19. August 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Von verstorbenen Künstlern wie Jeff Beck (Gitarrist), Karl Kraus (Schriftsteller) und der Ungleichzeitigkeit im Leben
„Der Ethiker muß immer von neuem zur Welt kommen. Der Künstler ein für allemal.“ – Karl Kraus
Zum Tod von Jeff Beck am 10. Januar 2023 erschien dieser Beitrag vom 12.01.2023, der neu eingestellt wird.
Yardbirds, die erste Band, in der Eric Clapton als Leadgitarrist spielte wie auch der jetzt verstorbene Jeff Beck, der Eric Clapton bei den Yardbirds folgte nach dessen Wechsel zu John Mayall. Zwei Gitarristen aus GB der 1960er Jahre, einem Jahrzehnt der vielen Facetten und experimentellen Weiterentwicklungen von Blues-, RnR-, Rock-, Pop-, Country und Folk-, Funk-Musik und der Integration von Jazz und Blues-Elementen. Ein Jahrzehnt, in dem der Anfang vieler Karrieren – von den Beatles, Rolling Stones, Led Zeppelin, Cream, Grateful Dead, Crosby-Stills and Nash und den besten Gitarristen wie Jimmy Hendrix, Eric Clapton, Jimmy Page, Keith Richards, B.B. King, Chuck Berry und eben auch Jeff Beck – zeitlich zu verorten sind.
Im Arte-Beitrag „Eric Clapton – Leben mit dem Blues“ (nicht mehr verfügbar!) werden die 1960er Jahre als eine Zeit gezeigt, in der die benannten Bands und Musiker sich und die von ihnen geprägte Musik erst finden mussten. Die Bilddokumente zeigen die Versuche der Profilfindung, bei der Jeff Beck unauslöslich – auch für die Mythenbildung dieser Zeit – mit dem Zerstören seiner Gitarren am Ende der Auftritte verbunden sein wird. Dass exzessiver Drogengebrauch (von Alkohol, über Kokain bis zu Heroin und LSD) dazu gehörte, lässt viele der Musiker abstürzen und nicht selten an einer Überdosis jung sterben. Jimmy Hendrix ist wohl das berühmteste Beispiel. Zur Mythenbildung des Jahrzehnts gehören auch die Musikfestivals von 1967 Monterey Pop Festival, 1969 beim Woodstock-Festival (*) und 1970 auf der Isle of Wight. Fußnote: (*) Teil I , Teil II
Karl Kraus – Herausgeber der Zeitschrift „Die Fackel“ und Autor des satirischen Dramas „Die letzten Tage der Menschheit“ – lebte in einer anderen Zeit mit einem anderen Blick auf die Gesellschaft (Kaiserreich Deutschland und Österreich, gescheiterte Demokratien Weimar und Wien, und die Entwicklung des Faschismus und Nationalsozialismus). Und dennoch sind seine Aphorismen zwar zeitlos, aber ebenso zutreffend auf die gesellschaftlichen Zustände der 1960er Jahre in vielen Teilen Deutschlands:
„Der Bürger duldet nichts Unverständliches im Haus.“ (Karl Kraus)
Und wer die Drogen-Exzesse als Musiker überlebte und bis ins erste Fünftel des neuen Jahrhunderts noch kreativ bleiben konnte (Eric Clapton, Keith Richards – auch der jetzt verstorbene Jeff Beck), auf den passt Karl Kraus Aussage: „Manche Talente bewahren ihre Frühreife bis ins späte Alter.“
Auch wenn die Festlegung zutrifft, dass ein kritisches Hinterfragen für alle gesellschaftlichen Bereiche bis heute eine angemessene Methode ist, hat Karl Kraus Festlegung weiterhin Bestand:
„Es besteht der Verdacht, daß die ganze moderne Kunst von Nebenwirkungen lebt. Die Schauspielerei von Mängeln, die Musik von Nebengeräuschen.“
18. August 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Fantasy – emotionaler Brei oder Kuchen?
Die Märchen der Gebrüder Grimm sind längst abgelöst worden durch Fantasy-Bücher, Hollywood-Filme und die Angebote der Game-Industrie. Der Umsatzanteil dieses Genres lag in der Warengruppe Buch in den Jahren 2009 – 2022 zwischen 8,1 und 5,7 Prozent. Dass die Anteile gesunken sind, wird der wachsender Game-Industrie und den immer realistischeren Darstellungen der dortigen Animationstechnik zu verdanken sein. Spiele mit interaktiven Elementen entsprechen mehr dem zeitgeistigen Vergnügen, als ein Buch zu lesen.
