Johannes von Heinsberg – Bildsprache – Wortsprache

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

24. Februar 2024
von JvHS
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Angriffskrieg bleibt Angriffskrieg – Kriegsverbrechen bleiben Kriegsverbrechen und Terror bleibt Terror

Ostermärsche standen einmal symbolisch für die Friedensbewegung – heute ergreift selbst die Friedenstaube die Flucht vor der skrupellosen Gewalt der Angriffskriege und Kriegsverbrechen und Terroranschläge

Um es klar und deutlich zu machen: Russland hat den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Punkt! Das bleibt auch nach nunmehr zwei Jahren Krieg!

Die Verantwortung für den Angriffskrieg gegen die Ukraine liegt bei Putin und seiner Regierungs-Entourage. Ebenso liegt sie bei diesen Personen und Gruppen für die Kriegsverbrechen, die in der Ukraine begangen wurden und noch begangen werden. Von der Wagner- und Prigoschin-Gruppe (*) bis zur Bande um Kadyrow und den originären Truppen der Armee.

(*) (Mittlerweile ist der Chef der Gruppe nach einem Aufstand gegen Putin, der abgebrochen wurde, bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.)

Die historisch belegten und in relativer geschichtlicher Nähe begangenen Kriege anderer Nationen sind jeweils in ihrem eigenen Licht der Verantwortung zu betrachten. Diese immer wieder als Argumente für eine „Verteidigung“ Putins und seines Angriffskrieges gegen ein souveränes Land einzubringen, ist nicht nur infantil, sondern entbehrt jeder Legitimation. Da helfen auch keine Lügen und Propaganda.
Die Motive der geführten Kriege sind oft die gleichen: die der geopolitischen Machterweiterung. Die Rüstungsindustrie, die für die Umsetzung dieser Ziele die Waffen liefert, frisst die finanziellen Ressourcen der direkt beteiligten und betroffenen Nationen. Indirekt lösen Kriege immer auch weltweit Krisen, Hungersnöte und Leid aus. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen und ökologischen Belastungen Auslöser für Krisen, wie wir sie gerade erleben.

Wann ist die Friedensbewegung wieder als demokratische Kraft wirksam?
Eine Friedensbewegung ist in der Vermeidung von Kriegen im Vorfeld immer eine mehr als notwendige Kraft. Deshalb sind die Menschen in jeder einzelnen Nation dafür verantwortlich, die Machtkonzentration auf Egomanen, Tyrannen und Autokraten zu verhindern und sich für Mitbestimmungsstrukturen einzusetzen, die dies ermöglichen, bevor mal wieder alles zu spät ist.

Wenn dies versäumt wurde und es zu Machtkonzentration wie in Nordkorea, in der Türkei, in China und auch in Russland und Weißrussland kommt, dann müssen die anderen Nationen und ihre Verbündeten in der Lage sein, einen solchen Angreifer in seine Schranken zu verweisen. Notwehr und Selbstverteidigung ist ein Recht, das in Anspruch genommen werden darf.

Die Argumentationen auf den Kopf zu stellen und einen Angriffskrieg zu verteidigen, wie Russland ihn gegen die Ukraine begonnen hat, ist nicht nur kindisch, sondern destruktiv und wenig überzeugend. Auf einige – ehemals aufklärende Plattformen – haben sich die Vorzeichen geändert. Dazu gehören querfrontartig sowohl die ehemals als links-liberal verortete Nachdenkseiten (NDS), wie auch die rechts-national-konservative Achse des Guten (Achgut).

Eine Täter-Opfer-Umkehrung ist keine Dialektik, auch wenn sie so verpackt erscheint. Die Desinformationen scheinen sich von links bis rechts zu verbreiten, und sind in ihrer Wirkung zumindest virulent brandstiftend und einem Aggressor wie Putin dienlich. Lügen und Fehlinterpretationen zu verbreiten, macht die Verbreiter nicht unschuldig. Entweder sind sie unfähig, dies zu erkennen, oder sie agieren bewusst so, dann sind zu kritisieren für ihre Desinformationen.

Volker Eichener beschreibt die Vorgehensweisen in seinem Essay: Russlands Krieg gegen die Ukraine: Kann man mit habituellen Lügnern verhandeln? auf der Plattform Ruhrbarone!

