garantiere, der macht sich mitverantwortlich für die Entwicklung zum erneuten Unrechtssystem. Die Menschen in den Bundesländern des Ostens würden nicht nur der Fremdtäuschung der Rechtsextremen aufsitzen, sondern jenes wieder ermöglichen, von dem sie sich 1989 so bravourös befreit hatten! 

Alltagsschnipsel – Lago am Morgen oder die politisch-gesellschaftliche Lage der USA am Abend

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