Der Reiz der Fantasy-Geschichten bleibt für bestimmte gesellschaftliche Gruppen weiterhin hoch. Was mit dem Buch „Die unendliche Geschichte“ begann, fand seine Fortsetzung mit der Verfilmung durch die Hollywood-Industrie. Egal ob Harry Potter, Alice im Wunderland, Herr der Ringe, die Nibelungensage oder King Arthurs Mythos, die Buchvorlage endete meistens als Verfilmung. Veränderungen am Muster des Verlaufs waren allenfalls dem Zeitgeist geschuldet. Sowohl bei den „Tributen von Panem“ als auch bei „Games of Thrones“ oder „Der dunkle Kristall“.
Im Mittelpunkt stand immer der Archetypus des jeweiligen zeitgeistigen Helden. Und meisten auch das Muster des Dualismus von „Gut“ gegen „Böse“. Ein weiteres Muster betrifft die Konfliktlösung durch körperlich Gewalt, wobei der „Gute“ diese ebenso einsetzen darf, wie technische oder magische Fertigkeiten und Fähigkeiten. Denn das Böse muss vernichtet werden.
Warum übt dieses Genre so viel Einfluss ein? Zu den möglichen Antworten dürften folgende zu nennen sein:
Den Alltag mit seinen Mühen vergessen;
Die Flucht aus der Realität,
Abenteuer und Horror als „Bereicherung“ des Lebens zu empfinden,
Innerhalb der Identitätssuche werden die Helden als Vorbild und Ersatz für die Realitätsbewältigung des eigenen Lebens genutzt. Der „Held“, der für „uns“ kämpft, das Leid übernimmt, und der Nutznießer dieser Möglichkeit und der als „Führer“ die Entscheidungen für den Einzelnen trifft und somit „führt“ – lässt die Helden für sich agieren – und wenn es bis ins Verderben führt.
Zuvor aber wird für das Nacheifern des „Heldenverhaltens“ eine Belohnung versprochen. Je nach Geschlechterrolle erlöst der Prinz die Frau, die sich dann als Prinzessin fühlen darf, der sie beide dann ins eigene Heim führt. So wie in vielen Märchen. Die Bandbreite der emotionalen Verhalten sind in den Sagen der Nibelungen oder von König Arthur weitaus größer. Das Happyend fehlt nicht selten und die Emotionen reichen von Rache, Vernichtung bis Selbstaufopferung. Sich zu opfern zum Wohle des Partners oder der Nation zeigt das Gebrauchsmuster für die politischen Nutznießer.
Der tapfere, mutige und sein Leben einsetzende Kriegerheld dient zu Blaupause für die Ausbildung der Soldaten US-Amerikanischer Provenienz. Die Feindbekämpfung und die Fähigkeit, Folter und Leid zu ertragen, sind Bestandteil der Ausbildung der Spezialkräfte in vielen Nationen. Dabei gibt es dann genug Gelegenheiten für die politischen Verantwortlichen und den Nutznießern der politischen und finanzökonomischen Macht, Helden zu generieren. Orden und ordentliche Begräbnisse sind oft genug der einzige Lohn und Dank. In der Realität sind nicht selten dann die Betroffenen und zu Helden gemachten Menschen schnell wieder vergessen und alleine gelassen. Traumata, die nicht behandelt werden; finanzielle Hilfen und Renten bleiben dann oft verwehrt. Der „Mohr“ hat seine Schuldigkeit getan.
Hollywood transformiert die Figur des Helden als Retter der Nation in die Realität und die Politik. Den Menschen in den USA wird oft genug der Präsident als „Held“ verkauft. Nicht selten erweisen sich diese dann als „Pseudo-Helden“ wie bei Nixon. Der schon zu lange dauernde Vietnam-Krieg bescherte den USA riesige Staatsschulden. Die Gewinne in Form von Ausdehnung des Einflussbereiches der USA weltweit als Kriegsgewinner des 2ten Weltkrieges und die geopolitische Ausdehnung des ökonomischen Machteinflusses der USA bis zum Watergate-Skandal Nixons verursachte für den bis dahin agierenden Kapitalismus Risse und Brüche.