Viktor Orbán und deutsche Intellektuelle fordern, eine Verhandlungslösung mit Russland zu finden, um den Krieg in der Ukraine rasch zu beenden. Solche Forderungen zeigen, dass wir mit der russischen Kultur des Lügens, des vranyo (враньё), nicht vertraut sind. Im Gegenteil, deutsche Putin-Freunde haben selbst schon die Kultur des Lügens übernommen, indem sie Verschwörungstheorien konstruieren, die dazu beitragen, dass die Wahrheit an sich destruiert wird. Welchen Wert hätte überhaupt ein Friedensvertrag, der mit einem habituellen Lügner abgeschlossen würde?“ (Gastautor Volker Eichener ist Professor für Politikwissenschaft an der Hochschule Düsseldorf)  

Wie solche Verschwörungshetze funktioniert und weshalb sie geglaubt wird, formuliert Volker Eichener in seinem Essay „Russlands Krieg gegen die Ukraine: Kann man mit habituellen Lügnern verhandeln?“:

Verschwörungstheorien verletzen sämtliche wissenschaftlichen methodologischen Regeln. Und sie wimmeln von logischen Fehlern, obwohl sie sich durch Verwendung von Konjunktionen wie „weil“ oder „deshalb“ den Anschein logischer Argumentationsketten geben. Aber die Schlüsse, die sie ziehen, sind in der Regel Fehlschlüsse, insbesondere:

  • Cui-bono-Fehlschluss: Weil jemandem ein Ereignis nutzen mag, ist nicht gesagt, dass der Nutznießer das Ereignis auch verursacht hat. Beispiel: „Selenskyj kann durch die Explosion im Hafen von Odessa die Russen der Aggression bezichtigen. Also hat er sie selbst inszeniert.“
  • Argumentum ad ignorantiam: Eine Behauptung ist nicht deshalb wahr, weil es (noch) keine Beweise gibt, welche die Behauptung widerlegen. Beispiel: „Das war eine ukrainische Sprengladung, die im Hafen von Odessa explodiert ist. Es gibt keinen Beweis, dass es eine russische Rakete war. Die Videos, die vom Meer aus anfliegende Raketen zeigen, sind gefälscht.“
  • Tu-quoque-Fehlschluss. Ein Verbrechen wird gerechtfertigt, weil andere auch Unrecht getan haben (sollen). Tatsächlich bleibt Unrecht Unrecht, unabhängig davon, ob andere auch Unrecht tun. Beispiel: „Ja, eine russische Rakete mag Zivilisten getötet haben. Aber die Ukrainer haben im Donbass einen Völkermord begangen.“ [Was nebenbei nicht stimmt, sondern die Ukraine wehrte sich gegen Angriffe durch russische Rebellen und von Russland organisierte Angriffe, zudem auf ukrainischem Territorium]                  
  • Ad-hominem-Fehlschluss: Die Gültigkeit von Aussagen wird bestritten, weil die Person, die sie geäußert hat, angegriffen wird. Beispiel: „Weil Wolodymyr Selenskyj Auslandsvermögen verschleiert hat, ist nichts von dem wahr, was die Regierung der Ukraine behauptet.“
  • Argumentum ad verecundiam: Eine Behauptung wird damit begründet, dass sie von angeblichen Autoritäten geteilt wird. Beispiel: „Dass die Ukraine den Angriff inszeniert hat, haben selbst arabische und indische Medien bestätigt.“ Abgesehen davon, dass die zitierten Autoritäten meist zweifelhaft sind, beweist das nichts, da sich auch Autoritäten irren können.
  • Non-sequitur-Fehlschluss: Es wird eine Behauptung mit einer Tatsache begründet, die gar keine Ursache dafür darstellt. Beispiel: „Die Ukraine hat den Angriff selbst verübt, weil  sie mit westlichen Waffen versorgt worden ist.“ Das mit der Waffenversorgung stimmt, aber es hat nichts mit Angriff, sondern mit Verteidigung zu tun.

Aus dem Drama-Dreieck von Opfer-Täter-Helfer-Rollen kann nur herausgefunden werden, wenn das Zurücktreten aus dieser Spirale und der Blick aus der Meta-Perspektive auf diese Spirale geworfen wird. Der diplomatische Kanal für diese Meta-Perspektive darf auch in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht geschlossen werden.

Wenn jedoch ein Krieg begonnen wurde, dann ist Selbstverteidigung das Recht jedes Angegriffenen. Und dann folgt unweigerlich das, was immer in jedem Krieg passiert: Das Leid der Menschen nimmt noch mehr überhand, als es im kriegslosen Normalleben schon von den meisten Menschen weltweit erlebt werden muss.

Und wie im Beitrag „Krieg oder kein Krieg“ des Kolumnisten Hartmut Finkeldey auf „tell Online“ zwar diskursiv angesprochen: Aber Krieg kann niemals nur das kleinere Übels sein! Entscheiden muss sich jedoch jeder in dieser Situation – aber sich genauso der Konsequenzen bewusst sein! Auf die verweist Finkeldey in seinem Text, in dem er George Orwell zitiert: „We have become too civilized to grasp the obvious. For the truth is very simple. To survive you often have to fight, and to fight you have to dirty yourself. War is evil, and it is often the lesser evil. Those who take the sword perish by the sword, and those who don‘t take the sword will perish by smelly diseases.“
„Wir sind zu zivilisiert geworden, um das Offenkundige zu sehen. Denn die Wahrheit ist sehr einfach. Um zu überleben, muss man häufig kämpfen, und wenn man kämpft, macht man sich schmutzig. Krieg ist böse, nur ist er häufig das kleinere Übel. Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen, und wer nicht zum Schwert greift, stirbt durch faule Kompromisse.“
(Quelle: tell Online-Magazin)

(Und  nur rund 1,5 Jahre später trifft der Verweis Finkeldeys hinsichtlich George Orwells Aussage auf das nächste Drama zu: Die Terrororganisation Hamas hat Israelis überfallen und bestialisch massakriert. Punkt! ) 

Es bleibt die Frage offen, wie lange es Gültigkeit hat, dass Wort und Schrift und Friedensmärsche das „argumentative Schwert“ sein können, bevor dieser Ansatz dann seine Wirkung verfehlt? Eine Wahrheit haben Menschen schon vor unseren Krisenzeiten aus Erfahrung formuliert: „Es kann der bravste Mensch nicht in Frieden leben, wenn der böse Nachbar es nicht will!“ 

Und am Ende bleiben nur wieder noch mehr Leid, Zerstörung, Verbrechen und Traumata für Generationen übrig. 

Ein Angriffskrieg kann niemals legitimiert werden – UN-Charta und Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“

21. Februar 2024
von JvHS
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Kälte in Deutschland

„Gegen alle Vernunft und jede Evidenz hält sich die Fantasie – der Fähigkeit des Kapitals – Leben in Profit zu verwandeln  seien keine harten Grenzen gesetzt und es werde immer neue Frontier (=rücksichtslose, a-moralische, un-ethische Narzissten) geben, um das (scheinbar) lukrative Spiel am Laufen zu halten.“ (Naomi Klein in `How to Change Everything“).  

In der Literatur findet der Mensch die ganze Bandbreite menschlichen Verhaltens beschrieben.

Oft genug als Spiegelbild der eignen Laster (Der Spieler – von Dostojewski), seiner Ängste (Die Verwandlung – Kafka), als negatives oder positives Vorbild für Kategorien des Handelns (Der Fürst – Machiavelli), als Zeitgeist und Idol einer Epoche und ihrer vorherrschenden Moral (Effi Briest – Fontane), als Tabubrecher (Oscar Wilde – Bildnis des Dorian Grey), als Blick in die Verstrickung von Ideologien (Lenz – Deutschstunde), als Epos (Homer – Odyssee).

Im realen Leben wirkt das Denken und Handeln von Menschen mit seinen Folgen für die Menschen vom tiefsten Leid durch abgrundartige Bösartigkeit (Hitler, Stalin) bis hin zur gewaltlosen Veränderung der nicht mehr länger erträglichen Lebensverhältnisse à la Ausbeutung und Kolonialismus. (Mahatma Gandhi). Im Gegensatz dazu stehen Personen wie Donald Trump, der manipulativ Menschenmassen täuscht und für seine narzisstischen Ziele missbraucht als Mittel zum Zweck seines Machterhalts. Eloquenter und ideologisch verbrämter wirken Personen wie Larry Fink (CEO BlackRock Inc.) bei der Umsetzung seiner Ziele der Machtausdehnung des Finanzkapitalismus. Beide Wege sind geprägt vom Prinzip, dass Moral und Ethik ihnen „am Arsch vorbeigehen“. In diese Aufreihung gehören sicherlich auch Typen wie Zuckerberg (Facebook) und viele andere, die eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mit ihrem Geschäftsmodell praktizieren.