Eine neue Strategie musste her. Das Modell dafür lieferten die „Chicago Boys“ mit dem Neoliberalismus. Neben Margret Thatcher in GB, die in GB das System durch die Privatisierung der sozialen Daseins- und Fürsorgesysteme installierte, nahm das zerstörende Moment des Neoliberalismus s- dem Code für die Machtübernahme der realen Industrie-Unternehmen als Basis des Systems durch die Finanzökonomie, die mit Investitionen in Anlagevermögen die Finanzierung der Produktions-Unternehmen ersetzten, seinen Verlauf. In den USA wurde mit Ronald Reagan als ehemaliger Hollywood- Schauspieler nicht nur nach dem Muster der Mythen das Modell des „Helden“ transformiert in die Politik, dem neuen „Führer“ wird als starker Mann auch die „Heldenkrone“ aufgesetzt. Trump gerierte sich 2016 als „Held“, der gegen das Establishment kämpft für seine Fans. Versprechungen á la „Make Amerika great again – MAGA“ blieben allerdings nur Marketing-Gewäsch. Hohle Nüsse hätten mehr Inhalte aufzuweisen gehabt, als Trumps Versprechungen.
Hollywood transformiert die Figur des „Helden“ Ronald Reagan in die reale Politik und Regierungswirklichkeit. Trump generierte sich 2016 bei seiner Wahl zum Präsidenten mit Hilfe der neuen Medien ebenfalls zum „Führer“ und Retter der Nation. Dass er dies bis damals wie heute mit Lug, Trug und Täuschung vollzieht, stört seine Anhänger allem Anschein nach nicht im Geringsten. Seine Fans bevorzugen dabei eine primitive Form des „Helden“, dem des körperlichen oder durch Waffengewalt überlegenen „Helden“ á la Conan – der Barbar. Der „tritt“ dem etablierten Establishment auch in den „Hintern“. Das gefällt vor allem den Rassisten, den Rechtsradikalen und den Fans der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit besonders.
Auch anderswo auf der Welt adaptieren die Rechtsradikalen und rechtsextremistischen Identitäten diese Conan-Muster für ihre Narrative.
Abhilfe gegen diese Entwicklung des Grauens wird nur erfolgen können, wenn das „Heldengedenken“ ersetzt wird durch das Denken und Hinterfragen der „Helden“ in Sachen Täuschung und Lüge der selbsternannten „Führer“ in den anti-demokratischen Parteien á la AfD. Hilfreich dürfte sein, die Berichte der Aussteiger ehemaliger AfD-Mitglieder zur Kenntnis zu nehmen. (*)
Die Realitäts-Flucht in die Fantasie-Welt der Heldenverehrung nutzt nur den Höckes, den Trumps und den Influencer in den sozialen Medien. Der Erhaltung der Demokratie als Garant für die Freiheit in keinem Fall.
(*) „Wir waren in der AfD“ – Aussteiger berichten!
“Kein Heroen-Verehrer verfügt über irgendwelche inneren Werte.” – Edgar Allan Poe
“Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen.”
“Ich mag keine Helden. Sie machen mir zu viel Lärm in der Welt.” – Voltaire
Helden sind Bestandteile von Märchen und Erzählungen und leben lediglich in Prosa oder Lyrik. Sie sind jedoch nichts, was für das reale Leben Vorbild sein könnte. Denn ein Menschenfreund zu sein, ist deutlich schwieriger zu realisieren.
Auch die sogenannten Erstürmer des Capitols, aufgestachelt von Donald Trump Jr. , dem Prototyp des Brandstifters, der mit der Aussage: „You can be a hero, or you can be a zero. And the choice is yours.“ den Brennstoff für die Manipulation einer Meute lieferte, die mit ihrem Weltbild noch im 19. Jahrhundert des mittleren Westens lebt.
Die Ungleichzeitigkeit der Erkenntnisse – und der Bezug auf rassistische und hasserfüllte Vorurteile als Werteorientierung – ist eine der Ursachen für die Spaltung der US-Gesellschaft durch den rückwärts orientierten Teil, einer radikalen und gewaltbereiten Schicht, die mit Waffengewalt ihr Weltbild durchsetzen will. Typen á la Donald Trump nutzen diese Menschen als aktiven Arm ihres Machtmissbrauchs. Mit ihrer Rückständigkeit sind sie die hässliche Seite der USDemokratie.