Am Arsch vorbei… ist auch ein Weg. So oder so ähnlich lautet ein Buchtitel aus dem Genre der unzähligen Ratgeber zum besseren Leben, zur Reise ins persönliche Paradies und auf dem Weg zum „Lummerland“ für gebeutelte und wenige Macht innehabender Erwachsenen. Aber meistens ist „Lummerland“ auch schon abgebrannt. Nur was den bisher erfolgreich Praktizierenden des Egoismus temporär gelingen mag, ist weder als Rat noch als Nachahmung für die meisten Menschen geeignet und führt  – wie die vielen anderen Ratschläge – in die selbst gestellten Fallen, in die Menschen hineintappen.

Mit „Anleitung zum Unglücklichsein“ hat Paul Watzlawick ein Anti-Ratgeber-Buch der unseligen Flut an Ratgebern entgegengestellt. Watzlawick, ein Autor und praktischer Philosoph/Psychologe, hat die oft fruchtlose Rückschau auf das nicht gelungene Leben durch einen konstruktiven Blick  auf Alternativen – durch Anwendung der Methode: „selber denken und hinterfragen“ –ersetzt.

Verantwortung für sein Handeln kann niemand abgeben. Zur Verantwortung gezogen werden, das ist sicherlich – je nach Machtfülle und Einflussmöglichkeit – unterschiedlich realisierbar und unterliegt dem Zeitgeist und dem Mehrheitswillen.

Voraussetzung für eine Veränderung des falschen Handelns ist eine konstruktive Kommunikation. Niemand jedoch kann sich der menschlichen Kommunikation entziehen, denn niemand kann nach Paul Watzlawicks erstem Axiom „… nicht nicht-kommunizieren!“ Ableitbar daraus ist, dass es auch kein unpolitisches Handeln gibt. Denn jedes Handeln ist politisch in seiner Wirkung. (Sich abwenden, nicht wahrhaben wollen, wegschauen und unter den Teppich kehren, ist weder der Kirche auf Dauer gelungen, wie die Aufklärung der Missbrauchsfälle belegt und nun selbst den emeritierten Papst Benedikt XVI. eingeholt hat, noch den bisherigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gelungen.)

Und daraus folgt auch ein weiteres Axiom Watzlawicks:

„Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehungen zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit basieren.“

Und für die Umsetzung der Gleichheit wie auch die Abschaffung der Ungerechtigkeit kommt die Zeit!

Version vom 21. Januar 2022 

14. Februar 2024
von JvHS
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Kant – ein (Ge)-Denktag in diesem Jahr: den 22. April nicht vergessen! Oder der Diskurs: Was ist Aufklärung?

In der deutschen Gesellschaft gibt es Menschen in nicht geringer Anzahl, die an Geburtstage im April von Personen der Geschichte erinnern, die bis heute exemplarisch für das absolut Böse stehen, was in den letzten 100 Jahren Unmenschen anderen Menschen angetan haben.  

Wenn es sich um den 20. April handelt, dann ziehen die Unbelehrbaren in tumber Eintracht und Flaggen mit verbotenen Symbolen vor sich hertragend, mit verzerrten Gesichtern, oft gedunsen vom Alkohol und immun gegen aufgeklärte Vernunft und bar jeder Vernunft polternd und gewaltbereit durch die Straßen. Als nützliche Elemente einer Partei, deren Führungspersonal wie auch das der Jugendorganisation (Junge Alternative) –  juristisch bestätigt –  als „rechtsextremistisch, anti-demokratisch und verfassungsfeindlich“ bewertet und vom Verfassungsschutz überwacht werden.

  • „Wenn denn nun gefragt wird: Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung.“ – Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kant)

Die Zustimmung zu einer Partei wie die der AfD, die weder demokratisch, noch menschenfreundlich agiert oder lösungsorientierte Problembewältigung praktiziert, erfolgt aufgrund eines Verhaltens, welches Immanuel Kant beschrieb als „es ist so bequem, unmündig zu sein und andere für sich denken zu lassen!“

In Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ betonte er, dass die Programmatik einer Partei auch im Falle der Übernahme der politischen und staatlichen Macht, zunächst sich eine pseudo-Gesetzlichkeit gebe, in dem die:

  • Juristen des Despotismus eine neue Verfassung nach folgenden Grundsätzen erarbeiten würden: 1. Eigenmächtige Besitznehmungen des Herrschenden, 2. Leugnung von Verantwortung für Schlechtes, 3. Teile und herrsche (vgl. Divide et impera). (Kant – Zum ewigen Frieden)

Als Beispiel kann dem gegenwärtigen Menschen sowohl die Entwicklung Deutschlands unter den Nazis dienen, wie in der näheren Vergangenheit die Entwicklungen der  Machtübernahme Putins in Russland, Erdogans in der Türkei und Orbans in Ungarn, die als  exemplarische Beispiele für die schon durch Kant aufgeführten Schritte stehen. Es dürfte naheliegend sein, dass auch die AfD in diese Praxis verfallen werden.

Kant betonte dagegen in der Schrift: „Zum ewigen Frieden“, dass:

„Gesetze nicht dazu erlassen würden [dürften], Wohlstand oder Glückseligkeit zu schaffen, sondern um das Recht auf Freiheit und Gleichheit eines jeden zu wahren. Politik könne sich ohne Moral also gar nicht entwickeln.“

Dass dennoch Menschen einem AfD-Programm blind folgen, welches von egomanischen Brandstiftern mit Machtfantasien und Profiteuren der Politik mittels Hirnwäsche affinen Wiederholungen wirksam werden soll, funktioniert deswegen, weil dieser Teil der Gesellschaft in Unmündigkeit existiert und sich eingerichtet hat. 

  •  „Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt der für mich die Diät beurtheilt, u. s. w. so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.“ – Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kant)

Ein anderer Geburtstag im April, den 300.  Geburtstag von Immanuel Kants am 22. April, wird dagegen in diesem Jahr eine Aufmerksamkeit erlangen, welche mehr als berechtigt sein wird.

Was ist Aufklärung? (von Kant bis Adorno und Foucault)

Kant gebührt zu Recht die Einschätzung, die erste Antwort auf die Frage gegeben zu haben: „Was ist Aufklärung?“ 

  •  „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ …  (Kant) 

Kants Einfluss auf die nachfolgenden Philosophen

Immanuel Kant war in der einen oder anderen Hinsicht Einflussgeber auf nachfolgend bedeutende Philosophen. Von Personen des historisch-philosophischen Zeitgeistes des Idealismus (von Fichte über Schelling bis Hegel) wurde Kants Philosophie heftig widersprochen. Wo Kant die „Dinge an sich“ so verortete, dass die Menschen keinen Zugriff darauf hätten, wie sie unabhängig von der menschlichen Wahrnehmung seien, sondern nur als in dem Rahmen den Menschen erscheinen, wie die Erkenntnisfähigkeit fortgeschritten sei, betonten die Idealisten, dass es ihnen um die Verbindung des Subjekts mit dem zu erkennenden Objekt gehe und somit um die Erkenntnis des Ganzen.

Für Hegel hatte Kant mit seinem Werk „Kritik der reinen Vernunft“ die Erkenntnistheorie und damit die theoretische Philosophie zu eng gefasst. Nach Hegel habe Kant mit der Trennung von „Dinge an sich“ und was der Mensch nur erkennen könne,  übersehen, dass die gesamte Welt vernünftig aufgebaut sei.

  • „Ich habe aus der Kritik der reinen Vernunft gelernt, daß Philosophie nicht etwa eine Wissenschaft der Vorstellungen, Begriffe und Ideen, oder eine Wissenschaft aller Wissenschaft, oder sonst etwas Ähnliches sei; sondern eine Wissenschaft des Menschen, seines Vorstellens, Denkens und Handelns; sie soll den Menschen nach allen seinen Bestandteilen darstellen, wie er ist und sein soll, d. h. sowohl nach seinen Naturbestimmungen, als auch nach seinem Moralitäts- und Freiheitsverhältnis.“ (Kant)

Adornos Version des Kategorischen Imperativs unterscheidet sich von der kantischen vor allem dadurch, dass in ihr (der Adorno’schen) ein „Moment des Hinzutretenden am Sittlichen“ (GS 6: 358) sich fühlen lässt: Für Adorno ist es der unmittelbare, leiblich erfahrbare Abscheu angesichts der nationalsozialistischen Gräueltaten, der die „in sich problematische“ Vernunft komplementiert. Erst durch die impulsiv sich einstellenden Abscheu, also durch ihr Gegenteil, hindurch, werde die vernünftige moralische Reflexion demnach „praktisch“. (Quelle) 

Auf die Definition verweisend, dass „Philosophie in Gedanken gefasste Zeit sei“,  wird ersichtlich, warum der Diskurs über „Was ist Aufklärung?“ noch nicht zu Ende geführt wurde.