Sie haben die von Trump Sen. und Trump Jr. erhoffte “Wahl” getroffen, haben sich zusammengerottet und als mobilisierter Mob auf den Weg gemacht und sind somit in jeder Beziehung zu den Verlierern (Loser) geworden. Denn ihr von Trump Jr. beschworenes “Heldentum” besteht nur darin, in der Menge Sachschaden, Körperverletzung und Totschlag begangen zu haben. Inhaltlich waren keine zukunftsweisenden Deklarationen zu vernehmen, die auf eine konstruktive Veränderung hingewiesen hätten. Sich auf den Kongress-Sitzen und in den Abgeordneten Büros zu lümmeln und davon Selfies zu produzieren, war alles, was sie hinbekamen. Wenn überhaupt der Begriff des Heros, des Helden angebracht wäre, dann in der Form ihnen zuzurufen: “Eure Handlungen sind kein Anlass für Heldengedenken! Ihr Helden geht endlich denken!“
“Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.” – Bertolt Brecht / Das Leben des Galilei
Ergänzung vom 17.01.2021
Zum Thema des sich breitmachenden Zynismus (siehe auch Plattformen wie “Achgut”) bei den Anhängern des Bonapartismus, die sich selber zu den etablierten Individualisten zählen, die sich Regelverstöße gegen die Demokratie genehmigen und sich zum Establishment zählen, das Peter Sloterdijk in seinem Werk “Kritik der zynischen Vernunft” beschrieb und dort auf die nun
eingetroffene Verbindung des “Zynismus von oben und unten” eingegangen ist, zu diesem Thema nimmt ein Artikel in der TAZ
vom 17.01.2021 Stellung.
Zitat “Darum scharen sich gebildete Karriere-Interessierte, für die es anderswo nicht gereicht hat und die nun bei Trump, Orbán, PiS oder AfD etwas werden und sein können. Hauptagitationsgruppe sind Leute, die sozial und kulturell abgestiegen sind oder ihren Abstieg fürchten, weil die liberale Demokratie es aus ihrer Sicht nur für andere, aber nicht für sie bringt.” Zitatende (Quelle: TAZ-Online vom 17.01.2021)
Der Artikel endet mit dem Fazit, dass diesen Gruppen niemand mit “Aufklärung, Moral und Gemeinwohl” zu kommen brauche. Ein
Blickwinkel, der unbedingt in den öffentlichen Diskurs gebracht werden muss, welche Alternativen denn noch möglich sind, um eine Integration dieser Anhänger der Unvernunft bewirken zu können.
Eine der Möglichkeiten wäre, dass die Kritik am “Schweinesystem des Finanzkapitalismus (*)” (wie die “Zyniker von unten” das westliche Wirtschaftssystem nennen!) zur Veränderung der Ökonomie führen muss, um die Existenznöte der “Zyniker von unten” zu mindern und ihnen eine Alternative zum Wechsel zu den Rechtsradikalen und Rechtskonservativen zu bieten.
(*) Hierzu gehört vor allem die Drehtürsystematik – von Regierungspositionen in Positionen bei Hedgefonds, Finanzkapital- Unternehmen und Vermögensverwaltungsunternehmen á la BlackRock und wieder zurück zu wechseln – wie sie in den USA bei jeder der Regierungen, egal von welcher Partei gestellt, es üblich ist. Dass dieses System auch für Deutschland und seinen gesellschaftlichen Frieden eine Gefahr ist, kann nicht erst nur am Beispiel von Friedrich Merz nachvollzogen werden.
(Wiedereinstellung des Artikels vom 17.01.2021)
17. August 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für FDP – immanentes Identitäts-Wechselvolumen einer opportunen Scheuklappen-Partei
Wer die Geschichte der FDP und ihre Identitätssprünge im Verlauf der letzten 70 Jahre anschaut, der kann ein Motto als roten Faden nicht verkennen: „Was tun, immer das was opportun!“ Vor allem zeigt sich dieses Verhalten dann, wenn die Pfründe der politischen Funktionen für die FDP (von den Abgeordneten-Diäten bis zu den Bezügen als Regierungsmitglieder und Minister) in Gefahr geraten.
So kommt die „Zeit“ in ihrem Beitrag „FDP:Unseriös“ angesichts der Blockadepolitik der Lindner-FDP in der Ampelkoalition (Bürgergeldkürzung einerseits – mehr Parkplätze andererseits), die geprägt wird von den Wirtschafts-Bütteltum -Verhalten nach dem Muster: Privatisierung aller Bereiche zu Lasten der Sozialaufgaben des Staates, in dem sie einleitend im Beitrag schreibt:
Zitat
„Partei der Besserverdienenden. Der sozialen Kälte. Der Autofahrer. Umfallerpartei. Die FDP hat links der Mitte einen schlechten Ruf und hat einiges getan, ihn sich zu verdienen: Hans-Dietrich Genscher stürzte Helmut Schmidt und machte Helmut Kohl zum Kanzler; Christian Lindner torpedierte die Jamaikakoalition; Thomas Kemmerich riss die Brandmauer gegen rechts ein und ließ sich mit den Stimmen der AfD“ … wählen.