Und weil zurzeit Karneval gerade vorbei ist, darf vorläufig der Satz gelten, der Groucho Marx zugeordnet wird:

  • „(Die im Text angeführten Zitate) … sind meine Prinzipien; falls sie Ihnen nicht gefallen, ich habe auch andere!
Korrigierte Version vom 15.05.2025!

14. Februar 2024
von JvHS
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Das Ding an sich: Erkenntnistheorie zwischen Verstand und Bauchgefühl – oder der kategorische Imperativ

Die eiförmige Blase im „Ding an sich“

Immanuel Kant hat mit seinen Werken vor allem der Metaphysik – bis zu Kants Philosophie war sie schon immer die Marketing-Abteilung von Religion und „Seinslehre“ (auch Ontologie genannt) –  seine Kritiken  entgegen gestellt, die sich mit den Fragen beschäftigten: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was bin ich als Mensch? (siehe: kategorischer Imperativ unter 1, 2 und 3!)  

  • Kritik der reinen Vernunft: (kategorisch-imperative) Verpflichtung zur höchstmöglichen Gewinnung von Erkenntnissen (lernen, wissensbasierte Aussagen und forschungsorientierte Ergebnisse)  
  • Kritik der praktischen Vernunft: Handlungen aus Pflicht – Der Abgeordnete ist nicht Ja-Sager seiner Partei, sondern den Wählern und dem damit verbundenen „kategorischen Imperativ“ verpflichtet!  
  • Kritik der Urteilskraft:  Die Urteilskraft ist die Fähigkeit des Politikers/Wissenschaftlers/Unternehmers zu urteilen im Sinne des kategorischen Imperativs für die Wähler/die Ergebnisse der Forschung/die Mitarbeiter als (Mehr-)Wertschöpfungskräfte und nicht der Investoren 

Dass sich auch heute noch  hinter den ökonomischen wie auch den politischen „Metaphysiker“ nichts anderes als Marketing-Märchenerzähler verstecken, wird klar, wer die Werbefilmchen der Parfüm- und Automobil-Industrie in den täglichen TV- Unterbrechungen anschaut: kein einziges Parfüm macht aus einem Normalbürger eine Traum-Frau oder einen Traum-Mann. Und weder die gezeigten Automobil-Bildergeschichtchen halten die irrealen Versprechen für ein besseres Leben, noch das Programm der AfD steht für die Garantie eines gelingenden Lebens. Den Sinn des Lebens zu erklären, da helfen weder weibliche, noch machomäßige Influencer! 

Die ontologische (seinsbezogene) Wahrheit besteht einzig und allein darin, mittels Fremd- und Selbsttäuschung die egomanischen Ziele (Macht, Reichtum, Anerkennung etc.) auf Kosten der Mitmenschen zu realisieren. Ob das nun Donald Trump ist, der sich der Verantwortung für seine strafrechtlichen Fehlleistungen entziehen will, oder Putin, der menschenverachtend seine Macht sichern will, um sich der Verantwortung für die angeordneten Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen zu entziehen, es sind keine anderen Existenz-Realitäten als die einer Tupperparty oder die noch perfidere Art und Weise der Sekten á la Scientology oder AfD-Rechtsextremismus! Und an der Sprache sind sie erkennbar! Wer die schlichte Zuordnung, was ein Elefant ist, mit Nonsens-Begriffen belegt wie: „Großheit“, „Grauheit“ und „Faltigkeit“, könnte auch einen toten Hai beschreiben. Da hilft dann auch nicht, Heideggers Formel: „Das Nichts nichtet!“  Die Frage nach dem „Warum“ bleibt manches Mal genauso wenig ergiebig, ist aber oft zumindest witziger:

„Warum ist ein Elefant, groß, grau und faltig?“ – „Weil er, wenn er klein, weiß und rund wäre, eine Aspirin-Tablette wäre!“  

Oder die Frage nach dem Sinn des Wettbewerbs auf vielen Ebenen, wenn die Antwort dann lautet:

„Je höher, desto bimbam!“

Und nicht zuletzt sollte eventuell auch das nachstehende Beispiel zu den relativen Realitäten in der heutigen Zeit zum Ausloten der Grenzen der Erkenntnis in Sachen notwendige Fremdsprachen-Kenntnisse anregen:

In den heutigen Unternehmen, die global agieren, muss eine Stelle im Back-Office neu besetzt werden. Ein Golden Retriever tappt auf der Tastatur eines Notebooks herum. Das so entstandene Machwerk wird zudem an das besagte Unternehmen versendet. Die dortige KI-gesteuerte Auswertung der Bewerbungen lädt den Golden Retriever zum Gespräch per Chat ein und stellt die Frage: „Beherrschen Sie Fremdsprachen?“ – Die Antwort des intelligenten Retrievers lautet prompt: „Miau!“ 

Bei den Plastikschüsselverkaufs-Partys lautet die schlichte Erkenntnis, dass sich Menschen treffen, die sich gegenseitig Plastikschüsseln verkaufen. Nur die moderne Form der „Metaphysiker“, auch der neoliberalen á la FDP (Marketing und Werbefritze) wollen den Menschen weismachen, es sei genau das „Mehr“ und nur über das Konsumieren oder die Mitgliedschaft das erreichbare „Geheimnisvolle“ einer so gestalteten „Glückseligkeit“! 

  • (1) Allgemeines-Gesetz-Formel:. „[…] handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du
    zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (I
    MMANUEL KANT: AA IV, 421)
  • (2) Menschheitszweckformel:. „Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als
    in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel
    brauchst.“ (I
    MMANUEL KANT: AA IV, 429)
  • (3) Reich-der-Zwecke-Formel: „Demnach muß ein jedes vernünftige Wesen so handeln, als ob
    es durch seine Maximen jederzeit ein gesetzgebendes Glied im allgemeinen Reiche der
    Zwecke wäre.“ (I
    MMANUEL KANT: AA IV, 438)

Dass Kants nachfolgende Philosophen zu neuen Erkenntnisse und Aussagen gelangen, ist auch bei der Wichtigkeit Kants ein erwartbares Ergebnis. Michel Foucaults Forschungsergebnisse zu relativen Weltsichten ergaben folgende Erkenntnisse: kulturelle Werte stehen in Abhängigkeit von der (sozialen) Macht. Wenn die egomanischen Köpfe in AfD-Führung ihre Anhänger mit „völkischer Propaganda“ flutet, dann bilden sich „pseudo-kulturelle“ Werte heraus, die mit hirnwäsche-mäßiger Wirkung als „Normalität“ in die Menschen sich festsetzen. Dies bedingt, dass die Kontrolle über das Denken und Handeln der Anhänger  gewonnen wird. Die Kategorien, was „normal“ ist, bestimmen dann – wenn die Machtübernahme gelingt – die „ewig Gestrigen“ mit ihren „völkisch-rassisch-extremistisch Blut-und Boden“-Fantasien. 

Ein weiterer Witz zeigt den Wahnsinn in diesem verzerrten Weltbild:

Rudolf ruft seinen Freund Adolf an: „Hi Adi, ich bin gerade mit meinem neuen Tesla unterwegs auf der Autobahn 20!“  Adi antwortet besorgt: „Rudi, sei vorsichtig. Im Radio wird gerade vor einem Geistesfahrer auf diese Autobahn gewarnt!“  Worauf Rudolf entrüstet korrigiert: „Ein Geistesfahrer? Das sind hier hunderte!“ 

In diesem Sinne: Alaaf und Helau ist vorbei! Heute beginnt die Fastenzeit – oder? 

Ergänzung

Was die Mehrheit über die AfD und ihre Anhänger denkt!

AfD-Abgeordnete – oder die Lügen zwischen Denken/Sagen und Handeln zum „Wert: Vaterland und Vaterlandsverräter“  

 

14. Februar 2024
von JvHS
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Panta rhei – alles fließt und verändert sich

Die chronologische Reihenfolge der Starttexte zum bisherigen Blog:

Der Blog wurde am 14. Feb. 2024 in der alten Form beendet.

Der Blog ist tot! Es lebe der neue Blog in alten Kleidern, aber mit neuen Inhalten.“

Ab sofort gilt: „Nur Bilder und Fotos werden hier sprechen. Denn sagt man nicht, dass Bilder mehr als 1000 Worte sagen? Mal sehen, was wird. Alles ist möglich. Alles bleibt, aber anders!“ 

 

 

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