Neben der AfD ist die FDP eine Partei, die Deutschland nicht braucht. Weder die Gesinnung des Opportunismus, noch die der Menschfeindlichkeits-Programme verhelfen zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme in Deutschland
16. August 2024
von JvHS Kommentare deaktiviert für Vor, hinter und unter dem Halbmond – der ewige Kampf gegen Tyrannen, ihre Intoleranz und Menschenfeindlichkeit
„Der Pöbel hört nie auf, Pöbel zu sein, und wenn Sonne und Mond sich wandeln und Himmel und Erde veralten wie ein Kleid.“ – Friedrich Schiller
„Es reift keine Seligkeit unter dem Monde.“ – Friedrich Schiller
Die beiden Zitate stammen aus Schillers Werk „Die Räuber“. Entstanden ist das Drama 1781, erstmalig aufgeführt 1782 in Mannheim. Zentrales Motiv ist der Konflikt zwischen Verstand und Gefühl, zentrales Thema das Verhältnis von Gesetz und Freiheit. Ein Werk, das auch als Freiheitskampf gegen die Tyrannei des Adels verstanden werden kann.
Protagonisten sind zwei gräfliche Brüder, bei Schiller lauten ihre Namen Karl und Franz Moor. Ein literarischer Gegenstand, mit dessen psychologische Facetten seit Kain und Abel die Menschheit millionenhaft konfrontiert wurde. Der Blick auf menschliches Drama und menschliche Tragödien, der zwar in Wertung und Erkenntnis sich geändert hat, doch bis heute als Drama in Variationen aktuell geblieben ist.
Die aktuellen Ereignisse um die Landtagswahl im Bundesland Thüringen, der Region mit den Städten Jena und Weimar, und auch Orte, in denen Schiller lebte und wirkte. In wenigen Tagen wird ein anderer Freiheitskampf gegen Personen und Parteien ausgefochten, in dem es ebenso darum geht, neue Tyrannen á la Höcke und AfD zu verhindern.
Vielleicht wäre es angemessener für die Unterstützer und Wähler der AfD und den Höckes-Figuren, nicht nur deren Partei-Programme und Wahlaussagen kritischer zu hinterfragen und dazu Schillers „Räuber“ zu Rate zu ziehen. Denn Räuber muss man Räuber nennen, Rechtsextreme eben auch Rechtsextreme und Anti-Demokraten jene nennen, die Freiheit, Toleranz und Menschenfreundlichkeit einschränken oder abschaffen wollen, sowie durch Unrechtssysteme, Unfreiheit, Intoleranz und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ersetzen wollen.
Des Weiteren Christian Lüth, der auf gut 20 Jahre Erfahrung im Bundestag zurück blickt, erst für die FDP, dann für die AfD. Den Posten als Sprecher der AfD verlor Lüth, weil er menschenverachtende und menschenfeindliche Aussagen gemacht habe laut FAZ … „im Gespräch mit einer rechten Aktivistin vor laufender Kamera habe Lüth gesagt, dass man Migranten nach Deutschland lassen solle, damit es dem Land schlecht gehe, denn das sei gut für die AfD.
„Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!“ (Quelle: FAZ vom 16.08.2024!)
Jan Schmidts Aussage als Arbeitgeber… “ jeder verdiene eine zweite Chance“ ist und bleibt vernebelndes Geschwätz mit dem Potenzial der Lüge. Faktisch ermöglichen AfD-Bundestagsabgeordnete „Faschisten“, Rechtsextremen und Reichsbürger den Eintritt durch die Hintertür in die Bundestagsverwaltung sowie auf die legislative Arbeit im Bundestag. Arbeitsverträge für Erklärte Gegner der Demokratie im Einflussbereich der Legislative zu verteilen, ist mehr als nur eine gefährliche Idee. Solche gesinnungsgeleiteten Verhaltensweisen sind weder bei Bundestagsabgeordnete, noch als Mitarbeiter akzeptabel. Sie entlarven sich selbst.
Weil die AfD-Fraktions- wie Parteiführung diesem Treiben kein Ende setzt, darf mit Fug und Recht festgestellt werden, dass diese menschenfeindliche Gesinnung Bestandteil der gesamten AfD-Fraktion ist.